Ich wusste nicht, dass ich eine Pferde-Sim in der Mongolei des 13. Jahrhunderts brauche, aber Legend of Khiimori hat mich überzeugt

Die Legende von Khiimori ist jetzt im Early Access erschienen und Max verrät euch, wie ihm der ungewöhnliche Mix aus Pferde-Sim und Death Stranding gefallen hat.

Mein Ersteindruck zu The Legend of Khiimori. Mein Ersteindruck zu The Legend of Khiimori.

Als The Legend of Khiimori 2024 angekündigt wurde, hatte es sofort meine Aufmerksamkeit. Eine Kurier-Simulation in der Mongolei des 13. Jahrhunderts, die sich auf Pferde und Wegfindung konzentriert, gibt es immerhin nicht alle Tage! 

Nun konnte ich bereits vor dem kürzlichen Early Access-Start einen Blick auf die Steam-Version werfen und muss sagen: Ich hatte bereits viel Spaß, aber Entwickler Aesir Interactive aus München hat auch noch viel Arbeit vor sich.

Video starten 1:27 Windstorm: The Legend of Khiimori kündigt Release-Termin für den Early Access an

Darum geht es in The Legend of Khiimori

Ich übernehme die Rolle von Naraa, einer jungen Kurierreiterin in der historischen Mongolei. Mit ihr erkunde ich aus der Schulterperspektive und auf dem Rücken selbst gezüchteter Pferde die große, handgebaute Open World. Dabei liefere ich Pakete an ansässige Dörfer und muss mich auf meinen Reisen an die Gefahren und Hindernisse der Natur anpassen.

Mit abgeschlossenen Aufträgen verdiene ich Geld und Ressourcen, die sich wiederum in Upgrades und nützliche Crafting-Items umwandeln lassen, um für längere Reisen oder besonders unwirtliche Umgebungen besser gerüstet zu sein.

Der Vergleich mit Death Stranding lässt sich kaum verhindern. Tatsächlich geht Khiimori spielerisch in eine ganz ähnliche Richtung, denn Naraa hat es sich zur Aufgabe gemacht, das eigene Handelsnetzwerk in der Region zu erweitern und neue Verbündete zu erschließen – ganz im Stil von Sam Porter Bridges, nur eben ohne Baby-Tanks und USB-Sticks.

Die Weiten der Mongolei sind sehr hübsch anzusehen. Die Weiten der Mongolei sind sehr hübsch anzusehen.

Außerdem spielen Pferde eine sehr große Rolle in der Mongolei. Als einziges Fortbewegungsmittel für lange Strecken muss ich meine treuen Vierbeiner gut pflegen und später auch so züchten, dass sie zum Beispiel mehr Gewicht tragen können, schneller werden oder Hitze besser aushalten.

Eine richtige Story-Kampagne solltet ihr zum jetzigen Zeitpunkt nicht erwarten. Im Laufe der Early-Access-Phase sollen entsprechende Quests jedoch ins Spiel gebracht werden.

Erstaunlich viel Survival, aber trotzdem entspannt

Was mir besonders gut gefallen hat, ist das Balancing aus fordernden Survival-Features, über die ich mir wirklich Gedanken machen muss, und den spürbaren, aber nicht allzu bestrafenden Nachteilen, wenn ich schlecht plane.

Bevor ich mit einer neuen Lieferung aufbreche, sollte ich mir nämlich gut anschauen, wo das Zielgebiet liegt. Sofern ich den klassischen Nebel auf der Map in bereits bereisten Arealen gelüftet habe, erkenne ich beim Blick auf die Landkarte sehr gut, welche Hindernisse mich erwarten. 

In steilen und felsigen Gebirgen komme ich etwa nur langsam voran, ein reißender Fluss kann zum kaum überwindbaren Hindernis werden und auf mancher flachen Ebene weht ein so starker Wind, dass an schnelles Galoppieren nicht zu denken ist.

Ich decke die Karte nach und nach auf. Hier sehe ich gut erkennbar welches Gelände mich auf meinem Weg erwartet und kann Marker zur Orientierung setzen. Ich decke die Karte nach und nach auf. Hier sehe ich gut erkennbar welches Gelände mich auf meinem Weg erwartet und kann Marker zur Orientierung setzen.

Klassische Survival-Features wie Hunger, Durst und sogar Sauberkeit spielen ebenfalls eine Rolle, beziehen sich aber immer auf mein Pferd. Naraa selbst will also nichts essen, aber trotzdem muss ich genug Vorräte einpacken, um auf langen Strecken nicht liegen zu bleiben.

Stattdessen arbeitet Khiimori mit einer anderen, wichtigen Ressource: Zeit. Ich kann mich zwar kopflos und ohne Proviant auf den Weg machen, laufe dann aber Gefahr, dass sich mein Pferd verletzt und dadurch langsamer wird oder etwa das Springen wegen einem leeren Magen verweigert. 

Auch die Ausdauerverwaltung ist wichtig: In der Nähe der ersten Siedlung gibt es etwa eine der bereits erwähnten Ebenen, auf denen heftige Winde in Richtung Osten wehen. Wenn ich mit dem Wind reite, verliert mein Pferd kaum Ausdauer und ist dazu noch schneller. Auf dem Rückweg muss ich mit Gegenwind allerdings feststellen, dass nur Schritttempo möglich ist und ich wesentlich flotter gewesen wäre, wenn ich einen Umweg gemacht hätte.

Dazu kommen erstaunlich kleinteilige Features, die mich positiv überrascht haben. Ich muss etwa das Gewicht aller Lieferungen und Vorräte gleichmäßig verteilen. Wenn ich alle Items in die rechte Satteltasche packe, verliert mein Pferd schneller das Gleichgewicht, was wiederum die Verletzungsgefahr erhöht.

Coole Idee: Ich kann beim Reiten Ressourcen vom Boden aufsammeln, muss dafür aber das richtige Timing erwischen. Coole Idee: Ich kann beim Reiten Ressourcen vom Boden aufsammeln, muss dafür aber das richtige Timing erwischen.

Die Planung und das aufmerksame Beobachten meiner Umgebung sind also absolute Pflicht und dabei stellt sich weniger die Frage, ob ich lebend ankomme, sondern vielmehr, wie viel Zeit ich zum Erreichen benötige. 

Das alles ging sehr schnell in Fleisch und Blut über. Schon nach kurzer Zeit scanne ich den Weg vor mir ganz automatisch nach gut erkennbaren Hindernissen wie schroffen Steinen oder Dornenbüschen ab und umgehe schwierige Stellen, ohne permanent aktiv darüber nachdenken zu müssen. Das hat mich sehr motiviert – auch weil die Strafen für Planungsfehler unterm Strich nicht zu hart ausfallen und meistens “nur” Tempo kosten.

Gestört hat mich allerdings, dass es momentan noch kein freies Speichersystem gibt. Aktuell wird mein Fortschritt ausschließlich in der Nähe von NPCs gesichert, also in Siedlungen und bei Questgebern. Wenn ich mich komplett verrenne und neu laden muss, kann das ziemlich viel Zeit kosten und nervige Wiederholung bedeuten – vor allem, wenn die wackelige Technik ins Spiel kommt, doch dazu später mehr.

Wunderschönes Abenteuer für Pferdefans

In seinen besten Momenten sieht Legend of Khiimori wirklich schön aus und zaubert atemberaubende Landschaftsaufnahmen auf den Bildschirm. Die verschiedenen Klimazonen der Mongolei sind durch Steppe, Schnee und Wüsten abwechslungsreich und dank Unreal Engine 5 sehen sie auch wunderbar aus.

Das gleiche gilt für die Animationen der Pferde. Das Entwicklerstudio hat in der Vergangenheit an Videospiel-Adaptionen zu Ostwind gearbeitet und auch Khiimori startete ursprünglich als Franchise-Ableger, wurde allerdings im Laufe der Zeit umbenannt und zum eigenständigen Projekt.

Landschaft Die Landschaften sehen in der Unreal Engine 5 bereits richtig gut aus.

Pferde Die Animationen beim Reiten und dem Pflegen der Pferde sind absolut gelungen – wenn sie denn korrekt abgespielt werden.

Wetter Stürmisches Wetter kann mir ebenfalls einen Strich durch die Rechnung machen, weil Tempo und Sicht eingeschränkt werden.

Erfahrung mit virtuellen Pferden hat das Team also auf jeden Fall und das kommt zumindest bei mir, einem Nicht-Pferde-Fan, gut an. Die Bewegungen der Tiere erreichen vielleicht kein Red Dead Redemption 2-Niveau, das ändert aber nichts an den geschmeidigen und detaillierten Animationen, etwa beim Füttern oder Hufe reinigen.

Für mich wirken die virtuellen Tiere mit ihren kleinteiligen Beinbewegungen jedenfalls größtenteils sehr glaubhaft, egal ob beim Galoppieren, Springen oder langsamem Kurvenreiten.

Lob gibt’s von mir außerdem für den tollen Folk-Soundtrack und die optionale mongolische Sprachausgabe, die dem historischen Setting noch einmal ordentlich Authentizität verleihen. Auf Wunsch können Naraa und Co. aber auch Englisch sprechen. Die Bildschirmtexte sind zudem in deutscher Sprache verfügbar.

Getrübt wird der audio-visuelle Eindruck allerdings durch einige Grafikfehler. Auch die Striegel-Animation sieht eben nur dann gut aus, wenn sie denn wie gewünscht abgespielt wird – was nicht immer der Fall ist, obwohl ich die entsprechenden Funktionen auswähle. Und damit wären wir auch schon beim größten Kritikpunkt: der Technik.

Zucht in der Siedlung In Siedlungen kann ich an bestimmten Gebäuden neue Pferde züchten.

Zucht-Menü Fohlen verbessern die Eigenschaften ihrer Eltern mit jeder Generation, wodurch ihr euch spezialisieren könnt.

Das klassische Early Access-Problem

Wie so oft sind Bugs und die Performance der größte Haken am Early Access-Release von Legend of Khiimori. Aktuell ist das Spiel noch recht weit davon entfernt, wirklich rund zu laufen und ich hatte nicht nur mit kleinen Grafikbugs zu kämpfen, sondern auch mit Abstürzen.

Außerdem spinnt die Pferde-KI regelmäßig, sobald Naraa nicht im Sattel sitzt und sich die Tiere selbstständig bewegen oder per Pfiff zur Reiterin gerufen werden. Mein Tier verheddert sich irgendwo, rennt in Wände und läuft wirklich überall rum – außer da, wo es hin soll.

Menschliche Gesichter wirken zudem teils merkwürdig verschwommen und es passiert noch regelmäßig, dass die Frisuren der Charaktere einfach in der Luft stehen bleiben, während sich der Kopf weiter bewegt.

Im Vergleich zu größeren Problemen wie Abstürzen oder falschen Questmarkern sind die unscharfen Gesichter eher ein kleines Wehwehchen. Im Vergleich zu größeren Problemen wie Abstürzen oder falschen Questmarkern sind die unscharfen Gesichter eher ein kleines Wehwehchen.

Es ist mir auch passiert, dass Questmarker entweder gefehlt oder mich minutenlang in die komplett falsche Richtung geschickt haben. In solchen Fällen hilft teils nur neu laden, was aufgrund der fehlenden freien Speicherfunktion enorm frustrieren kann.

Ihr seht also, bei den Problemen handelt es sich nicht nur nervige Kleinigkeiten, sie können wirklich am Spielspaß und am Vorankommen nagen. 

Heute erschien bereits ein erster Patch mit dutzenden Verbesserungen, allerdings solltet ihr euch trotzdem auf eine raue Early Access-Erfahrung einstellen, wenn ihr jetzt schon loslegen wollt.

Das kann richtig gut werden – mit mehr Zeit

Das Herz von Legend of Khiimori schlägt auf jeden Fall am rechten Fleck. Das ungewöhnliche Spielprinzip, die wunderschönen Landschaften und die spürbare Liebe zum Detail machen das Spiel bereits im Early Access zu einem vielversprechenden Erlebnis.

Dem scheint auch die Community zuzustimmen, denn kurz nach dem Early Access-Start stehen die Steam-Reviews bei 82 Prozent – und das trotz der starken technischen Probleme.

Zu den versprochenen Features, die fortan nachgereicht werden sollen, gehören etwa Charakter-Anpassungen, Falknerei, Pferderennen, ein friedlicher Modus ohne Raubtiere und mehr Pferderassen.

Ich bin guter Dinge, dass die Devs die Probleme mit der Zeit aus der Welt schaffen und auch inhaltlich noch ein paar Pfeile im Köcher haben. Daher freue ich mich zukünftig schon auf eine hoffentlich gut laufende Kurier-Sim in der Mongolei.

Was denkt ihr: Spricht euch das ungewöhnliche Konzept von Legend of Khiimori an oder seid ihr erstmal noch skeptisch?


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