Um direkt zu Beginn ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern: Eigentlich wollte ich diesen Artikel bereits Anfang 2025 schreiben, als Ubisoft wieder einmal wegen dem ganzen Heckmeck rund um AC Shadows, Entlassungen, ihren formelhaften Spielwelten und halbgaren GaaS-Titeln wie Skull & Bones massiv in der Kritik stand. Genauer gesagt war der Artikel sogar schon fertig geschrieben.
Letzten Endes hatte ich mich aus zweierlei Gründen aber gegen eine Veröffentlichung entschieden.
Zum einen war es mir zum damaligen Zeitpunkt zu plump, Ubisoft als Sinnbild für den “Untergang der AAA-Industrie” heranzuziehen. Und es erschien mir falsch, mich ins Lager der Ubisoft-Formel-Kritiker zu begeben und dabei völlig auszublenden, dass ich mit Star Wars Outlaws oder PoP: The Lost Crown eine richtig gute Zeit hatte.
Zum anderen blieb der Artikel für immer in der Schublade, weil ich nach der wichtigen und richtigen Verschiebung von AC Shadows daran geglaubt hatte, dass Ubisoft das Zepter des gefühlt meistgehassten Publishers wieder an EA abgibt und die Kurve bekommt.
Doch nach dem angekündigten Reset vom gestrigen Abend bin ich mir sehr sicher, dass dieser Umschwung ausbleiben und "mein Ubisoft" nicht mehr zurückkehren wird – zumindest solange die aktuelle Führung am Ruder ist.
Hach, das waren noch tolle Zeiten…
Beim Lesen des Autorenkastens oben bekommt ihr gewiss schon einen ersten Eindruck davon, was "mein Ubisoft" bedeutet. An der Stelle dennoch eine kurze Einordnung.
Mich mit Sam Fisher in Splinter Cell durch lineare Level zu schleichen, mit dem Prinzen aus The Sands of Time an Wänden entlang zu spurten, zum Beat von Skrillex ganze Hanfplantagen in Brand zu stecken oder Valiant Hearts mit einem Kloß im Hals zu spielen: das sind Dinge, die ich mit "meinem Ubisoft" verbinde.
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Gruselig oder Genial? Wir haben mit Ubisofts Spiele-KI gesprochen | FYNG Talk
Doch für diese Art von Spielspaß scheint nach der gestrigen Neuausrichtung kein Platz mehr zu bestehen. Frische kleine Projekte fernab des AAA(A)-Bombasts oder kompakte, hochwertige Stealth,- Action- oder Platformer-Abenteuer für die einstigen treuen Fans werfen scheinbar in den Augen der Verantwortlichen bei Ubisoft zu wenig Profit ab.
Der Zyniker in mir möchte für Capcom mit ihren millionenfach verkauften Resident Evil-Spielen ein Spendenkonto eröffnen und hofft, dass Sandfall mit Clair Obscur über die Runden kommt.
Spaß beiseite. Die Art von Spielen verkauft sich noch immer, sie müssen lediglich qualitativ einiges (!) auf dem Kasten haben.
Ubisoft entwickelt keine Spiele mehr für mich
Zwar ist dem gestrigen Statement zu entnehmen, dass Ubisoft auch künftig an Marken wie Prince of Persia oder Beyond Good & Evil festhalten will. Das “Wie” spielt hier jedoch eine ganz entscheidende Rolle.
Das neue Betriebsmodell konzentriert sich nämlich im Wesentlichen auf zwei Arten von Spielen: Open World-Abenteuer und GaaS-Titel, die mit dem Einsatz von generativer KI modernisiert werden.
Ubisoft spricht zwar von einem firmeninternen Reset, doch all das ist keine Kehrtwende. Es ist vielmehr ein All-In auf das, was schon seit Jahren kritisiert wird und der ursprüngliche Grund, warum ich diesen Artikel bereits vor einem Jahr schreiben wollte.
Zwar mag hier sicher ab und an noch ein Open World-Titel bei abfallen, der mir taugt – ich erinnere mich beispielsweise sehr gerne an Immortals: Fenyx Rising und hatte wie erwähnt auch mit Star Wars Outlaws meinen Spaß.
Nach der Einstampfung des Prince of Persia-Remakes habe ich jedoch endgültig den Glauben daran verloren, dass Ubisoft in absehbarer Zeit noch auf Linearität oder kleine Perlen wie The Lost Crown oder Valiant Hearts setzen wird.
Ein Hoffnungsschimmer zum Schluss
Ubisoft scheint zwar in der Breite keine Spiele mehr für mich zu entwickeln, ein Satz ist mir im Zuge der Neuausrichtung aber dennoch positiv im Gedächtnis geblieben:
“Wir werden mehrere Projekte, die sich derzeit in der Entwicklung befinden, einstellen und bestimmten Spielen zusätzliche Zeit einräumen, um eine verbesserte Qualität zu gewährleisten und deren langfristigen Wert zu maximieren.”
Mehr Entwicklungszeit für höhere Qualitätsstandards. Ein Satz, der sich zumindest gut liest, sich in der Realität aber natürlich noch beweisen muss. So entwickelt Ubisoft zwar vielleicht künftig keine Spiele mehr für mich, wenn ihr aber bei Ubisoft-Open Worlds und GaaS-Titeln weiterhin "nehm ich" sagt, könnt ihr zumindest wie zuletzt bei AC Shadows auf mehr Polishing zum Release hoffen.
Wie ergeht es euch mit der Neuausrichtung von Ubisoft und meint ihr, dass wir künftig noch ein spaßiges Beyond Good & Evil 2, Splinter Cell oder Prince of Persia bekommen?
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