Assassin’s Creed - Was steckt wirklich hinter den Templern?

In der Assassin’s Creed-Reihe ist kein Feind so omnipräsent wie die Templer. Aber sind die Templer in der echten Welt genau so ruchlos?

von Ann-Kathrin Kuhls,
13.04.2020 12:00 Uhr

Wir blicken zurück auf die lange Historie der Templer. Wir blicken zurück auf die lange Historie der Templer.

Seit dem allerersten Assassin's Creed lehnt sich die Bruderschaft der Assassinen gegen den Orden der Templer auf. Die einen streben nach uneingeschränkter Freiheit und verfolgen das Credo "Nichts ist wahr, alles ist erlaubt". Die anderen versuchen, die Ordnung der Dinge und der Gesellschaft beizubehalten, und das um jeden Preis.

Folgen wir den Assassinen in den Spielen, wählen die meisten die Seite der Bruderschaft, doch nicht jeder ist sich da so sicher. Edward aus Black Flag schert sich vorrangig um ganz andere Dinge, Shay läuft in Rogue von den Assassinen zu den Templern über, und in späteren Spielen finden wir heraus, dass es noch um einen sehr viel weitreichenderen Konflikt geht als den zwischen Templern und Assassinen.

Dieser Artikel ist Teil unserer Assassin's Creed-Themenwoche. Falls ihr erfahren wollt, was wir währenddessen noch alles produziert haben, findet ihr alle Artikel in unserer Themenwochen-Übersicht.

Aber wenn wir uns die Templer so ansehen, wirken sie wie ein Orden, der wirklich so existieren könnte. Vor allem, wenn wir die historische Genauigkeit der Entwickler in Betracht ziehen und den Fakt, dass es die Templer tatsächlich gegeben hat. Unzählige Bücher und Filme haben sie als Bösewichte auserkoren, diesen mysteriösen Geheimbund, der überall im Hintergrund die Fäden zu ziehen scheint. Aber ist das wirklich so?

Was wissen wir eigentlich über die Templer unserer Welt, außerhalb von Assassin's Creed? Um das zu beantworten gehen wir danach, was sich wirklich belegen lässt um herauszufinden, was an den Templern im Spiel historisch korrekt und was künstlerische Freiheit ist.

In Rogue trifft Shay eine weitreichende Entscheidung. In Rogue trifft Shay eine weitreichende Entscheidung.

Denn schauen wir uns die realen Templer an, ist ihre Geschichte immer noch faszinierend, aber weitaus weniger verschwörerisch und mystisch, sondern größtenteils politisch. Und bisweilen wirklich kleinlich, aber dazu kommen wir später.

Wer sind die Templer?

Die Templer, mit vollem Namen die "Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem", wurden 1118 in Jerusalem gegründet und waren vordergründig dazu da, die Pilger auf dem Weg nach Jerusalem zu schützen. Die Straßen von der Küste bis in die heilige Stadt wurden von Wegelagerern heimgesucht und so schickte man die Templer aus, sie zu beschützen.

Bei dem Orden handelt es sich um die erste Vereinigung von Kriegern und Mönchen und der erste dokumentierte Ritterorden. Während der Kreuzzüge wurde aus dem Zusammenschluss eine militärische Eliteeinheit, die direkt dem Papst unterstand und somit für weltliche Herrscher unantastbar war.

Während ihrer Wirkungszeit wuchs der Orden stetig an, zum einen, weil er durch wichtige Kleriker seiner Zeit unterstützt wurde, zum anderen, weil die Templer nach der Gründung durch Europa zogen, um neue Mitglieder zu werben. Dort erhielten sie großen Zuspruch: Als Helden der Kirche gefeiert fanden zahlreiche Schenkungen, Landgut wie Schätze, ihren Weg zum Orden.

Ursprünglich beschützten die Templer reisende Pilger. Ursprünglich beschützten die Templer reisende Pilger.

Was machen die Templer?

Doch Krieg war nicht das einzige Standbein der Pilger. Neben dem Schutz der Pilger verdingten sie sich auch in der Wirtschaft: Zunächst lieferten sie nur die Einkünfte europäischer Kloster und Kirchen in die Kreuzfahrerstaaten, später wurden die Tempelhäuser zu regelrechten Schatzkammern, weil dort so viele Wertanlagen gelagert und neu verteilt wurden.

Mit so viel Kapital im Umlauf kam der Orden auf seine wirtschaftlich wohl klügste Idee: Geldanleihen. Die ersten Anleihen sind schon 1135 vermerkt, zu einem richtigen Geschäft wurde das Ganze am Ende des 12. Jahrhunderts. Dank ihrer zahlreichen Sicherheiten genossen die Templer dabei so einen guten Ruf, dass auch Muslime ihre Dienste in Anspruch nahmen.

Nach Buchhaltern sehen diese Templer allerdings nicht aus. Nach Buchhaltern sehen diese Templer allerdings nicht aus.

Bankiers der heutigen Zeit können den Templern dankbar sein: Nicht nur erfanden sie eine frühe Form des Reisechecks. Sie entwickelten außerdem die Techniken der Buchführung enorm weiter. Und obwohl Buchführung nicht besonders glamourös klingt, brachte ihnen die Zahlenschubserei vor allem zwei Dinge. Mehr Geld, und einen stetig wachsenden Einfluss, sowohl in Europa als auch in den Kreuzfahrerstaaten.

Die Gefahren präziser Buchführung

Doch mit der Zeit wurde der Einfluss der Templer und ihre Beliebtheit beim Volk den Herrschern unbequem. Stellt euch vor, wie es für einen Herrscher wie den französischen König sein musste, eine wirtschaftlich starke Vereinigung mit über 15.000 Mitgliedern im Land zu haben, die laut kirchlichem Dekret unantastbar waren?

Gleichzeitig hatten die Templer mittlerweile das größte stehende und erfahrenste Heer Europas. Das wäre wahrscheinlich für jeden König mehr als nur eine leichte Bedrohung, die jedem Regenten stetig im Hinterkopf herumspuken musste. Und wenn diese Gemeinschaft dann auch noch den Mitgliedsantrag eines Königs (Phillip des vierten von Frankreich) ablehnten und ihm so ihre Geheimnisse verweigerten, roch das förmlich nach der Vorbereitung eines Staatsstreichs.

Das Ende der Templer?

Doch die Angst vor einem Putsch war natürlich nichts, was ein mächtiger Herrscher wie Philipp als Grund angeben konnte. Stattdessen besann sich der König auf seine stärkste Waffe: Die Moralkeule. Aufgrund der Zusammenarbeit mit Muslimen und weil die Templer es wagten, manche Praktiken der Kirche in Frage zu stellen, warf man dem Orden Ketzerei vor, und schmiss noch ein paar Anklagen wegen Sodomie hinzu.

In Frankreich wurde den Templern kurzer Prozess gemacht. In Frankreich wurde den Templern kurzer Prozess gemacht.

Die Templer, die bis vor kurzem noch unantastbar waren, fielen einem politischen Missstand zum Opfer: Philipp hatte den aktuellen Papst in der Hand. Nicht nur hatte der seinen Wohnsitz nach Frankreich und somit in Philipps Wirkungsbereich gelegt. Der König hatte außerdem ein paar (angebliche) uneheliche Kinder des Papstes in der Hinterhand und drohte, die französische Kirche abzuspalten und dem Klerus so einer großen Einkunftsquelle zu berauben.

Sobald die Auflösung des gesamten Orden beschlossen war, wurden die Zeitgenossen der Templer Zeuge einer weiteren historischen Premiere: Einer landesweiten, koordinierten Verhaftung. Die Templer Frankreichs verloren ihren gesamten Besitz, der praktischerweise bei der Kirche verblieb, manche wurden nicht nur inhaftiert, sondern verbrannt. Das zwölfte Jahrhundert war in vielerlei Hinsicht extrem.

Es gibt sie noch heute

In den anderen Ländern wurden die Templer größtenteils in Ruhe gelassen, außerhalb des Einflussbreichs Philipp des Vierten war klar, dass sich die Anklagepunkte jeder Grundlage entbehrten. Doch ohne die Pariser Führungsetage und deren Vermögen verloren die Templer ihren Einfluss und konzentrierten sich von da an auf lokale Aktionen.

Im 18. Jahrhundert wurde eine Form der Templer in Frankreich rekonstruiert, und bestand bis 1942 weiter, als die Hauptregentschaft während des zweiten Weltkriegs nach Portugal verlegt wurde. 1997 wurde daraus der Ordo Militiae Templi, der seitdem als Dachverein von Templern jeglicher Konfession fungiert.

Die ursprünglichen Templer wurden in alle Winde verstreut und gründeten Untergruppen. Die ursprünglichen Templer wurden in alle Winde verstreut und gründeten Untergruppen.

Die Johanniter- und Malteserorden bestehen noch heute, haben sich aber größtenteils wohltätigen Aktivitäten zugewandt.

Schlechter Ruf

Die Unterstellungen des französischen Königs hängen den Templern heute noch nach. In den meisten Büchern und Filmen sind sie die Bösewichte. Dabei scheint es, schaut man sich die Geschichte des Templerordens an, als seien sie einfach zu erfolgreich gewesen in dem, was sie tun. Des Weiteren haben sie den wichtigsten Grundsatz für das Überleben im Mittelalter vernachlässigt: Fang keinen Stress mit dem König oder dem Papst an.

Natürlich können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob nicht im Hintergrund doch eine riesige Schattenorganisation ihre Finger in den Geschicken der Welt des Mittelalters hatte. Doch mit dem, was wir jetzt wissen, scheint es, als waren die Templer nur zur falschen Zeit am falschen Ort erfolgreich.

Das war nur ein kurzer Abriss der Geschichte der Templer, über den Orden und sein Wirken sind ganze Bücher gefüllt worden. Uns interessiert aber eure Meinung.

Wurden die Templer unschuldig verfolgt? Oder steckt mehr hinter der Sache?

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