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Little Hope im Test: Am Ende wollten wir, dass alle sterben

Mit Little Hope erscheint der zweite Teil der The Dark Pictures Anthology für PS4 und Xbox One, der jedoch auf allen Ebenen enttäuscht.

von Dennis Michel,
29.10.2020 16:00 Uhr

Little Hope im GamePro-Test. Little Hope im GamePro-Test.

Mit Little Hope geht die The Dark Pictures Anthology der Until Dawn-Macher Supermassive Games auf PS4 und Xbox One in die zweite Runde. Waren wir zuvor in Man of Medan noch auf einem verlassenen Schiff unterwegs, verschlägt es jetzt eine Gruppe Student*innen samt ihrem Professor in eine vom Nebel umschlungene, scheinbar verlassene U.S.-Kleinstadt. Silent Hill 2 lässt grüßen.

Die gute Nachricht zuerst: Der eigenständige Third-Person-Horror befindet sich technisch sowohl im Einzelspieler- als auch im Koop-Modus in einem größtenteils passablen Zustand. Wer sich an dieser Stelle jedoch noch weitere frohe Kunde erhofft, den müssen wir enttäuschen. Little Hope ist ein (erneut) spielerisch flaches Jumpscare-Fest, das sich am Trash-Horror versucht, dabei aber samt seinen eindimensionalen Charakteren an allen Fronten scheitert.

Das erwartet euch spielerisch in Little Hope

Wie zuvor in Man of Medan und Until Dawn schlüpfen wir abwechselnd in die Rolle von fünf Charakteren. Die Gruppe sucht nach einem Busunfall in der Kleinstadt Little Hope nach Hilfe und gerät dabei in eine haarsträubende Horrorgeschichte um Hexen und parallele Realitäten.

Rein spielerisch ist das Horror-Abenteuer dabei eine Mischung aus linearem Walking Simulator, vielen Dialog-Entscheidungen und gelegentlichen Quick-Time-Events. Letztere sind zwar rein spielerisch so flach wie das übrige Gameplay, werden jetzt aber im Vergleich zum geistigen Vorgänger immerhin angekündigt. Dadurch können wir besser auf die Eingaben reagieren und werden nicht mehr komplett überrumpelt.

Little Hope: Launch-Trailer bereitet euch für den Halloween-Grusel vor 1:59 Little Hope: Launch-Trailer bereitet euch für den Halloween-Grusel vor

In der Praxis sieht das dann so aus: Wir laufen einen dank schicker Licht- und Schatteneffekte atmosphärisch dichten Horror-Schauplatz ab - beispielsweise einen Friedhof, ein heruntergekommenes Museum oder eine verlassene Straße, untersuchen aufblitzende Gegenstände und wählen in Dialogen eine von zwei Antworten.

Unsere Wahl hat dabei nicht nur Einfluss auf den Fortgang der Geschichte, auch entscheiden wir so über das Schicksal der Figuren. In der Theorie bestimmen wir also, welcher Student den Horrorausflug überlebt und wer auf grausame Art und Weise das Zeitliche segnet. Hinweise auf mögliche Ereignisse und Konsequenzen geben dabei Bilder, die kurze Visionen auslösen.

Was in der Theorie interessant und spannend klingt, hat in der Praxis jedoch seine Probleme. Wie unsere Entscheidungen die Handlung beeinflussen, wirkt komplett willkürlich, was wiederum den Spaß am Abwägen der sinnvollen Dialogoptionen nimmt.

So funktioniert der Online Koop:
- zwei Spieler*innen, jeweils mit eigener Version des Spiels
- wir und unsere Koop-Partner*in übernehmen abwechselnd die Rollen der Charaktere und erleben die Geschichte jeweils aus einer anderen Perspektive heraus
- einige Szenen erleben wir gemeinsam, manchmal sind wir aber getrennt voneinander unterwegs, sodass Spieler*in A nicht weiß, was gerade bei Spieler*in B vor sich geht

So funktioniert der Couch-Koop:
- zwei bis fünf Spieler*innen mischen mit
- zu Beginn wählt jede*r Spieler*in einen von insgesamt fünf Charakteren aus der Urlaubergruppe aus, den er bis zum Ende begleitet
- dabei wird nur ein einziger Controller herumgereicht. Es spielt also immer nur eine Person, die anderen müssen warten, bis sie an der Reihe sind

Klassentreffen aller Horror-Klischees in Little Hope

Damit Entscheidungen jedoch überhaupt erst von Bedeutung sind, müssen ihre Konsequenzen für uns Gewicht haben, womit wir bei der Geschichte samt ihrer Figuren wären. Während uns die übergeordnete Handlung rund um die Themen multiple Realitäten, mittelalterliche Hexenverbrennungen und das Mysterium rund um die Kleinstadt Little Hope während der gut vier bis fünf Stunden Spieldauer bei der Stange gehalten hat, hätten uns die Charaktere egaler nicht sein können.

Wie bereits in Man of Medan könnten diese eindimensionaler und größtenteils unsympathischer kaum sein, was ein großes Problem ist. Die Entscheidungen sind dadurch nicht nur willkürlich, auch waren sie uns ab einem gewissen Punkt egal. Ob nämlich der arrogante und überhebliche Professor früher oder später in feinster Body-Horror-Manier stirbt, entlockt uns bestenfalls ein gleichgültiges Achselzucken.

In Little Hope treffen wir viele Entscheidungen. Das große Problem: Dank der unsympathischen, eindimensionalen Charaktere waren uns die Konsequenzen irgendwann egal. In Little Hope treffen wir viele Entscheidungen. Das große Problem: Dank der unsympathischen, eindimensionalen Charaktere waren uns die Konsequenzen irgendwann egal.

Auch abseits der Charaktere wirkt alles in Little Hope austauschbar und wenig neu. Hier jagt ein Horror-Klischee das nächste. Ein gruseliges, kleines Mädchen: check! Eine Bande dummer Teenager: check! Die durchs Bild laufende schwarze Katze: check! Ja, Supermassive Games will Trash-Horror bieten, dieser funktioniert jedoch ohne das nötige humorvolle Augenzwinkern zu keiner Zeit. Einzig die übergeordnete Erzählung in X-Faktor-Manier, in welcher eine Art Jonathan Frakes die vierte Wand bricht, ist eine coole Idee und verbindet die Teile der Anthologie sinnvoll.

Little Hope aka der Jumpscare-Simulator

Mit das Wichtigste neben der Handlung ist in einem Horror-Game natürlich der Grusel selbst, der selbstverständlich eine sehr subjektive Wahrnehmung ist. Düstere, vom Nebel umhüllte Schauplätze, groteske Gestalten, mit diesen Punkten kann Little Hope glänzen.

Zerstört wird der ganze Horror jedoch durch den Einsatz viel zu vieler immer gleicher und komplett vorhersehbarer Jumpscares. Überspitzt gesagt springt von der bereits erwähnten schwarzen Katze bis zum aufgescheuchten Hirsch wohl jedes auf dem nordamerikanischen Kontinent beheimatete Tier einmal durchs Bild. Zudem wird ein bestimmter Jumpscare so oft wiederholt, dass es an Ideenlosigkeit in Bezug auf den Horror kaum noch zu überbieten ist. Sind Jumpscares jedoch für euch der Inbegriff aller Ängste in einem Horrorspiel, dann werdet ihr hier wohl komplett abgeholt.

Keine Technik-Katastrophe wie Man of Medan

Abschließend aufgrund der jüngeren Vergangenheit von Supermassive Games in Bezug auf die Konsolenversionen noch ein paar Worte zur Technik. Nein, Little Hope ist bei weitem nicht frei von Macken und Bugs. Da wechselt nicht selten mal die Tonspur ins Englische, Figuren bewegen ihre Lippen, obwohl kein Audio ertönt, und manche Animationen wirken leicht hakelig. Auch hatten wir einen Spielabsturz.

Allerdings ist all das weit von der Unspielbarkeit von Man of Medan zum Releasezeitpunkt entfernt, was sowohl den Einzelspieler als auch den Koop von Little Hope anbelangt. Vorhandene Probleme könnte ein Day-One-Patch beheben.

Die Grundstimmung passt dank stimmiger Licht- und Schatteneffekte und erinnert aufgrund der Thematik an den Klassiker Silent Hill 2. Die Grundstimmung passt dank stimmiger Licht- und Schatteneffekte und erinnert aufgrund der Thematik an den Klassiker Silent Hill 2.

Anmerken wollen wir jedoch noch, dass sich unsere PS4 Pro beim Spielen in einen Düsenjet verwandelt hat, was bei einem Horrorspiel natürlich wenig zur Atmosphäre beiträgt. Unterm Strich lassen wir die Kleinstadt aufgrund zu vieler erzählerischer und spielerischer Schnitzer enttäuscht zurück. Wer jedoch bereits mit Man of Medan seine helle Freude hatte, der wird speziell im asynchronen Koop gewiss für einige Stunden unterhalten. Erwartet jedoch nicht zu viel.

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