Crimson Desert durchgespielt: Am Ende war ich erst enttäuscht - und kurz danach wieder frisch verliebt

Während sich Samara durch die letzten Kapitel von Crimson Desert geschlagen hat, kamen bei ihr abwechselnd Frust und Begeisterung auf.

Kaum war Samara im Epilog angekommen, ging es wieder mit Damiane und Oongka auf Erkundungstour. Kaum war Samara im Epilog angekommen, ging es wieder mit Damiane und Oongka auf Erkundungstour.

Ich liebe es, in Crimson Desert stundenlang durch Pywel zu streifen und dabei über haufenweise coole Schauplätze und Geheimnisse zu stolpern. Mit den Storymissionen hatte ich dagegen von Anfang an nicht halb so viel Spaß. Ab einem bestimmten Punkt habe ich trotzdem beschlossen, die Hauptquests zu priorisieren, um wichtige Features und Orte für die Erkundung freizuschalten.

Die letzten Kapitel haben mich dabei auf eine ziemliche Geduldsprobe gestellt, weil Gameplay und Story in meinen Augen nicht mit der starken Inszenierung mithalten konnten. Seit ich den Epilog erreicht habe, bin ich dagegen wieder im siebten Himmel – also im übertragenen und im Wortsinn. Mit einem Drachen. 

Samara Summer
Samara Summer

Samara hat inzwischen rund 100 Stunden in Crimson Desert auf der Uhr und während ihrer Reise durch Pywel jede Menge Tipps, Entdeckungen und Meinung geteilt. Jetzt hat sie zwar den Epilog erreicht, Schluss ist für sie aber noch lange nicht.

Optisch wow, spielerisch teilweise eher mau

Rein optisch und atmosphärisch haben die letzten vier der insgesamt 12 Kapitel meinen Geschmack voll getroffen. Zuerst gab es endlich (!) den herbeigesehnten Abstecher in die Wüste, dann jede Menge Steampunk-Elemente, inklusive Fabrikbollwerken und Retro-Mechs. 

Das wird großartig in Szene gesetzt: Bei einigen der epischen Zwischensequenzen hatte ich echte Gänsehaut. Das gilt insbesondere für einen Bosskampf, der richtig spektakulär aussah – mich dann aber spielerisch ziemlich enttäuscht hat. Und nicht nur dieser Kampf fühlte sich etwas langatmig und gleichzeitig recht flach an.

Dasselbe gilt für weitere Bosskämpfe, die eher Gimmick-Charakter hatten. Grundsätzlich zur Auflockerung sicher keine schlechte Sache, in den letzten Missionen aber zu geballt und zäh umgesetzt. 

Video starten 11:42 10 wichtige Tipps, die ich in 100 Stunden Crimson Desert gelernt habe

Ein paar spielerische Highlights oder coole Missionen gab es zwar im letzten Drittel auch, etwa ganz klassische und forderndere Kämpfe oder mal ein witziges Gadget. Zu oft habe ich jedoch nur Basen befreit, wie ich es in der Open World ständig erledige, in Rätselpassagen irgendetwas gesucht oder mir Visionen-Szenen angeschaut. 

Warnung: der folgende Absatz enthält Spoiler zu konkreten Bossen und Schauplätzen

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Ich habe es beispielsweise richtig gefeiert, als die Krallen eines riesigen mechanischen Drachens an einer Festungsmauer auftauchten und hatte direkt Lust, das Vieh gehörig zu vermöbeln. Der Kampf bestand dann aber lediglich daraus, Speere aus dem Boden zu ziehen und nach ihm zu werfen.

Dabei wurden mir ständig neue flinke Standard-Feinde auf den Hals gehetzt, die mich daran hindern wollten, während der Drache Feuer spuckte. Das Gefecht war simpel, zog sich aber wie Kaugummi. Und mein eigentlicher Feind war die Kamera, die ständig merkwürdig herauszoomte, sodass ich teilweise Probleme hatte, Kliff in dem Durcheinander zu sehen.

Drachen-Boss Der Kollege hier macht ordentlich was her und Samara hätte ihn lieber in einem etwas komplexeren Kampf besiegt.

Panzer Die beiden Panzerkämpfe hintereinander fallen ganz schön einseitig aus und gehören genau wie ein fliegendes Objekt und ein simpler Maschinen-Gegner im letzten Drittel zu den unspektakulären Kämpfen.

Zuvor hatte ich mich unter anderem durch gleich drei optisch richtig coole, heruntergekommene, aber sehr ähnlich aufgebaute Fabriken geprügelt. In zwei davon musste ich auch noch nahezu denselben Boss-Panzer bekämpfen.

Während die durchgehend auf mich feuerten, habe ich ihnen die Geschosse mit der Windfähigkeit zurückgeballert – ebenfalls ziemlich einseitige Kämpfe. Alternativ hätte ich draufhauen und immer wieder zurückweichen können, was nicht abwechslungsreicher wäre, aber länger dauert.

Auch die längere Abyss-Passage, bei der ich meinen Weg suchen und teilweise noch mal an früheren Rätselpassagen vorbeirennen musste, fühlte sich für mich eher dröge an. Und das sind nur ein paar Beispiele.

Hätte die Story mich zwischendurch richtig gut unterhalten, hätte ich Gameplay-Highlights womöglich gar nicht so sehr vermisst, aber da lag das nächste Problem:

Interessante Figuren und Ansätze sind zwar durchaus da. Weil es aber an Tiefe fehlt und die Handlung nicht so recht auf den Punkt kommt, hat mich das, was Kliff und Co. im letzten Drittel ihres Abenteuers erleben, vergleichsweise kaltgelassen. 

Nichts wie zurück in die offene Welt!

Die Schwächen einiger Hauptmissionen fielen mir im letzten Drittel sicherlich auch stärker auf, weil ich auf die belohnende und abwechslungsreiche Erkundung zwischendurch verzichtet habe. Allerdings hatte ich mich ja bewusst für diesen Weg entschieden, um möglichst schnell wichtige Inhalte freizuschalten.

Beispielsweise wollte ich endlich im letzten Kapitel die große Stadt Demeniss befreien, um nicht immer einen Bogen um sie machen zu müssen. Oder Oongkas Raketenrucksack samt enorm praktischem Vertikalflug bekommen, den Drachen rufen können und so weiter.

Letztendlich hat sich das auch ausgezahlt. Kaum war ich nämlich im Epilog angekommen, habe ich mich beim Erkunden direkt wieder frisch in das Spiel verliebt. 

Dank der neuen Freiheiten in Demeniss und beim Fliegen macht die Erkundung tatsächlich noch mehr Spaß. Beim Flug auf dem Drachen habe ich zum Beispiel gleich mal ein ganz neues Gebiet entdeckt, das mich völlig aus den Socken gehauen hat – eine richtig schöne Belohnung.

Ich hätte mir gewünscht, Pearl Abyss hätte bei den Hauptmissionen stärker ausgemistet, sich mehr fokussiert und nicht 168 Quests geliefert, sondern nur die guten. Das gilt vor allem fürs Finale.

Trotzdem ist Crimson Desert für mich aktuell ein absoluter GOTY-Kandidat. Die Welt mit ihren Möglichkeiten und Geheimnissen finde ich nämlich derart herausragend, dass ich Schwächen bei den Hauptmissionen ganz gut verzeihen kann. 

Wie sieht das bei euch aus: Erkundet ihr parallel zur Hauptgeschichte oder wollt ihr auch erst mal bestimmte Sachen freischalten? Und wie gefallen euch Nebenaufgaben und Hauptmission bisher im Vergleich?


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