Der DualSense-Controller ist das Marketing-Trostpflaster der PS5

Im Hinblick auf die PS5 gehört der neue DualSense-Controller zu Sonys prominentesten Verkaufsargumenten. Bislang ist Hannes von dessen Features und ihren Einbindungen in kommende Spiele aber nicht überzeugt.

von Hannes Rossow,
21.08.2020 19:00 Uhr

Wenn es zur PS5 nichts zu sagen gibt, dann muss mal wieder der DualSense herhalten. Wenn es zur PS5 nichts zu sagen gibt, dann muss mal wieder der DualSense herhalten.

Kurz war die Aufregung groß: Gestern erschien der erste, echte TV-Spot der PlayStation 5. In Sachen Marketing ein großer Schritt, der - so die Hoffnung vieler Fans - doch auch endlich wieder mit handfesten Infos zur PS5 einhergehen muss. Und ja, es gab wieder offizielle Neuigkeiten zu Sonys Next-Gen-Flaggschiff.

Nur waren das eben nicht der Releasetermin und nicht der Launch-Preise, sondern abermals Lobgesänge auf die Funktionen des DualSense-Controllers. Wie schon in den Monaten davor, betonten Entwickler, wie innovativ der PS5-Controller sei und wie sehr er die Spielerfahrung beeinflusst. So richtig nachvollziehen, kann ich Sonys Fokus auf den Controller und seine Neuerungen aber nicht.

Neuer Controller, große Versprechungen

Der DualSense-Controller wird regelmäßig genannt, wenn es um die neuen Features geht, die die PS5 mitbringt. Dann ist von nie dagewesenem, haptischen Feedback die Rede oder auch von adaptiven Triggern, die für ein neues Level an Immersion sorgen sollen. PS5-Spiele sollen sich "echt" anfühlen und der DualSense-Controller sei perfekt dafür geeignet. Seit der Enthüllung des Controllers gehört dessen "Realismus" zum Kernvokabular des PS5-Marketings.

Vor allem die "adaptiven" Trigger-Tasten des DualSense sollen Next-Gen-Erfahrungen bieten. Vor allem die "adaptiven" Trigger-Tasten des DualSense sollen Next-Gen-Erfahrungen bieten.

Das Problem ist: So groß diese Versprechen auch sind, handfeste Beweise für diese neuen Spielerfahrungen gibt es nicht. Wie denn auch, natürlich müssen die Features selbst erlebt werden - schließlich geht es, wie der Name des Controllers schon sagt, ums Spüren und das funktioniert aus der Distanz eben schlecht. Wer weiß, wenn es die Corona-Pandemie nie gegeben hätte, dann wüssten wir vielleicht sogar schon, wie sich der DualSense anfühlt.

So bleibt Sony aber nur übrig, die immergleichen Schlagworte und Beispiele zu bringen und zu hoffen, dass die Botschaft verstanden wird.

In Gran Turismo 7 soll die Beschaffenheit der Fahrbahn spürbar sein. Wenn wir in einem Spiel einen Bogen benutzen, dann soll die Spannung der Bogensehne fühlbar sein. Und jüngst hieß es von Insomniac Games, dass wir in Marvel's Spider-Man Miles Morales der DualSense mitteilen wird, aus welcher Richtung wir angegriffen werden.

Asphalt oder Kies? In Gran Turismo 7 soll der Untergrund erlebbar sein. Asphalt oder Kies? In Gran Turismo 7 soll der Untergrund erlebbar sein.

Das klingt alles zwar nett, aber sind das wirklich Neuerungen, die wir brauchen? Ist das wirklich eine Next-Gen-Innovation?

So oft wie die Funktionen des DualSense nun schon von Sony hervorgehoben wurden, wirkt der PS5-Controller langsam wie ein Marketing-Trostpflaster. All das, was Fans wirklich interessiert, wie der Release oder das Launch-Lineup, will oder kann Sony aktuell nicht kommunizieren. Also liegt es an schwer greifbaren Dingen wie haptisches Feedback, den Durst nach neuen Informationen zu stillen. Und das könnte vielleicht nach hinten losgehen.

Strohfeuer der Innovationen

Mit seinen neuartigen Funktionen läuft der DualSense-Controller nämlich Gefahr, sich in die Tradition der Next-Gen-Gimmicks einzureihen, die im Vorfeld gepriesen werden und nach dem Launch in Vergessenheit geraten. Wie wichtig war es denn nun, dass der DualShock 4 ein Touchpad hat? Könnt ihr euch noch an die HD Rumble-Funktion der Switch erinnern? Das Video mit den "spürbaren" Eiswürfeln im Joy-Con? Und dann gab es ja da noch Kinect…

Und auch in der aktuellen Beispielsammlung, die Sony über den PlayStation.Blog geteilt hat, schwanken die DualSense-Einbindungen zwischen vagen Umschreibungen und wenig nützlichen Ideen.

Wie aufregend wird es sein, wenn Tasten am Controller blockieren, wenn die Waffe im Spiel kaputt ist? Wie aufregend wird es sein, wenn Tasten am Controller blockieren, wenn die Waffe im Spiel kaputt ist?

In Deathloop sollen die adaptiven Trigger beispielsweise blockieren, wenn unsere Waffe im Spiel klemmt. Aber will ich überhaupt, dass meine Waffen klemmen? Und wie viel "Realismus" bringt mir dann eine blockierte Taste? Schon jetzt wirken solche Ideen wie Effekte, die schon nach sehr kurzer Zeit ihren Reiz verlieren oder schlimmer noch: nerven.

Der Marketing-Buzz ist aber groß und umso stärker wird es dann auffallen, sollten die DualSense-Funktionen in den Monaten nach dem PS5-Launch nur noch rudimentär - wenn überhaupt - von den Entwicklern genutzt werden. Wenn es schon jetzt von First Party-Entwicklern wie Guerrilla Games lediglich heißt, dass der DualSense die Waffen in Horizon 2: Forbidden West "einzigartiger" macht, dann grenzt das schon an Belanglosigkeit.

Wenn Aloy in Horizon 2: Forbidden West ihren Bogen spannt, dann "spannt" auch der DualSense. Wenn Aloy in Horizon 2: Forbidden West ihren Bogen spannt, dann "spannt" auch der DualSense.

Ein Controller auf dem Prüfstand

Der DualSense geht zwar optisch neue Wege (was ich sehr mag), hinsichtlich seiner grundsätzlichen Funktionsweise bleibt er seinen DualShock-Vorgängern aber treu. Dennoch stellt der PS5-Controller auch einen harten Schnitt dar. So hieß es von Sony, dass PS5-exklusive Spiele nur mit dem DualSense gespielt werden können, der DualShock 4 sei nicht mehr kompatibel.

Aber warum eigentlich?

Liegt's etwa an den adaptiven Triggern? Oder liegt es am haptischen Feedback? Wenn ich mich gezwungen sehe, eine Reihe an neuen Controllern zu kaufen, damit die Trigger manchmal blockieren können oder sich irgendetwas "einzigartig" oder "real" anfühlen soll, dann wäre ich ganz ehrlich lieber beim DualShock 4 geblieben. Microsoft geht den entgegengesetzten Weg und öffnet die Next-Gen-Erfahrung allen Controllern - ja, sogar dem DualShock 4.

Womöglich kommt es aber auch auf das Genre an, ob und wie der DualSense die Spielerfahrung bereichern kann. Horrorspiele zum Beispiel, in denen selbst Kleinigkeiten die spannungsgeladene Atmosphäre kippen, könnten profitieren. Das ist jedoch alles reine Hypothese und wird es wohl auch bis zum Launch der PS5 bleiben.

Vielleicht macht es ja noch Klick bei mir. Vielleicht muss ich den DualSense ja wirklich erst selbst in den Händen halten, um zu verstehen, warum Sony ihn mir ständig unter die Nase reibt.

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