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Triangle Strategy im Test: Ein wunderschönes Taktik-Fest für Game of Thrones-Fans

Ein episches Taktikrollenspiel mit hervorragendem Kampfsystem und einem ambitionierten, politischen Fantasy-Drama.

von Lukas Elstermann,
03.03.2022 15:00 Uhr

Triangle Strategy im GamePro-Test. Triangle Strategy im GamePro-Test.

Tomoya Asano und sein Team machen tolle Spiele mit scheußlichen Namen: Bravely Default, Octopath Traveler und nun das Switch-exklusive Triangle Strategy. In dem Taktikrollenspiel kehrt die aus Octopath Traveler bekannte HD-2D-Grafik zurück; 2D-Figuren bewegen sich durch eine 3D-Spielwelt, die an Klassiker wie Chrono Trigger erinnert, und in der sich 16-Bit-Modelle mit HD-Effekten vermischen.

Aber Triangle Strategy ist keine Fortsetzung von Octopath Traveler, sondern erzählt eine neue Geschichte. Und was für eine: Ein Epos über Liebe und Verrat in einer Welt, in der Frieden so zerbrechlich ist wie die Treue eurer Gefolgschaft. Das clevere, rundenbasierte Kampfsystem ist eine fantastische Hommage an Spiele wie Final Fantasy Tactics oder Tactics Ogre und dank einiger Kniffe weit mehr als nur Retro-Nostalgie. Aber die kleinteilige und verworrene Story bremst oft den Spielspaß etwas aus. 

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Worum geht's?

Seit ewigen Zeiten bekriegen sich die drei Reiche Glenbrock, Aesfrost und Heissand um Salz und Eisen. Eines Tages wird ein Waffenstillstand beschlossen – endlich herrscht Friede auf dem Kontinent Norzelia. 30 Jahre später schlüpft ihr in die Rolle von Serenoa, dem Thronfolger von Haus Wollfort in Glenbrock.

Im Laufe der Geschichte knüpft ihr Allianzen, rekrutiert neue Teammitglieder und findet heraus, wie fragil der ausgehandelte Frieden tatsächlich ist. Freunde werden zu Feinden, und scheinbar verbündete Königreiche fallen euch in den Rücken.

Die ambitionierte und verschachtelte Geschichte ist der Star von Triangle Strategy. Die ambitionierte und verschachtelte Geschichte ist der Star von Triangle Strategy.

Die Geschichte steht bei Triangle Strategy im Vordergrund. Ihr werdet mehr als die Hälfte der rund 50 Spielstunden nicht mit Kämpfen, sondern mit Zwischensequenzen über Machtverhältnisse und Intrigen verbringen. Ihr könnt euch nicht frei in der Welt hin- und herbewegen, sondern befindet euch immer dort, wo es die Story gerade verlangt. Frei umherlaufen dürft ihr nur während der “Erkundungstouren”, in denen ihr bestimmte Areale erforscht, zum Beispiel ein kleines Dorf. 

Dadurch wird das JRPG-typische Abenteuergefühl ziemlich eingeschränkt, was schade ist, denn die Welt an sich hätte es verdient, frei erkundet zu werden. Doch die Prioritäten liegen hier natürlich eindeutig bei den Taktikkämpfen.

Gibt es eine deutsche Sprachausgabe? Die Dialoge sind auf Englisch eingesprochen, die Texte sind allesamt auf deutsch, und zwar gut und fehlerfrei übersetzt. 

Fans von epischen Fantasy-Dramen wie “Game of Thrones” werden ihre Freude an den komplexen Figurenbeziehungen und den vielen Wendungen haben. Norzelia ist eine wundervolle Welt mit vielen Details, einer langen Geschichte und abwechslungsreichen Schauplätzen. Triangle Strategy nimmt sich viel Zeit, um die politischen Spannungen des Kontinents einzuführen; das ist allerdings nicht nur ein Vorteil: Häufig verläuft sich die Story in bürokratischen Einzelheiten (“Es gab da einige Kostenvoranschläge. Insbesondere solche, die eine Vergütung für Eisentransporteure zum Inhalt hatten.”); so vergeht häufig eine halbe Stunde, bevor ihr wieder kämpfen oder erkunden dürft. Eine bessere Balance zwischen Exposition und freiem Erkunden hätte dem Spiel gutgetan, um es für mehr Geschmäcker zugänglicher zu machen. 

Aber was tue ich in Triangle Strategy eigentlich?

Während der Dialogsequenzen wählt ihr eure Antworten aus drei Gesinnungen aus: Nutzdenken, Moral und Freiheit. Je nach Antwort festigt ihr eine der drei Gesinnungen. Egoistische Antworten festigen beispielsweise die Gesinnung Nutzdenken.

Der Clou: Ihr seht nicht, welche Antwort welcher Gesinnung entspricht. Ihr müsst also sorgfältig abwägen, denn nur wenn ihr konsequent entscheidet, erhöht ihr den Wert einer Gesinnung. Ein Beispiel: Wir haben im Test stets zum Wohle aller entschieden. Das brachte uns, ohne dass wir es wussten, eine hohe Freiheitsgesinnung ein, und das beeindruckte den friedliebenden Julio, der sich unserem Team angeschlossen hat. 

Während Abstimmungen wie dieser könnt ihr eue Verbündeten von eurer eigenen Meinung überzeugen – das Ergebnis entscheidet den weiteren Verlauf. Während Abstimmungen wie dieser könnt ihr eue Verbündeten von eurer eigenen Meinung überzeugen – das Ergebnis entscheidet den weiteren Verlauf.

Besonders interessant ist das Abstimmungssystem: An einigen Stellen muss euer Team darüber abstimmen, wohin es als nächstes gehen soll. Das stellt euch vor moralische Fragen (beispielsweise, ob ihr einem alten Freund zu Hilfe kommt oder stattdessen euer Reich verteidigt). Ein toller Einfall, denn jedes Mitglied eures Teams hat eigene Gründe, in die Schlacht zu ziehen oder einem Konflikt aus dem Weg zu gehen – und der nächste Kampf ist gleich viel spannender, wenn ihr wisst, was für eure Freunde auf dem Spiel steht. 

Vor der Abstimmung könnt ihr euer Team zudem von eurer eigenen Meinung überzeugen und dadurch versuchen, die Wahl zu euren Gunsten zu entscheiden. Die Abstimmungen haben Konsequenzen: Triangle Strategy hat nämlich verschiedene Enden, und welches ihr bekommt, hängt ganz von der Route ab, für die sich euer Team entscheidet. 

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Das Kampfsystem – ohne Plan seid ihr aufgeschmissen!

Bevor ein Kampf beginnt, stellt ihr ein neunköpfiges Team aus euren Verbündeten zusammen. Jedes Mitglied hat unterschiedliche Fähigkeiten: Eure rechte Hand Benedict verbessert zum Beispiel eure Statuswerte, und Federica aus Aesfrost entfacht Feuerzauber. Ihr kämpft auf einem Raster, das euch genau anzeigt, wohin ihr eure Figuren bewegen könnt und wo ihr vor gegnerischen Angriffen geschützt seid. 

Die Kämpfe sind lang und fordernd, aber zum Glück nie unübersichtlich. Die Kämpfe sind lang und fordernd, aber zum Glück nie unübersichtlich.

Das ist zwar nicht revolutionär, macht aber einfach Spaß. Vor allem, weil ihr viele Möglichkeiten für kreative Attacken habt. Ein Beispiel: Wenn zwei eurer Charaktere einen Gegner einkesseln, greifen beide Figuren im selben Zug an. Die Spionin Anna kann jedoch jedes Mal zwei Attacken ausführen. Wenn ihr also mit Anna einen Gegner umzingelt, könnt ihr letztlich sogar vier Mal in einem Zug angreifen. Hinzu kommen verschiedene Bodeneffekte (Pfützen oder Eis) sowie ein Extraschaden für Angriffe von oben. Treffer in den Rücken sind zudem immer kritisch – all diese Elemente lassen sich wunderbar intuitiv miteinander kombinieren. 

Gibt es Schwierigkeitsgrade? Ihr könnt jederzeit zwischen vier Schwierigkeitsstufen wählen. Selbst auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe sind die Kämpfe aber kein Zuckerschlecken. Ohne einen Plan seid ihr aufgeschmissen – versprochen! 

Großartige Optik und ein bombastischer Soundtrack

Der HD-2D-Look machte aus Octopath Traveler ein wunderschönes Pixel-Diorama mit viel Retro-Nostalgie und doch ganz eigenem Charme. Dieser Stil funktioniert auch hier. Das verschneite Aesfrost, das idyllische Wollfort, das imposante Glenbrock – jeder Ort fühlt sich dank der tollen Mischung aus 2D und 3D wie ein liebevoll gestalteter Fantasy-Schaukasten an. Auch der Soundtrack steht Octopath Traveler in nichts nach. Die Themen der drei Reiche sind bombastisch, die Kampfmusik ist episch. Warum auch subtil? Immerhin erzählt Triangle Strategy vom großen Abenteuer, von Liebe und Verrat. 

Am Ende überwiegt das Positive, vor allem die fantastischen Kämpfe, die euch euer ganzes taktisches Geschick abverlangen, und das tolle Abstimmungssystem. Gern hätten wir die Geschichte in ebenso guter Erinnerung behalten, aber aufgrund der Fülle an Informationen und der teilweise zu kleinteiligen Dialoge fällt es schwer, in diese Welt ganz einzutauchen. 

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