Fortnite-Events sind genial & Anthem sollte daraus lernen

Das schwarze Loch, das Chapter 2 einläutete, ist der Höhepunkt vieler spannender Ingame-Events in Fortnite. Davon könnte andere Service-Games wie Anthem noch eine Menge lernen.

von Linda Sprenger,
21.10.2019 16:00 Uhr

Was Anthem von Fortnite lernen sollte. Was Anthem von Fortnite lernen sollte.

Vorletztes Wochenende hielt die Fortnite-Community den Atem an. Am Sonntag kurz nach 20 Uhr schlug ein Meteorit auf die Battle Royale-Insel ein und nur wenig später verschluckte ein schwarzes Loch sowohl sämtliche Spieler als auch die komplette Map. Danach war der Shooter offline.

Das von Epic schon im Vorfeld angedeutete "Ende" von Fortnite trat also tatsächlich ein. Zumindest kurzzeitig. Letztendlich zerstörte das schwarze Loch die Map nämlich nur, um das zweite Fortnite-Kapitel aufzuschlagen. Etwas mehr als 24 Stunden nach dem Blackout erschien ein großes Update, das eine neue Karte sowie weitere frische Inhalte mit sich brachte und Spieler wieder scharenweise auf die Server zog.

Ein genialer Schachzug, wie ich finde. Epic hat es beinahe gemeistert, Ingame-Events zu inszenieren, und davon sollte sich insbesondere Anthem eine Scheibe abschneiden.

Fortnite ist wieder in aller Munde

Denn im Endeffekt erzeugte das Live-Event gewaltige Aufmerksamkeit. Es sorgte dafür, dass das halbe Netz über den Blackout sprach. Über 6 Millionen Zuschauer verfolgten das Spektakel am Sonntag live über Twitch und Youtube, gleichzeitig überschlugen sich Fans auf Reddit mit ihren Theorien und Spekulationen über das Schwarze Loch.

Nicht nur innerhalb der Community sondern auch über deren Grenzen hinaus schlug das Ereignis Wellen. Nach dem Event schlitterte Fortnite sofort in die Twitter-Trends, sogar Weltstars wie Lady Gaga äußerten sich zum Spiel.

Von Euphorie ließ sich in der vergangenen 10. Fortnite-Season hingegen nur wenig sprechen. Der harte Kern der Community kritisierte insbesondere die übermächtigen Mechs und beklagte starke Balancing-Probleme. Umso mehr freuen sich viele Fans jetzt über die neuen Features.

Fortnite - Cinematic Trailer zu Chapter 2 1:16 Fortnite - Cinematic Trailer zu Chapter 2

Die allgemeine Stimmung in der Community hat sich größtenteils wieder zum Positiven gewendet, und schon alleine deshalb dürfte sich der radikale Start von Chapter 2 für Epic gelohnt haben. Inwieweit sich das Event und der daraus resultierende Rummel um Fortnite auf die Spielerzahlen ausgewirkt haben (und weiterhin auswirken werden), lässt sich aktuell hingegen noch nicht absehen.

Deutlich wurde jedenfalls, dass Epic bei dem Blackout großes Selbstbewusstsein bewiesen hat, und das kommt nicht von ungefähr. Im März 2019 vermeldete Epic 250.000.000 registrierte Nutzer. Fortnite ist damit einer der erfolgreichsten Shooter überhaupt, auch aus finanzieller Sicht: Über eine Milliarde US-Dollar verdienten die Macher im Jahr 2018 mit Mikrotransaktionen. Eine Auszeit von knapp zwei Tagen dürfte Epic da wohl locker wegstecken.

Kann Anthem das Fortnite-"Ende" so einfach nachmachen?

Ob und inwiefern sich ein plötzliches Blackout dieser Art auf Anthem auswirken würde, darüber lässt sich nur spekulieren. Vermutlich würde Bioware damit für viel weniger Furore im Netz sorgen als Epic. Schlicht und einfach, weil Anthem in der Popkultur nicht so stark verankert ist Fortnite. Als Free2Play-Spiel ab 12 Jahren umfasst der Battle Royale-Shooter eine viel breitere Zielgruppe als Vollpreistitel ab 16 Jahren.

Zumal nicht einmal Epic seinem Battle Royale-Hit von jetzt auf gleich den Stecker gezogen hat. Vielmehr arbeiteten die Macher Season für Season mit immer aufwendiger inszenierten Ingame-Events daraufhin und erlangten dadurch zunehmend an Bekanntheit.

Zuerst krachten Meteoriten auf die Map, dann verursachte eine Rakete einen Riss im Himmel, plötzlich tauchte ein mysteriöser Würfel daraus auf und beförderte Spieler in eine andere Dimension, und zuletzt kämpfte ein Roboter in der Luft gegen ein Monster wie in Pacific Rim.

Bei Anthem wurde schon einiges repariert - Für wen lohnt sich die Rückkehr? 10:15 Bei Anthem wurde schon einiges repariert - Für wen lohnt sich die Rückkehr?

Jedes Ereignis brachte spielerische Neuerungen, weitere Spielmodi oder unübersehbare Map-Änderungen wie die Verwandlung des Loot-Lakes in ein riesiges Trampolin mit sich. Das sorgte schließlich ebenfalls für Aufsehen im Netz. Sowohl Fans als auch Außenstehende sprachen über über die Events, zwar nicht im gleichen Ausmaß wie über das schwarze Loch, jedoch befand sich Fortnite im Laufe der vergangenen Monate regelmäßig im Fokus der Öffentlichkeit.

Und genau deshalb hat das Fortnite-Blackout letztendlich so wahnsinnig gut funktioniert. Pro Season erhöhte Epic die Erwartungen der Fans - und übertraf sie schließlich mit einem krönenden Abschluss des ersten Fortnite-Kapitels. Würde Bioware hingegen die Anthem-Server plötzlich herunterfahren, wären Spieler vermutlich eher verwirrt als gespannt und begeistert.

Das liegt nicht zuletzt an Biowares zurückhaltender (und undurchsichtiger) Kommunikation.

Im September verkündeten die Entwickler, sämtliche Inhalte der ursprünglichen Roadmap über den Haufen geworfen zu haben, weil sie sich erst einmal auf die Kernprobleme des Action-RPGs kümmern wollen. Zudem setzt Anthem nun saisonale Updates, die aktuelle Season of Skulls veröffentlichte Bioware allerdings völlig aus dem Nichts. Plötzlich gab es ein Update, niemand aus der Community wusste vorher Bescheid und eine große Außenwirkung hatten die neuen Inhalte deshalb erst recht nicht.

Huch?
Bei Anthem passieren schon wieder merkwürdige Dinge

Was Anthem von Fortnite lernen könnte

Bioware müsste also zunächst einmal eine wirksame Content-Release-Strategie entwickeln, um das Vertrauen der Spieler zurückzugewinnen und neue Spieler dazuzugewinnen. Anthem mangelt es nämlich nicht nur an Inhalten, sondern auch an Hype. Das Spiel mag zwar seine feste Spielerschaft haben, darüber hinaus verliert aber kaum jemand ein (positives) Wort darüber.

Deshalb denke ich, dass das Action-RPG wie Fortnite von einer regelmäßigen Live-Unterhaltung durch Ingame-Events profitieren würde.

Bioware hat sich vor einigen Monaten sogar bereits daran versucht, wichtige neue Inhalte nach dem Vorbild von Fortnite mit einem spannungsaufbauenden Pre-Event einzuleiten. Seltsame Anomalien am Himmel der Spielwelt deuteten das lang erwartete Catacylsm-Update nämlich schon im Vorfeld an. Danach passierte allerdings lange Zeit nichts und Fans verloren langsam das Interesse. Einige Wochen später erschien das Update dann doch völlig überrraschend und sorgte bei Spielern damit zunächst eher für Verwunderung als für Euphorie.

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Insbesondere daraus hätte Bioware aber so viel mehr machen können. Die Entwickler beschrieben Cataclysms während der E3 2017 als gewaltige Naturereignisse, die ursprünglich hätten die Map verändern und sogar Charaktere töten sollen. Daraus wurde aber nichts. Bis auf einige Freeroam-Missionen hatte der erste Cataclysm kaum spürbare Auswirkungen auf die normale Freeplay-Map oder die Story.

Warum aber nichtmal wie Fortnite regelmäßig die Karte verändern, bekannte Gebiete auslöschen und durch neue ersetzen? Oder wirklich alle paar Monate mal einen bedeutende Fort Tarsis-Bewohner wie Faye opfern, um daraus neue spannende Story-Missionen zu stricken? Das würde schließlich für jede Menge Gesprächstoff bei Fans sorgen und sie damit langfristig unterhalten und ans Spiel binden.

Die mysteriöse Sci-Fi-Welt von Anthem bietet ohnehin viel Potenzial für spannende oder völlig abgedrehte Ingame-Events á la Fortnite. Würde Bioware regelmäßig aus diesem riesigen Pool voller Möglichkeiten schöpfen, könnte das Action-RPG irgendwann wie der Battle Royale-Hit vielleicht sogar über die Grenzen der Community hinaus für Wirbel sorgen und so noch mehr Spieler gewinnen.

Epic hat es mit Fortnite dank geschicktem Marketing und gekonnter Live-Unterhaltung jedenfalls geschafft, innerhalb von nur kurzer Zeit eine riesige Community aufzubauen. Und daran sollte sich Anthem ein Beispiel nehmen. Dabei braucht es ja nicht gleich einen kompletten Blackout. Es fehlen lediglich spannende Ideen, die das Spiel konstant am Leben halten.

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