Dragon Ball Z - Warum lässt der Anime seine Nebenfiguren so sehr im Stich?

Das allseits beliebte Franchise könnte noch mehr Fans für sich begeistern, wenn Dragon Ball wirklich aus den Vollen schöpfen würde, findet Hannes. Stattdessen liegt der Fokus fast nur auf Son Goku.

von Hannes Rossow,
13.08.2019 18:00 Uhr

Der Cast von Dragon Ball war schon immer groß - allzu oft liegt der Fokus aber auf den "Stars". Der Cast von Dragon Ball war schon immer groß - allzu oft liegt der Fokus aber auf den "Stars".

Jedes neue Abenteuer, das es im Dragon Ball-Universum zu bewältigen gilt, verläuft im Grunde stets nach demselben Muster. Ein neuer Bösewicht taucht auf, bedroht die Erde und stellt mit seiner Kampfkraft alles Dagewesene in den Schatten. Da hilft nur eines: nach ein paar anfänglichen Niederlagen muss Goku solange trainieren, bis die nächste Power-Stufe erreicht ist und der Fiesling verprügelt werden kann.

Eigentlich ist es also ziemlich albern, daran jetzt noch Kritik zu üben - immerhin ist dies das Erfolgsrezept, mit dem sich das Dragon Ball-Franchise seit über 30 Jahren an der Spitze hält. Dennoch wurmt mich hier eine Kleinigkeit, die meiner Meinung nach dazu führt, dass Dragon Ball mit jedem neuen Story-Bogen jede Menge Potenzial verschenkt. Denn viele Charaktere bleiben hier einfach auf der Strecke.

Im Schatten von Son Goku

Wirklich stärker werden nämlich immer nur Son Goku und Vegeta. Zumindest in dem Sinne, dass es oft die beiden Saiyajins sind, die bei den großen Bösewichten letztlich für die Entscheidung sorgen. Der gigantische Cast aus Nebencharakteren, die teilweise seit dem Beginn der Serie dabei sind, werden aus Plot-Gründen regelmäßig übergangen. Das ist unglaublich schade, denn etwas mehr Abwechslung würde vielen Kämpfen wirklich gut tun.

Der Ultra Instinct ist das jüngste Beispiel für die nächste Kraftsteigerung von Son Goku. Der Ultra Instinct ist das jüngste Beispiel für die nächste Kraftsteigerung von Son Goku.

Versteht mich aber bloß nicht falsch, der ewige Konkurrenzkampf zwischen den einstigen Erzfeinden Goku und Vegeta hat durchaus seinen Reiz - gerade weil der Saiyajin-Prinz eine umfangreiche Charakterentwicklung durchgemacht hat. Aber was ist mit Piccolo? Oder eben Krillin? Sogar Figuren wie Tenshinhan waren einmal wichtig und gerieten dann in die Spirale der Bedeutungslosigkeit.

Klar, Son Goku ist nun einmal der Star von Dragon Ball und muss am Ende einfach der Stärkste bleiben, seine komplette Persönlichkeit ist immerhin auf diesen Ehrgeiz ausgerichtet. Und Vegeta schlägt in seiner Eifersucht dieselben Wege ein. Jedes Upgrade von Son Goku wird Vegeta über kurz oder lang ebenfalls erreichen - immer ein kleines bisschen später. Aber diese Dynamik kennen wir nun schon in- und auswendig.

Zu Unrecht vergessen

Ich würde es mir schlicht wünschen, wenn auch andere Charaktere mal das Ruder übernehmen und zeitweise wieder die Stellung halten. Als Namekianer könnte Piccolo ganz einfach eine erneute Fusion hinter sich bringen, um wieder zu Son Goku aufzuschließen, wenn auch nicht für ewig. Krillin könnte als (vielleicht) stärkster Mensch der Erde sicherlich ebenfalls wieder ein bisschen auf den Putz hauen - im Dragon Ball-Universum ist alles möglich.

Dank seiner Teufelsspirale konnte Piccolo noch das Ende von Radditz besiegeln - mit jedem Story-Arc wurde der Namekianer aber immer passiver. Dank seiner Teufelsspirale konnte Piccolo noch das Ende von Radditz besiegeln - mit jedem Story-Arc wurde der Namekianer aber immer passiver.

Leider gibt es immer wieder Erklärungen dafür, warum sich einst relevante Charaktere aus dem aktiven Geschehen zurückziehen und damit das Rampenlicht ganz allein dem Saiyajin-Duo um Goku und Vegeta überlassen. Piccolo verliert die Lust am Kämpfen und wird lieber zum taktischen Beobachter, Son Gohan geht nach seinem Sieg über Cell einfach an die Uni, Krillin wird ein gemütlicher Familienvater und sogar Buu ist trotz seiner enormen Stärke ein bloßer Comic Relief.

Das war aber nicht immer so. In der Namek-Saga konnte Piccolo durch seine Verschmelzung mit Nehl noch einmal kräftig dazugewinnen und war kurzzeitig der einzige, der Freezer die Stirn bieten konnte. In der Cell-Saga war es Tenshinhan, der dessen zweite Evolutionsstufe in Schach halten konnte, um C-18 und C-16 die nötige Zeit zur Flucht zu ermöglichen. Diese Momente im Rampenlicht gab es aber immer seltener.

Alles könnte so viel spannender sein

Dragon Ball Super zeigte beim Turnier der Kraft ein paar interessante Ansätze und brachte beispielsweise C-17 zurück, der plötzlich zum heimlichen Helden wurde. Sogar Muten-Roshi, der Herr der Schildkröten, stieg noch einmal in den Ring. Am Ende waren diese Szenen aber oftmals dem Turnier-Charakter geschuldet - sie waren eben an der Reihe, um gegen andere, am Ende unbedeutende Gegner anzutreten. Und es ging eher darum, nicht zu sterben als wirklich über sich hinauszuwachsen.

Das Comeback von C17 in Dragon Ball Super könnte als Beispiel herhalten, wie man "ausgediente" Nebencharaktere wieder relevant werden lässt. Das Comeback von C17 in Dragon Ball Super könnte als Beispiel herhalten, wie man "ausgediente" Nebencharaktere wieder relevant werden lässt.

Ich habe mir immer gewünscht, dass der alte Geist der "Z-Kämpfer" noch einmal heraufbeschworen wird. Ein großer Cast an aktiven Figuren, bei denen Goku und Vegeta zwar die Speerspitze bilden, die aber auch für sich allein ordentlich Schlagkraft haben und den teilweise Episoden überspannenden Schlachten ihren Stempel aufdrücken.

Hier lag für mich auch der große Reiz an Spielen wie Dragon Ball FighterZ. Der hervorragende Prügel-Hit sah nicht nur so aus wie die Original-Serie, sondern bot mir auch die Gelegenheit mit Nebenfiguren anzutreten, die dank Balancing auf demselben Level wie die Superstars waren. Ein schöne Erinnerung daran, wie reichhaltig die Welt von Dragon Ball eigentlich sein könnte.

Auch wenn sie weiterhin vertreten sind und abseits der Kämpfe durchaus am Verlauf der Geschichten beteiligt sind, müssen viele Fan-Lieblinge auf den billigen Sitzen Platz nehmen, wenn es ums Eingemacht geht. Und das ist zumindest für mich einer der Hauptgründe, warum mich das Dragon Ball von Heute längst nicht mehr so begeistern kann, wie das Dragon Ball von damals.

Welcher Charakter sollte wieder zu alter Stärke finden?


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