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Seite 2: Mafia 3 im Test - A History of Violence

Leichtes Spiel mit dummen Gegnern

Dass Mafia 3 selbst in seinen monotonsten Momenten unterhält – und ja, das tut es – liegt am grandiosen 60er-Soundtrack, der von Hits wie »Paint It Black« zehrt, und dem spielerisch durch und durch soliden Kern. Die verschiedenen Fahrzeuge wie Trucks, Muscle Cars oder Sportwagen vermitteln mir einen ordentlichen Eindruck vom Gewicht und der Geschwindigkeit, die sie auf die Straße bringen. Das gilt vor allem, wenn ich im Optionsmenü die realistische Steuerung wähle. Die Schießereien sind dank des Trefferfeedbacks, bei dem Gegner etwa von Shotgun-Schüssen zurückgeworfen werden, schön wuchtig. Und die Schleicherei funktioniert gut, vielleicht fast schon zu gut.

Mithilfe der sogennanten Informationsansicht verfolgen wir Gegner auch durch Wände hindurch Mithilfe der sogennanten Informationsansicht verfolgen wir Gegner auch durch Wände hindurch

Gegen die dummen KI-Gegner ist eine Kombination aus Anlock-Pfeiferei und Stealth-Finisher schlicht übermächtig. Denn auch wenn mehrere Gegner nebeneinander stehen, locke ich damit regelmäßig nur einen an. In einigen Fällen ignorieren Feinde sogar, dass ich gerade einen ihrer Kollegen quasi vor ihren Augen überwältige. Selbst auf Passanten, die panisch umherlaufen, weil sie gesehen haben, wie ich jemanden ausschalte, reagieren sie nicht. Im offenen Gefecht verhalten sich meine Gegner allerdings kaum klüger. Zwar suchen sie oft Deckung oder versuchen, mich einzukesseln, doch einige Schwachpunkte lassen sich auch in diesem Fall gezielt ausnutzen.

Unter dem mangelnden Anspruch leidet auch das Unterbosse-System. Im Spielverlauf rekrutiert Lincoln drei andere Gangster, damit sie ihn bei seinem Rachefeldzug unterstützen. Das tun sie jedoch nicht aus Nächstenliebe. Vielmehr erwarten sie, dass sie davon profitieren. Sobald ich ein Gebiet erobert habe, muss ich daher entscheiden, welcher der Unterbosse das Viertel und seine Geschäfte verwalten soll. Jeder meiner Partner hält zum Dank verschiedene Boni bereit, doch die, die leer ausgehen, lassen sich das nicht lange gefallen. In der Theorie muss ich harte Entscheidungen treffen und riskieren, dass mich einer meiner Partner hintergeht. Doch in der Praxis verteile ich einfach immer abwechselnd ein Gebiet an einen Unterboss und entgehe so irgendwelchen konkreten Konsequenzen. Auf die Boni bin ich ja zu keiner Zeit angewiesen.

Mafia-2-Hauptfigur Vito Scaletta spielt eine Nebenrolle in Mafia 3. Er ist einer der Unterbosse, denen wir eroberte Gebiete zuweisen. Mafia-2-Hauptfigur Vito Scaletta spielt eine Nebenrolle in Mafia 3. Er ist einer der Unterbosse, denen wir eroberte Gebiete zuweisen.

Hier vergeudetet Mafia 3 viel erzählerisches Potenzial. Schließlich hätte es Lincolns Wesenszug als erbarmungslosen Pragmatiker betont, wenn ich einen der Unterbosse hätte bevorzugen müssen, weil er mir Vorteile bringt, die bei meinem Spielstil unverzichtbar sind. Stattdessen laufen hier meine Entscheidungen und Lincolns Charakter in zwei unterschiedliche Richtungen. Ähnlich inkonsequent präsentiert sich Mafia 3 auch an anderer Stelle.

Perspektivwechsel ohne Folgen

Mafia 3 wagt den Versuch, mich als weißen Spieler zu einem Opfer von Rassismus zu machen. Ein Perspektivwechsel, den ich mir ungemein eindringlich vorstelle. Was es bedeutet, allein aufgrund seiner Hauptfarbe benachteiligt zu werden, zeigt mir das Spiel jedoch nur halbherzig.

Mehrere Polizisten gehen auf Lincoln los. Der Grund: seine Hautfarbe. Mehrere Polizisten gehen auf Lincoln los. Der Grund: seine Hautfarbe.

Ein Beispiel: Sobald ich an der Polizei vorbeilaufe oder -fahre, erscheint ein Icon, das mir in Stealth-Abschnitten signalisiert, ob mich ein Gegner entdeckt hat. Dazu muss ich mich in keiner Weise auffällig verhalten, es passiert automatisch. Damit sendet Mafia 3 eine klare Botschaft: Als Schwarzer ist Lincoln sofort im Visier der Cops. Für mich als Spieler verliert das Icon aber irgendwann an Bedeutung, da diese rassistischen Polizisten anders als im echten Leben keine Gefahr darstellen. Wie aktuelle Beispiele aus den USA zeigen, kann sich ein schwarzer Bürger im echten Leben exakt wie ein weißer verhalten und wird dennoch nur wegen seiner Hautfarbe von der Polizei kontrolliert, dabei vorgeführt, geschlagen oder vielleicht sogar noch schlimmeres. Nur wegen seiner Hautfarbe. Im Spiel ist diese Willkür hingegen oftmals technischer Natur. Ich rase an einem Polizeiwagen vorbei – keine Reaktion. Ich stolpere versehentlich in einen Cop – keine Reaktion. Ich laufe die Straße entlang – plötzlich schießen Polizisten auf mich, und werden gerade dadurch berechenbar. Denn in Feuergefechten verhalten sie sich auch nicht anders als die übrigen Gegner.

Hier verfolgt Mafia 3 große Ambitionen, füllt sie aber letztlich nicht ganz aus. Ein Satz, der so leider immer wieder zu diesem sonst guten Spiel passt.

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