Rae und ihre Zeit bei GamePro.de: Ein Liebesbrief zum Abschied

Sechs Jahre lang hat Rae GamePro.de geleitet. Hier erzählt sie wie es dazu kam, welche Herausforderungen es gab, und wie die Zukunft aussieht.

Rae sagt Byebye, GamePro.de, bleibt aber trotzdem irgendwie dabei. Rae sagt "Byebye, GamePro.de", bleibt aber trotzdem irgendwie dabei.

Der Gedanke, dass GamePro in diesem Jahr Jahr den 20. Geburtstag feiert, ist surreal für mich. Vor 20 Jahren war ich gerade mal 16 Jahre alt, hielt dank Avril Lavigne und Good Charlotte Nietengürtel und verschmierten Eyeliner für eine hervorragende Idee und bettelte meine Eltern (vergeblich) um eine Konsole an, während mein alternder PC mit Die Sims an seine Grenzen getrieben wurde. Ich war viel zu sehr in meinem eigenen Kleinstadt-Teenager-Schmerz gefangen, um überhaupt mitzubekommen, dass (für mich) weit weg in München gerade das Magazin das Licht der Welt erblickte, dessen Website ich irgendwann einmal leiten würde.

Allerdings ist es nicht nur das schleichende Bewusstsein, wie alt ich mittlerweile bin (dafür habe ich TikTok, danke), das den Gedanken so absurd macht. Es ist vor allem die Tatsache, dass es für mich (so wie für den Rest des Teams) eine gefühlte Zweiteilung bei GamePro.de gibt: die Zeit vor 2016 und danach. Die Zeit vor 2016, als die Webseite mehr oder weniger brach lag und sich GamePro quasi nur über unser Printmagazin definierte. Und die Zeit danach, als die Website zu einer eigenen Größe im Gaming wurde.

Und genau darum soll es in diesem Artikel gehen, der gleichzeitig Geburtstagsgruß und Liebesbrief ist. Ich will euch einen kleinen Blick hinter die Kulissen von GamePro.de in den letzten sechs Jahren gewähren – komplett subjektiv, vielleicht ein bisschen emotional und ein wenig melancholisch. Ich verrate euch, was GamePro.de für mich bedeutet, woran ich in den letzten Jahren gearbeitet habe und auch, warum ich Abschied von GamePro nehmen werde – zumindest ein bisschen. Aber lasst uns am besten am Anfang beginnen.

Rae Grimm
Rae Grimm

Weil Rae als Kind keinen Game Boy haben durfte, hat sie sich an ihren Eltern gerächt indem sie Chefredakteurin von GamePro.de geworden ist. Sie trinkt zu viel Kaffee und weiß mehr über Batman als eine einzelne Person über Batman wissen sollte. Mittlerweile besitzt sie einen Game Boy.

GamePro? Nein, danke

"Liest du GamePro? Oder GameStar?" Eigentlich hätte ich die Frage erwarten müssen, die mir Rene Heuser im Januar 2016 stellt. Schließlich ist mein frischgebackener Vorgesetzter nicht nur ehemaliger Redakteur der beiden Magazine, sondern als Director of Editorial & Brand Strategy (was für ein Titel!) für beide verantwortlich. Und seit Kurzem auch für die Website gamespilot.de, die durch den Kauf der ehemaligen IDG-Gaming-Marken GameStar und GamePro durch Webedia nun mit in seinen Verantwortungsbereich fällt – ebenso wie ich, die Redaktionsleiterin der noch jungen Website.

Trotzdem trifft mich die Frage unerwartet, was wahrscheinlich die beste Erklärung dafür ist, dass ich einfach nur ziemlich filterlos mit "Oh Gott, nein!" antworte. Während ich mich gedanklich bereits von meiner Karriere verabschiede, beendet Rene wider Erwarten unser Meeting nicht auf der Stelle, sondern grinst einfach nur, bevor er mich fragt, warum nicht. Erneut schlägt mein fehlender Filter zu: "Weil ich sie langweilig finde. Und weil sie mir zeigen, dass sie mich nicht wollen."

Rae zu Besuch bei den Münchner Kollegen. So wird also ein gedrucktes Heft gemacht! Rae zu Besuch bei den Münchner Kollegen. So wird also ein gedrucktes Heft gemacht!

Um meine wahrscheinlich unerwartete (und mit Sicherheit unbeliebte) Antwort zu verstehen, müsst ihr wissen, dass sie sich nicht nur auf GameStar und GamePro bezieht, sondern eigentlich auf alle großen Gaming-Seiten Deutschlands. Seiten, die als ich sie teilweise Jahre zuvor zuletzt besucht hatte, ihre Reichweiten gerne auch mal mit "Babe-Galerien" erzielten, (vermutlich auch deshalb) kaum Frauen in den Redaktionen hatten, und deren Artikel sich im Vergleich zu internationalen Medien in der Zeit stehen geblieben anfühlen.

In meinem ebenso naiven wie arroganten Gedanken ist meine Antwort eine Art "Anti-Establishment"-Einstellung in Bezug auf traditionelle Gaming-Medien. Sie wird befeuert von der Sehnsucht nach deutschen Antworten auf Websites wie Polygon, Kotaku und Rock, Paper, Shotgun. Und dem leichten Größenwahnsinn, der damit einhergeht, mit gamespilot.de eine erfolgreiche Gaming-Website basierend auf meiner "Wer will mich davon abhalten?  Ich mache, was ich will!"-Einstellung gestartet zu haben. Anstatt aber von meiner Arroganz abgeschreckt zu sein, scheint sie Rene nur weiter zu amüsieren. Oder vielleicht war es genau das, was er zu diesem Zeitpunkt sucht, denn die nächste Frage, die er mir stellt, sollte mein Leben umkrempeln: "Lust, das zu ändern?"

Ein Zombie namens GamePro.de

Die Kurzfassung meiner Antwort lautet wenig überraschend: Ja. Ja, ich habe Lust, das zu ändern. Wie oft bekommt man schließlich die Gelegenheit, eine der bekanntesten deutschen Gaming-Marken komplett auf den Kopf zu stellen? Es ist keine Chance, die ich mir entgehen lassen will, selbst wenn das bedeutet, gamespilot aufgeben zu müssen. Zumindest teilweise, denn sowohl das Team als auch die generelle Ausrichtung sowie die wunderbare Farbe Petrol sollen Teil der neuen GamePro.de werden. Und der zu diesem Zeitpunkt stagnierenden Website neues Leben einhauchen.

Ich bezeichne GamePro.de vor Juni 2016 gern als "Zombie", denn die Seite war zwar nicht wirklich tot, aber auch nicht lebendig. Während das Magazin mit Markus Schwerdtel und Kai Schmidt ein kleines, aber dediziertes Team hat und damit komplett im Fokus der zuständigen Redakteure steht, sieht es bei der Homepage ganz anders aus. Hier finden sich kaum eigene Inhalte, es gibt kein schlagkräftiges Team, und auch die starke Identität und Persönlichkeit der Printmarke sind nach Jahren der Vernachlässigung der Online-Präsenz kaum noch vorhanden.

Das alte Team von gamespilot.de bei der Arbeit, die Umbenennung bzw. Fusion mit GamePro.de ist nah! Das "alte" Team von gamespilot.de bei der Arbeit, die Umbenennung bzw. Fusion mit GamePro.de ist nah!

Stattdessen gibt es fast nur von GameStar.de duplizierte News und Kolumnen, ein paar aus dem Heft übernommene Specials und vereinzelt Tests zweier leidenschaftlicher Konsolen-Redakteure, die tapfer die Stellung halten: Tobi Veltin und Mirco Kämpfer. Ihr Durchhaltevermögen sollte Früchte tragen, denn im Februar 2016 starten wir gemeinsam das Projekt "GP 2.0", das im Herbst desselben Jahres das Licht der Welt erblickt. 

Wiederauferstehung und Wachstumsschmerzen

Die Aufgabe vor uns ist so klar wie komplex: GamePro.de (wieder) zu einer eigenen Markenidentität verhelfen. Dafür wollen wir uns auf alte Stärken des Magazins besinnen, gleichzeitig aber nach vorne blicken und den Weg beschreiten, den wir mit gamespilot eingeschlagen hatten: Wir wollen nicht nur jünger und unkonventioneller sein, sondern auch diverser und inklusiver als andere Gaming-Medien zum damaligen Zeitpunkt. Wir wollen über Themen schreiben, die andere ignorierten und Spieler und vor allem auch Spielerinnen ansprechen, die auf anderen Mainstream-Gamingseiten kein Zuhause finden. Wir wollen Core-Gaming und Mainstream verbinden und dem sogenannten Gatekeeping  unseres Lieblingshobbys den Kampf ansagen.

Und wir wollten aus dem Schatten unserer großen Schwester GameStar treten. Dafür müssen wir aufhören, Inhalte – und Redakteure – mit ihr zu teilen. Was in der Theorie simpel klingt, ist eine logistische Herausforderung, an der wir Jahre arbeiten. Schließlich betrifft diese Entscheidung nicht nur uns, sondern auch die Kollegen der GameStar, denen plötzlich nicht nur (Konsolen)Inhalte wegbrechen, sondern auch zusätzliche Autoren und damit Expertisen. Nur ein Beispiel: Tobi ist als Experte für das Halo-Universum, die Sniper-Serie und Rennspiele generell bei GameStar und GamePro gleichermaßen gefragt, arbeitet fortan nur noch für letztere – die PC-Kollegen schauen erst mal in die Röhre.

Durch gegenseitige Besuche (hier zur Weihnachtsfeier) lernen sich Münchner und Berliner Kollegen kennen. Angeblich hat Kai später noch getanzt! Durch gegenseitige Besuche (hier zur Weihnachtsfeier) lernen sich Münchner und Berliner Kollegen kennen. Angeblich hat Kai später noch getanzt!

Unser Prozess der Abnablung von GamePro.de dauert Jahre. Nicht nur in Bezug auf die getauschten Artikel, sondern auch all die anderen Herausforderungen, die damit einhergehen, wenn eine Seite und ihre Community so lange allein gelassen wurden. Und wenn eine kleine Gruppe Jungredakteure (aka Tim Hödel, Hannes Rossow, Dom Schott und ich), die es gewohnt sind, machen zu können, was sie wollen, plötzlich auf etablierte Branchengrößen wie Markus Schwerdtel oder Heiko Klinge treffen, die natürlich durch jahrelange Erfahrung ihre eigene Sicht der Dinge haben. Hier prallen Welt(sicht)en aufeinander und es dauert eine Zeit, bis wir uns – nicht gerade erleichtert durch die räumliche Distanz zwischen München und Berlin – zusammenraufen.  

Dem Willen von Google ausgeliefert

Die ersten Jahre der noch jungen GamePro.de 2.0 sind so holprig wie aufregend und geprägt von Veränderungen. Wir verabschieden uns von lieben Kollegen und begrüßen neue. Wir hinterfragen viele etablierten Prozesse und verstehen ihre Wichtigkeit. Und wenn sie nicht wichtig sind, schmeißen wir sie über Bord. Wir testen Spiele, streiten über Wertungen und Wertungssysteme, schreiben Artikel und versuchen mittendrin weiterhin herauszufinden, was GamePro.de eigentlich wirklich ist.

Denn trotz aller idealistischer Ansätze, die wir in der Theorie haben, lässt die Antwort auf diese Frage auf sich warten. Während unsere Arbeit zwar erste Früchte trägt und GamePro.de floriert, knabbere ich an dem nagenden Gefühl, dass die Seite nicht da ist, wo ich sie gerne hätte. Dass ihr die Persönlichkeit und Einzigartigkeit fehlt, die ich mir für sie erträumt habe. 

Hier ist das komplette Team fleißig bei der Arbeit. Hier ist das komplette Team fleißig bei der Arbeit.

Dass diese Sorgen nicht grundlos sind, zeigt sich im August 2018, als die noch recht junge GamePro.de 2.0 in ihre erste große Krise schlittert. Grund dafür ist das sogenannte Medic-Update des Google-Algorithmus, das unsere Leserschaft fast von einem Tag auf den anderen halbiert und dessen Name heute noch für ein Zucken im Auge vieler GamePro-Redakteure sorgt. Reichweite ist, wie ihr vielleicht wisst, das Zahlungsmittel für Websites.

Wie viele Personen unsere Seite besuchen und unsere Artikel lesen beeinflusst gleichzeitig, wie interessant sie für Werbekunden ist, durch die GamePro.de finanziert wird. Wenn der Traffic einer Website derart stark einbricht und perspektivisch keine Besserung in Sicht ist, kann das gerne mal das Aus für eine Seite, eine Marke und letztlich für ein Team bedeuten. 

Entsprechend groß sind unsere Befürchtungen, sollten wir den  freien Fall nicht stoppen können. Wo sich bei vielen anderen Seiten nun sicherlich die Geschäftsleitung eingeschaltet hätte, um eine klare Strategie vorzugeben, habe ich das immense Glück, Vorgesetzte wie Rene und unseren ehemaligen Chefredakteur Heiko Klinge zu haben. Alles was sie tun, ist mich zu fragen, was ich brauchen würde, um GamePro.de aus dem virtuellen Limbus zu befreien – und zu respektieren als ich sage: "Vertrauen. Lasst uns einfach machen."

GamePro-Jubiläum
Dieser Artikel ist Teil unserer Jubiläumswoche anlässlich des 20. GamePro-Geburtstages. Mehr Artikel dazu findet ihr in unserer Übersicht.

Die Geburt von GamePro (3.0)

Wenn der Suchmaschinengigant Google eine Seite abstraft, kann das viele Gründe haben. Manche sind technischer Natur, wieder andere können sich auf die redaktionelle Qualität von Artikeln beziehen. Es gibt unzählige Faktoren, die eine Rolle spielen: Originalität, Ausführlichkeit, Aktualität, spannende Headlines, etc … Das von vielen verhasste Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist eine sich ständig wandelnde Wissenschaft, für die es aus gutem Grund dedizierte Experten gibt. Denn die Sache ist nämlich die, dass Google einem nicht sagt, was die Gründe für eine "Strafe" sind. Eine Redaktion muss quasi selbst in einer munteren Mischung aus Tiefenanalyse und wirrem Ratespiel Detektiv spielen und dabei hoffen, die richtigen Antworten zu finden.

Die langwierige Brainstorming-Session im April 2019 führt zu einer Neuausrichtung der Website. Die langwierige Brainstorming-Session im April 2019 führt zu einer Neuausrichtung der Website.

Um das zu tun, findet sich das Team von GamePro.de im April 2019 nach Monaten der schleichenden Verzweiflung in Berlin zusammen, um sich eine Woche lang in einem Meetingraum einzusperren und zu streiten. Oder nennen wir es lieber »angeregt diskutieren«. Mehrere Tage lang wird jeder Pixel der Seite umgedreht, jedes bisher behandelte Thema debattiert, jedes Artikelformat hinterfragt und jede unumstößliche GamePro-Wahrheit auf die Goldwaage gelegt – egal wie weh es tut.

Bleiben wir Konsolen-exklusiv? Wollen wir wirklich noch über FIFA schreiben? Liest eigentlich irgendwer bei uns Artikel zu Call of Duty? Warum schreiben wir eigentlich über Filme? Ist es an der Zeit, unser Wertungssystem in Rente zu schicken? Oder Tests allgemein? Heben wir uns genug von unseren Schwesterseiten GameStar.de und Mein-MMO.de ab? Wo ist unsere Nische?

Vor allem aber beschäftigt uns die große Frage, an wen wir uns eigentlich richten wollen. Wer sind die Leute, für die wir schreiben und schreiben? Bieten wir ihnen die Inhalte, die sie suchen und brauchen? Gerade hier lautet die Antwort häufiger "nein", als uns lieb ist. Und das wollen wir ändern.

Alles, was ihr noch zum Gaming braucht

Einer der Gründe, warum ich GamePro.de damals übernehmen will, ist die reizvolle Möglichkeit, eine so starke und etablierte Marke gemeinsam mit meinem Team neu formen und definieren zu können. Nur ist das bis zu jenem schicksalhaften Tag im April 2019 bislang nicht geschehen. Wir waren so damit beschäftigt, unseren liebgewonnenen Zombie am Leben zu halten, dass wir nicht merken, wie schnell ihm die Puste ausgeht.

Durch die Nacht mit … Dennis, Rae, Linda und Ann-Kathrin. Nach Feierabend kann man Feiern gehen. Durch die Nacht mit … Dennis, Rae, Linda und Ann-Kathrin. Nach Feierabend kann man Feiern gehen.

Wir investierten so viel Zeit darin, die grundlegenden Regeln von GamePro (und GameStar) zu lernen, dass wir vergessen, wie wichtig es ist, sie zu brechen. Eine der größten Wahrheiten, die wir umstoßen ist die der angepeilten Leserschaft. Wer soll GamePro.de lesen? Und die Antwort ist: Nicht mehr einfach nur der Core-Gamer. 

Versteht mich nicht falsch, Core-Gaming wird ebenso wie Konsolen immer das Herz von GamePro.de sein. Wie könnte es auch anders bei einer Redaktion sein, die ausschließlich aus Personen besteht, deren Herz für Videospiele aller Art schlägt? Was wir aber auch wollen und wovon ich immer geträumt habe, ist (Core-)Gaming zugänglich für alle zu machen. So wie Videospiele in den letzten Jahren ja auch mehr und mehr zugänglich für alle werden.

Die Mitte ist schon lange da

Ich will jetzt gar nicht mit der "in der Mitte der Gesellschaft"-Plattitüde ankommen, denn diesen Punkt haben wir lange überschritten. 59 Prozent der Deutschen nutzen Videospiele und diese Zahl wächst weiter. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nur das richtige Spiel braucht, um eine nicht-spielende Person zum Gamer zu machen. Dass es viele Menschen wie meine 63-jährige Mutter gibt, die durch die Pandemie zum ersten Mal einen Controller in die Hand genommen hat, weil sie sich in den Weiten von Horizon Zero Dawn verlieren will und die sich seitdem durch diverse Open Worlds kämpft. 

Über ganz Deutschland verstreute Kollege zwingen zu Online-Redaktionskonferenzen, die sind aber immerhin lustig. Über ganz Deutschland verstreute Kollege zwingen zu Online-Redaktionskonferenzen, die sind aber immerhin lustig.

Wir wollen, dass Menschen wie sie einen Ort haben, an dem sie sich nicht einfach nur informieren können, sondern an dem sie mehr über Spiele, Gaming-Kultur und auch Hardware erfahren. Und an dem das Gelesene so zugänglich ist, dass das  "Core" vor "Gamer" keine Rolle spielt. Dass sie Hilfestellungen zu Spielen und Konsolen bekommen, ohne für ihren Fähigkeiten am Controller verurteilt zu werden. Dass sie die spannendsten, interessantesten, witzigsten Geschichten rund um Videospiele und ihre Kultur bekommen – egal, ob es sich dabei um die neuesten AAA-Gerüchte handelt, kleine Geheimtipps, übersehene Details in alten Lieblingen oder sozialpolitische Bewegungen in unserem Lieblingshobby. Wir wollten und wollen noch, dass GamePro.de genauso vielseitig ist wie Videospiele und diejenigen, die sie spielen. 

Größer als GameStar!

Dass dieser Weg genau der richtige war, zeigt sich sehr schnell. Nicht nur, dass sich unsere Zahlen nach unserem radikalen Frühjahrsputz schnell erholen und wieder steigen, 2020 erreichen sie bisher nie dagewesene Höhen. Wir schafften es nicht nur aus dem Schatten unserer großen Schwester GameStar.de hervorzutreten, sondern sie stellenweise sogar in unseren eigenen Schatten zu stellen.

Dabei ist es wichtig, im Kopf zu behalten, dass hinter diesen ominösen Reichweitenzahlen immer echte Menschen stecken, nämlich ihr Leser! Menschen, die wir mit unseren Artikeln erreichen, denen wir helfen, die wir unterhalten und informieren und ja, in manchen Fällen sicher auch gehörig nerven. Aber das gehört bekanntlich ebenfalls dazu, denn allen kann man es bekanntlich nie recht machen. Schließlich sind wir nur Menschen und auch wir machen Fehler, wachsen und entwickeln uns weiter. Ebenso wie GamePro.de. Ebenso wie ihr.

Tradition ist wichtig! Freitags wird nur mit Kopfbedeckung konferiert. Tradition ist wichtig! Freitags wird nur mit Kopfbedeckung konferiert.

Fertig sind wir mit GamePro.de natürlich trotzdem noch nicht. Wir haben große Pläne (keine Spoiler!) und noch einen langen Weg vor uns. 20 Jahre sind gerade erst der Anfang! Allerdings werdet ihr mich in Zukunft (noch) etwas weniger sehen.

Ein Abschied

Für viele von euch war ich in meiner Rolle als Redaktionsleiterin und Chefredakteurin weit unsichtbarer als andere Kollegen in dieser Position. Während ich in meiner Anfangszeit von GamePro.de noch häufig in die Tasten gehauen habe, passierte das in den letzten Jahren zunehmend weniger, gerade nach der erwähnten Krise.  Zu viel war hinter den Kulissen zu tun, um die Maschinerie GamePro.de am Laufen zu halten. Ihr dabei zu helfen, sich selbst zu finden, bekannter zu werden und dafür zu sorgen, dass das Team alles hatte, was es brauchte, um für euch den bestmöglichen Job zu machen. Vielleicht steht mein Name weniger in der Autorenzeile, dafür finden sich meine Fingerabdrücke überall auf GamePro.de. Sie mögen für euch unsichtbar sein, aber sie sind da.

Der Wechsel vom Schreiben über Videospiele zum Support-Charakter für Autoren war gleichzeitig der leichteste und schwerste meines Lebens. Würde ich alles noch einmal machen müssen, würde ich mich nicht anders entscheiden, selbst wenn mir das Schreiben unglaublich fehlt. Dafür bin ich aber viel zu stolz auf alles, was wir gemeinsam erreicht haben. Entsprechend schwer fällt es mir, nun einen weiteren Schritt zurück zu machen, weg von GamePro.de und hin zu neuen Herausforderungen.

Rührend: GamePro-Gründer Gunnar schickte Rae zum Job-Antritt seinen ehrwürdigen GamePro-Pin. Rührend: GamePro-Gründer Gunnar schickte Rae zum Job-Antritt seinen ehrwürdigen GamePro-Pin.

Seit Anfang des Jahres bin ich in einer übergreifenden Rolle tätig, in der ich den Redaktionsleitern aller Webedia Gaming-Seiten vorstehe und ihnen und ihren Teams dabei helfe, ihre Visionen für ihre Marken umzusetzen. Das heißt aber auch, dass sich meine Zeit als Chefredakteurin von GamePro.de langsam dem Ende zuneigt. 

Es war mir eine große Ehre und ein absolutes Privileg, GamePro.de über sechs Jahre zu begleiten, ihr für euch beim Wachsen, Transformieren und Gedeihen zu helfen. Sie zu einer eigenständigen Größe werden zu lassen und nicht nur zur "kleinen Schwester der GameStar". Und während es eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens ist, das Zepter im nächsten Jahr abzugeben, tue ich das im vollsten Vertrauen, es gemeinsam mit meinem Team in die bestmöglichen Hände zu geben. Und in dem Wissen, dass ich GamePro.de eben nicht komplett verlasse, sondern nur einen Schritt zurück mache, um ihr und ihren Schwestern GameStar, GameStar Tech und Mein MMO gleichermaßen aus ein bisschen Distanz zu helfen. 

Und wer weiß, vielleicht lest ihr in den kommenden Jahren trotzdem noch den ein oder anderen Artikel von mir. Spätestens zum nächsten Mass Effect oder Dragon Age oder wenn ich mal wieder fragwürdige Erfahrungen mit KIs sammle, die ich teilen möchte oder Mirco (mittlerweile unser Head of Tech & Hardware Editorial) mich doch noch überzeugt, über meine Tastaturobsession zu schreiben …

Schließlich ändert sich nichts an meinem geheimen Credo: Wer will mich davon abhalten?

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