Das neue GameFreak-RPG zeigt: Die Devs sind nicht der Grund für üble Pokémon-Grafik - das Problem liegt woanders

Das japanische Studio GameFreak versucht sich abseits der Pokémon-Reihe mit einem Action-Adventure und der Release wird richtig spannend.

Game Freak kann scheinbar mehr, als es Pokémon vermuten lässt. Game Freak kann scheinbar mehr, als es Pokémon vermuten lässt.

Die Pokémon-RPGs des japanischen Studios Game Freak sind extrem erfolgreich und repräsentieren eine der größten und profitabelsten Marken auf unserem Planeten – was den unansehnlichen Spielen und ihrer oft schlechten Technik-Performance allerdings kaum anzusehen ist.

Das neue Game Freak-RPG Beast of Reincarnation wirkt deshalb für mich fast wie eine etwas verzweifelte Nachricht: “Liebe Pokémon-Fans, es liegt nicht an uns”.

Maximilian Franke
Maximilian Franke

Während der Uni kam Max über den kleinen, aber feinen Lokal-Journalismus zum Schreiben und hat viel Spaß daran gefunden. Dementsprechend war der Gedanke nicht fern, das Ganze mit seinem größten Hobby zu verbinden. Zur GamePro verlief sein Weg ganz klassisch: Angefangen als Praktikant in der Redaktion ging es für ihn nach einem Jahr als Freier News-Autor ab 2019 ins Volontariat. Während seiner Zeit im Social Media-Team konntet ihr seine Stimme auf Instagram, TikTok und Co. hören! Nun kümmert er sich auf GamePro.de um alles, was "cozy" ist.

Game Freak versucht es ohne die Pokémon Company

Mich erinnert das auf der Developer Direct gezeigte Gameplay-Material von Beast of Reincarnation an Spiele wie Enslaved: Odyssey to the West oder Kena: Bridge of Spirits.

Die Heldin Emma hüpft, klettert und kämpft, während gleichzeitig die grüne Naturkulisse des postapokalyptischen Japans eine idyllische und melancholische Stimmung versprüht. Los geht's 2026 auf PS5, Xbox Series und PC.

Video starten 10:52 Beast of Reincarnation - Die Pokémon-Entwickler zeigen endlich echtes Gameplay zu ihrem brandneuen Action-Rollenspiel

Vor allem hat sich mir und vielen Pokémon-Fans aber die Frage gestellt, warum Beast of Reincarnation mit einem modernen und durchaus schönen Artstyle auftrumpfen kann, während die aktuellen Pokémon-Ableger eher an ruckelige PS2-Adventures erinnern – auch im Vergleich zu anderen Titeln auf der Hardware-schwachen Switch wie Zelda: Breath of the Wild, Xenoblade Chronicles 3 oder Rune Factory: Guardians of Azuma.

Auch wenn Game Freak letztlich für die Umsetzung von Karmesin & Purpur, Schwert & Schild und Co. verantwortlich ist, zeigt ein Blick auf die übergeordnete Pokémon Company, dass dem Studio hier vermutlich bis zu einem gewissen Grad die Hände gebunden sind. Viel Budget bekommt das Entwicklerteam für Pokémon nämlich offenbar nicht, obwohl das Franchise Rekordumsätze einfährt.

An Budget für Pokémon-RPGs sollte es eigentlich nicht mangeln

Die Pokémon Company erzielte allein mit der Lizenzvergabe und Merchandise im Jahr 2024 satte 12 Milliarden US-Dollar Gewinn. Im Vergleich zum Vorjahr waren das noch einmal 1,2 Milliarden US-Dollar mehr. Damit gehört Pokémon zu den zehn größten Lizenzen der Welt (via VICE).

All das nahm seinen Anfang mit den ersten Game Boy-Editionen, die 1996 in Japan erschienen sind. Bis heute gehören die RPGs der Hauptreihe zu den erfolgreichsten Titeln weltweit. Pokémon Karmesin und Purpur verkauften sich über 27 Millionen Mal, etwas mehr als ihre Vorgänger Schwert und Schild (via Nintendo).

Heldin Emma erkundet mit ihrem Wolf Koo malerische, aber gefährliche Landschaften. Heldin Emma erkundet mit ihrem Wolf Koo malerische, aber gefährliche Landschaften.

Jetzt könnte man denken, dass die Pokémon Company großes Interesse haben sollte, viel Geld in ihre Spiele zu stecken. Immerhin sind sie stets ein nahezu garantierter Verkaufshit und an finanziellen Möglichkeiten dürfte es nicht mangeln.

Doch der Schein trügt, denn im Gesamtbild sind die Spiele – trotz ihres enormen Erfolges – gar nicht so wichtig für den Megakonzern. Neben den horrenden Gewinnsummen, die aus der Lizenzvergabe gewonnen werden, wird das allein dadurch deutlich, dass im selben Rekordjahr 2024 gar kein Pokémon-Hauptteil für die Nintendo Switch erschienen ist.

Zwar werden trotzdem viele ältere Switch-Spiele über den (digitalen) Ladentisch gewandert sein, aber Pokémon generiert den Großteil des gigantischen Geldhaufens längst nicht mehr mit den RPGs, sondern mit lizenziertem Merchandise und Sammelkarten.

Extreme Gewinne, aber kein Geld für Game Freak?

Es gibt keine offiziellen Zahlen, die das Budget der Pokémon-RPGs von Studio Game Freak offenlegen. Allerdings gab es im vergangenen Jahr einen großen Leak beim japanischen Entwickler, der unter anderem die möglichen Kosten der letzten Projekte angedeutet hat.

Demnach sollen Pokémon Schwert und Schild in der Entwicklung gerade einmal 16,4 Millionen US-Dollar gekostet haben. Pokémon Karmesin und Purpur wurden angeblich für 21,8 Millionen US-Dollar umgesetzt (via Polygon). 

Das wäre zumindest im Vergleich mit AAA-Produktionen unglaublich wenig. Zur Einordnung: Laut Analysten-Einschätzung dürfte CD Projekt Red für The Witcher 4 insgesamt um die 800 Millionen US-Dollar ausgeben (via Eurogamer).

Beast of Reincarnation ist nicht das schönste Spiel der Welt, aber Grafik und Artstyle sehen trotzdem schick aus. Beast of Reincarnation ist nicht das schönste Spiel der Welt, aber Grafik und Artstyle sehen trotzdem schick aus.

Die Erklärung dafür ist simpel: Die Pokémon Company behandelt die Reihe nicht wie eine große AAA-Produktion und steckt vermutlich nur wenig Geld in ihre Spiele. Wenn wir uns die Verkaufszahlen anschauen, ist das offenbar auch gar nicht nötig.

Immerhin dürfte der Gewinn aus 27 Millionen verkauften Spielen, die recht günstig produziert wurden, ziemlich üppig ausfallen – und da die RPGs ohnehin für die Gesamtzahlen keine allzu große Rolle spielen, wird der finanzielle Mehraufwand vermutlich einfach gespart.

Beast of Reincarnation wird wahrscheinlich nur Durchschnitt – und das ist okay

Und das bringt uns wieder zurück zum neuen Game Freak-Spiel Beast of Reincarnation. Wie hoch dessen Budget ist, wissen wir nicht. Gemessen am kleinen Publisher Fictions dürften sich die Kosten in Grenzen halten. 

Dementsprechend kann das neue Projekt grafisch auch nicht mit großen AAA-Produktionen wie The Witcher 4 oder Cyberpunk 2077 mithalten. Die ersten Videos zeigen trotzdem, dass die schwache Technik aktueller Pokémon-Ableger nicht mit fehlenden Fähigkeiten des Studios zu erklären ist.

Das Action-Adventure ist kein Creature Collector wie Pokémon, aber trotzdem konnte sich das Team beim Monster-Design etwas austoben. Das Action-Adventure ist kein Creature Collector wie Pokémon, aber trotzdem konnte sich das Team beim Monster-Design etwas austoben.

Wenn Pokémon auf der Switch 2 auch nur annähernd so aussehen würde, wie sich Beast of Reincarnation bis jetzt präsentiert, wäre es bereits ein gigantischer Fortschritt – und diesen Sprung stemmt Game Freak ganz ohne Beteiligung der Pokémon Company oder Nintendo.

Dank PS5, Xbox Series und PC hat Game Freak jetzt zwar stärkere Hardware zur Hand, aber auch auf der Switch konnten wir bereits Witcher 3 oder Doom (2016) bewundern und die Switch 2 stemmt sogar Resident Evil 9. Die schwächere Nintendo-Hardware ist also ohnehin nur bedingt eine Ausrede.

Wird Beast of Reincarnation deswegen ein fantastisches Top-Spiel? Vermutlich nicht, wenn ihr mich fragt. Es ist nicht das erste Mal, dass das Studio Projekte abseits von Pokémon umsetzt. 2020 wurde etwa das RPG Little Town Hero veröffentlicht, das allerdings kaum Beachtung fand und auf Steam bei 13 Bewertungen und 53 Prozent positiven Reviews steht.

Davon abgesehen sieht das Gameplay bisher nach netter Action-Adventure-Kost aus, zeigt aber auch wenig Neues oder Innovatives. Sollte es am Ende eine flüssige Performance bieten und bugfrei sein, erwarte ich daher ein im besten Fall ein sympathisches AA-Erlebnis, aber nichts Bahnbrechendes.

Das ist aber nicht schlimm, denn auch mit einem lediglich ganz netten Spiel, dass der Pokémon-Reihe aber grafisch die Show stiehlt, könnte Game Freak zeigen, dass sie eigentlich deutlich mehr auf dem Technik-Kasten haben, als die Pokémon-Spiele den Anschein machen – wenn man das Team denn lässt.

Was denkt ihr: Freut ihr euch auf Beast of Reincarnation oder seid ihr erstmal skeptisch, bis wir mehr zu sehen bekommen?


Kommentare(1)
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