Vor satten elf Jahren erschien mit Soma ein kleines Horrorspiel, das ich regelrecht verschlungen habe. Während es spielerisch abseits von Rätseln und atmosphärischer Erkundung gar nicht so viel zu bieten hatte, spukt die geniale Geschichte mit ihren Gedankenspielen und Twists rund um SciFi-Experimente mit dem menschlichen Geist bis heute in meinem Kopf herum.
Eine lebensverändernde Erfahrung später warte ich also seitdem auf einen Titel, der an die erzählerische Qualität von Soma herankommt – und konnte auf der gamescom jetzt endlich den geistigen Nachfolger Ontos ausprobieren, der in eine ähnliche Kerbe schlägt.
Atmosphäre, Experimente und viel zum Nachdenken
Ontos entsteht wieder beim schwedischen Entwicklerstudio Frictional Games und orientiert sich spielerisch am Vorgänger. Auf dem Programm steht also wieder ein Horror-Adventure mit SciFi-Setting, das vor allem auf eine dichte Atmosphäre, Rätsel und Entscheidungsfreiheit setzt.
Eine direkte Verknüpfung zur Handlung von Soma gibt es – soweit ich weiß – nicht. Die Geschichte dreht sich um die Protagonistin Aditi Amani, die in einem ehemaligen Mondhotel nach ihrem verschwundenen Vater sucht. Dort trifft sie jedoch auf zwielichtige Charaktere und “beunruhigende Enthüllungen über das Wesen der Existenz”, wie es in der offiziellen Beschreibung heißt.
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Ontos macht im Gameplay-Trailer klar, dass auf dieser finsteren Mondstation nichts Gutes auf euch wartet
Im Namen der Wissenschaft
In der gamescom-Demo konnte ich einen Abschnitt mehrfach spielen und mir bereits einen Eindruck von den Entscheidungsmöglichkeiten machen, von denen es im Spiel sehr viele geben soll.
Nachdem ich in einer Art Labor erwache, führt mich eine mysteriöse Stimme über ein Sprachterminal zum Wissenschaftler Crombie, von dem ich einen Schlüssel abholen soll.
Das ist allerdings nicht so einfach, denn wie sich schnell herausstellt, hat sich der besagte Forscher einem Selbstexperiment unterzogen, um seinen eigenen Geist zu kopieren – und nutzt dafür einen Server aus dutzenden, lebenden Ratten.
Na klar, das wäre als Neurowissenschaftler auch mein erster Gedanke gewesen!
Die Lage ist allerdings ernst, denn beim Betreten des Labors finde ich nicht nur den geistig kaum anwesenden, verkabelten Körper des Wissenschaftlers, sondern auch den Ratten-Server, aus dem die arme Seele über ein Mikrofon panisch zu mir spricht.
Er möchte in seinen Körper zurück und gibt mir Anweisungen, wie ich das bewerkstelligen kann. Doch wie ich mich verhalte, bleibt meine freie Entscheidung.
Ich kann der Bitte nachkommen und würde dafür verschiedene Kabel in der richtigen Reihenfolge aus Crombies Kopf ziehen, um seinen leidvollen Zustand zu beenden. Oder ich schaue mich weiter in der Umgebung um und finde Hinweise auf alternative Möglichkeiten.
Wer sagt denn überhaupt, dass die Stimme aus dem Mikro der echte Crombie ist und nicht die Kopie, die gerade versucht, ihren eigenen virtuellen Hintern in den Körper ihres Schöpfers zu retten?
Und gibt es überhaupt eine Rettung oder wäre es sogar das Beste, ich würde den armen Wissenschaftler lieber direkt erlösen und den Stecker ziehen, um all das zu unterbinden?
Welche Möglichkeiten es gibt, zeigt mir das Spiel nicht an. Eine falsche Lösung gibt es außerdem nicht. Egal, was ich tue, die Geschichte geht weiter und passt sich an die Konsequenzen meiner Taten an.
Viele Experimente und viele Fragen
Wie weit diese Auswirkungen gehen, kann ich basierend auf der Demo nicht beurteilen, aber die Umsetzung dieses Beispiels hat mir bereits gut gefallen. Auch deshalb, weil sich das Entwicklerteam erneut mit der Frage auseinandersetzt, was passieren kann, wenn der menschliche Verstand kopiert, vervielfältigt oder manipuliert wird.
Genau das war bereits ein wichtiges Thema in Soma und hat ein paar fantastische Mindfuck-Momente hervorgebracht, die mir bis heute in Erinnerung geblieben sind.
Die Vollversion soll 16 Experimente dieser Art bieten und wie mir die Mitarbeiterin vor Ort bestätigte, verzichtet das Spiel währenddessen wieder weitgehend auf Kämpfe. Ob es feindliche Monster gibt, konnte sie zwar nicht komplett ausschließen, aber es soll auf jeden Fall keine Verfolgungssequenzen geben.
Gut so, denn in einem ruhigen, atmosphärischen Adventure haben solche Momente in meinen Augen nichts verloren. Schon in Soma gab es nur wenige Stealth-Passagen mit direkten Gegnern, allerdings ließen sich diese sogar in den Optionen deaktivieren – zumindest, nachdem der entsprechende Schalter nachträglich reingepatched wurde.
Ich hoffe, dass Ontos direkt zu 100 Prozent auf direkte Konfrontationen oder gar Kämpfe verzichtet und seine ganze Aufmerksamkeit den fiesen Experimenten widmet, die ich auf der Mondoberfläche finden werde.
Allerdings habe ich von der neuen Geschichte bisher noch so gut wie gar nichts gesehen. Diese wird für die Vollversion auch der größte Knackpunkt sein. Ob mich die Story, die Charaktere und die einzelnen Schicksale der Testsubjekte erneut so mitnehmen werden, wie im geistigen Vorgänger, steht also in den Sternen.
Zumindest wirken das Setting, die Thematik und das Gameplay-Gerüst aber bereits stabil auf mich und ich bin gerne bereit, mein Gehirn diesem (hoffentlich) harmlosen Horror-Experiment erneut zur Verfügung zu stellen. Was soll schon schiefgehen?
Was denkt ihr: Klingt Ontos nach einem Spiel, das euch gefallen könnte?
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