Ich bin nicht nur sauer auf Sony, ich verstehe sie auch einfach nicht mehr

Sony schließt mit Bluepoint Games sein nächstes, hauseigenes Studio und Dennis versteht so langsam aber sicher die PlayStation-Welt nicht mehr.

Die Schließung von Bluepoint ist für Dennis ein weiterer Tiefpunkt der PS5-Ära. Die Schließung von Bluepoint ist für Dennis ein weiterer Tiefpunkt der PS5-Ära.

Hier einmal die Worte, die Sony am Donnerstagabend zur nahenden Studio-Schließung von Bluepoint gewählt hat:

Bluepoint Games ist ein unglaublich talentiertes Team, dessen technische Expertise außergewöhnliche Erlebnisse für die PlayStation-Community geliefert hat. Wir danken ihnen für ihre Leidenschaft, Kreativität und Handwerkskunst.”

Und hier, wie ich die Worte gestern Abend wahrgenommen habe: Nämlich als kalten, generisch formulierten Abschiedsbrief. Als Offenbarungseid, dass selbst ein so talentierter und technisch versierter Entwickler unter den Sony First Party Studios keinen Platz hat. Und das, obwohl mit der Remake-Trilogie zu God of War weiter auf Neuauflagen von PlayStation-Klassikern gesetzt wird. Obwohl Sony mit einer von Bluepoint entwickelten Neuauflage von Bloodborne Millionen von PlayStation-Fans glücklich machen könnte. 

Doch was macht Sony stattdessen? Man kauft Bluepoint, lässt sie über 3 Jahre an einem Live-Service-Spiel zu God of War arbeiten, stellt das Projekt ein, nimmt keine weiteren Game Pitches mehr an und schließt das Studio für immer.   

Was nach blankem Hohn klingt, ist nach der Einstellung von Bluepoint Games und der damit verbundenen Entlassung von 70 Personen aber vor allem eines: komplett unverständlich. Ich verstehe Sony nicht mehr. Ich verstehe nicht, wie man zunächst so viel Talent einkaufen und es über Jahre hinweg komplett falsch einsetzen kann, nur um es ohne vorzeigbares Ergebnis wieder auf die Straße zu setzen.

Dennis Müller
Dennis Müller

Dennis konnte die Enthüllung von Jason Schreier via Bloomberg gestern Abend nur schwer glauben. Bluepoint Games hat er stets als riesen Gewinn für Sony angesehen und das nicht nur, weil sie mit der Neuauflage von Demon’s Souls sein liebstes Actionspiel so fantastisch für die PS5 umgesetzt haben. Ohne Bluepoint hätte er nie verstanden, warum das früher schon spielerisch so einzigartige, technisch zu PS2- und PS3-Zeiten jedoch arg gebeutelte Shadow of the Colossus solch ein Meisterwerk ist.  

Was ich sehr wohl verstehe

Es ist seit Jahren klar, dass die Live-Service-Ausrichtung unter Jim Ryan größtenteils fulminant gescheitert ist. Und es ist auch klar, dass sich Sony seitdem schwer tut, die selbst geschaufelten Millionengräber durch Spiele wie Concord nicht nur zu füllen, sondern die PS5 auf Kurs zu bringen. Auf einen Kurs, der sowohl PlayStation-Fans als auch die Shareholder überzeugt. 

Video starten 55:50 Banger oder Bruchlandung: Zwischen God of War Remake und der großen PlayStation-Leere

Ich verstehe auch, dass es für Hermen Hulst und Hideaki Nishino als PlayStation-Doppelspitze einer Mammutaufgabe gleicht, die noch vorhandenen GAAS-Überbleibsel aus der Ryan-Zeit, wie das Koop-Horizon und Fairgame$, unters Volk zu bringen – stets mit dem Gedanken, dass in der heutigen Zeit ein Megaerfolg wie Arc Raiders ausreichen kann, um zig Live-Service-Flops zu kompensieren. 

Und ich verstehe auch, dass es bei börsennotierten Unternehmen wie Sony oft wichtiger ist, Aktionäre glücklich zu machen, als Fans das zu geben, was sie wollen. 

Doch was ich absolut nicht verstehe, ist die Schließung von Bluepoint. 

Würde Sony auf seine Fans hören, könnten sie Geld "drucken"

Warum holst du dir in der heutigen Zeit, in der AAA-Produktionen Unmengen verschlingen und verhältnismäßig günstig zu produzierende Remakes von Resident Evil 4 bis Silent Hill 2 boomen, ein Studio wie Bluepoint ins Haus, nur um es dann an ein Live-Service-Spiel zu God of War zu setzen? Ein Spiel, nach dem niemand gefragt hat. 

Warum setzt du ein Studio wie Bluepoint nicht ein, um Lücken im Release-Kalender zumindest mit aufgehübschten PlayStation-Klassikern wie Resistance oder Infamous zu füllen? In einer PS5-Ära, die viele Fans immer stärker aufgrund mangelnder Blockbuster als Enttäuschung und als “verlorene Generation” wahrnehmen.  

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Oder anders formuliert: Warum durfte Bluepoint kein Bloodborne Remake entwickeln?

Ein Spiel, das sich nicht nur auf dem PC millionenfach verkaufen würde. Ein Spiel, das ihnen nach dem Remake zu Demon’s Souls wie auf den Leib geschneidert wäre. Ein Spiel, das lediglich einer technischen Überarbeitung bedarf, die Bluepoint zweifelsfrei wie kein zweiter Entwickler versteht. Ein Spiel, das zudem viele PlayStation-Fans so sehr freuen würde, dass sie ihre PS5 nachts vor dem Schlafengehen mit einem Kuss in den Ruhemodus versetzen. 

Und noch eine letzte Frage: Warum setzt Sony offensichtlich mit der God of War-Trilogie weiter auf Remakes, schließt aber nur eine Woche nach der Ankündigung auf der State of Play neben Capcom den besten Remake-Entwickler der letzten Dekade?

Fragezeichen über Fragezeichen. Was am Ende bleibt, ist einmal mehr ein Unternehmen, das sich wie zuletzt auch Microsoft mit Arkane Austin oder Tango Gameworks Talent einkauft, nur um es dann wenige Jahre später vor die Tür zu setzen. 


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