Monster Hunter war schon immer eine meiner liebsten Spielereihen überhaupt und ist spätestens mit World zu einer absoluten Vorzeige-Marke von Capcom aufgestiegen. Aber es gibt einen Ableger, der meiner Meinung nach mindestens genauso viel Aufmerksamkeit verdient wie die Hauptreihe selbst: Monster Hunter Stories, das JRPG-Spin-off von Monster Hunter.
Besonders der neueste Teil Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection könnte zu einem richtigen Rollenspiel-Hit und Highlight des Jahres für viele Fans des Genres werden. Denn ich bin auch nach 20 Stunden Spielzeit im ersten Kapitel dem Charme des neuesten Ablegers noch komplett verfallen.
Was Monster Hunter Stories für ein Spiel ist und wie es sich von der Hauptreihe unterscheidet
Bevor ich erkläre, warum Monster Hunter Stories 3 für mich schon jetzt ein heißer GOTY-Kandidat ist, lohnt sich zuerst ein kurzer Blick darauf, was die Reihe eigentlich ist – denn der JRPG-Ableger unterscheidet sich in einigen Aspekten von der Hauptreihe und bringt sogar Gameplay-Besonderheiten mit sich.
Hierfür könnt ihr erst einmal einen Blick auf den Trailer werfen:
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In Monster Hunter Stories 3 kommt es zu einem großen Konflikt zweier Königreiche
Bei Monster Hunter Stories handelt es sich wie erwähnt um einen Rollenspiel-Ableger zur beliebten Monster Hunter-Reihe von Capcom. In Stories laufen die Kämpfe jedoch, anders als in der Hauptreihe, rundenbasiert ab – und genau wie bei Pokémon und Digimon könnt ihr hier ebenfalls Monster sammeln.
Auch steht in diesem Ableger die Geschichte stark im Vordergrund und nicht nur das Jagen der unterschiedlichen starken Monster.
Die Besonderheiten des Kampfsystems und warum es so viel Spaß macht
Im Kampf selbst müssen wir die passende Angriffsart zwischen den drei vorgegebenen Typen Kraft (Rot), Technik (Grün) und Geschwindigkeit (Blau) für uns und unser Partner-Monster (Monsties) wählen. Dabei greift ein Schere-Stein-Papier-Prinzip:
- Kraft schlägt Technik
- Technik schlägt Geschwindigkeit
- Geschwindigkeit schlägt Kraft
Was mir besonders gut gefällt: Das Wissen über die drei Angriffsarten alleine reicht aber nicht aus, denn das Spiel verrät nicht, zu welcher Angriffsart die feindlichen Monster tendieren. Das müssen wir selbst herausfinden. Außerdem können Monster außerhalb ihrer Angriffs-Spezialität auch Fähigkeiten einsetzen, die keiner Kategorie angehören.
Es liegt also an uns, das Kampfverhalten des Monsters zu beobachten und den besten Konter selbst herauszufinden, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen – genau wie in der Hauptreihe.
Ein Paradebeispiel dafür ist Yian Kut-Ku, ein großes Monster, das ihr schon früh im Spiel in der Welt antreffen könnt. Auf den ersten Blick ist nicht genau zu erkennen, zu welcher Angriffsart er tendiert – immerhin ist er schnell, schmeißt aber auch gern Feuerbälle um sich oder attackiert uns mit einem kräftigen Schwanzhieb.
Kämpfen wir etwas länger gegen den Yian Kut-Ku, wird klar: Seine Attacken sind hauptsächlich Technik-Angriffe – im wütenden Zustand ändert er aber sein Verhalten zu Geschwindigkeitsangriffen.
Wir müssen uns also wieder anpassen – was meiner Meinung nach die Kämpfe spaßig hält und nicht eintönig werden lässt.
Monster Hunter Stories spielt sich wie ein echtes Monster Hunter-Spiel
Abseits der Angriffsarten und elementaren Schwächen der Monster sind die Waffentypen (Stumpf, Schnitt oder Durchbohren) ebenfalls wichtig.
Die Waffentypen funktionieren ganz ähnlich wie in der Hauptreihe. Durch die Zerstörung der einzelnen Körperteile können wir den Schaden minimieren oder sogar eine verheerende Attacke eines Monsters abbrechen – solange der Körperteil mit der dazu passenden Waffe angegriffen und zerstört wird.
Ein Paradebeispiel für die wichtige Rolle der Waffentypen im Kampf ist der Vogelwyvern Gypceros. Er kann euch mit dem Leuchtkörper auf seinem Kopf blenden. Dieser Leuchtkörper kann aber durch stumpfe Waffenangriffe (Jagdhorn und Hammer) zerstört werden, wodurch wir sicher sind.
Dieses Element verleiht dem Kampfsystem noch etwas mehr Tiefe und sorgt dafür, dass man gegen starke Monster besonders strategisch vorgehen muss, was ich ziemlich spannend finde. Allerdings sollte Capcom meiner Meinung nach noch am Balancing der Waffen arbeiten.
Das Langschwert mit all seinen “Posen”- Fähigkeiten liefert deutlich mehr Vorteile als das Großschwert in Bezug auf Schnitt-Waffen. Aufgrund der Fähigkeit “Zusatzangriffspose” können wir bis zu siebenmal(!) im Kampf angreifen, was ich etwas übertrieben finde.
Hier merkt man: Capcoms Favorit ist und bleibt das Langschwert. Etwas mehr Balance wäre schön, auch wenn es sich nicht groß negativ auf das Spielerlebnis auswirkt.
Was hingegen sehr gut ist, sind die neuen Quality of Life-Änderungen, die ich als Fan der Reihe extrem zu schätzen weiß: die Einführung einer Deko-Rüstung, um immer die Lieblingsrüstung tragen zu können (Transmog), Slots für passive Dekorationen für Waffen und Rüstungen, die man aus der Hauptreihe kennt und weitere Kleinigkeiten.
Kleiner Wermutstropfen dabei: Die Deko-Rüstung lässt sich nicht im Lager anpassen, sondern nur an den Hauptbasen – wirklich schade!
Die Geschichte steht ganz klar im Vordergrund und das erste Kapitel hat mich komplett überzeugt
Trotz aller Kampf-Besonderheiten steht bei der Stories-Reihe aber ganz klar die Geschichte im Vordergrund und beim dritten Ableger ist das nicht anders. In Monster Hunter Stories 3 schlüpfen wir in die Rolle eines Kronprinzen oder einer Kronprinzessin aus dem Reich Azuria, das sich im Konflikt mit dem Königreich Vermeil befindet.
Wir sind also kein kleines Kind oder ein Teenager mehr, der einfach zu einem Rider heranwächst und in die weite Welt hinauszieht, um Abenteuer zu erleben. Jetzt stecken wir bereits von Anfang an in einer festen Rolle.
Gleich am Anfang macht das Spiel zudem klar: Es bahnt sich ein Krieg zwischen den beiden Königreichen an und wir stehen als Prinz oder Prinzessin von Azuria mit unseren Gefährt*innen des Ranger-Trupps im Mittelpunkt des Konflikts – und das, obwohl wir keine traditionelle Kampf- oder Jägertruppe sind. Als Fire Emblem-Fan hat mich dieser Ansatz sofort an einige Teile der Reihe erinnert.
Was für mich ebenfalls ein großer Pluspunkt ist: Es gibt nun dedizierte Nebengeschichten unserer NPC-Gefährt*innen. Jeder von ihnen hat seine oder ihre eigenen Probleme und erzählt in mehreren Kapiteln davon.
Dadurch erfahre ich nicht nur mehr über meine Companions, die Nebengeschichten verleihen ihnen auch etwas mehr Charaktertiefe, was mir bei einigen Nebencharakteren in den vorherigen Ablegern gefehlt hat.
Die Geschichte hat mich bereits zu Beginn neugierig gemacht – besonders das Ende von Kapitel 1 wirft so viele Fragen auf, auf die ich unbedingt eine Antwort haben möchte. Was dort genau passiert, darf ich euch leider noch nicht verraten.
Für mich das aktuell schönste Spiel der Reihe
Als JRPG- und Monster-Hunter-Fan ist Monster Hunter Stories 3 für mich die perfekte Kombination aus Anime-Ästhetik und dem klassischen Monster-Hunter-Spielgefühl mit rundenbasiertem Kampfsystem. Zwar konnten die bisherigen Ableger die Welt von Monster Hunter bereits recht gut einfangen, doch der dritte Teil hat mich dann auch optisch komplett umgehauen.
Der Grund: Capcom hat den Anime-Stil sichtbar weiterentwickelt – wohl auch, da Stories 3 als erster Teil der Reihe nicht mehr für die erste Nintendo Switch erscheint. Es gibt kräftige Farben, scharfe Texturen, flüssige Animationen sowie detaillierte Monster- und Charakter-Modelle. Der Anime-Look ist hierbei vergleichbar mit Legend of Zelda: Breath of the Wild.
Dazu kommen die aufwendigen Angriffs-Animationen und Zwischensequenzen, die dem Spiel noch einen gewissen Feinschliff geben – als würde ich einen richtig guten Animationsfilm oder eine Anime-Serie schauen. Es gibt für jedes Monster, jeden Companion, jeden Waffentypen und nahezu jede Fähigkeit eine eigene Animation.
Eine lebendige Spielwelt, Open World-Ansatz und viele Stunden Spielspaß mit einem kleinen Aber
In der Welt können wir nun mit unseren Flug-Monstis über die Map gleiten, höhere Gebiete erreichen, Aussichtstürme freischalten und jede Menge Eier zur Restaurierung einzelner Habitate sammeln. Dabei bleiben wir aber immer ein wenig eingeschränkt: Areale sind begrenzt und wir können nicht überall hochklettern.
Stories 3 setzt nämlich auf einen "Open-World-Ansatz" und keine wirkliche offene Welt. Immerhin hat Capcom aber die bestehenden Gameplay-Elemente, die bereits bei den Vorgängern gut waren, im dritten Teil noch einmal verfeinert hat.
Die Spielwelt von Monster Hunter Stories 3 ist, wie schon in den Ablegern zuvor, in unterschiedlich große Gebiete aufgeteilt. Erkunden konnte ich bislang nur die beiden Gebiete Azuria (Kapitel 1) und Canalta (Kapitel 2).
Innerhalb der Gebiete könnt ihr euch wie bei einer Open World frei bewegen und erkunden, eine große zusammenhängende Welt scheint es nicht zu geben. Da sich die Areale in vorherigen Teilen stellenweise ziemlich leer anfühlten, hatte ich mir bei diesem Punkt auch beim neuesten Ableger Sorgen gemacht.
Meine Befürchtung erwies sich aber als unbegründet, denn die Welt wirkt lebendiger als je zuvor – als würden wir uns wirklich in einem lebendigen Ökosystem aus Monster Hunter befinden.
Überall gibt es Pflanzen oder Tiere zu sehen, versteckte Höhlen und Nester zu entdecken, unterschiedliche Monster, die in ihrem Habitat herumfliegen, nach Nahrung suchen oder einfach schlafen. Mit unseren eigenen Monsties können wir zudem über die Map fliegen, Wände hochklettern, im Wasser schwimmen und vieles mehr, was den Eindruck einer lebendigen Welt verstärkt.
Ich hätte mir aber gewünscht, dass Capcom hier noch mehr an die Charaktere oder NPCs gedacht hätte. Denn in den mir bekannten Arealen können wir zwar NPCs treffen, diese sind allerdings sehr statisch, sitzen etwa oder stehen nur herum. Für meinen Geschmack hätten sie sich gern mehr bewegen dürfen – wie zum Beispiel im Hub-Areal von Monster Hunter World und Iceborne.
Außerdem gibt es beim Eier-Sammeln eine unerwartete Beschränkung auf “nur” 12 Eier im Beutel, da man auch nur so viele auf einmal ausbrüten lassen kann – eine unnötige Einschränkung, wie ich finde.
Schließlich gibt es keinen ersichtlichen Grund, dass unser Charakter nicht mehr als 12 Eier im Beutel tragen könnte, auch wenn das Ausbrüten auf diese Zahl beschränkt ist – aber das ist eher ein kleiner Schmerzpunkt.
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Monster Hunter Stories 3 ist das RPG für alle, die sich lieber mit Monstern anfreunden statt sie zu erlegen
Für Neulinge könnte der Schwierigkeitsgrad etwas hoch sein
Nur beim Schwierigkeitsgrad habe ich mit Blick auf komplette Neulinge etwas Sorgen. Denn der kann ziemlich schwanken. Manche Kämpfe sind fast schon zu leicht, die nächsten dann wieder extrem knackig und zäh – besonders in den Nestern kommt es oft zu solchen Schwankungen.
Hinzu kommt, dass es keine Schwierigkeitseinstellung bei Monster Hunter Stories 3 gibt, was für Einsteiger*innen früher oder später eine Herausforderung werden könnte.
Performance und Handelds
Ein potenzieller Stolperstein ist die Performance auf Handhelds. Ich habe Monster Hunter Stories 3 zwar hauptsächlich auf dem PC gespielt (hier läuft es in flüssigen 60fps bei hohen Grafikeinstellungen mit einer Radeon RX 6700 XT GPU und AMD Ryzen 7 5800X CPU), aber auch auf dem Rog Ally und Legion Go S ausprobiert.
Wer hier auf hohen Grafikeinstellungen zocken will, muss leider mit einer Enttäuschung rechnen. Denn selbst auf niedrigen Einstellungen läuft das Spiel mit einer merkbar geringeren Framerate (30fps und darunter). Mir kam das Spielgeschehen jedenfalls nicht besonders flüssig vor.
Es ist allerdings wichtig zu erwähnen, dass es sich bei der von mir gespielten Version um eine Vorabversion handelt. Die Release-Version könnte besser für Handhelds optimiert sein. Hier gilt es also abzuwarten.
Der beste Ableger der Reihe und mein erster GOTY-Kandidat 2026
Ihr merkt also, ich bin trotz einiger Kritikpunkte bislang ziemlich begeistert, obwohl ich nur einen kleinen Teil des Spiels gesehen habe. Bisher zeigt Monster Hunter Stories 3 eindrucksvoll, wie ein hervorragendes Spin-off aussehen sollte.
Dabei wird auch die Essenz der Hauptreihe beibehalten: Monster jagen, stärker werden, die Welt erkunden, das Ökosystem wiederherstellen und als Bonus der Stories-Reihe eine gute Geschichte erleben.
Ich kann schon jetzt mit Sicherheit sagen, dass Monster Hunter Stories 3 – trotz vereinzelter, kleiner Kritikpunkte – zu meinen GOTYs 2026 gehören dürfte. Solange das Spiel die Qualität des ersten Kapitels beibehält oder sogar übertrifft. Wenn Capcom noch etwas an den Stolpersteinen schraubt, wäre Monster Hunter Stories 3 das perfekte JRPG für mich.
Für mich ist jedenfalls eine Sache ganz klar: Dieser Titel sollte auf keiner Liste von JRPG-, Pokémon- oder Digimon-Fans fehlen.
Hat Monster Hunter Stories 3 euer Interesse geweckt und habt ihr schon ein Spiel der Monster Hunter-Reihe gespielt?
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