Elden Ring: Dem Endgame fehlt, was das Spielt sonst so großartig macht

Samara ist bekanntlich großer Elden Ring-Fan. Ganz am Ende des Spiels hat ihr allerdings das gefehlt, was sie vorher so genossen hat.

von Samara Summer,
21.05.2022 16:00 Uhr

Was war da los am Ende? Was war da los am Ende?

Es ist kein Geheimnis: Ich bin Elden Ring völlig verfallen. Meine Reise durchs Zwischenland war geprägt von sehr vielen Höhen und nur ganz wenigen Tiefen. Nachdem ich den Highlights bereits einige Artikel gewidmet habe, verrate ich euch nun, warum ich einen Spielabschnitt im Endgame als kleine Durststrecke empfunden habe.

Spoiler-Warnung: Dieser Artikel enthält Spoiler zum kompletten Spiel.

Der "natürliche Spielfluss"

Kurzweilig: Das Wort kommt mir als erstes in den Sinn, wenn ich mein Elden Ring-Spielerlebnis beschreiben soll. Ja, es gibt Bosse, für die ich mehr als zehn Anläufe gebraucht habe, ich habe mich häufig verlaufen und mag nicht alle Gebiete gleich gern. Trotzdem hatte ich während meiner Reise die ganze Zeit das Gefühl, in einem natürlichen Spielfluss zu sein, der mich wie von alleine durchs Zwischenland trägt.   

Die Geheimnisse, die an allen Ecken und Enden warten, haben mich wie ein Magnet angezogen und das Spiel gab mir über große Strecken die Freiheit, sie in intuitiver Reihenfolge und Geschwindigkeit zu erkunden. Hielt mich mal ein harter Boss auf, musste ich den Kampf nicht zwangsweise gleich wiederholen, sondern konnte erst einmal in eine andere Richtung aufbrechen, um später gestählt zurückzukehren.

Manche Wegabschnitte ließen sich sogar komplett mit Alternativrouten umgehen. Das Ergebnis war, dass Frust und das Gefühl des Abarbeitens ausblieben – zumindest bis kurz vor Schluss.

Die Szenen auf dem Berggipfel der Riesen haben Samara Gänsehaut bereitet. Die Szenen auf dem Berggipfel der Riesen haben Samara Gänsehaut bereitet.

Highlight auf dem Berggipfel der Riesen

Auf der Zielgeraden haben mir nämlich genau diese Freiheit und die vielen Überraschungen gefehlt, die Elden Ring für mich so einzigartig machen. Bezeichnend dafür: Ich habe nur ein einziges Mal während des ersten Durchlaufs einen Guide zurate gezogen – und das war ziemlich gegen Ende, als ich wissen wollte, wie viele Pflichtbosse noch zwischen mir und dem finalen Endgegner stehen. Zum ersten Mal kam leichte Ungeduld auf. 

Das war nach dem epischen Riesen-Kampf auf dem Berggipfel der Riesen und der dramatischen Szene, in der ich das Feuer entzündete. Gefühlt war für mich an diesem Punkt der Höhepunkt des Abenteuers erreicht. Ich war bereit für das große Finale, aber das blieb erst mal noch aus. Was stattdessen kam, fand ich nicht mehr ganz so faszinierend wie den Rest. Das gilt auch schon für die zwei großen Bosse vor dem Feuerriesen, das Godfrey-Phantom und Morgott. 

Godfrey kehrt später noch mal zurück, nachdem wir ihn als Phantom bekämpft haben. Godfrey kehrt später noch mal zurück, nachdem wir ihn als Phantom bekämpft haben.

Zu linear und zu wenige Überraschungen 

Das Problem lag nur teilweise bei den Gegner-Designs. Ja, die zwei bereits erwähnten Feinde sowie Gideon Ofnir und das Duo der Götterskalpe hätte ich nicht wirklich gebraucht – was aber im Wesentlichen daran lag, dass ich schon so viel coolere oder einfach ähnliche Bosse besiegt hatte. 

Dagegen waren Maliketh als zweite Phase des Bestienklerikers, Godfreys Verwandlung in Hoarah Loux oder der finale Boss an sich ziemlich cool. In einem anderen Spiel oder einfach in einem anderen Spielabschnitt hätte ich diese Konfrontationen sicher zu schätzen gewusst. 

Stärker als das Boss-Lineup an sich fiel aber ins Gewicht, dass sich das Spielgefühl auf einmal veränderte, weil der Pfad viel klarer vorgegeben war und es weniger zu erkunden gab. Zudem wirkte die letzte Boss-Riege für mich langatmig und verlor etwas von der Spannung, die zuvor aufgebaut wurde. Verglichen mit den Aha-Erlebnissen, die ich bis dahin regelmäßig erlebt habe, blieb es relativ unspektakulär. 

Samara Summer
Samara Summer

Das erste Souls-Spiel, an das sich Samara rangewagt hat, war Dark Souls 3. Eigentlich wollte sie nur den ersten Boss probieren, doch kaum war dieser besiegt, war es um sie geschehen. Daraufhin hat die Autorin auch andere From-Titel nachgeholt. Ihre Favoriten waren bisher Demon's Souls und Bloodborne. Elden Ring konnte die beiden Titel in ihrer persönlichen Topliste aber sogar noch schlagen. Grund dafür sind die vielen Geheimnisse, Aha-Erlebnisse, kleinen Storys auf dem Weg und das komplexe, vielseitige Kampfsystem.

Was hätte ich mir stattdessen gewünscht? 

Ich hätte mir nicht einmal unbedingt einen kürzeren Endspurt gewünscht, aber auf jeden Fall einen kurzweiligeren. Auf Bosse, die in ähnlicher Form schon einmal vorkamen, wie zum Beispiel das Duo der Götterskalpe oder Godfrey (beziehungsweise eher seine Phantom-Form) hätte ich gerne verzichtet. 

Stattdessen hätten es mehr Gänsehaut-Momente sein dürfen, wie beim episch inszenierten Finale auf dem Berggipfel, beim Ergründen von Mohgs und Miquellas düsterer Geschichte oder einem der zahlreichen anderen Geheimnisse. 

Der schlafende Miquella gehört zu den vielen Geheimnissen im Spiel. Der "schlafende" Miquella gehört zu den vielen Geheimnissen im Spiel.

Versteht mich nicht falsch: Mir hat der letzte Spielabschnitt von Elden Ring immer noch Spaß gemacht. Aber eben gerade da ich den Titel für ein Meisterwerk halte, hatte ich einen krönenden Schluss erwartet. Stattdessen kam es mir vor, als würde das Spiel am Ende einige seiner größten Stärken vergessen. Für mich entstand dadurch ein Bruch – oder sagen wir: ein minimaler Kratzer im sonst so wundervollen Ring.

Wie ging es euch mit dem Endspurt in Elden Ring? Oder gab es eine andere Passage im Spiel, den ihr als schwächer empfunden habt?

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