Habt ihr euch den neuen Trailer zum Stranger Things Spin-off Tales from ‘85 angeschaut, seid ihr als Fans der Netflix-Serie womöglich leicht zusammengezuckt. Und das nicht, weil Mike, Hopper und Elf plötzlich in Comic-Optik über den Bildschirm laufen, sondern weil ihre deutschen Stimmen so befremdlich klingen.
Werden Teile des originalen Synchron-Cast für ein Spin-off ausgetauscht, ist das zwar meist ungewohnt, für mich in der Regel aber kein Beinbruch. Doch hinter der kompletten Neubesetzung bei Tales from ‘85 steckt eine äußerst unschöne Hintergrundgeschichte.
Boykott wegen KI-Skandal: Das steckt hinter der Neubesetzung bei Stranger Things
Warum wir im neuen Trailer keine vertraute deutsche Synchronstimme zu hören bekommen, hat Will-Sprecher Tom Ferenc die Woche über auf TikTok verraten. Seid ihr nicht im Bilde, will ich euch das aktuell stark diskutierte Thema einmal zusammenfassen.
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Ab wann Stranger Things: Tales from '85 auf Netflix läuft
Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist laut einer Reportage des Spiegel eine neue Netflix-Vertragsklausel für Synchronsprecher*innen, in der es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz geht.
Die KI-Klausel gestaltet sich wie folgt: Wer künftig Eigenproduktionen des Streaming-Dienstes seine Stimme leiht, stimmt automatisch zu, mit seiner aufgenommenen Stimme ohne zusätzliche Vergütung eine KI zu trainieren. Für welche Serien oder Filme Netflix fortan die Stimmen einsetzt, ist dabei komplett ihnen überlassen und die Bezahlung erfolgt erst, wenn eine Stimme in einer Produktion zum Einsatz kommt.
Die Debatte rund um Netflix ist dabei allerdings weit größer, als es zunächst den Anschein hat. Es geht nicht nur um den Zwang von Synchronsprecher*innen einer KI-Klausel zuzustimmen, wodurch die Kontrolle über den Einsatz der eigenen Stimmen verloren geht. Es geht auch darum, in welchen Bereichen künstliche Intelligenz sinnvoll zum Einsatz kommt und in welchen sie der Authentizität von Kunst massiv schadet.
Ich will kein gefaktes Entertainment
Genauso wenig, wie ich rein von der KI erstellte Videospiele möchte, möchte ich mir künftig auch keine Netflix-Serien anschauen, in denen Figuren von KI vertont werden.
Einsatz von KI in der Unterhaltungsbranche oder generell in der Kunst ist keine Frage von Qualität. Es ist eine Frage der Authentizität. Ich möchte von echten Menschen unterhalten werden, wo ich bestenfalls spüre, wie ihr Können und ihre Leidenschaft in ein Werk geflossen sind – nicht von einer KI, die mir selbiges leidlich vorgaukelt.
Ein kleines Zeichen
Da ich selbst kein großer Fan des Wortes “Boykott” bin, das in der westlichen Welt öfter mit Doppelmoral einhergeht und Leute kritisiert, die den eigenen Weg nicht mitgehen, noch ein paar Worte zum Abschluss. Auch, damit die Kolumne nicht als Aufruf an euch verstanden wird.
Ich werde Tales from ‘85 auslassen. Nicht aufgrund eines ungewohnten neuen deutschen Synchron-Cast, sondern weil dahinter weit mehr steckt. Nämlich wie Tom Ferenc aufzeigt eine Entwicklung, die ich in der Form komplett daneben finde. Und es wäre wirklich toll, wenn Netflix die KI-Klausel für Synchronsprecher*innen zumindest entschärft und sie optional macht.
Ansonsten ist es nämlich nicht ausgeschlossen, dass wir künftig immer weniger deutsche Synchros auf dem Streaming-Portal erleben oder noch schlimmer: Originalstimmen, die von der KI ins Deutsche übersetzt werden und denen es an jeglicher Authentizität mangelt.
Habt ihr die Debatte um die KI-Klausel von Netflix miterlebt und wie seht ihr das Thema? Schreibt es mir gerne in die Kommentare.
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