Tobis Brettspieltipps 2020 - Diese 10 Empfehlungen gehören auf den Tisch

Pünktlich zum Ende des Jahres gibt es auch 2020 wieder ein paar Empfehlungen von Brettspiel-Enthusiast Tobi, der Tipps für Einsteiger und Profis parat hat.

von Tobias Veltin,
28.12.2020 10:00 Uhr

Tobi hat auch 2020 wieder viel analog gespielt und gibt euch hier 10 Empfehlungen. Tobi hat auch 2020 wieder viel analog gespielt und gibt euch hier 10 Empfehlungen.

Brettspiele boomen mehr denn je, das belegen Zahlen aus der Branche aus diesem Jahr ganz eindeutig. In Pandemie-Zeiten und generellem Zuhausebleiben hat sich das analoge Spiel wieder ins Zentrum des Interesses gekämpft und kommt bei vielen offenbar sehr gut an, was mich als Brettspiel-Enthusiasten natürlich wahnsinnig freut.

Wie in jedem Jahr präsentiere ich euch auch 2020 wieder einige meiner aktuellen Brettspiel-Lieblinge und hoffe, dass der oder die ein oder andere von euch ein paar Inspirationen und Tipps mitnehmen kann. Meine Empfehlungen beziehen sich quer durch die Bank für Einsteiger wie fortgeschrittene Spieler*innen und wie immer gibt es natürlich keine Gewähr, dass sie jedem von euch gefallen.

Das hier ist mittlerweile meine fünfte Brettspiel-Empfehlungsliste. Meine Tipps aus den letzten Jahren haben natürlich immer noch Bestand, ihr findet sie unter folgenden Links:

Aber jetzt zu meinen Brettspiel-Empfehlungen 2020!

Spicy

Verlag: Heidelbär Games
Spielerzahl: 2-6
Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
Spielzeit: 15 Minuten
Preis (ca.): 15 Euro
Website: Spicy

Spicy ist ein Bluff-Spiel mit Karten, hier geht es also darum, möglichst gut zu flunkern und die Gegner*innen in die Irre zu führen. Auf jeder der Karten ist ein Gewürz und eine Zahl (bis 10) abgebildet. Wer anfängt, spielt verdeckt eine Karte und sagt die Gewürzsorte und die Zahl an - diese Ansage muss schon hier aber nicht stimmen. Danach geht es weiter und jeder muss nun höhere Karten der gleichen Gewürzsorte legen oder passen. Wie schon gesagt, wer legt, kann nach Herzenslust flunkern.

Aber: Zu jeder Zeit kann jemand eine gerade gelegte Karte "herausfordern", also anzweifeln. Dann muss gesagt werden, was angezweifelt wird (Gewürzsorte oder Zahl), anschließend wird die betreffende Karte umgedreht. Wer richtig anzweifelt bekommt den darunterliegenden Stapel als Punkte, wer falsch liegt, muss Karten nachziehen.

Spicy sorgt für ordentlich Stimmung am Tisch. Es kommt immer wieder zu witzigen Situationen, auch, weil man man bei einem Kartenattribut schummeln , das andere aber richtig sein kann. Ein perfektes Absacker-Spiel, mit dem man einen Spielabend hervorragend einleiten oder ausklingen lassen kann.

Fantastische Reiche

Verlag: Strohmann Games
Spielerzahl: 2-6
Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
Spielzeit: 20 Minuten
Preis (ca.): 20 Euro
Website: Fantastische Reiche

Etwas grübellastiger, aber nicht weniger spannend geht es bei Fantastische Reiche zu. Hier bekommt jede*r sieben Karten auf die Hand und muss dann in der Folge durch Ablegen und ziehen die meisten Punkte zusammensammeln. Der Clou: Jede Karte ist einzigartig und hat teilweise Effekte auf andere Karten. Wer beispielsweise die Wald-Karte hat, bekommt durch jede Bestie 12 weitere Punkte. Andere Effekte blockieren dagegen andere Karten, sodass man in jedem Zug gut überlegen muss.

Werfe ich eine Karte an und hoffe darauf, noch eine passendere zu bekommen, um noch mehr Punkte einzusacken? Diese ständige Optimierungs-Knobelei kann süchtig machen, bei einer Partie bleibt es bei Fantastische Reiche meistens nicht, denn jeder will so viele Punkte wie möglich sammeln. Ein Tipp von mir: Ladet euch die kostenlose Wizkids-App, damit klappt die Auswertung viel schneller und komfortabler als mit dem beigelegten Block.

Sagani

Verlag: Skellig Games
Spielerzahl: 1-4
Altersempfehlung: Ab 8 Jahren
Spielzeit: 45 Minuten
Preis (ca.): 30 Euro
Website: Sagani

In Sagani geht es darum, Plättchen so geschickt zu legen, dass Bedingungen auf anderen Plättchen erfüllt werden. Zeigt auf einem Plättchen beispielsweise ein blaues Symbol nach rechts, muss dort nach Möglichkeit im Laufe des Spiels ein blaues Plättchen angelegt werden. Allerdings muss das nicht zwingend angrenzend passieren, sondern kann auch in einer Reihe irgendwann kommen. Wenn alle Aufgaben eines Plättchens erfüllt sind, wird es umgedreht und man bekommt Punkte. Wer zuerst eine festgelegte Punktzahl erreicht, gewinnt.

Ähnlich wie bei Fantastische Reiche geht es auch in Sagani ums Optimieren, allerdings in etwas anderer Form. Hier muss nämlich räumlich mehr der Überblick behalten werden und da auf den Plättchen teilweise mehrere Aufgaben abgebildet sind, fällt das anfangs gar nicht so leicht. Das eingängige Spielprinzip ist aber trotzdem schnell verstanden und zieht auch noch nach etlichen Partien. Darüber hinaus hat Sagani meiner Meinung nach eines der schönsten Cover des Spielejahrgangs.

King of 12

Verlag: Corax Games
Spielerzahl: 2-4
Altersempfehlung: Ab 8 Jahren
Spielzeit: 20 bis 40 Minuten
Preis (ca.): 20 Euro
Website: King of 12

In King of 12 würfeln alle Spieler*innen einen zwölfseitigen Würfel, wer am Ende die höchste Zahl hat, gewinnt die Runde. Klingt öde? Wäre es sicher auch, wenn es nicht zusätzlich Karten gäbe, die Würfelergebnisse verändern, anpassen und somit Runden komplett auf den Kopf stellen könnten. Der Alchemist beispielsweise verdoppelt den Würfelwert, der Ritter dagegen sorgt dafür, dass in einer Runde die niedrigste Zahl gewinnt.

Aber Vorsicht: Identische Würfelwerte und Karten eliminieren sich gegenseitig. Außerdem hat jede*r zu Beginn einen identischen Kartensatz auf der Hand, man kann also immer überlegen, welche Karte jemand möglicherweise in welche Runde spielt. Diese Elemente sorgen dafür, dass in King of 12 deutlich mehr drin steckt, als man es auf den ersten Blick vermutet. Definitiv eines meiner Würfel-Highlights 2020!

Rajas of the Ganges: The Dice Charmers

Verlag: Huch!
Spielerzahl: 2-5
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Spielzeit: 30 bis 45 Minuten
Preis (ca.): 20 Euro
Website: Rajas of the Ganges: The Dice Charmers

Ebenfalls um Würfel geht es in Rajas of the Ganges: The Dice Charmers. Allerdings handelt es sich hierbei um ein sogenanntes "Roll & Write"-Spiel, in dem es darum geht, sich Würfel auszusuchen und auf Basis deren gezeigter Symbole Aktionen auf einem Blatt abzustreichen, um Ruhmespunkte oder Geld zu kassieren. In The Dice Charmers gibt es von diesen Aktionen eine ganze Menge. Ihr könnt Wege mit eurem Palast verbinden, Waren sammeln und dann später für Geld verkaufen, auf dem Ganges entlangreisen oder besonders starke Palastaktionen ausführen. Wessen Geld- und Ruhmesleisten sich zuerst kreuzen, gewinnt.

Ich habe schon etliche Roll & Write-Titel gespielt, aber The Dice Charmers gehört definitiv zu den bislang besten. Denn hier lassen sich verschiedene Strategien fahren und ausprobieren, durch die unterschiedlichen Aktionen fühlt sich das Spiel zudem deutlich "größer" an. Fast genauso wie die tatsächlich existierende "große" Version von Rajas of the Ganges, die 2017 erschien und ebenso empfehlenswert ist.

Switch & Signal

Verlag: Skellig Games
Spielerzahl: 2-4
Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
Spielzeit: 45 Minuten
Preis (ca.): 35 Euro
Website: Switch & Signal

Switch & Signal ist ein kooperatives Brettspiel, ihr tretet also gewissermaßen zusammen gegen das Spiel an. Eure Aufgabe ist es, mit euren Zügen auf dem Spielplan Waren einzusammeln und zum Zielhafen zu transportieren. Doch das ist einfacher, als es klingt, denn es gibt ein recht enges Zeitlimit und auf dem Schienennetz müssen unter anderem auch Signale richtig gestellt und Weichen angepasst werden, damit es nicht zu einem Unfall kommt.

Gesteuert wird das ganze über Karten und spielt sich dank unterschiedlicher Startpositionen der Züge immer wieder neu. Mir gefällt vor allem, wie knapp und spannend sich nahezu jede Partie anfühlt. Man muss sich wirklich gut absprechen und die Aktionen in der bestmöglichen Reihenfolge ausführen, um die Aufgabe zu knacken. Das funktioniert übrigens auch schon für jüngere Spieler, weswegen ich Switch & Signal neben Klassikern wie Pandemie als Einstieg in die Koop-Brettspiele durchaus empfehlen kann.

Die Insel der Katzen

Verlag: Skellig Games
Spielerzahl: 1-4
Altersempfehlung: Ab 8 Jahren
Spielzeit: 60 bis 90 Minuten
Preis (ca.): 50 Euro
Website: Die Insel der Katzen

Eines meiner absoluten Highlights im Jahr 2020. Bei Die Insel der Katzen ist es unsere Aufgabe, verschiedenfarbige Katzen von ihrer Insel zu retten, bevor sie ein Bösewicht dem Erdboden gleichmacht. Die Katzen selbst sind Polyomino-Plättchen, erinnern also an Tetris-Steine und müssen auf unserem Schiffsplan verpuzzelt werden. Dabei gibt es Punkte für gleichfarbig benachbarte Katzen, verdeckte Rattensymbole und vieles mehr.

Genial wird diese Prinzip aber erst durch die Hinzunahme eines Draft-Mechanismus. Bevor wir Katzen retten können, geben wir Karten im Uhrzeigersinn herum und suchen uns immer zwei davon aus. Diese Karten erlauben zum Beispiel das ziehen eines zusätzlichen Katzen-Plättchens oder haben Einfluss auf bestimmte Wertungen am Ende des Spiels - für einzelne oder alle Spieler*innen.

Diese Verzahnung macht Insel der Katzen zu einer herausfordernden Aufgabe, die mich dank zig unterschiedlicher Karten und unterschiedlich geformter Katzenplättchen auch nach etlichen Partien noch fasziniert hat. Für Einsteiger gibt es auch eine Familienversion, die sich auf das verpuzzeln der Plättchen beschränkt.

Hansa Teutonica (Big Box)

Verlag: Pegasus
Spielerzahl: 3-5
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Spielzeit: 45 bis 90 Minuten
Preis (ca.): 40 Euro
Website: Hansa Teutonica Big Box

Als Kaufleute zu Zeiten der Hanse versucht ihr in Hansa Teutonica, möglichst viel Ansehen und Prestigepunkte einzuheimsen. Dafür führt ihr in euren Zügen jeweils mehrere Aktionen aus, versucht auf dem Spielplan, Niederlassungen in Städten zu gründen, Wegenetzwerke aufzuziehen oder auf eurem Spielertableau die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Da das natürlich jeder Spieler*in versucht, spielt sich das teils herrlich interaktiv, weil man etwa andere von ihren Wegen verdrängen kann, um selbst die Verbindung fertigzustellen.

Hansa Teutonica erschien eigentlich schon im Jahr 2009, wurde aber 2020 in einer "Big Box" wieder aufgelegt und enthält alle bisher veröffentlichten Spielpläne. In meinen Augen schon jetzt ein moderner Klassiker mit nahezu makellosen Mechanismen und einem wunderschönen Spielbrett im Stile alter Karten. Allerdings gilt meine Empfehlung hier eher für fortgeschrittene und Vielspieler.

Marco Polo 2: Im Auftrag des Khan

Verlag: Hans im Glück
Spielerzahl: 2-4
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Spielzeit: 30 Minuten pro Spieler*in
Preis (ca.): 50 Euro
Website: Marco Polo 2

Der Vorgänger "Die Abenteuer des Marco Polo" gehört zu meinen absoluten Lieblingsspielen, der zweite Teil passt einige Mechanismen noch einmal etwas an. Grundsätzlich setzt ihr in den Marco Polo-Spielen Würfel ein, um unterschiedliche Aktionen auszuführen, zum Beispiel über den Spielplan zu reisen, oder Ressourcen zu verkaufen. Als hauptsächliche Punktebringer fungieren dabei Aufträge, die ihr im Laufe des Spiels sammeln und erfüllen müsst. Genial: Jeder der wählbaren Charaktere im Spiel hat eine besondere Eigenschaft, die teilweise ganze Regeln außer Kraft setzen, aber verblüffenderweise ziemlich ausgewogen sind.

Die Veränderungen im Vergleich zu Marco Polo 1 sorgen dafür, dass sich der zweite Teil zwar im Kern ähnlich anfühlt, aber trotzdem andere Entscheidungen erfordert. Beispielsweise bekommt ihr in Marco Polo 2 Aufträge nur, wenn ihr euch wirklich über den Spielplan bewegt, was euch etwas mehr unter Druck setzt, aber schon von Beginn an für eine gewisse Dynamik in den Partien sorgt. Der Würfeleinsetzmechanismus gepaart mit der großen Variabilität im Spielaufbau macht auch Marco Polo 2 für mich zu einem echten Hammer und zu einem Muss für jeden, der auf der Suche nach einem anspruchsvollen Brettspiel ist.

Hallertau

Verlag: Lookout Spiele
Spielerzahl: 1-4
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Spielzeit: 50 bis 140 Minuten
Preis (ca.): 75 Euro
Website: Hallertau

Autor Uwe Rosenberg hat bereits einige Spiele mit Landwirtschaftsthema erdacht, darunter etwa Agricola, Caverna oder Arler Erde. Hallertau schlägt in eine ähnliche Kerbe, denn auch hier ist das etwa das Bewirtschaften der Felder oder die Schafzucht in der namensgebenden Bierbrau-Region in Bayern ein wichtiges Element. Übergeordnetes Ziel ist es aber, das eigene Dorf weiter auszubauen. Dafür setzt ihr kleine Arbeiterfiguren ein und führt dann unterschiedliche Aktionen aus, sät zum Beispiel die Felder oder holt euch Waren auf dem Wochenmarkt.

Hallertau erschlägt zu Beginn mit seiner Regelflut und der Fülle an Spielmaterialien. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt und sich durchbeißt, bekommt aber auch hier wieder ein enorm durchdachte und vor allem gut verzahntes Spiel mit gut durchdringendem Thema geboten, das vor allem mit der Vielfalt seiner Karten besticht, aber auch viel Planung und Überlegung verlangt, was stellenweise in Grübelei ausarten kann. Wie Marco Polo 2 also eher ein Tipp für erfahrene Spieler*innen, die sollten Hallertau aber in jedem Fall mal ausprobieren.

Und jetzt seid ihr dran: Spielt ihr Brettspiele? Und wenn ja, welche? Was könnt ihr empfehlen?

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