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Man of Medan im Test - Ein Koop-Horrorspiel zerstört sich selbst

In unserem Review zu Man of Medan für PS4 und Xbox One klären wir, warum Supermassive mit dem Koop-Horror nicht an den Erfolg von Until Dawn anknüpfen kann.

von Linda Sprenger,
28.08.2019 16:00 Uhr

Man of Medan im Test für PS4 und Xbox One.Man of Medan im Test für PS4 und Xbox One.

In Man of Medan möchte eine Gruppe aus fünf jungen Menschen eigentlich nur ein bisschen Urlaub auf hoher See machen, Bier trinken und den Alltag für eine Weile hinter sich lassen. Dabei geht allerdings alles schief, was schiefgehen kann und die Truppe begibt sich plötzlich auf einen nervenaufreibenden Gruseltrip.

Wer nun denkt, dass diese Prämisse verdächtig nach Until Dawn klingt, der liegt nicht falsch. Mit dem ersten Ableger der dreiteiligen Horror-Sammlung The Dark Pictures Anthology verlässt sich Supermassive auf die alten Stärken des geistigen Vorgängers, macht dabei aber einige entscheidende Dinge anders. In den meisten Fällen jedoch mehr schlecht als recht.

Starke technische Probleme - auch nach Patch 1.09

Wir haben Man of Medan auf zwei Standard-PS4s getestet und hatten während des Spielens mit schwerwiegenden technischen Problemen zu kämpfen. Fehlende Gesichts- und Umgebungs-Texturen sowie Pop-Ups sind dabei noch das geringste Problem. Gerade gen Ende der Geschichte ruckelt das Spiel teils so stark, dass wir Quick Time-Events vermasseln oder bestimmte Ereignisse in der Story nicht richtig mitbekommen. Sogar die Credits des Spiels kommen nicht ohne Ruckler aus bevor es dann sogar komplett abstürzt.

Auf der Xbox One X und PS4 Pro erübrigen sich immerhin die fehlenden Texturen, jedoch treten hier ebenfalls minimale bis heftige Frame-Drops auf.

Weil die Ruckler den Spielfluss teils so stark beeinträchtigen, haben wir uns für eine Abwertung von 15 Punkten entschieden. Weil die Probleme auf der Xbox One X und der PS4 Pro weniger schwerwiegend sind, könnt ihr hier von einer Abwertung von minus 5 Punkten ausgehen.

Mittlerweile ist Update 1.09 erschienen, die Probleme bleiben auf der Standard-PS4 damit aber weiterhin bestehen, weshalb wir es bei der Abwertung belassen. Sobald ein weiterer Patch erscheint, prüfen wir das Spiel daraufhin nach.

Wie spielt sich das Horror-Abenteuer auf hoher See?

Wie in Until Dawn schlüpfen wir im Verlauf des Abenteuers in die Haut fünf völlig unterschiedlicher Charaktere. Als Fliss, Brad, Alex, Conrad oder Julia erkunden wir das verlassene und verloren geglaubte Kriegsschiff, spielen rasante Action-Szenen in Quick-Time-Events nach und treffen Entscheidungen in Multiple Choice-Dialogen. Daraus ergeben sich wiederum etliche Lösungsmöglichkeiten, Story-Verzweigungen und (Charakter)-Enden, die uns zum mehrmaligen Durchspielen anregen sollen.

Im Online-Koop übernimmt je ein Spieler einen Charakter, sodass immer beide Koop-Partner etwas zu tun haben.Im Online-Koop übernimmt je ein Spieler einen Charakter, sodass immer beide Koop-Partner etwas zu tun haben.

Aber eine Sache ist neu. Denn diesmal sind wir nicht zwingend auf uns allein gestellt. Das dürfte insbesondere diejenigen freuen, die bereits Until Dawn gemeinsam mit Freunden an der Seite im Quasi-Multiplayer gespielt haben. Nun gibt's neben dem Singleplayer-Modus einen echten Couch- und Online-Koop.

So funktioniert der Couch-Koop "Movie Night
- Zwei bis fünf Spieler mischen mit
- Zu Beginn wählt jeder Spieler einen von insgesamt fünf Charakteren aus der Urlaubergruppe aus, den er bis zum Ende begleitet
- Dabei wird nur ein einziger Controller herumgerecht. Es spielt also immer nur eine Person, die anderen müssen warten, bis sie an der Reihe sind

So funktioniert der Online Koop:
- zwei Spieler, jeder braucht eine Kopie des Spiels
- wir und unser Koop-Kumpel übernehmen abwechselnd die Rollen der Charaktere und erleben die Geschichte jeweils aus einer anderen Perspektive heraus
- einige Szenen erleben wir gemeinsam, manchmal sind wir aber getrennt voneinander unterwegs, sodass Spieler A nicht weiß, was gerade bei Spieler B vor sich geht

Im Online-Koop funktioniert Man of Medan sogar am besten, weil der gemeinsame Austausch die Geschichte lebendiger macht. Ganz egal, ob wir uns währenddessen im Voice-Chat oder hinterher über die Geschehnisse unterhalten. Während des Tutorials erzählt uns unsere Mitspielerin ganz aufgeregt, dass ihr gerade im Maschinenraum des Schiffs ein geheimnisvoller Geister-Junge vor die Nase gelaufen ist. Obwohl wir direkt hinter ihr stehen, haben wir ihn überhaupt nicht gesehen!

Besonders spannend wird's aber, wenn ein Koop-Partner plötzlich eine (über)lebenswichtige Entscheidung treffen muss, auf die der andere selbst keinen Einfluss nehmen kann. Das zeigt sich schon relativ am Anfang als Spieler A von einem Piraten mit einer Pistole bedroht wird, während Spieler B nur tatenlos zusehen kann. Kooperiert das Opfer mit seinem Feind, wird es verschont. Lehnt es sich aber gegen ihn auf und ergreift die Flucht, wird es erschossen.

Man of Medan bietet 69 Todesszenen - fast doppelt so viele wie in Until Dawn.Man of Medan bietet 69 Todesszenen - fast doppelt so viele wie in Until Dawn.

Mit den entsprechenden Konsequenzen müssen letztendlich beide Mitstreiter leben. Denn wie schon im geistigen Vorgänger können in Man of Medan alle Figuren im Verlauf der Story das Zeitliche segnen oder das Abenteuer bis zum bitteren Ende durchstehen.

In der Theorie klingt Man of Medan damit sogar noch spannender als Until Dawn. In der Praxis will Supermassives abgewandelte Horror-Formel allerdings überhaupt nicht aufgehen.

Warum Man of Medan nicht funktioniert

Langweilige Stereotype

Während wir die Charaktere in Until Dawn nach einer Weile ins Herz geschlossen haben und mit aller Macht versuchten, sie am Leben zu halten, sind uns die Man of Medan-Helden während des gesamten Abenteuers furchtbar egal.

Man of Medan nimmt sich kaum Zeit, um aus den austauschbaren Abziehbildchen typischer Horrorfilm-Mittzwanziger facettenreiche Persönlichkeiten zu formen, um deren Überleben wir wirklich kämpfen wollen. Egal ob es um den nerdigen Angsthasen Brad geht, seinen sportlichen Bruder Alex, den draufgängerischen Conrad, die naive Julia oder die immer wütende Fliss - keiner von ihnen schafft es, lebendig oder auch nur sympathisch zu wirken.

Die Man of Medan-Helden sind alles andere als sympathisch - und bleiben es auch bis zum bitteren Ende. Die Man of Medan-Helden sind alles andere als sympathisch - und bleiben es auch bis zum bitteren Ende.

Im Laufe der circa fünfstündigen Geschichte bleiben sie größtenteils so flach, dass uns ihr Leben und Sterben nie wirklich etwas bedeutet. Gen Ende der Story sind uns die Charaktere so unsympathisch, dass wir uns sogar über ihr Ableben freuen. Zum Beispiel wenn Brad in einem Lagerraum von einer schweren Stahltür zerquetscht wird. Oder Conrad auf dem Tanker zehn Meter in die Tiefe stürzt und sich das Genick bricht.

Dabei machte doch genau das einen großen Teil des Spaßes an Until Dawn aus: Das Bangen und Zittern um Helden, die aus ihren Klischee-Rollen ausbrechen und in Lebensgefahr über sich hinauswachsen oder aus Todesangst zusammenbrechen. In Man of Medan überrascht uns hingegen kein einziger der fünf Charaktere, weil sie stets fest in ihrem Klischee-Korsett gefangen bleiben und während ihres gesamten Horror-Trips meistens genau so handeln, wie wir es von ihnen erwarten. Selbst dann, wenn wir sie eigentlich mit unseren Entscheidungen in eine andere Richtung drängen wollen.

Misslungenes Horror-Handwerk

Das alles wäre nur halb so wild, wenn Man of Medan immerhin das Einmaleins der Horror-Inszenierung verstehen oder zumindest sich konsequent daran halten würde. In einigen wenigen Szenen gelingt es dem Spiel durchaus, ein wunderbares Beklemmungsgefühl aufzubauen.

Wenn wir uns als Brad ganz allein ins Innere des Weltkriegstankers wagen, schnüren uns die stockfinsteren Gänge fast die Kehle zu. Dank des cleveren Einsatzes der Musikuntermalung fühlen wir uns in diesen seltenen Momenten so angespannt, dass wir in jeder dunklen Ecke eine finstere Macht erwarten, die uns an die Gurgel will.

In seinen besten Momenten baut Man of Medan eine dichte Gruselatmosphäre auf - nur um sie dann in der nächsten Szene wieder zunichte zu machen.In seinen besten Momenten baut Man of Medan eine dichte Gruselatmosphäre auf - nur um sie dann in der nächsten Szene wieder zunichte zu machen.

Die eigentlich dichte Atmosphäre zerstört das Spiel allerdings regelmäßig selbst. Dank fester Kameraperspektive laufen wir auf der Suche nach dem richtigen Weg oft verwirrt durch die Gegend und erinnern uns dabei genervt an Resident Evil 2 aus dem Jahr 1998 zurück - nur dass hier teilweise unsere Koop-Partnerin darunter leidet, wenn wir sie unvermittelt versehentlich durch die Gegend schieben.

Supermassive übertreibt es außerdem maßlos mit Jump Scares. Viel zu oft springen uns einfach nur Ratten oder andere harmlose Tiere aus Nischen entgegen, die uns im ersten Moment zwar erschrecken, uns letztendlich aber die Angst vor dem echten Horror auf dem Schiff nehmen. Dieser verliert dank der billigen Tricks nämlich leicht die Wirkung. Wenn ein Fisch die atmosphärische Anspannung bereits gelöst hat, dann erschreckt uns eine eigentlich gruselige Geister-Erscheinung eben nur noch halb so sehr.

Dank Schnitt- und Anschlussfehler ändern Charaktere von einer Szene auf die andere gerne mal ihre Mimik und Gestik. Verwirrend!Dank Schnitt- und Anschlussfehler ändern Charaktere von einer Szene auf die andere gerne mal ihre Mimik und Gestik. Verwirrend!

Fast noch schlimmer: Man of Medan bricht die Grundregeln des Filmemachens und lässt uns infolge holpriger Schnitte und Anschlussfehler oftmals irritiert zurück. Wenn Fliss in einer Szene panisch vor einem Angreifer flüchtet und sie nach einem Schnitt plötzlich wie angewurzelt in der Gegend steht, können wir nicht anders, als uns über das unfreiwillig komische Geschehen zu beömmeln.

Man of Medan hätte sich als das perfekte Spiel für Until Dawn-Fans entpuppen können, die sich nach einem spaßig-trashigen Koop-Horror-Snack für Zwischendurch sehnen. Letztendlich aber leistet sich Supermassive in Sachen Inszenierung und Charakterisierung einige unverzeihliche Patzer, die uns gehörig den Geschmack verderben. Immerhin: Mit einem Freund an der Seite schmerzt der Höllentrip durchs Gruselschiff nicht ganz so sehr. Und gelegentlich hört er uns über das Headset ganz leise verzweifelt lachen.

Man of Medan - Curator's Cut lässt uns im Trailer die Story mit neuen Augen sehen 3:39 Man of Medan - Curator's Cut lässt uns im Trailer die Story mit neuen Augen sehen

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