Wenn man heute an Kingdom Come: Deliverance denkt, hat man wahrscheinlich automatisch Böhmen vor Augen. Rattay, Skalitz, Kumanen, politische Spannungen und ein dreckiges Mittelalter, das sich nicht wie eine Kulisse aus Hollywood, sondern wie ein lebendiger Ort anfühlt, in dem es etwas ruppiger zugeht.
Doch dieses Setting war offenbar nicht immer geplant.
England? Deutschland? Robin Hood statt Skalitz
Wie Design Director Viktor Bocan in einem Interview mit dem Edge-Magazin verraten hat, standen in der frühen Entwicklungsphase auch andere Schauplätze zur Diskussion. Unter anderem das mittelalterliche Deutschland oder England zur Zeit von Robin Hood – also Settings, die für ein historisches RPG durchaus naheliegend gewesen wären.
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Auf dem Papier hätten beide Varianten funktioniert. Ein klassisches europäisches Mittelalter-Setting mit Burgen, Wäldern und Rittern – so, wie man es kennt. Genau das war aber auch das Problem.
"Es geht nicht um Geschichte um der Geschichte willen", erklärt Bocan. Entscheidend sei gewesen, dass sich die Welt glaubwürdig anfühlt und natürlich auf das Verhalten der Spieler reagiert. Das Ziel war keine mittelalterliche Tapete, sondern ein System, das euch wirklich das Gefühl gibt, dort zu leben.
Authentizität statt austauschbarer Ritter-Romantik
Für dieses Maß an Glaubwürdigkeit betreibt Warhorse enormen Aufwand. Das Studio beschäftigt eine eigene Historikerin, die Archive, Universitäten und Quellen auswertet, damit Architektur, Kleidung, Bräuche und soziale Strukturen in den Spielen möglichst korrekt dargestellt werden.
Der große Vorteil: Warhorse sitzt in Prag – dem historischen Zentrum des Königreichs Böhmen. Die Entwickler hatten direkten Zugang zu regionaler Geschichte, Orten und Quellen. Für England oder Deutschland hätte das Team praktisch bei null anfangen müssen. Laut Bocan wusste man über diese Regionen schlicht nicht genug, um den eigenen Qualitätsanspruch zu erfüllen.
Also entschied sich Warhorse für das, was sie wirklich kannten und verstanden.
Rückblickend war das wohl eine der wichtigsten Entscheidungen der Reihe. Gerade weil Kingdom Come nicht in einem austauschbaren "Irgendwo-im-Mittelalter"-Setting spielt, hebt es sich so klar von anderen Genrevertretern ab.
Und mal ehrlich: Ein weiteres generisches Ritter-England hätte wohl deutlich weniger Eindruck hinterlassen, als das detailverliebte Böhmen des 15. Jahrhunderts.
Könntet ihr euch ein Kingdom Come in einem anderen Setting vorstellen?

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