Ich habe Life is Strange: Reunion gespielt und dabei nichts gefühlt

Die Story von Max und Chloe aus dem ersten Life is Strange soll im neuen Teil ihren Abschluss finden. Was eigentlich eine emotionale Reise werden soll, lässt Eleen bislang noch kalt.

Eleen konnte Life is Strange Reunion bereits vor dem Release am 26. März spielen. Eleen konnte Life is Strange Reunion bereits vor dem Release am 26. März spielen.

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Das erste Life is Strange hat eines der besten Enden, die ich je in Videospielen erlebt habe. Das liegt nicht nur an der extrem harten Entscheidung, die ich am Ende treffen muss – sondern auch daran, dass es die Kulmination von allem ist, was ich bis dahin mit Max und Chloe erlebt habe.

Diese emotionale Wucht haben für mich nur wenige andere Spiele erreicht. Warum ich das hier erwähne? Weil Life is Strange: Reunion allem Anschein nach versucht, genau an diese Emotionen anzuknüpfen.

In den 75 Minuten, die ich kürzlich anspielen konnte, waren bereits mehrere Momente, die mich stark an den ersten Teil erinnert haben. Aber emotional wollte mich das einfach (noch) nicht mitreißen.

Spoiler-Warnung: Da Life is Strange Reunion nicht nur auf die Ereignisse des Vorgängers Double Exposure, sondern auch das Ende des allerersten Teils aufbaut, solltet ihr beide Spiele gezockt haben. Um Spoiler zu den Enden komme ich nämlich nicht herum.

Ein Wiedersehen nach 11 Jahren

Life is Strange Reunion bringt sowohl Max als auch Chloe zurück – obwohl Chloe potenziell im ersten Spiel stirbt. Möglich wird das durch die Ereignisse des Vorgängers Double Exposure, in dem Max effektiv die beiden Paralleluniversen, in denen Chloe überlebt und stirbt, miteinander verschmilzt. So die Kurzfassung.

In meiner Anspielsession konnte ich jetzt sowohl Max als auch Chloe spielen und das Wiedersehen der beiden erleben – dazu gleich mehr.

Video starten 2:36 Life is Strange: Reunion schickt Max auf ihr letztes Abenteuer – und bringt eine alte Bekannte zurück

Schon beim Gameplay ist alles verdächtig vertraut

Spielerisch hält sich Reunion eng an die bekannte Life is Strange-Formel. Ich spiele also diesmal wieder Max, die ihre Rewind-Fähigkeiten aus dem ersten Teil zurückbekommt, also die Zeit wieder zurückspulen kann. Da ist auch schon der erste Nostalgie-Köder.

Nichtsdestotrotz, die Mechanik macht noch immer Spaß, besonders in Gesprächen. Etwa, wenn ich einen schmierigen Kerl wegschicken will und mir von ihm erstmal verraten lasse, was für ein Auto er fährt – nur um dann ein paar Minuten zurückzuspringen und ihn ganz unschuldig zu fragen, ob das sein blauer Mercedes ist, der da gerade die Straße runterrollt.

Chloe Chloe hat mit Backtalk ihre eigene Fähigkeit, die euch aus Before the Storm bekannt sein dürfte.

Max In Reunion kann Max wieder die Zeit zurückspulen.

Allerdings kann Max die Fähigkeit nicht immer einsetzen. Als ich am Ende eines bestimmten Gespräches zurückspulen wollte, war das nicht möglich, da das Spiel direkt in eine nicht interaktive Cutscene springt. 

Daneben schlüpfe ich auch in die Rolle von Chloe, die mit “Backtalk” ihre eigene Fähigkeit bekommt. Fans von Life is Strange: Before the Storm kennen das bereits. Chloe liefert sich hier Wortduelle mit Leuten. Dabei ist es vorab nützlich, Hinweise zu suchen, um die richtigen Antworten zu geben.

Darüber hinaus treffe ich wie für die Reihe üblich auch Entscheidungen, die sich auf meine Beziehungen zu Charakteren und den Verlauf der Story auswirken. Max und Chloe versuchen nämlich gemeinsam zu verhindern, dass die Universität in wenigen Tagen in Flammen aufgehen wird, was Max dank ihrer Zeitreisefähigkeiten bereits gesehen hat.

Disclaimer: Entwickler Deck Nine stand zuletzt im April 2024 im Fokus, als anonyme Anschuldigungen von mehreren Mitarbeiter*innen des Studios publik wurden. Inhaltlich geht es um Missmanagement, Crunch, sexuelle Belästigung und die Verbreitung von Nazi-Symbolen. 

Einen ausführlichen Bericht zum Thema findet ihr unter diesem Link.

“Hey, erinnerst du dich noch daran, wie du dich damals gefühlt hast?”

Der eigentliche Kern von Life is Strange ist aber seit jeher die Story und das ist auch in Reunion nicht anders. Zwar konnte ich in den 75 Minuten nur einen kleinen Einblick bekommen und noch nicht erleben, wie stark sich meine Entscheidungen im Spielverlauf wirklich auswirken – mit dem Wiedersehen von Chloe und Max war aber zumindest schon ein großer Moment dabei. 

Zumindest sollte er eigentlich groß sein.

Max ist hier gerade aus einem Haus geflüchtet, in das sie sich auf der Suche nach Hinweisen zur anbahnenden Feuerkatastrophe reingeschlichen hatte und muss sich schnell vom Acker machen, ehe die Polizei auftaucht. Und dann ist Chloe plötzlich da, frisch mit ihrem Jeep angekommen. Für Max ist das ein vollkommen unerwarteter Moment – ich habe Chloe dagegen bereits in einer früheren Szene gespielt und wusste, dass sie auf dem Weg war.

Das Wiedersehen der beiden sollte viel in mir auslösen, doch der Effekt ist leider verpufft. Das Wiedersehen der beiden sollte viel in mir auslösen, doch der Effekt ist leider verpufft.

Untermalt wird das Ganze bei mir – ich habe für die Session den Worldstate gewählt, in dem Chloe tot war – mit dem Song Spanish Sahara. Ihr erinnert euch vielleicht: Dieser Song läuft auch am Ende des ersten Teils, wenn wir Chloe opfern, um Arcadia Bay zu retten.

Mehr Nostalgie-Bombe geht also eigentlich gar nicht. Was aber damals ein emotionaler Schlag in die Magengrube war, lässt mich diesmal kalt. Anders als im ersten Teil fühlt sich der Moment nicht “verdient” an. Mir fehlt die emotionale Vorarbeit, die der Szene Gewicht verleiht. Das mag zum Teil an der kurzen Spielzeit der Anspielsession liegen, aber der Song wirkte für mich deplatziert. Weniger als sollte er die Szene selbst unterstreichen und mehr als wollte er mir sagen: “Hey, erinnerst du dich noch daran, wie du dich damals gefühlt hast?”

Das ist ziemlich schade, schließlich lebt Life is Strange von seinen Emotionen. Ich kann nur hoffen, dass das schlicht am kurzen Ausschnitt der Anspielsession lag und mich im Spiel dann doch einige emotionale Momente erwischen werden.

Sprachausgabe: Die deutsche Sprachausgabe ist bislang sehr gelungen und kann besonders bei Max und Chloe überzeugen. Allerdings ist die Lippensynchronität nicht immer gegeben.

Zwischen Leben und Tod

Interessant ist immerhin noch das Gespräch von Chloe und Max am nächsten Morgen. Reunion ignoriert nicht einfach, welche Entscheidungen ich im ersten Teil getroffen habe. Die entsprechen dann nämlich der Realität von Max. Chloe dagegen erinnert sich einerseits an den Roadtrip, den sie mit Max unternimmt, wenn sie das Ende überlebt hat, hat aber andererseits auch lebensechte Visionen von ihrem eigenen Tod.

In Visionen springt Max zwischen den Paralleluniversen hin und her. In Visionen springt Max zwischen den Paralleluniversen hin und her.

Obendrein hat sie Visionen vom Leuchtturm (mal wieder ein Verweis auf den ersten Teil) und Max’ Freundin Safi, von der es ähnlich wie bei Chloe dank der Paralleluniversen eine “tote Version” in der Vision gibt, obwohl sie eigentlich am Leben ist.

Hier wird wie schon im ersten Teil ein übergreifendes, übernatürliches Mysterium angedeutet. Ob sich das letztlich durch das ganze Spiel zieht und uns am Ende wieder eine harte Entscheidung erwartet oder ob damit nur Chloes Rückkehr erklärt werden soll, bleibt abzuwarten.

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