Ghost of Tsushima: Iki Island im Test: Mehr vom (sehr guten) Gleichen

Mit Veröffentlichung des Director’s Cuts von Ghost of Tsushima auf PS4 und PS5 erscheint auch die Story-Erweiterung Iki Island, die uns auf eine neue Insel führt und qualitativ mit dem sehr guten Hauptspiel mithalten kann.

von Dennis Michel,
19.08.2021 14:00 Uhr

Die Iki Island-Erweiterung von Ghost of Tsushima im Test. Die Iki Island-Erweiterung von Ghost of Tsushima im Test.

Ghost of Tsushima hat 2020 mit seiner wunderschönen Spielwelt, seinen sympathischen Figuren und seinem spaßigen Action-Gameplay aus der Masse der Open World-Spiele herausgefunkelt wie Held Jins geschliffenes Katana im gleißenden Licht der fernöstlichen Mittagssonne. Entschuldigt, wenn's um das Samurai-Abenteuer für PS4 und PS5 geht, werden wir immer leicht poetisch.

Im Zuge der Veröffentlichung des Director's Cuts, einer Complete Edition samt Story-Erweiterung, dürfen wir jetzt abseits Tsushimas mit Jin die Insel Iki erkunden. Wir haben das Addon unter die Lupe genommen und festgestellt, dass heruntergebrochen mehr vom sehr guten Altbekannten mit kleineren Neuerungen auf euch zukommt.

Alter Feind, neue Insel

Habt ihr den ersten Akt des Hauptspiels gemeistert, könnt ihr ähnlich dem Frozen Wilds-Addon von Horizon Zero Dawn den Iki Island-Pfad einschlagen. Auf der kleinen, benachbarten Insel - die Größe ist in etwa vergleichbar mit dem südlichen Teil Tsushimas - hat sich ebenfalls die mongolische Bedrohung breitgemacht und droht jetzt, Jins Heimat aus dem Südosten zu terrorisieren. Das kann der tapfere Samurai natürlich nicht zulassen und beschließt ohne zögern, sich dem Übel auf Iki Island entgegenzustellen.

Die Befreiungsaktion endet jedoch in einem Desaster: Nicht nur kentert Jins Boot bei der Überfahrt, auch wird er schnell vom "neuen" Feind gefangen genommen. Und wäre das nicht schon schlimm genug, wird unser mutiger Held von der Anführerin der Mongolen vergiftet, einer Schamanin namens Adler. Mit Hilfe von Plünderer Tenzo, Soldat der letzten wehrhaften Fraktion auf Iki, entkommt er jedoch und die Mission "Töte Adler, verjage die Mongolen" startet.

Schamanin Adler ist Jins Gegenspielerin. Gleich Khotun Khan hat ihr Charakter im Gegensatz zu den NPCs jedoch wenig Tiefe. Schamanin Adler ist Jins Gegenspielerin. Gleich Khotun Khan hat ihr Charakter im Gegensatz zu den NPCs jedoch wenig Tiefe.

Was wir fortan während den circa vier bis fünf Stunden auf den Hauptpfaden erlebt haben, reicht rein von der Geschichte an das gewohnte, sehr gute Niveau der Kampagne von Ghost of Tsushima heran.

Erneut sind die nahbaren Nebenfiguren und Jin samt seiner düsteren, von grausamen Kriegszügen durchzogenen Vergangenheit das Highlight. Erneut bekommen wir aber auch eine Antagonistin, die zwar durch die Folgen der Vergiftung in Halluzinationen immer wieder zu Jin spricht, sonst aber gleich Khotun Khan eindimensional und blass bleibt. In diesen surrealen Traumsequenzen färbt sich das Bild lila, es wird düster und Krähen kreisen unheilvoll über unserem Samurai. Ein wenig erinnert das Ganze an die Drogentrips aus Far Cry 3, ohne aber an deren Qualität heranzureichen.

Unser Test-Talk zum Director's Cut und der Iki Island-Erweiterung. 10:40 Unser Test-Talk zum Director's Cut und der Iki Island-Erweiterung.

Habt ihr die recht kompakte Hauptmission abgeschlossen, warten noch wenige lohnenswerte Nebenmissionen auf euch, welche sich um bekannte NPCs wie die Anführerin der Plünderer drehen, die auf der Suche nach ihrer Tochter in ein moralisches Dilemma gerät. Auch ein bekanntes Gesicht aus dem Hauptspiel trefft ihr in einer der Missionen wieder - und ohne hier zu viel zu verraten, wir mussten beim unerwarteten Wiedersehen doch sehr schmunzeln. Abseits davon erwarten euch neue mythische Geschichten, die in die Folklore Japans eintauchen und wieder eine schöne Abwechslung sind.

Neue Herausforderungen, neuer Sammelkram: Auf Iki Island dürft ihr jetzt an Bogenherausforderungen teilnehmen (Schieße in kurzer Zeit mehrere Lampen ab) und für Katzen (kein Witz) in einem simplen Minispiel Flöte spielen - streicheln dürft ihr sie natürlich ebenfalls. Abseits davon erfahrt ihr durch sammelbare Schriftrollen noch mehr Hintergrundinfos über die Invasion der Mongolen auf dem Eiland. Und klar, heiße Bäder dürft ihr auf Iki wie im Hauptspiel natürlich auch nehmen oder Bambusständen mit Jins Katana einen neuen Schnitt verpassen. Hier bleibt sich Ghost of Tsushima treu und bietet kleine, nette Neuerungen.

Eine der neuen Herausforderungen: Wir dürfen für Katzen Flöte spielen und ja, wir dürfen unsere felinen Freunde auch streicheln. Eine der neuen Herausforderungen: Wir dürfen für Katzen Flöte spielen und ja, wir dürfen unsere felinen Freunde auch streicheln.

Apropos Tiere: Neben den Katzen spielt auch Jins Pferd eine größere Rolle im Addon. Das treue Ross nimmt nicht nur einen größeren Part in der Geschichte ein, sondern kann jetzt mit einem Sturmritt Feinde in Windeseile über den Haufen galoppieren. Sind wir in der Standard-Edition noch oft während der Kämpfe vom Sattel gestiegen, hatten wir hier sehr viel Spaß, den Mongolen aus erhöhter Position einen über den Schädel zu ziehen.

Iki, du fernöstliche Schönheit

Das Action-Adventure von Sucker Punch ist dank seines Artstyles und seiner laubigen Schauplätze eines der schönsten Spiele der vergangenen Jahre. Auch Iki Island hat uns sehr (!) häufig regelrecht dazu gezwungen den leicht erweiterten Fotomodus zu öffnen. Malerische Klippen, von grünem Farn überwucherte Steppen und verlassene Dörfer und idyllische Blütenwiesen. Das optische Niveau aus dem Hauptspiel wird gehalten, erwartet jedoch nichts außergewöhnliches auf der Insel, das sich von der gewohnt bodenständigen, realitätsnahen Open World abhebt.

Davon ab hatten wir ähnlich dem Hauptspiel keine Probleme mit der Technik, auch von Bugs wurden wir verschont. Auf der PS5 könnt ihr das Spiel zudem in 4K und 60fps genießen, auf der PS4 Pro wählt ihr wie gewohnt zwischen zwei Grafikmodi (Auflösung/Framerate).

Neuerungen des Director's Cuts

Abschließend wollen wir noch auf die Unterschiede zur Standardversion von Ghost of Tsushima eingehen und auch auf den kostenlosen Patch, der zum Release am 20. August erscheint.

Neue Director's Cut-Inhalte auf PS4/PS5: Neben dem bereits erschienenen Multiplayer GoT: Legends und dem vierten Schwierigkeitsgrad, erwartet euch natürlich die Iki-Erweiterung. Zusätzlich gibt's ein digitales Artbook.

Neue Director's Cut-Inhalte auf PS5:

  • haptisches Feedback und Unterstützung der adaptiven Trigger des DualSense
  • 3D-Audio
  • Lippensynchronität der japanischen Sprachausgabe

Die kostenlosen Inhalte für alle GoT-Versionen: Die neben dem freien Controller-Mapping wohl wichtigste Neuerung ist die Lock-on-Funktion, deren Fehlen in unserem Test zum Hauptspiel ein kleiner Kritikpunkt war. Nun wurde sie ergänzt, jedoch mehr schlecht als recht. Zu oft wird der falsche Gegner anvisiert und man spürt deutlich, dass die Funktion nicht zum flüssigen Freeflow-Kampfsystem passt. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass auch die separate Kooperweiterung Legends mit "Rivals" einen weiteren Modus spendiert bekommt. Alle Infos dazu findet ihr in unserer News zur Ankündigung.

Spielstand übertragen: Habt ihr das Hauptspiel bereits gespielt, könnt ihr eure Daten problemlos via Cloud oder externem Speichermedium auf die PS5 übertragen.

Insgesamt ist der Director's Cut speziell für Neulinge ein regelrechtes Umfangsmonster. Gehört ihr zur Fan-Fraktion, wollt mehr vom sehr guten Gleichen, müsst ihr lediglich noch entscheiden, ob sich der Aufpreis von 20 Euro (PS4) bzw. 30 Euro (PS5) für die Neuerungen lohnt. Rein von der Qualität bleibt sich Sucker Punch auf jeden Fall treu und wir hatten eine sehr gute Zeit auf Iki Island.

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