BioWare will Anthem aufgeben, aber ich habe eine bessere Idee

"Anthem soll nicht sterben", findet unsere Freelancerin Nele und erklärt warum das Spiel lieber als Singleplayer-RPG á la Dragon Age und Mass Effect fortgesetzt werden sollte.

von Nele Wobker,
01.03.2021 17:00 Uhr

BioWare, fegt die Scherben zusammen und macht etwas Neues aus Anthem. BioWare, fegt die Scherben zusammen und macht etwas Neues aus Anthem.

Am 24.02.2021 gab BioWare bekannt, die Arbeiten an Anthem Next einstellen zu wollen. Bestehen bliebe aber das Spiel, so wie es jetzt ist - mit all seinen Fehlern. Ich finde, hier verschenkt BioWare viel Potenzial und sage: "Kehrt die Scherben zusammen und schafft etwas Neues daraus. Lasst Anthem endlich ein Offline-Singleplayer sein!"

Keine generischen Quests und Wiederholungen mehr!

Typisch für Loot-Shooter, hat auch Anthem eine Story, die so angelegt ist, dass die Entwickler*innen sie unendlich weiterspinnen können. Das ist natürlich wichtig für ein Onlinegame, da die zahlenden Spieler*innen regelmäßig mit neuen Inhalten versorgt werden wollen. Gleichzeitig stellt genau das aber auch eine große Schwachstelle dar: Storytechnisch bedeutet es, dass immer wieder neue "Ereignisse" provoziert werden müssen, um das Gameplay am laufen zu halten. Generische Quests und Wiederholungen sind also vorprogrammiert.

Bestes Beispiel hierfür sind die "Cataclysmen". Ein Kataklysmus bezeichnet eigentlich eine Form des Untergangs der Welt und ist somit nichts, was sich wiederholen lässt. In Anthem jedoch kommt es immer wieder zu Stürmen, die als Cataclysmen bezeichnet werden, was irgendwie unsinnig ist. Passender wäre ein Kataklysmus als finales Ereignis, bei dem es gilt, den Untergang der Welt zu verhindern. Klingt doch nach einer passablen letzten Mission, oder?

Selbst die mächtigen Kataklysm-Stürme sind irgendwann langweilig. Selbst die mächtigen Kataklysm-Stürme sind irgendwann langweilig.

Hübsch aber dämlich: Aktuell zeichnet sich Anthem noch durch eine sagenhaft schöne Welt und die Javelins als Alleinstellungsmerkmal aus. Darauf aufbauend wären mehr und bessere Schusswaffen super sowie Gegner*innen, die sich signifikanter voneinander unterscheiden und fordernder sind als jetzt. Ein spannenderer Hauptantagonist wäre außerdem wünschenswert und die Missionen sollten deutlich abwechslungsreicher werden. Und in einem Singleplayerspiel lässt sich all das wesentlich besser umsetzen.

Schließt die Storylücken

Anthem bietet eine reizvolle Sci-Fi-Lore, die während der absurden Mainstory mit ihren teils unsinnigen Wendungen aber komplett untergeht. Dabei ließen sich aus "Bastion" so viele mitreißende Geschichten und Charaktere formen.

Auch hier bin ich mir sicher: Wäre Anthem ein Singleplayer geworden, läge ein hervorragender 3rd-Person-Shooter mit starken Rollenspielelementen vor uns. Ein vollwertiges Action-Rollenspiel anstelle eines halbgaren Shared-World-Shooters.

Dürftiger Solo-Modus: Wer Anthem aktuell alleine spielen will, bekommt dennoch per Zufallsprinzip andere Mitspielende zugewiesen. Wenn man dabei Leute erwischt, die keine guten Teamplayer sind, hat man das Nachsehen. Sich mit diesen für Kombos und Strategien abzusprechen, gestaltet sich als schwierig. Im Koop, mit Bekannten, klappt es via Voice-Chat besser mit den Absprachen, aber auch das mag nicht jede*r. Ideal wäre also eine Auswahl an festen Gefährt*innen, zwischen denen wir vor Quests wählen können, wie zum Beispiel in Dragon Age: Inquisition.

Nutzt Anthems Stärken!

Anthems Open-World-Landschaften sind atemberaubend schön. Anthems Open-World-Landschaften sind atemberaubend schön.

Perfekte Open-World: Anthem sieht umwerfend aus. Die komplette Welt könnte also schon einmal so bleiben wie sie ist. Das ist von ungeheurem Vorteil, denn die Erstellung und Verbesserung der Grafik wäre ungemein aufwendig und schluckt bei AAA-Spieleentwicklungen mitunter einen großen Teil der Schaffenszeit. BioWare hätte also bereits ohne weiteres Zutun eine wunderschöne, üppige Open-World anzubieten - perfekt für ein episches Singleplayer-RPG.

Javelin-Anzüge: Das Gameplay rund um die Javelin-Kampfanzüge macht unheimlich viel Spaß. Die fliegenden Rüstungen lassen sich in der Schmiede von Fort Travis, dem Haupthub von Anthem, vielfältig anpassen. Zudem liefern die vier Archetypen bereits eine Steilvorlage für ein klassisches Singleplayer-Klassensystem, sodass für alle etwas dabei ist.

Die Javelin Klassen Interceptor, Storm, Colossus und Ranger bieten sich an, um sie für ein klassisches RPG zu nutzen. Die Javelin Klassen Interceptor, Storm, Colossus und Ranger bieten sich an, um sie für ein klassisches RPG zu nutzen.

Vier Klassen: Es gibt mit dem Colossus einen kriegerischen Tank, der zwar langsam ist aber viel Schaden austeilen und einstecken kann. Storm agiert ein wenig wie die Biotikerklasse in Mass Effect oder auch wie die Magiekundigen in Dragon Age. Eher von schurkischem Charakter ist der Interceptor. Er schlägt im Nahkampf blitzschnell zu und weicht aus, hat aber dafür nicht so viel Stärke wie beispielsweise der Colossus. Und zu guter Letzt wäre da noch der Ranger, welcher einen Kompromiss zwischen den anderen Freelancern darbieten soll. Er kann sowohl offensiv als auch defensiv eingesetzt werden und andere unterstützen. Quasi eine Art Paladin.

Nele Wobker
@ElenRekbow

Wer Nele nach ihren Lieblingsspielen aller Zeiten fragt, wird exakt zwei Namen hören: Dragon Age & Mass Effect. Als Admin in den deutschen Fandom-Wikis zu beiden Franchises bekam sie unweigerlich viel vom Freud & Leid um Anthem mit. Vor allem dem schlechten Landinternet geschuldet, konnte Nele mit Anthem nie viel anfangen. Sie wollte kein "Wartespiel" bis zum nächsten Dragon Age, welches noch dazu nur online stattfindet und sich auf ein gehaltloses Loot-System stützt. Da sie aber nicht nur BioWare, sondern auch epische Open-World-RPGs liebt, wäre Anthem als Singleplayer genau das Richtige für sie.

Back to the Roots, BioWare!

Anthems größte Schwächen sind dem Online-Shooter-Design geschuldet. Ohne hätte BioWare die Chance, ein vollwertiges, modernes Sci-Fi-Action-Rollenspiel, mit tiefen Charakteren, abwechslungsreichen Missionen und einer starken Hauptstory zu kreieren. Das Schöne daran ist, dass der Grundstein bereits gelegt wurde. Hier und da müssten lediglich Passagen umgeschrieben werden.

Andere BioWare-Titel wie Dragon Age, Mass Effect, Jade Empire und die alten Baldur's Gate-Teile, zeichnen sich durch starke Charaktere, spannende Antagonist*innen und eine runde Mainstory aus. Darauf sollte man sich auch bei Anthem besinnen.

Macht die Charaktere in ihrem Persönlichkeitsbogen rund, gebt ihnen einen glaubwürdigen, einzigartigen Hintergrund, schreibt die Hauptstory zu Ende und passt sie für Einzelspieler*innen an. Nutzt die interessante Lore und die besonderen Mechaniken des Settings!

Gebt mir eine klassische Held*innen-Gruppe im Singleplayer und ich bin glücklich. Gebt mir eine klassische Held*innen-Gruppe im Singleplayer und ich bin glücklich.

Ich möchte bei Anthem nicht nur die schönen Landschaften und meinen Javelin genießen können - ich will Emotionen und einen Sinn in der Story sehen! Und das hat BioWare drauf! Also sollte das Studio was draus machen.

Ich möchte Anthem lieben, so wie ich Mass Effect und Dragon Age liebe. Bitte! Gebt mir Anthem als Singleplayer, wie es Gerüchten zufolge schon für Dragon Age 4 angedacht ist, und zwar ohne den elendigen "Game-as-a-Service-Multiplayer"-Part.

Jetzt ist eure Meinung gefragt: Denkt ihr, Anthem taugt als Singleplayer oder habt sogar eine bessere Idee, was BioWare daraus machen könnte?

zu den Kommentaren (35)

Kommentare(35)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.