Back 4 Blood ist keine Left 4 Dead-Fortsetzung und das ist gut so

Eleen hat Back 4 Blood angespielt und freut sich, dass das Spiel vieles wie Left 4 Dead macht - aber vieles auch einfach besser.

von Eleen Reinke,
08.08.2021 13:00 Uhr

Back 4 Blood liefert jede Menge Neuerungen. Back 4 Blood liefert jede Menge Neuerungen.

Klar, Back 4 Blood wird immer wieder als geistiger Nachfolger der Left 4 Dead-Reihe bezeichnet und das nicht ohne Grund. Entwickler Turtle Rock Studios hat nicht nur bereits das erste Left 4 Dead geschaffen, sondern auch viele Elemente der Formel in Back 4 Blood übernommen: Denn auch hier handelt es sich um einen Koop-Shooter in einer Zombie-Apokalypse, in der sich Spieler*innen von Safehouse zu Safehouse arbeiten und dabei mit Zombiehorden, speziellen Infizierten und Ressourcenknappheit kämpfen müssen. Selbst der PvP-Modus, in dem ein Team als Cleaner (also die menschlichen Überlebenden) und das andere als Infizierte gegeneinander antreten, gab es in ähnlicher Form schon in Left 4 Dead.

Dabei macht Back 4 Blood aber viel mehr, als nur stumpf die Formel fortzuführen, beschert dem Spiel damit auch ein paar willkommene Neuerungen und schafft dadurch eine gewisse Eigenständigkeit.

Left 4 Dead 2 ist für mich der bislang beste Koop-Shooter

Left 4 Dead 2 war in meinen Teenagerjahren eine ziemlich einzigartige Erfahrung für mich. Ich habe Zombiefilme geliebt und wollte gerne mit meinen Freunden zusammen zocken - aber bloß kein PvP, davor hatte ich damals als junge Frau mit wenig Erfahrung in Shootern Angst. Mit dem Koop-Shooter konnte ich mir diese beiden Wünsche erfüllen und entsprechend habe ich unzählige Stunden in L4D2 versenkt.

Heutzutage ist meine Auswahl an Spielen hier noch um einiges größer. Es gibt jede Menge Koop-Shooter (Borderlands, Warhammer: Vermintide 2 und Warframe, um nur einige zu nennen) und auch Zombies gehören bei vielen Shootern dazu. Red Dead Redemption etwa hat ein eigenes Zombie-Addon und auch zur Call of Duty-Reihe gehören Zombie-Modi dazu. Für mich kam dennoch kein Koop-Shooter jemals an Left 4 Dead 2 ran. Es hat einfach die perfekte Mischung aus Zombies, Koop-Gameplay und großartigen Charakterinteraktionen (wenn Ellis mal wieder eine Story über seinen Kumpel Keith erzählt, halte ich auch mal an, bis er fertig ist. Dann müssen die Zombies eben warten.)

Dementsprechend habe ich mich in Back 4 Blood natürlich sofort zuhause gefühlt, denn mit dem Spielprinzip bin ich bestens vertraut. Anders als noch in L4D2 gehen die Neuerungen aber über neue Infizierte, Waffen und Hilfsmittel (der Spielmodus Mutation kam erst nach Release hinzu) hinaus.

Aufgemotzte Kampagnen, eine neue Story und ein echter PvP-Modus

Die offensichtlichste Neuerung in Back 4 Blood ist wohl der PvP-Modus. Anders als noch in L4D findet der nicht in den einzelnen Kampagnen statt, in denen sich für das Überlebenden-Team zum PvE-Spielverlauf kaum etwas geändert hat. Entsprechend war es in diesem Modus für mich immer spannender, einen Infizierten zu spielen, denn das war tatsächlich eine sehr spezielle Erfahrung (auch wenn ich noch so schlecht als Hunter war).

In Back 4 Blood dagegen gibt es abgeschlossene Maps, auf denen sich die Cleaner vorab vorbereiten können und dann möglichst lange überleben müssen, während das Infizierten-Team versucht, sie so schnell wie möglich zu erledigen. Beim Testen entstand hier durch die relativ kompakten Areale (die zudem über den Spielverlauf auch noch schrumpfen) schnell jede Menge Stress und das trug enorm zum Spielreiz bei. Anders als in den größeren L4D-Arealen gibt es immer etwas zu tun und die Runden bleiben kurzweilig, da sie selten über 5 Minuten hinausgehen dürften.

Dabei fühlten sich die Infizierten beim Spielen fast schon zu mächtig an, wohl auch da den Cleanern kaum Raum zum Rückzug oder Heilen bleibt. Zumindest sind die Fähigkeiten der besonderen Infizierten schnell und intuitiv gelernt. Einige von ihnen sind nah an ihren Gegenstücken aus L4D, wie etwa der Exploder, der dem Boomer nachempfunden ist. Andere haben vollkommen neue Fertigkeiten, die sich wunderbar mit denen des Teams kombinieren lassen. Wenn etwa der Hocker in meinem Team einen Cleaner mit seinem Schleim am Boden festklebt, kann ich mit meinem Bruiser eine Schlagfolge auf das wehrlose Opfer loslassen.

Den PvP-Modus könnt ihr euch hier einmal ansehen:

Back 4 Blood: Trailer zeigt neues Gameplay und stellt PvP-Modus vor 2:32 Back 4 Blood: Trailer zeigt neues Gameplay und stellt PvP-Modus vor

Weniger offensichtlich, aber genauso willkommen sind mir die Änderungen in den PvE-Kampagnen. Zwar konnte ich beim Anspielen noch nicht alle Maps ausprobieren, aber bereits bei den getesteten war auffällig, dass es jede Menge Events auf den Maps gibt. Auch Left 4 Dead 2 hat solche Events, in denen etwa ein Auslöser bedient werden muss, der dann eine Zombiehorde anlockt. In der Kaufhaus-Kampagne etwa müssen Spieler*innen durch ein Fenster in besagtes Kaufhaus einbrechen, was den Alarm auslöst und damit Zombies anlockt.

Diese Events gibt es auch in Back 4 Blood, allerdings bieten sie mehr als nur Schema "lautes Geräusch machen, Infizierte kommen an". In einer Kampagne etwa ist der Weg über eine Brücke durch eine eklige mutierte Wulst versperrt, sodass wir erstmal zwei Knotenpunkte besagter Wulst finden und zerstören müssen, bevor es weiter geht. An anderer Stelle müssen wir eine Kirche absichern und als Safehouse herrichten - was gar nicht so einfach ist, wenn dabei die ganze Zeit Infizierte an uns nagen wollen.

Der Bruiser ist zwar nicht mit einem der Bosse vergleichbar, ordentlich zuschlagen kann er trotzdem. Der Bruiser ist zwar nicht mit einem der Bosse vergleichbar, ordentlich zuschlagen kann er trotzdem.

Dazu gibt es auch noch Bosse, wie den Ogre in der Evansburgh-Kampagne. Die sind ganz schön harte Brocken (tougher als selbst der Tank aus L4D), bringen aber auch Zusatzbelohnungen. Spieler*innen müssen sich also entscheiden, ob sie den Kampf aufnehmen oder versuchen wegzurennen. Denn ja, auch das ist eine Option. Wie spannend diese Events nach hunderten Spielstunden noch sind bleibt natürlich abzuwarten, aber sie geben mir die nötige Abwechslung vom Schießen und Looten.

Auch das Kartendecksystem ist als Neuerung interessant, da es dem Spiel eine kampagnenübergreifende und vor allem taktische Komponente gibt - auch wenn es sicherlich ein wenig Zeit braucht, sich dort reinzufuchsen. So kann ich mehrere Decks aus verschiedenen Karten bauen, die mir passive Boni wie etwa mehr Ausdauer oder auch Kupfer bei jedem Kill geben. Aus diesen Decks kann ich dann für jede Kampagne eines auswählen und mich entscheiden, ob ich etwa lieber als Heiler oder doch als Zombie-Tötungsmaschine spielen will. Zwar ist das System ziemlich komplex und kann am Anfang verwirrend sein, aber sich das perfekte Deck zusammenzustellen hat wohl für alle, die gerne ihre Charaktere bestmöglich ausstatten, einen ganz eigenen Reiz.

Das Kartensystem stell dieser Trailer einmal genauer vor:

Back 4 Blood - Neuer Trailer erklärt euch, was es mit den Karten auf sich hat 3:17 Back 4 Blood - Neuer Trailer erklärt euch, was es mit den Karten auf sich hat

Eine kleine aber feine Neuerung gibt es übrigens auch in der Story. Die komplette Geschichte ist natürlich noch nicht bekannt, aber zumindest wissen wir bereits, dass wir nicht einfach Überlebende in einer Zombieapokalypse spielen. In Back 4 Blood befinden wir uns nämlich inzwischen bereits in der Postapokalypse und die Cleaner sind Freiwillige, die ausziehen, um etwa Infizierte zu töten und Safehouses einzurichten. Das mag keine große Änderung sein, ist aber doch eine willkommene Abwechslung vom typischen Überlebenskampf. Zudem lässt es Raum für ganz andere Interaktionen zwischen den Charakteren, den Back 4 Blood dann hoffentlich auch nutzt.

Neben klassischen Kämpfern wie Walker sind hier etwa auch mit Holly eine Ärztin und mit Mom eine toughe ältere Anführerin dabei. Besonders letztere freut mich, denn Mom ist nicht nur verdammt cool, sondern auch eine alte Lady und davon würde ich gerne mehr in Spielen sehen.

Phil Robb, Gründer und Creative Director von Turtle Rock Studios hat es selbst gut gesagt:

"Ich hab eine Menge Spiele gemacht, die den typischen Videospiel-Helden haben, den großen muskelbepackten Typen. Und auf der anderen Seite die kurvige, sexy Frau. Nach einer Weile wird das schal. Es gibt Spieler da draußen, die so alt sind wie Mom. Und ich dachte mir immer, es wäre cool, eine mürrische, toughe alte Lady in einem Spiel zu haben. Und ich hatte das Gefühl, dass Spieler das auch cool finden würden."

Mehr als ein Nachfolger

Wie gut all diese Änderungen dann wirklich im fertigen Spiel funktionieren, bleibt natürlich abzuwarten. In meinem ersten Eindruck hat Back 4 Blood es aber zumindest geschafft, nicht nur die Magie von Left 4 Dead einzufangen - es hat mit seinen Änderungen die altbewährte L4D-Formel nicht nur ein bisschen aufgehübscht, sondern tatsächlich merklich verbessert. Und vielleicht schafft Back 4 Blood es ja sogar, nach knapp 20 Jahren endlich Left 4 Dead 2 für mich zu übertreffen.

Wenn ihr auch Lust auf die Back 4 Blood-Beta bekommen habt, findet ihr hier alle Infos dazu, wann sie startet und wie ihr teilnehmen könnt.

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