Mass Effect, Dead Space, The Last of Us – als zwischen 2006 und 2013 (fast) jedes Singleplayer-Spiel plötzlich einen Multiplayer mitlieferte, dachte wohl nicht nur ich: „Braucht dieses Storyspiel nun wirklich einen Online-Modus?“ Damals war es Trend, einem für seine fesselnde Geschichte gefeierten Singleplayer-Spiel einen Multiplayer aufzuzwingen. Und ich fasse es selbst kaum, aber verglichen mit den Fortnites und Apex Legends von heute merke ich, wie sehr ich die unterschätzten Multiplayer-Experimente der PS3-Ära vermisse.
Natürlich gibt es jetzt mehr Online-Spiele denn je, mit ihren eigenen kleinen oder großen Communitys. Eigentlich dürfte jeder einen Titel finden, den man abends gerne anschmeißt, um online mit Freunden oder Fremden zu spielen. Und doch fehlt mir die Schlichtheit von damals, eine gute Kampagne zu beenden, dann auf den Online-Modus zu wechseln und völlig überrascht zu werden. Über ein paar ganz bestimmte Games will ich mit euch quatschen – vielleicht geht es euch danach wie mir.
Mehr als nur ein „Extra“
Ich erinnere mich, als ich das erste Mal den Multiplayer von Assassin’s Creed: Brotherhood gespielt habe. Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel in bekannten Locations aus der Story. Ich musste meine Verfolger in der Menge abschütteln und gleichzeitig meine Ziele im Blick behalten. So muss Social Stealth!
Oder als ich The Last of Us: Factions startete und auf die harte Tour lernen musste, nicht einfach kopflos nach vorne zu preschen. Hier war taktisches Vorgehen gefragt. Das beklemmende Gefühl von Ressourcenknappheit, das spannende Stealth-Gameplay – genau diese Aspekte aus dem Singleplayer begeisterten mich auch im Multiplayer. Kein Wunder, dass mein Kumpel und ich selbst zwölf Jahre später noch problemlos volle Matches finden.
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Für die weniger „kultigen“ Games muss ich aber auch eine Lanze brechen. Vor allem das asynchrone Helden-gegen-Schurken-Chaos aus Batman: Arkham Origins sowie die wuchtigen Arena-Kämpfe aus God of War: Ascension kamen eher gemischt an; ich habe die Multiplayer-Ansätze aber geliebt und mehrere Wochen am Stück gezockt.
Diese Online-Modi waren bemüht, das Spielgefühl des Singleplayers kreativ zu erweitern und eine Multiplayer-Version ihrer eigenen Welt zu erschaffen. Deshalb steckten oft gute eigene Ideen drin. Sie waren keine müden Kopien! Sie hatten Identität, statt nur erfolgreichen Spielen nachzueifern.
Schön, als es nur Beilage war
Keine Daily Quests, kein Battle Pass, kein FOMO. Die Multiplayer früher waren für kurzweiligen Spaß konzipiert, sie mutierten nicht zum Zweitjob.
Ohne Zweifel: Dieser Gedanke nimmt mir heute etwas den Spaß an Online-Spielen. Ich möchte nicht nur zocken, um einen Skin freizuschalten, der morgen wieder aus dem Shop verschwindet. Das ist zwar Kopfsache, aber moderne Spiele drängen zu diesem Mindset. Gleichzeitig überlege ich zweimal, in ein jahrelang bestehendes Online-Spiel zurückzukehren – schließlich habe ich so viel verpasst.
Über den Autor: Hero-Shooter, Battle Royale, Extraction-Modus – Sanel vermisst die „alten“ Multiplayer. Auf der PS3 hat er sich oft gefreut, die Story durchzuspielen und dann einfach den Multiplayer auszuchecken. Für ihn waren es mutige, oft schräge und vor allem kurzweilige Ergänzungen. Etwas, was heute kaum ein Studio mehr macht.
Auf der PS3 fühlte sich alles so ungezwungen an; man brauchte ja früher nicht einmal PS Plus. Und wenn der Funke mal nicht überspringen wollte – in meinem Fall beim Online-Modus von Mass Effect 3 oder BioShock 2 –, dann war das halb so schlimm. Die Multiplayer waren sozusagen nur Beilage. Selbst als die Server von Uncharted 2 und 3 offline gingen, war ich immerhin froh, die Story alle paar Jahre erneut genießen zu können.
Nehmen wir mal kurz die rosarote Brille ab
Natürlich waren Multiplayer-Modi nicht immer gut fürs Hauptspiel. Sie raubten Ressourcen, die manchmal besser in den Singleplayer geflossen wären. Das eben erwähnte God of War: Ascension bot eine derart unspektakuläre und ideenarme Story, woran der Online-Modus womöglich nicht unschuldig war.
Ist zwar ins Blaue hineingeraten, aber ich hatte damals schon das Gefühl, dass Ascension nicht einfach einen komplett neuen Modus aus dem Boden stampft, ohne an anderer Stelle vielleicht zu kürzen. Bei anderen Spielen wie Spec Ops: The Line wirkte der Multiplayer angesichts der Antikriegsbotschaft fast schon lächerlich – selbst der Entwickler nannte es hinterher einen „Call of Duty“-Klon, eine Geldverschwendung. Und in Mass Effect 3 war man anfangs gar gezwungen, online zu spielen, um das beste Story-Ende freizuschalten.
Auch konnte man damals wie heute zusätzlich blechen: DLC-Maps und -Waffen spalteten die Community und störten das Balancing. Doch verglichen mit den „Mikro“-Transaktionen in einigen modernen Online-Spielen wirken diese DLCs fast schon wie ein harmloses, ehrliches Stück Software.
Die Multiplayer der PS3-Ära fehlen mir
Heute sind solche Experimente selten geworden. Wegen explodierender Entwicklungskosten und gigantischer Zeitbudgets verzichten Publisher lieber auf einen zusätzlichen Online-Modus. Selbst Remakes oder Remaster wie bei Uncharted lassen den Multiplayer fast immer hinter sich. So schade, denn gerade das Spiel, in dem jede Brücke einsturzgefährdet ist, bot mir in seinen Fortsetzungen adrenalingeladene Multiplayer-Gefechte.
Ja und wenn dann doch Online, dann muss es gleich Live-Service mit 10-Jahres-Plan werden. Doch gerade das geht oft schief: The Last of Us 2 kam mit dem Versprechen, einen Online-Modus nachzuliefern, aber Naughty Dog wollte (oder musste?) den Multiplayer als Live-Service konzipieren – ein Plan, der nach Jahren der Entwicklung scheiterte. Dabei zeigen die Multiplayer von früher: Manchmal ist weniger mehr.
Dass dieses alte Modell heute noch funktionieren kann, beweist mir Ghost of Yotei. Am 10. März kehrt der Legends-Multiplayer für Besitzer des Hauptspiels als kostenlose Beilage zurück – und ich bin sehr gespannt!
Und jetzt interessiert mich eure Meinung! Habt ihr die Online-Modi früher gerne gespielt? Und wenn ja, was sind so eure Favoriten?
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