Dead Island 2 macht erstaunlicherweise verdammt viel richtig

Dennis konnte Dead Island 2 auf der gamescom anspielen und hat kein Spiel vorgefunden, das acht Jahre in der Entwicklungshölle gesteckt hat.

Wir konnten Dead Island 2 auf der Messe spielen und mit Entwickler Dambuster reden. Wir konnten Dead Island 2 auf der Messe spielen und mit Entwickler Dambuster reden.

Genre: Ego-Shooter Entwickler: Dambuster Studio Publisher: Deep Silver Plattform: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, PC Release: 03. Februar 2023

Ganze acht Jahre sind seit dem legendären Trailer von der E3 2014 ins Land gezogen, mit Dambuster werkelt der aktuell dritte Entwickler an Dead Island 2 und eigentlich sah alles danach aus, dass wir wenn überhaupt noch eine halbgare Zombie-Schnetzelei bekommen. Jetzt konnte ich das Actionspiel allerdings auf der gamescom anspielen und sieh an, das hat nicht nur mächtig Laune gemacht, hier wird dem Anschein nach ein Spiel entwickelt, das genau weiß wo die Stärken und Schwächen seines Vorgängers lagen.

Die große Überraschung: Keine Open World

Ich weiß nicht wie es euch erging, aber kommt mir Dead Island: Riptide in den Sinn, muss ich neben ein paar netten Ründchen mit Kumpels im Koop vor allem daran denken, wie unglaublich uninspiriert, repetitiv und dank Open World verwässert das Ganze war. Hätte mich Dead Island 2 jetzt auf eine neue Insel verfrachtet und den gleichen Aufguss in schick präsentiert, ich wäre wohl nach einer Stunde seelig vor dem Fernseher eingeschlummert.

Die erste frohe Kunde ist daher, dass sich Dambuster gegen eine weitläufige Open World entschieden hat und uns stattdessen ein paar fein säuberlich ausgewählte Level spendiert. Und keine Sorge: ich bin hier durch keinen engen Schlauch gelaufen. Vielmehr konnte ich das berühmte Santa Monica Pier von Zombie-Horden befreien und mich dabei am Strand ausreichend umschauen.

Dead Island 2 spielt auf keiner Insel, sondern in Los Angeles. Dead Island 2 spielt auf keiner Insel, sondern in Los Angeles.

"Umschauen" ist hier übrigens ein gutes Stichwort, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich hier ein so stimmungsvolles und optisch ansprechendes Spiel erwartet. Zwar ist der Umfang im Vergleich zu einer Open World natürlich deutlich reduziert, dafür kann in die einzelnen Areale jetzt aber auch mehr Feinschliff fließen.

Hirn aus, Action an?

Sind wir mal ehrlich, wenn wir einen Titel wie Dead Island nach einem harten Arbeits- oder Schultag in die Konsole legen, dann wollen wir hier leichte Kost. Also raus mit dem Katana, der Flammenaxt oder dem überproportional großen Vorschlaghammer und rein in die Action. Gefühlt anatomisch korrekt konnte ich beim Anspielen zunächst einmal am Strand ein wenig "aufräumen", was mit aktiviertem Rage-Modus besonders gut funktioniert.

In Dead Island 2 wird der Gore-Regler nämlich ganz weit nach oben geschraubt und speziell die Finisher lassen keine Zweifel offen, ob der modrige Lederlappen vielleicht doch nochmal aufsteht. Das tut er definitiv nicht! Definitiv!

Wie das Ganze aussieht, davon könnt ihr euch hier überzeugen:

Dead Island 2 - Das lang erwartete Zombiespiel meldet sich mit Gameplay-Trailer zurück 1:51 Dead Island 2 - Das lang erwartete Zombiespiel meldet sich mit Gameplay-Trailer zurück

Doch neben der seichten Splatter-Action kann Dead Island 2 auch gut fordern, dafür spricht zumindest meine erstaunlich hohe Anzahl an Toden während des Anspielens. Dambuster haben hier nämlich eine Art "Stein, Schere, Papier"-Prinzip implementiert, das in Ansätzen an Doom Eternal erinnert. Bedeutet, dass bestimmte Waffen besonders gut oder schlecht gegen gewisse Gegnertypen funktionieren.

Speziell in brenzligen Situationen, in denen viele Zombies über mich hergefallen sind, musste ich zum einen schauen, welchen Untoten ich zuerst ausschalte und zum anderen dabei schön mein Waffenarsenal durchrotieren. Das erinnerte fast schon an kleine Puzzles. Nutze ich das Katana gegen einen dicken, mit Helm und Schutzweste ausgerüsteten Bauarbeiterzombie, dann gehen meine Hiebe gefühlt ins Leere. Schalte ich den Elektro-Zombie nicht schnell genug aus und Laufe unbedacht durch eine Wasserlache, kribbelt das nicht nur leicht in den Fingern.

Einschätzung zu möglichen Schnitten der deutschen Version: Das finale Urteil der USK steht aktuell noch aus, ob wir auch hierzulande eine Uncut-Version bekommen ist unklar. Ein wichtiger Faktor für Schnitte ist aber wie beispielsweise in Dyling Light 2 brutale Gewalt gegen menschliche Gegner und vor allem Zivilisten.

Im Interview konnte uns Dambuster versichern, dass wir in Dead Island 2 ausschließlich gegen Zombies kämpfen, wodurch zumindest dieser Punkt bei der Bewertung wegfällt. Aufgrund des enorm hohen Gewaltgrads würden mich Schnitte aber dennoch nicht überraschen.

So spielen also nicht nur die Gegnertypen im Kampf eine Rolle, auch sollte man tunlichst auf seine Umgebung achten und auch mal den Blick nach unten werfen. Nicht nur einmal wurde ich von einem kriechenden Zombie überrascht.

Paradies für Crafting-Fans: Zwar konnte ich meine Waffen in der Demo noch nicht modifizieren, dass Crafting aber erneut ein wichtiges Feature ist, konnte uns Dambuster bestätigen. Wer im Spiel eine Werkbank sieht, hat hier je nach eingesammelten Materialien "hundertausende Möglichkeiten". Tausend hätten mir auch gereicht, aber gut.

Die Geschichte als spaßige Zugabe

In Dead Island 2 haben wir zu Spielbeginn die Wahl aus sechs unterschiedlichen Charakteren, die sich jedoch nur durch ihre Art die Spielwelt zu kommentieren voneinander unterscheiden. Als Beispiel wurde mir von Narrative Designer Ayesha Khan Stuntman Jacob beschrieben, der eine Art moderner Mick Jagger sein soll und dem freundlich formuliert alles egal ist und der jetzt im zombieverseuchten L.A. die Sau rauslässt.

Einen Eindruck von Jacob bekommt ihr hier im Trailer:

Dead Island 2 ist zurück und im neuen Render-Trailer wirds blutig 3:01 Dead Island 2 ist zurück und im neuen Render-Trailer wird's blutig

Dambuster sagen ganz klar, dass der Fokus auf der Action liegt und auf keiner tiefgründigen Story. Die Charaktere sollen mit ihren Kommentaren Spaß machen, nicht mehr und nicht weniger – und das ist in einem solchen Spiel auch voll ok. Auch soll uns die Story im Koop-Spiel mit bis zu zwei weiteren Freund*innen nicht allzu sehr aufhalten. Was wir aber laut Khan tun sollen, ist den witzig geschrieben Dialogen der NPCs lauschen und nach dem ein oder anderen Gag Ausschau halten.

Dead Island 2 will auch mit seiner Erzählung einfach nur Spaß machen, den ein oder anderen (hoffentlich guten) Joke abfeuern und uns ansonsten ganz viel Action bieten. Und hier schlagen wir auch die Brücke zum Beginn des Artikels: Man merkt dem Spiel an, dass sich ein Entwickler genau im klaren war, was Dead Island 2 ist und was nicht. Ziehen sie das im finalen Spiel von vorne bis hinten durch, dann erwartet uns am 03. Februar sicher ein überaus spaßiger und kurzweiliger Ausflug nach Los Angeles.

Dennis Michel
Dennis Michel

Ich hatte nach acht Jahren in der Entwicklung kaum noch Hoffnungen auf ein spaßiges Dead Island 2, doch was ich in Köln gespielt habe, macht ganz viel Hoffnung auf den Release im kommenden Februar.

Dambuster haben sichtlich verstanden, wo die Stärken des Zombie-Actionspiels liegen und haben den unnötigen Ballast über Bord geworfen und sich aufs Wesentliche konzentriert: Eine wuchtige, überaus blutige und nicht zu monotone Schnetzelei samt einem spaßigen Waffenarsenal, optisch ansprechende Locations und eine größtenteils irrelevante Story, die uns aber hin und wieder mit Gags bei Laune hält. Passt für mich, denn mehr brauche ich in solch einem Spiel schlicht nicht, um mit Kumpels im Koop meinen Spaß zu haben. Auch solche Spiele muss es geben.

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