Warner sichert sich Spielmechanik-Patent und Fans üben heftige Kritik

Warner Bros. Patent zum Nemesis-System aus Mittelerde: Mordors Schatten und Schatten des Krieges wurde bestätigt. Jetzt bekommt der Publisher aber ordentlich Gegenwind.

von Jonathan Harsch,
08.02.2021 13:03 Uhr

Warner macht sich mit dem Nemesis-Patent keine Freunde. Warner macht sich mit dem Nemesis-Patent keine Freunde.

Wie GamePro.de vor wenigen Tagen berichteten, versucht Warner Bros. sich seit Jahren das aus Mittelerde: Mordors Schatten und Mittelerde: Schatten des Krieges bekannte Nemesis-System patentieren zu lassen. Laut des US-amerikanischen Patentamts (die Seite ist momentan offline) wurde der Antrag genehmigt und tritt am 23. Februar in Kraft. Das Patent kann bis 2035 aufrecht erhalten werden.

Was ist das Nemesis-System? Das Nemesis-System dient dazu, ganze Geschichten zwischen dem Protagonisten und einzelnen Feinden zu spinnen. Werdet ihr beispielsweise von einem Ork besiegt, wird das Spiel nicht zurückgesetzt, sondern er steigt im Rang auf und erinnert sich bei eurer nächsten Begegnung an euch.

Das sind die Auswirkungen des Nemesis-Patents

Mittelerde: Mordors Schatten von Monolith Productions erschien im September 2014. Seit dem darauffolgenden März versucht Warner das Nemesis-System zu patentieren. Aber was ändert sich jetzt, da der Antrag angenommen wurde?

Kommen mehr Spiele mit dem Nemesis-System? Da Warner das Patent mit aller Macht durchgedrückt hat, werden sie es vermutlich auch verwenden wollen. Von einem neuen Teil der Mittelerde-Reihe ist momentan nichts bekannt. Eventuell findet sich die Mechanik ja in abgeänderter Art in Harry Potter: Hogwarts Legacy oder Gotham Knights wieder.

Das Patent wurde zuerst in einem Video von Game Makers Toolkit an die Öffentlichkeit gebracht:

Link zum YouTube-Inhalt

Interessanter ist ohnehin die Frage, welche Folgen das Patent mit dem Namen "Nemesis-Charaktere, Nemesis-Festungen, soziale Rachefeldzüge und Gefolgsleute in Videospielen" für Dritte hat. Ab welchem Punkt kann von einer Überschreitung des Patents die Rede sein? Grundsätzlich hat die Vergangenheit gezeigt, dass sich im Games-Bereich nur spezifische Assets wirklich schützen lassen können, nicht aber weitreichend Konzepte.

Das bestätigt auch Rami Ismail von Vlambeer auf Twitter:

"Da ich gezwungen war, mich mit der Thematik zu beschäftigen: Ein Patent ist kein Markenrecht, und ein solches einzureichen, bedeutet nicht, dass sie es auch durchsetzen oder einen Streitfall gewinnen würden."

Nicht nur das Nemesis-System wurde patentiert:

Warner erntet Kritik

Fans und die Branche sind von dem Patent nicht begeistert: "Das ist einfach nur widerlich", schreibt Mike Bithel, der Macher von Thomas Was Alone, auf Twitter. Außerdem merkt er an, dass die Mittelerde-Spiele auf einer Reihe von etablierten Spielmechaniken beruhen, die sie ihrerseits von anderen Titeln übernommen hätten.

Link zum Twitter-Inhalt

Noch klarer formuliert es Josh Sawyer von Obsidian (via Twitter):

"lmao, was für ein Haufen Sch***e. Wenn du jemandes Design her nimmst und es verbesserst, solltest du eine Trophäe erhalten und einen Triumphzug durch die Straßen, und die Leute, von denen die ursprüngliche Version stammt, sollten dir applaudieren und sagen, 'wow, das war wirklich cool'."

Wie fandet ihr das Nemesis-System in Mordors Schatten und Schatten des Krieges?

zu den Kommentaren (19)

Kommentare(19)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.