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Lost in Random im Test: Ein Action-Adventure, wie ihr es noch nicht erlebt habt

Das Action-Adventure Lost in Random erinnert an die traumhaft-surrealen Welten von Tim Burton-Filmen wie “Corpse Bride” und bietet ein frisches Kampfsystem, das ihr so noch nicht erlebt habt.

von Dennis Michel,
10.09.2021 11:00 Uhr

Lost in Random im GamePro-Test. Lost in Random im GamePro-Test.

Was haben die tollen Koop-Abenteuer It Takes Two, Unravel und A Way Out gemeinsam? Einen kleinen Moment geben wir euch noch. Viele von euch haben sicher die Antwort: Sie alle gehören EAs Independent-Reihe an, den sogenannten EA Originals, zu denen sich nun auch das Third-Person-Action-Adventure Lost in Random gesellt - das übrigens ein streng linear aufgebautes Singleplayer-Spiel ist.

Das optisch an die albtraumhaften Filme von Tim Burton ("Nightmare Before Christmas", "Corpse Bride") oder Alice: Madness Returns angelehnte Fantasy-Abenteuer versucht sich dabei an einem ganz speziellen Kampfsystem, das wir so noch in keinem anderen Spiel gesehen haben. Neben einer teils tragischen, teils humorvollen, aber ganz sicher herzlichen Geschichte, sind die Echtzeitscharmützel samt besonderem Twist zugleich die Stärke, aber auch die Schwäche von Lost in Random. Wie das möglich ist, erklären wir euch in diesem Test.

Willkommen in Random, dem Königreich der Würfel

Da sich Entwickler Zoink an eine ganz neue Marke traut, die viele von euch sicher noch nicht auf dem Radar haben, zunächst ein paar Worte zur Geschichte: Wir befinden uns im Königreich Random, das von einer finsteren Königin regiert wird. Genauer gesagt zu Beginn unserer ca. 10- bis 15-stündigen Reise in Einsfelden, der Heimat der Schwestern Even und Odd. Und falls euch hier bereits die Anspielungen an Würfel aufgefallen sind: Sie sind tatsächlich Dreh- und Angelpunkt von Lost in Random.

Die kleinen Knobel könnt ihr euch als Objekte der Macht vorstellen, die einst auf viele Schultern verteilt war, jetzt aber allein bei der Königin liegt. Die unheilvoll ausschauende Dame ist im Besitz des letzten intakten Würfels und entscheidet mit einem Wurf am zwölften Geburtstag eines jeden Kindes darüber, in welchem Reich seine oder ihre Zukunft liegen soll. Eine Eins gewürfelt, geht es nach Einsfelden, dem Ort, an dem die Ärmsten der Armen in Fabriken furchteinflößende Roboter bauen. Hingegen eine Sechs gewürfelt, winkt der prunkvolle Palast von Sechstopia, in dem auch die Herrscherin höchstpersönlich wohnt.

Königin In feinster Disney/Pixar-Manier ist unsere Gegenspielerin eine böse Hexe, die Evens Schwesters Odd, aber auch viele andere Kinder verschleppt.

Random Die Städte von Lost in Random versprühen jede Menge Tim Burton-Charme, sind meist düster und mit grotesken Figuren bevölkert.

Und wie der Zufall so will, geht es für Odd gegen ihren Willen nach Sechstopia, und für ihre jüngere Schwester beginnt eine beschwerliche Rettungsmission durch die sechs Städte Randoms. Die Orte könnt ihr euch als verwinkelte Level vorstellen, in denen ihr euch frei bewegt, die aber mehr als eigenständige Kulisse dienen und wenig interaktiv sind. Doch damit Even nicht schutzlos den Armeen der Königin ausgeliefert ist, begegnet sie - rein zufällig, versteht sich - Würfel Dicey, auf dessen spezielle Rolle wir gleich ausführlich zu sprechen kommen.

Zunächst sei aber gesagt, dass die von einem hervorragenden englischen Erzähler begleitete, lineare Geschichte alles andere als originell ist. Ihr bekommt hier die typische "rette Person XY aus den Klauen des Bösen"-Story präsentiert. Die aber, und das hat uns wirklich sehr gut gefallen, mit Even eine herzliche, nahbare Hauptfigur hat, und darüber hinaus mit reichlich schrulligen NPCs angereichert ist, die auch einem Pixar-Film entstammen könnten. Nebencharakteren, die einer grundsätzlich ernsten Thematik eine Wohlfühlatmosphäre samt einer schönen Portion Humor verleihen.

Zwei-Stadt Hier trifft Even auf den Bürgermeister von Zwei-Stadt, der ein großes Problem mit seiner gespaltenen Persönlichkeit hat.

NPCs Groteske Fischwesen, sprechende Ratten, die Figuren aus dem Action-Adventure erinnern an Filme von Tim Burton wie Nightmare Before Christmas oder Corpse Bride

Generell merkt man Entwickler Zoink an, dass hier ganz viel Liebe in die Spielwelt geflossen ist. Alles wirkt wie aus der Feder von Tim Burton: surreal und düster, aber doch mit einer heiteren Note. Schade ist lediglich, dass sich die NPCs vom Schlapphut tragenden, aufrecht stehenden Fischwesen über Wölfe und verkleidete Spitzmäuse doch häufig wiederholen. Hier hätte mehr Vielfalt beim Charakterdesign dazu beigetragen, dass Random noch glaubhafter wirkt, als es ohnehin schon ist.

Technik-Check: Zu unserer großen Freude hatten wir auf der PS5 mit Bugs und sonstigen technischen Mängeln nicht zu kämpfen. Das Spiel läuft flüssig und wer den speziellen Zeichenstil mag, bekommt ihn hochaufgelöst auf dem TV präsentiert.

Zu kritteln haben wir hingegen bei der Kamera, die speziell im Kampfgeschehen ab und an die Wände ein wenig zu gern hatte. Aber das haken wir mehr unter "Kleinigkeit" ab und hat uns nicht sonderlich gestört. Auch nicht, dass die Kollisionsabfrage beim Springen von Vorsprüngen nicht immer so wollte wie wir. Steht Even an einem Vorsprung, leuchtet der Kreuz-Button auf. Betätigen wir ihn, springt sie nach unten. Auch das kann man besser lösen, aber auch hier: Kategorie Kleinigkeiten.

Das Kampfsystem, die größte Stärke und Schwäche

Kommen wir zum großen Alleinstellungsmerkmal von Lost in Random, seinem frischen Kampfsystem, das Echtzeit-Kämpfe aus der Third Person-Perspektive mit einem Kartenspiel- bzw. Deckbuilder-System kombiniert.

Hammer Mit den Karten zaubern wir unterschiedliche Waffen herbei, wie hier einen mächtigen Hammer. Der Haken: Nach wenigen Treffern zerspringen die Waffen und Dicey muss wieder ran.

Bogen Hier haben wir einen mächtigen Explosionsbogen beschworen, der Gegner nicht nur ordentlich Schaden zufügt, sondern sie auch kurzzeitig außer Gefecht setzt.

Gegner bekämpfen Even und Dicey stets in abgesperrten Kampfarenen. Ihr lauft durch die Städte und schwupps fällt beispielsweise ein Tor zu, und Roboterritter, Robotervögel und Roboterhunde kommen langsam auf euch zu.

Und jetzt der Clou: Even ist lediglich mit einer Zwille ausgerüstet, mit der sie Kristalle von ihren Gegnern herunterschießen, ihnen aber nicht schaden kann. Die Kristalle mit einem hurtigen Sprint oder einer Hechtrolle eingesammelt, lädt sich ihr Kartendeck auf und zieht automatisch pro Aufladung eine Karte. Auf diese Weise könnt ihr bis zu fünf Karten "auf eurer Hand" haben.

Welche Karten gibt es? Auf den Karten findet ihr Waffen für Even, wie einen schweren Hammer, ein Kurzschwert oder einen Blitzbogen. Aber mit ihnen könnt ihr auch Zauber wirken, die eure Gegner in der Arena verlangsamen, einen Schaden zufügenden Geist beschwören, Even heilen und, und, und. Insgesamt 35 Karten findet ihr im Verlauf des Spiels oder kauft sie beim Händler durch im Kampf oder in der Spielwelt gesammelte Münzen.

Deck Im Menü wird unser Kartendeck aufgeführt, das wir uns ganz nach Belieben zusammenstellen.

Würfeln Würfeln wir Dicey, bleibt die Zeit stehen und wir können Karten beschwören, die uns Waffen, Effekte oder andere Boni geben.

Die Spielkarten, die alle einen Wert zwischen null und drei haben, könnt ihr aber nicht einfach nach Belieben ausspielen. Sobald eine Karte in eurem Deck ist, könnt ihr Dicey würfeln. Die Zeit wird hierbei eingefroren und läuft erst weiter, wenn ihr einem Gegner Schaden zufügt oder den Würfelmodus beendet.

Hat der kleine Würfel zu Beginn nur zwei Augenzahlen (eins und zwei), bekommt er im Verlauf der Handlung noch weitere hinzu, wodurch auch Kombinationen der Karten möglich sind. Ein Beispiel: Eine Fünf gewürfelt, verlangsamt ihr für zwei Punkte eure Feinde, um sie dann für drei Punkte in Echtzeit mit dem Hammer zu malträtieren. Alle Waffen nutzen sich übrigens ab und zerspringen nach einer gewissen Anzahl an Schlägen. Ihr müsst euch also stets eine neue Angriffsstrategie erwürfeln.

Doch warum ist denn all das jetzt Stärke und Schwäche zugleich? Zum einen ist das Kampfsystem eine große Stärke von Lost in Random, da es mal was Neues ist, sich von anderen Action-Adventures abhebt und schlicht sehr gut funktioniert. Auch das Kombinieren von Karten macht eine Menge Spaß und auch das Trefferfeedback muss sich wahrlich nicht verstecken. Treffen wir etwa mit einem Bogen samt explosiver Pfeile oder herbeigezauberten Bomben unsere Gegner, fühlt sich das herrlich wuchtig an.

Es ist aber auch eine Schwäche von Lost in Random, da die Kämpfe wegen mangelnder Gegnervielfalt und eines nicht allzu großen Kartendecks zu wenig Abwechslung bieten. Hinzu kommt, dass wir abseits nicht allzu schwerer Bosskämpfe nicht gefordert wurden. Kämpfe ziehen sich mit wenigen Ausnahmen lediglich aufgrund mehrerer Gegnerwellen in die Länge. Fünf Stunden lang macht das Spaß, nach sieben Stunden werden die Scharmützel schon arg monoton und nach zehn Stunden haben wir bei jedem Kampf nur noch genervt mit den Augen gerollt.

Die Probleme am Balancing machen sich auch beim Kauf der Karten bemerkbar. Bereits zur Hälfte des Spiels hatten wir alle Karten gekauft. Durch Kämpfe erhaltene Münzen, die sich auch in der Spielwelt in kleinen Vasen verstecken, wurden somit nutzlos.

Brettspiel-Arenen: Für etwas Abwechslung während der Kämpfe müsst ihr ab und an eine Schachfigur durch Würfeln entweder ans Ende einer Brettspielarena führen oder ein vorgegebenes Ziel erfüllen. Kommt Dicey zum Einsatz, rückt die Figur je nach gewürfelter Augenzahl nach vorn.

Ein Beispiel: In der Mitte einer rechteckigen Kampfarena gilt es eine Kanone zu zerstören. Rückt unsere große Spielfigur durch Dicey voran, kann sie auf einem Aktionsfeld landen, durch das eine weitere Kanone auf dem Spielfeld erscheint. Ein rascher Schuss mit der Zwille auf den Zünder und ihr landet einen Treffer. Das Spielchen wiederholt ihr, bis die feindliche Kanone zerstört ist.

Die Brettspiele sind generell eine gute Idee, hätten jedoch noch weit abwechslungsreicher und fordernder sein dürfen. Oft laufen sie auf normale Kämpfe hinaus, in denen lediglich eure Figur bis ans Ende der Arena vorrücken muss, zwischendurch von Feinden gestoppt wird, die wir dann erst besiegen müssen.

Aufgrund des auf Dauer monotonen, aber im Kern spaßigen Kampfsystems würden wir euch daher empfehlen das Fantasy-Abenteuer in kleineren Portionen zu genießen und gelegentlich euer Kartendeck im Menü mit frischen Zaubern zu rotieren. Zwar ist euer Alternativdeck vielleicht nicht ganz so mächtig, dafür entdeckt ihr neue Kombinationen und habt länger motivierende Abwechslung während der Kämpfe.

Die Sache mit dem Herzblut

Doch wir möchten euch nicht mit so viel Meckerei aus dem Test entlassen, das hat Lost in Random nicht verdient. Zoink ist hier ein atmosphärisches und grundsympathisches Abenteuer gelungen. Eins, das sich mit seinem optionalen Story-Modus oder generell recht einfachen Schwierigkeitsgrads auch an jüngere oder wenig Gaming-geübte Personen richtet.

Im Verlauf des Spiels trifft Even unter anderem auf den Shadowmen, der, das könnt ihr euch sicher vorstellen, nichts Gutes im Schilde führt. Im Verlauf des Spiels trifft Even unter anderem auf den Shadowmen, der, das könnt ihr euch sicher vorstellen, nichts Gutes im Schilde führt.

Und damit das mit der Atmosphäre nicht zu kryptisch wirkt, wollen wir euch mit einem kleinen Beispiel entlassen: Auf Evens beschwerlichem Weg nach Sechstopia sind wir am Wegesrand einem Gitarrenspieler begegnet und mussten erst einmal drei Minuten seinem wunderschönen Solo lauschen. Es ist nur eine Kleinigkeit, doch exakt in solchen Momenten haben wir immer wieder gemerkt, wie sehr Zoink Random Leben einhaucht. Könnt ihr also über die doch recht offensichtlichen Macken hinwegsehen, erwartet euch ein frisches, bildhübsches Abenteuer, das sich vom Action-Adventure-Einheitsbrei abhebt.

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