Die seit Monaten anhaltende Speicherkrise hat nicht nur Auswirkungen auf unsere eigenen Hardware-Käufe, sondern auch auf den Fortbestand von digitalen Archiven. Das zeigt die kommende Einstellung der Plattform Myrient. Hunderttausende Spiele samt zusätzlicher Software und Dokumentation sind dort abgespeichert, laut den Erstellern wurden über 390 Terabyte an Daten gesammelt.
KI-Boom zwingt Preservation-Projekt in die Knie
In einem Statement auf Telegram und Discord heißt es, dass das Myrient-Archiv zum 31. März 2026 geschlossen wird. Bei Myrient werden Abbilder von Arcade- und Konsolenklassikern gesichert, genau wie unter anderem:
- die Betriebs-Software (BIOS) von Retro-Konsolen sowie deren Peripherie und Zubehör
- eingestellte Spiele-Hefte
- Heft-CDs
- Fan-Übersetzungen beispielsweise von japanischen Spielen
- Bücher über Videospiele, die nicht länger produziert werden
- aus dem Verkauf gegangene oder kostenlose Eigenkreationen von Fans
- inoffizielle Fan-Updates
- DOS-Programme
Also so ziemlich allem, was sich aus Retro-Sicht dokumentieren lässt. Jetzt zieht der Leiter von Myrient aber dem Archiv den Stecker, da er laut eigenen Aussagen derzeit mehr als 6.000 Dollar pro Monat für die laufenden Kosten investieren muss. Über Spenden könne die Summe nicht mehr reingeholt werden.
1:24:27
Der Gaming-Kollaps: Diese Krise geht uns alle an
Dass die Kosten so rapide gestiegen sind, liegt laut seinen Aussagen an dem gigantischen Bedarf von KI-Datenzentren, die einen Großteil der weltweiten Speicherkapazitäten für sich einnehmen. In der Folge seien auch Kosten für Web-Server massiv gestiegen, was es unmöglich mache, ein riesiges Archiv wie Myrient zu betreiben.
Als weiterer Grund werden Web-Seiten genannt, die die Daten von Myrient gespiegelt haben, allerdings in Kombination mit virenverseuchten Downloadern oder Werbung für betrügerische Dienste.
Der Erhalt von Spiele-Klassikern ist eine rechtlich schwierige Angelegenheit
Für Spielevertriebe dürfte die Abschaltung von Myrient eine durchweg positive Nachricht sein. Denn das Archiv sammelte ohne Erlaubnis der Publisher auch Abbilder von Retro-Spielen, die in aktualisierten oder emulierten Formen beispielsweise per Switch Online-Abo angeboten werden.
Wie das möglich ist und was das für den Erhalt von alten Spielen bedeutet, das erfahrt ihr in unserem Special über Game Preservation:
Eine solche Archivierungsplattform vom Netz zu nehmen, zieht üblicherweise Unterlassungsklagen und juristische Auseinandersetzungen nach sich, und die verschlingen viel Zeit und Geld. Dabei ist die Lage eigentlich ziemlich eindeutig: Hält ein Publisher die Rechte, entscheidet er auch, was mit den Titeln passiert.
Auf der anderen Seite speichern Archive wie Myrient aber auch langfristig Werke für die Zukunft ab, falls offizielle Dienste wie vor einiger Zeit zum Beispiel der 3DS-eShop oder der Xbox 360-Store abgeschaltet werden.
Auch obskure und eher wenig nachgefragte Spiele sind dort abgesichert, genau wie Titel, die aus Lizenzgründen nicht mehr neu aufgelegt werden können.
Der legendäre Agenten-Shooter No One Lives Forever ist solch ein Fall, bei dem seit Jahren vergeblich versucht wird, den Eigentümer der Marke ausfindig zu machen. Um eventuelle, im Nachhinein gestellte Ansprüche zu vermeiden, schrecken alle involvierten Parteien vor einer Neuveröffentlichung zurück.
Diese Abwägung zwischen Verfügbarkeit und Lizenzrecht verdeutlicht, wie knifflig der Erhalt von alten Spielen eigentlich ist. Und das trotz der zig technischen Möglichkeiten, die uns heutzutage zum Erhalt der Titel zur Verfügung stehen.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.