Eigentlich hasse ich das Genre, aber dieser Harem-Manga hat mich komplett begeistert – und gehört zum Besten, was ich je gelesen habe

Myki macht sonst immer einen großen Bogen um Animes und Manga, wenn es um Harems geht, aber bei Marriagetoxin hat sie dann doch reingeschnuppert. Zum Glück!

Marriagetoxin ist eigentlich ein Dating-Anime mit John Wick-Action. (© Joumyaku, Mizuki Yoda Shueisha) Marriagetoxin ist eigentlich ein Dating-Anime mit John Wick-Action. (© Joumyaku, Mizuki Yoda / Shueisha)

Mangas und Animes gibt es in unterschiedlichen Farben, Formen und Genren – und obwohl ich des Öfteren gerne in typischen Shonen- oder Romanzen-Reihen versinke, mache ich bei einem Genre in der Kategorie Romance aber einen großen Bogen drumherum: Harem.

Disclaimer: Was sind Harem-Mangas und -Animes

Historisch betrachtet, ist ein Harem einfach der abgeschlossene Wohnbereich Hauses in muslimisch geprägten Regionen. Im Harem lebten dann vor allem die weiblichen Mitglieder einer Familie (inklusive Kinder). Es gab aber auch Ausprägungen von (Sultan)-Harems mit mehreren Ehefrauen sowie Sklavinnen. Gerade in der westlichen Wahrnehmungen entstanden dadurch viele Mythen rund um Harems als Orte von (nicht freiwilligen) sexuellen Ausschweifungen.

Im Manga- und Anime-Kontext wird das Harem-Genre in der Regel als die Situation einer Hauptfigur bezeichnet, für die sich mehrere Personen in der Geschichte romantisch interessieren und um ihre oder seine Gunst kämpfen.

Bei dem ständigen Beziehungsdrama, das das Genre oft mit sich bringt und einer Hauptfigur, die oftmals die Persönlichkeit einer Türmatte hat, war mein Interesse an dem Genre schon immer ziemlich gering. 

Bei meiner Suche nach einem neuen Manga zum Lesen bin ich dann online auf die Manga-Reihe Marriagetoxin gestoßen, die immer wieder von sehr vielen Leser*innen von Action- und Romanzen-Geschichten empfohlen wird – mit der Anmerkung, dass der Harem-Schein trügt und es mir sehr gefallen würde. 

Also habe ich mir einen Ruck gegeben und bin in die ersten Bänder des Mangas eingetaucht – und muss sagen: Verdammt, sind die Charaktere liebenswert und verdammt, ist die Geschichte gut.

Protagonist wird erpresst, damit er auf Partnersuche geht und die Zukunft seines Clans sichern kann

Bei Marriagetoxin handelt es sich eigentlich nicht direkt um einen Romance-Manga, sondern eher aus einemeinen Mix aus Shonen – also hauptsächlich Action – mit einer Prise Romantik und Slice of Life, was mir sehr gut gefallen hat.

Ihr könnt hier auch einen Blick auf die Anime-Adaption des Mangas werfen, die dieses Jahr im April gestartet ist:

Video starten 1:24 Der Anime zu Marriagetoxin kombiniert John Wick mit Romanntik und einer Prise Humor

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hikaru Gero, ein junger Mann, der in seinen späten 20ern oder frühen 30ern ist und Mitglied des berüchtigten Gift-Clans, einer legendären Gruppe aus Attentäter*innen, die es bereits Hunderte von Jahren gibt.

Die Attentäter-Clans werden dabei – wie bei den japanischen Yakuzas – als “Familie” bezeichnet und in Marriagetoxin stehen fünf dieser “Familien” an der Hierarchie-Spitze in der Unterwelt der Attentäter. 

Die Story spielt dabei in unserer modernen Zeit, aber mit einigen fiktiven übernatürlichen Kräften der Attentäter-Clans, wie es oftmals üblich für einen Shonen-Anime eigentlich ist. Beispielsweise war die ehemalige “Familie” Kurokawa, die im Kampf Elemente wie etwa Feuer, Hitze oder Rauch kontrollieren konnte.

Hikaru konnte aufgrund seiner Abstammung nie ein “normales” Leben führen, da er von Geburt an bereits zum Gift-Clan gehörte und als Attentäter hart trainiert wurde. Ihm fehlte es also an den nötigen sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen, eine potenzielle Partnerin kennenzulernen.

Hikaru beschloss somit auf Ewigkeiten Single zu bleiben – bis es darum ging, den nächsten Nachfolger oder Nachfolgerin des Gift-Clans zu bestimmen.

Hikaru ist nicht umsonst als der beste Gift-Attentäter des Clans bekannt. (© Joumyaku, Shueisha Bones Film) Hikaru ist nicht umsonst als der beste Gift-Attentäter des Clans bekannt. (© Joumyaku, Shueisha / Bones Film)

Die Wahl fiel dabei auf Hikaru oder seine große Schwester Akari. Sollte er nicht einwilligen, so muss seine Schwester für die Zukunft des Clans Kinder gebären und deswegen einen Mann, den sie nicht kennt, heiraten – eine abscheuliche Tradition des Clans und Respektlosigkeit gegenüber Frauen.

Akari konnte im Vergleich zu Hikaru, der sich einen Legenden-Status in der Unterwelt aufgebaut hatte, ihrer Oma nicht die Stirn bieten. Für den Clan hatte Akari – in den Augen des Oberhaupts – nur als Ehefrau eines anderen Mannes “einen Nutzen”. 

Diese altmodische Rollenverteilung der Frauen und wie die unterschiedlichen Clans Frauen behandeln, wird mit dem Protagonisten Hikaru entgegengewirkt – was mir besonders gut gefällt.

Hikaru sieht es nicht ein, dass seine Schwester, die seit Jahren bereits in einer glücklichen lesbischen Beziehung mit ihrer festen Freundin ist, ihr Leben für den Clan aufgeben müsste.

Um seine Schwester also vor einer Zwangsheirat mit einem Mann zu bewahren, willigt Hikaru ein, an ihrer Stelle das Oberhaupt des Gift-Clans zu werden – aber unter einer Bedingung: Seine Partnerin sucht er sich selbst aus. 

Perfekter Mix für mich aus Comedy, Action und Romance

Für mich, als Fan der Yakuza-Reihe und sonstigen japanischen Mafia-Settings, war das bereits ein interessanter Start in die Geschichte, die mich sofort gepackt hat. Ich meine: Kriminelle Organisationen, actionreiche Kämpfe zwischen diversen Familien, einen Hauptcharakter, der nur mithilfe von Gift kämpft, mit einer Prise Romanze und queeren Charakteren? Ich sage nur: Count me in.

Der romantische Aspekt der Story dreht sich um das zentrale Dilemma: Hikarus (nicht ganz freiwillige) Suche nach einer Lebenspartnerin – und hier hat mich der Manga überzeugt.

Im Laufe eines Auftrags begegnet er der Heiratsschwindlerin Mei Kinosaki, die er um Hilfe bei der Suche bittet. Immerhin ist Mei ja eine gekonnte Schwindlerin und kennt sich bestens mit Gefühlen anderer Personen aus – ob Mann oder Frau.

Hikaru macht Mei einen Vorschlag, der vorerst abgelehnt wird. (© Joumyaku, Shueisha Bones Film) Hikaru macht Mei einen Vorschlag, der vorerst abgelehnt wird. (© Joumyaku, Shueisha / Bones Film)

In den Kapiteln werden wir dann Zeuge von Meis unterschiedlichen – zumal auch sehr witzigen oder katastrophalen – Versuchsmethoden, Hikaru mit anderen Frauen in Kontakt zu bringen. Dazu kommen noch die actionreichen Kampfszenen mit anderen Attentäter-Clans oder Antagonisten, die es auf Hikaru, als berühmten Gift-Attentäter, abgesehen haben.

Der Zeichenstil ist dabei unglaublich dynamisch und die Kämpfe können locker mit My Hero Academia, Jujutsu Kaisen und anderen Shonen-Mangas mithalten.

Myki Trieu
Myki Trieu

Genau wie bei Power-Fantasy-Geschichten ist Myki Harem-Mangas schon immer aus dem Weg gegangen, da sie lieber ein klares Liebespaar in der Story sehen möchte, als ein Gerangel um die Gunst des Hauptcharakters.

Von Marriagetoxin hat sie jedoch nur Gutes gehört. Aus Langeweile hat sie dem Manga  eine Chance gegeben. Immerhin muss es ja einen Grund für den guten Ruf des Mangas in der Community geben.

Mit Hikaru und Mei wird womöglich der Gift-Clan sein Ende finden

Neben dem coolen Worldbuilding, der Action und den liebenswerten und tollpatschigen, aber doch respektvollen, Protagonisten hat mich besonders die Figur von Mei Kinosaki überrascht – denn Mei ist in Wirklichkeit ein junger Mann!

Der Plot-Twist im ersten Kapitel kam unerwartet, aber die Geschichte war dadurch umso spannender für mich. Denn trotz der Enthüllung gibt es nach wie vor immer wieder romantische Situationen zwischen den beiden – ungewöhnlich für einen Manga im Shonen- oder Harem-Genre, das sonst sehr stark von Hetero-Beziehungen geprägt ist.

Deutliche Hinweise auf eine mögliche romantische Beziehung zwischen Mei und Hikaru am Ende der Geschichte. (© Joumyaku, Shueisha Bones Film) Deutliche Hinweise auf eine mögliche romantische Beziehung zwischen Mei und Hikaru am Ende der Geschichte. (© Joumyaku, Shueisha / Bones Film)

Es hat sogar manchmal den Anschein, dass die Kandidatinnen in Hikarus Liebesleben sich eher ineinander verlieben als in ihn und untereinander gar keine Rivalitätskämpfe führen - gut für mich, denn die kann ich nicht ausstehen.

Obwohl er die Frauen meistens aus brenzligen und gefährlichen Situationen rettet, ob nun durch einen Auftrag oder durch Zufall – daher auch die actionreichen Momente in der Geschichte –, möchte er aber nicht, dass sie ihm aus dem Grund ein Date schulden oder sich dadurch in ihn verlieben.

Er möchte sie zuerst kennenlernen und für seinen eigenen Charakter gemocht werden – nicht, weil er jemandem das Leben gerettet hat. 

Hikaru verhält sich dabei respektvoll und zuvorkommend gegenüber allen Figuren in der Geschichte, was ihn zu einem sehr liebenswerten Protagonisten macht – ein weiterer, großer Pluspunkt für die Reihe.

Hikaru Gero ist etwas unbeholfen, aber hat das Herz am rechten Fleck. (© Joumyaku, Shueisha Bones Film) Hikaru Gero ist etwas unbeholfen, aber hat das Herz am rechten Fleck. (© Joumyaku, Shueisha / Bones Film)

Sollten Hikaru und Mei wirklich am Ende der Geschichte zusammenkommen, so würde dadurch der Gift-Clan sein Ende finden, da Mei ein Mann ist und somit keine Kinder auf die Welt bringen kann. Das wäre jedoch ein Problem für die Zukunft, aber ich bin gespannt, wie der Clan auf solch ein Szenario reagieren würde.

Hier geht es um mehr als nur eine typische Partnersuche

Die Geschichte befasst sich eher damit, dass sich Hikaru – mit der Hilfe der Frauen und Mei Kinosaki – selbst besser kennenlernt und sich bewusst wird, mit welcher Art von Person er sein Leben zukünftig teilen möchte. 

Ob es nun eine der Frauen sein wird, mit denen er sich in der Geschichte anfreundet, Mei oder sonst jemand anderes sein wird, ist eher zweitrangig. 

In Kombination mit den toll geschriebenen Figuren gibt es natürlich noch einen spannenden Plot rund um die Attentäter-Clans, die Hikaru aus dem Weg räumen oder den Gift-Clan an sich sabotieren wollen.

Für mich ist Marriagetoxin ein unerwartetes Hidden Gem, das ein gelungener Mix aus Action, Romantik und sogar Humor, mit toll geschriebenen und interessanten Charakteren ist und sich von der eintönigen Harem-Masse abhebt. 

Habt ihr schon einmal von Marriagetoxin gehört und welche Mangas oder Animes waren bei euch eine Ausnahme?


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