Assassin's Creed - Wikinger oder nicht: Ich will einen Charaktereditor

Wer heutzutage ein Assassin’s Creed spielt, bekommt vermehrt RPG-Mechaniken geboten. Nach Lootsystem, Charakterfortschritt und Dialogoptionen soll jetzt der Charaktereditor folgen, findet Hannes.

von Hannes Rossow,
22.04.2020 16:30 Uhr

Am liebsten würde ich mir in Assassin's Creed meine eigene Meuchelmörderin basteln. Am liebsten würde ich mir in Assassin's Creed meine eigene Meuchelmörderin basteln.

Die Sterne stehen günstig, dass noch dieses Jahr ein neuer Assassin's Creed-Ableger erscheint. Ein Wikinger-Setting soll es angeblich sein, wenn wir den zahllosen Leaks und Gerüchten Glauben schenken wollen. Ob ich mich nun aber durch das skandinavische Mittelalter schlage oder meinem Assassinen-Kodex woanders treu bleibe, ist für mich nebensächlich. Alles ist mir recht, wenn ich nur endlich einen Charaktereditor bekomme.

Mehr Freiheiten für Assassinen

Mit Origins und Odyssey hat sich die Assassin's Creed-Reihe neu erfunden. Von stealth-lastigen Meuchelmördergeschichten in historisch korrekten Städten ging es über in gigantische Action-RPGs voller Loot, Talentbäume und Erkundungsdrang. Die neue Designphilosophie der Reihe ist eindeutig: spielerische Freiheit ist das A und O. Warum also beim Protagonisten aufhören?

Auf das Abenteuer von Kassandra hatte ich schon deutlich mehr Einfluss als bei früheren Ablegern. Auf das Abenteuer von Kassandra hatte ich schon deutlich mehr Einfluss als bei früheren Ablegern.

Klar, in Assassin's Creed: Odyssey konnte ich mich zwischen Kassandra und Alexios entscheiden. Was das Geschlecht betrifft, hatten wir also bereits die Entscheidungshoheit. Für ein modernes Assassin's Creed ist mir das aber zu wenig.

Es muss die richtige Frisur sein, die passende Haarfarbe, und ein Leberfleck an der richtigen Stelle kann auch nicht schaden. Was nach einem banalen Feature klingt, ist aber viel mehr als das. Ein Charaktereditor - richtig umgesetzt - kann mir eine Spielwelt näherbringen.

Hannes Rossow
@Treibhausaffekt
Hannes mag es, große Welten zu erkunden und Helden in bester RPG-Manier an seine Wünsche anzupassen. Auch Assassin's Creed gefällt ihm durch die letzten Änderungen an der Grundformel immer besser, nur der fehlende Charaktereditor ist weiterhin ein Problem. Ein bisschen mehr Freiheit würde der Reihe nämlich auch in diesem Punkt gut tun.

Plötzlich spiele ich dann nicht mehr das Abenteuer einer fremdbestimmten Protagonistin, sondern mein eigenes. Wenn ich eine Welt erkunde, neue Fähigkeiten erlerne und meinen Spielstil finde, dann will ich das auch mit meiner Spielfigur tun. Dieses Identifikationspotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Der große RPG-Trend der letzten Assassin's Creed-Titel zeigt aber: In diese Richtung könnte es gehen.

Meine Heldin, mein Abenteuer

Was viele nicht wissen (woher solltet ihr auch), bei der Charaktererstellung geht es mir nicht darum, mich selbst nachzubauen. Bei aller Selbstverliebtheit finde ich das dann doch eher langweilig. Ich will keinen Charakter, der mich abbildet, sondern nur einen Charakter, der mich präsentiert. Und das ist schon seit Jahren dieselbe Figur.

Darf ich vorstellen: Rosalinde!

Rosalinde begleitet mich schon seit über 10 Jahren. Rosalinde begleitet mich schon seit über 10 Jahren.

Egal ob Skyrim, Final Fantasy 14 oder Red Dead Online - immer wenn wir ein Charaktereditor zur Verfügung steht, wird Rosalinde zu meiner Heldin. Sie ist großgewachsen, hat kürzeres, komplett weißes Haar und grüne Augen. Auf den Nahkampf spezialisiert greift sie zu Zweihandschwertern oder Lanzen, beziehungsweise zeitgenössische Varianten wenn es gerade kein Fantasy-RPG ist.

Mit Rosalinde durch eine Spielwelt zu streifen, hat für mich eine andere Qualität, als wenn ich einen x-beliebigen Helden vorgesetzt bekomme. Ich mag The Witcher 3: Wild Hunt, aber dass ich auf Geralt festgenagelt war, hat mich bis zum Ende ein kleines bisschen gestört. Da ich mich aber sehr darauf freue, vielleicht ins Wikingerleben einzusteigen, wäre ein Assassin's Creed-Charaktereditor so ziemlich das wichtigste neue Feature für mich.

Der nächste Schritt in die Zukunft

Meine Begeisterung für Assassin's Creed ist noch sehr jung. So richtig Fahrt aufgenommen hat sie tatsächlich erst mit der Neuausrichtung der letzten Jahre. Vor allem Odyssey hat hier Pionierarbeit geleistet, da der komplexe Überbau aus "Templern vs. Assassinen" im Antiken Griechenland einfach noch keine Rolle gespielt hat.

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Und das mir einen frischen Einstieg ermöglicht, bei dem ich mich nicht mit Altlasten aus über 10 Jahren Franchise-Geschichte herumschlagen musste.

Ein Charaktereditor wäre hier - aus meiner Sicht - der nächste, logische Schritt. Weg von erzählerischen Ketten und hin zu mehr spielerischer Freiheit. Dazu passt auch das Dialogsystem, das Odyssey eingeführt hat. Wenn ich also nicht nur entscheide, wie die Heldin kämpft, sondern auch, wie sie sich in sozialen Situationen verhält und in wen sie sich verliebt, warum ist es denn noch wichtig, dass Ubisoft ihr Aussehen bestimmt?

Ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich auch für Assassin's Creed 2020 wieder eine riesige Spielwelt erwarte, die bis ins letzte Eckchen erkundet werden will. Und dieser Welt will ich meine eigenen Abenteuer erleben, mit meiner eigenen Heldin. Geht es da nun aber um Wikinger, oder doch etwas ganz anderes? Vollkommen egal, Rosalinde wäre für alles gewappnet.

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