Pokémon Arceus hat's geschafft: Mein PokéDex ist mir nicht mehr egal

Pokémon fangen hat Hannes noch nie Spaß gemacht – nicht einmal in Pokémon GO. Aber die neuen Spielmechaniken von Pokémon Legenden: Arceus machen ihn zu Professor Lavens bester Hilfskraft.

von Hannes Rossow,
11.02.2022 17:31 Uhr

Ohne vollen PokéDex lasse ich mich Zuhause nicht mehr blicken. Ohne vollen PokéDex lasse ich mich Zuhause nicht mehr blicken.

Ein dickes Geständnis vorab: Ich habe bisher in keinem Pokémon-Spiel mehr als 50 Taschenmonster (Pi mal Daumen) gefangen. Meine Devise war immer – ich fange nur das Nötigste, konzentriere mich auf meine Kern-Party und rocke die Kanto-, Sinnoh-, Johto-Regionen mit einem ausgewählten Team an Power-Pokémon. Ich will “der Allerbeste sein”, aber ganz sicher nicht “sie mir alle schnappen”. Pokémon-Legenden: Arceus hat aber den Sammeltrieb in mir geweckt.

Gotta catch a few of them

Bisher war mir das PokéDex-Konzept ziemlich egal. Klar, es kann süß sein, durch die Datenbank zu stöbern, aber ich hatte nie die Motivation, meinen PokéDex zu vervollständigen. Warum auch? In den Pokémon-Spielen war das in meinen Augen immer eine recht monotone und langweilige Aufgabe. Neues Pokémon taucht auf, bisschen vor den Kopf hauen und schwächen, Pokéball drauf und ab in die Vergessenheit. Warum sollte ich Pokémon fangen, die ich eh nicht in mein Team holen möchte?

Hannes Rossow
@Treibhausaffekt

Anfangs war Hannes sehr skeptisch, ob er in den weitläufigen Ebenen von Pokémon-Legenden: Arceus auf die Jagd gehen soll. Mittlerweile geht er aber sogar akribisch vor und legt großen Wert darauf, seinen PokéDex zu vervollständigen. Das neue Spielkonzept traf für ihn voll ins Schwarze.

Dieser langfristige Appeal, wirklich alle Pokémon einzufangen, den viele Spieler*innen ja durchaus sehen, hat sich bei mir nie eingestellt. Pokémon Legenden: Arceus hat hier aber eine vollkommen neue Herangehensweise an den PokéDex, die mich umdenken lässt. Und das Ironische hier ist die Tatsache, dass diese “neue Herangehensweise” im Grunde auch nur ein typischer Open World-Grind ist. Die Sache ist aber: Ich liebe Open World-Grinds.

“Oh geil, da vorn ist noch ein Staralili!”

Für alle, die Arceus noch nicht gespielt haben: Um in GameFreaks neuem RPG den PokéDex zu füllen, geht es nicht mehr nur um das reine Fangen der Pokémon, sondern um das Erfüllen verschiedenster Aufgaben. Mal geht es darum, ein besonders schweres Exemplar zu fangen oder eine gewisse Menge eines Pokémons im Kampf zu besiegen. Manchmal müssen wir den Einsatz bestimmter Attacken mit eigenen Augen sehen oder aber bestimmte Attacken gegen diese Pokémon einsetzen.

Früher gab es für mich nur meine Party - jetzt freunde ich mich mit allen Pikémon an. Früher gab es für mich nur meine Party - jetzt freunde ich mich mit allen Pikémon an.

Je mehr Aufgaben dieser Art von mir abgehakt werden, desto schneller füllt sich der PokéDex-Eintrag für das jeweilige Taschenmonster. Was sich nach kleinteiliger Arbeit anhört, hat aber einen schönen Effekt: Plötzlich erfüllt jede Begegnung mit einem Pokémon einen Zweck. Selbst wenn ich Sheinux schon ein paar Mal gefangen habe – ein paar Attacken von Typ Boden und wieder steigt das Forschungslevel im PokéDex. Das schafft Abwechslung und einen angenehmen Mix aus Fangen, Bekämpfen und Beobachten.

Dieser simple Grind sorgt dafür, dass ich plötzlich Wert darauf lege, die Einträge zu Pokémon tatsächlich abzuschließen. So wie ich keine Open World-Nebenaufgaben liegen lassen kann, kann ich auch das Waumpel da vorn nicht ignorieren – ich muss doch den Giftstachel noch ein paar Mal sehen. Wo mich Pokémon-Welten früher mit “nutzlosen” Taschenmonstern konfrontiert hat,kann ich jetzt jeder Begegnung etwas abgewinnen.

Das Gameplay von Pokémon-Legenden: Arceus geht ganz neue Wege:

Pokémon-Legends Arceus: Fangmechanik, Städte, NPCs und mehr im neuen Trailer 6:03 Pokémon-Legends Arceus: Fangmechanik, Städte, NPCs und mehr im neuen Trailer

Typischer Open World-Grind (lieb gemeint)

Dieses unverhoffte Sammelfieber und der Wunsch, den PokéDex zu vervollständigen, führt mittlerweile dazu, dass ich mich noch lange in Gegenden aufhalte, die längst keine Missionen oder nennenswerten XP bieten. Ich möchte erst weiterziehen, wenn ich auch den letzten Eintrag vervollständigt habe. Erst danach nehme ich mir den nächsten Satz an Pokémon vor. Da fühle ich mich nicht von ungefähr an so manche The Witcher 3-Abende erinnert, an denen ich wirklich jedes Fragezeichen auf der Map abgelaufen bin.

Dieser Open World-Effekt, der oft an schnöde To-Do-Listen erinnert, hat längst einen schlechten Ruf entwickelt. Im Falle von Pokémon-Legenden: Arceus nehme ich diese Checkliste aber gern in Kauf – denn das über Jahrzehnte stagnierende Prinzip von “fangen und vergessen” hat dringend frischen Wind gebraucht. Und dass ich mir jetzt tatsächlich Gedanken über meinen PokéDex Gedanken mache, zeigt mir, dass dieser Schritt erfolgreich war. Endlich will ich sie mir auch alle schnappen!

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