Seite 2: Detroit: Become Human - Große Ziele und kleine Ideen

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Polizeiarbeit für Anfänger

Das klingt in der Theorie spannend, leider wirken viele Szenen, die sich aus diesem Geflecht ergeben, aber plump und oberflächlich. In der spielbaren und bereits vielfach gezeigten Mission "The Hostage" hantiert das Studio mit filmischen Klischees und inszeniert selbst die einfachsten Sachverhalte auf eine übertriebene Art und Weise. Als Vermittler-Android Connor muss ich für die Polizei eine Geiselnahme (wieder ist ein kleines Mädchen in Gefahr) auflösen, ohne dass weitere Menschen zu Schaden kommen.

Detroit: Become Human - Gamescom-Demo: Retten wir die Geisel? Video starten 18:29 Detroit: Become Human - Gamescom-Demo: Retten wir die Geisel?

Im Apartment, in dem der Haus-Android erst den Familienvater und anschließend einen anrückenden Polizisten erschossen hatte, suche ich nach Hinweisen, die mir vielleicht ein paar Hintergründe zur Tat geben. Verschiedene Anhaltspunkte in der Wohnung können analysiert und berechnet werden, damit ich vergangene Ereignisse rekonstruieren und sie mir dann anschauen kann. Dabei wird mir jede noch so kleine Information möglichst offensichtlich serviert und ich darf mir beiläufige Details, wie das Entnehmen der Waffe aus dem Schrank des Vaters, in jeder erdenklichen Kameraperspektive ansehen. Mit jedem Hinweis steigt die "Wahrscheinlichkeit", die Mission erfolgreich abzuschließen. Offenbar sind diese prozentualen Angaben aber nur Augenwischerei, denn laut Quantic Dream könne ich die Zahlen auch einfach ignorieren.

Bei dieser Detektivarbeit bin ich zu keiner Zeit gezwungen, die Puzzleteile einer komplexen Situation zusammenzufügen. Vielmehr präsentiert Detroit: Become Human jederzeit ein simples und glasklares Bild, das direkt aus den Skripten unzähliger TV-Krimis zu stammen scheint. So wird die Beziehung der Geisel zum Androiden ganz einfach mit einem Videoclip erklärt, den Connor auf dem Smartphone des Mädchens entdeckt. Dort strahlen Kind und Android in die Kamera und das Mädchen stellt klar, wie lieb sie die Haushaltskraft hat und dass ihr Android der Beste der ganzen Welt ist. Herausragende Fähigkeiten als Ermittler brauche ich dafür nicht.

Die Auseinandersetzungen zwischen Mensch und Android sind oft einseitig emotional geprägt. Die Auseinandersetzungen zwischen Mensch und Android sind oft einseitig emotional geprägt.

Grundkurs Philosophie

Ich bin unsicher, ob das genügt, eine umfangreiche Geschichte mit über 250 NPCs zu erzählen, die philosophische wie moral-ethische Themen angehen möchte. Schon die zentrale Frage, wie menschlich Androiden sind, gestaltet sich schwierig. Quantic Dream hat es zumindest in den mir gezeigten Szenen nicht geschafft, einen definierenden Unterschied zwischen Mensch und Android aufzuzeigen. Schließlich treffe ich selbst die Entscheidungen der Androiden und bestimme ihr Verhalten, das durch mich automatisch menschlich ist. Die Frage nach den emotionalen Motiven stellt sich gar nicht erst und der Konflikt zwischen Mensch und Android wirkt - zumindest in diesen beiden Situationen - künstlich.

Die herausragende Technik und grafische Präsentation des Spiels lenken in vielen Momenten sicherlich von diesen erzählerischen Problemen ab. Doch spätestens wenn der Wechsel zum nächsten Spielcharakter auf sich warten lässt und wir uns etwas länger mit einer Figur und ihren Problemen beschäftigen müssen, fürchte ich, dass Detroit: Become Human dann die Ideen ausgehen und wir uns wundern, wo denn die großen Fragen und Antworten bleiben, die uns David Cage versprochen hat.

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