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Seite 2: Beyond: Two Souls - Durchschaubare Zaubershow

Noch was Cooles?

In einigen wenigen Momenten fragt uns das Spiel ganz direkt, wie es jetzt weitergehen soll. Wollen wir, dass sich Jodie mutig oder furchtsam verhält? Stark oder mitleidsvoll? Zumindest in unserer Preview-Fassung hätte das Spiel aber genauso fragen können: »Soll jetzt noch was Cooles passieren, oder sind wir hier fertig?« In der Regel wird man sich freudig für »Noch was Cooles!« entscheiden, denn Beyond scheint ein gelungen inszenierter Mystery-Thriller mit gehörigem Action-Einschlag zu werden.

Abstürzende Hubschrauber, sich wild überschlagende Transporter, jede Menge schön choreografierte Nahkämpfe und sogar ein paar gruselige Momente motivieren dazu, sich ins Zeug zu legen, damit man nichts verpasst. Womit wir jedoch wieder beim altvertrauten Spielmodell angekommen wären, das unseren erfolgreichen Analogstick-Einsatz belohnt. Zumindest dann, wenn unsBeyondechte Interaktivität nicht einfach nur vorgaukelt.

Beyond: Two Souls - Screenshots ansehen

Einmal beispielsweise ist Jodie mit typischer Verfolgerkamera auf einem Motorrad unterwegs (siehe Vorschau-Video, Seite 1), das der Spieler auch direkt steuern darf. Doch ob wir das Bike rechtzeitig in die Kurve lenken oder nicht, ist völlig egal. Tut man nichts, prallt Jodie folgenlos von der Leitplanke ab und fährt die Kurve danach allein zu Ende. In den Filmsequenzen kommtdas Spiel damit durch, weil eindeutig ist, dass unsere Kommandos nur darüber entscheiden, ob vielleicht eine andere Sequenz abgespielt wird.

Wenn uns jedoch auch die Kontrolle über ein Fahrzeug nur pro forma übergeben wird, wenn unsere Aktionen so offensichtlich reine Beschäftigungstherapie sind, beginnt man sich zu fragen, wozu man diesen Controller in der Hand hat. Es ist okay, wenn Cage und sein Team vom Publikum ihrer Zaubershow erwarten, dass es vielleicht nicht angestrengt nach dünnen Nylonfäden und Hohlräumen Ausschau hält. Aber man darf umgekehrt verlangen, dass sie ihre Spiegel nicht vor den Augen des Publikums auf die Bühne tragen.

Jodies Ausflug nach Somalia lies sich in unserer Vorschau-Fassung noch nicht spielen. Jodies Ausflug nach Somalia lies sich in unserer Vorschau-Fassung noch nicht spielen.

Körperloser Voyeur

Dass sich Beyond trotzdem deutlich mehr wie ein Spiel anfühlt, verdankt es der Einführung von Aiden. Die unsichtbare Kreatur ist nicht nur ein Dreh- und Angelpunkt der Handlung, sondern ein neues Feature. Während wir mit Jodie die Gegend erkunden, dürfen wir per Knopfdruck in die Perspektive von Aiden wechseln. Mit ihm fliegen wir körperlos umher wie mit einer virtuellen Kamera und können alle Wände und Objekte in der Umgebung einfach durchdringen, als wären sie nicht da. In manchen Szenen ist das ein überaus gelungener Einfall. Unsichtbar huschen wir umher, beobachten heimlich andere Personen und durchstöbern die mitunter sehr detailliert gestalteten Räume.

Da Quantic Dream aber vermeiden musste, an jedem Handlungsort nun ganze Straßenzüge zu modellieren, darf sich Aiden nie besonders weit von Jodie entfernen und stößt willkürlich auf undurchdringliche Wände. Die voyeuristische Erkundung der Spielwelt wird dadurch stark eingeschränkt, was zwar nachvollziehbar, aber manchmal auch etwas enttäuschend ist.

Die Schauspieler, darunter Ikone Willem Dafoe, wurden erstaunlich gut eingefangen. Die Schauspieler, darunter Ikone Willem Dafoe, wurden erstaunlich gut eingefangen.

Obwohl die Grafik für PS3-Verhältnisse in der Regel ausgezeichnet gelungen ist, wünscht man sich teilweise bessere Texturen herbei, um zum Beispiel Fotos, Zeitungsartikel und dergleichen im Detail erkennen zu können.

Technisch beeindruckend

Davon abgesehen ist Beyond aber ein technisch beeindruckendes Spiel. Insbesondere die Mimik der Darsteller ist in manchen Szenen atemberaubend gut eingefangen. Willem Dafoe als Nathan Dawkins und Ellen Page in der Hauptrolle als Jodie machen einen bemerkenswert guten Job. Das gilt besonders in Anbetracht der Tatsache, dass sie komplett vor Greenscreen-Kulissen agieren mussten und gerade Page auch noch häufig mit einem unsichtbaren Etwas redet, von dem keiner so genau weiß, was es ist.

Dank der nochmals verbesserten Gesichtsanimationen kommt es auch viel seltener zu Momenten, in denen die virtuellen Schauspieler wie gruselige Menschen-Imitationen wirken. Hier und da ist mal eine Mine zu versteinert, wirkt ein Gesichtsausdruck irgendwie seltsam, zudem im Großen und Ganzen ist es fantastisch, wie nuanciert die Figuren agieren.

Die aufwändigen Performance-Capture-Aufnahmen für Beyond ermöglichen erstaunlich realistische Gesichtsanimationen 5:18 Die aufwändigen Performance-Capture-Aufnahmen für Beyond ermöglichen erstaunlich realistische Gesichtsanimationen

Verschiedene Spielszenen, wie die Fahrt in einem Zug durch strömenden Regen, sind atmosphärisch wie technisch hervorragend umgesetzt. Wie schon in Heavy Rain fehlt es allerdings manchen Innenräumen an Leben. Das Haus von Jodies Eltern beispielsweise ist zu sauber und zu aufgeräumt, die Familienfotos und Erinnerungsstücke sind zu planvoll arrangiert, um tatsächlich wie ein Ort zu wirken, an demechte Menschen wohnen.

Überall dort, wo der Spieler mit Aiden frei herumwuseln darf, schaltet die Grafik auch gern mal einen Tick zurück. Dennoch: Selbst wenn sich der Wow-Effekt eines Heavy Rain natürlich nicht in vollem Umfang wiederholen lässt - was Beyond stellenweise an Echtzeitgrafik auf einer so betagten Konsole zustande bringt, bleibt bemerkenswert.

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