Übelkeit durch VR: Wie ihr mit Motion Sickness umgehen könnt

PSVR lockt mit einigen interessanten Spielen aber viele haben immer noch Angst vor Motion Sickness. Mit ein paar Tipps wollen wir euch diese nehmen.

von Sebastian Zeitz,
14.02.2020 10:30 Uhr

Ihr wollt PSVR spielen aber habt Angst vor Motion Sickness? Unsere Tipps können euch helfen. Ihr wollt PSVR spielen aber habt Angst vor Motion Sickness? Unsere Tipps können euch helfen.

Mit Firewall Zero Hour gibt es im PS Plus-Lineup für Februar einen sehr immersiven und empfehlenswerten Taktik-Shooter für PlayStation VR. Dank seiner Geschwindigkeit und der damit verbundenen intensiven Bewegungen bietet der Shooter aber auch eine große Gefahr: Motion Sickness. Mit diesen Tipps könnt ihr verhindern, dass euch beim Spielen schlecht wird.

Was ist Motion Sickness?

Im Kern verbirgt sich hinter dem Begriff Motion Sickness ganz einfach die Reisekrankheit, die wahrscheinlich jeder schon einmal gespürt hat. Ihr sitzt zum Beispiel im Auto und auf einmal merkt ihr, wie euch leicht schwindelig oder schlecht wird. Es ist also kein Ausdruck, der exklusiv für VR verwendet wird, aber gerade seit Release von PSVR, Oculus und Co vermehrt auftaucht.

Auslöser ist immer, dass die Informationen von zwei oder mehr Sinnen nicht übereinstimmen. Die Augen sagen, dass ihr euch nicht bewegt, weil ihr zum Beispiel nach unten schaut aber der Gleichgewichtssinn hingegen nimmt eine Bewegung wahr. Dadurch kommt es zu Fehlsignalen im Gehirn, die Unwohlsein auslösen.

Motion Sickness in VR

In Bezug auf VR wird der englische Begriff Motion Sickness verwendet, der Effekt bleibt aber der gleiche. Die Krankheit kommt hier vor allem dadurch zustande, dass die Augen (es passiert eine Bewegung) und das Innenohr (es passiert keine Bewegung) verschiedene Informationen an das Gehirn weitergeben und es dadurch verwirren. Bei VR kann dieser Effekt sehr schnell auftreten und die Ursachen sind enorm subjektiv sowie zahlreich.

Einige der möglichen Auslöser:

  • Zu schnelle Bewegungen im Spiel, obwohl wir uns in Echt nicht bewegen, wie zum Beispiel bei Battlezone oder EVE: Valkyrie, wo wir in einem Cockpit sitzen.
  • Steuerung der Kamera über den rechten Analogstick statt dem eigenen Kopf
  • Schnelle Sprünge zwischen verschiedenen Positionen in der Spielwelt, was vor allem nach einer Teleportation passieren kann.
  • Abrupte Bewegungen und forcierte Kameraschwenks, wie in den Cutscenes von Resident Evil 7.

FPS als Spezialfall: Ein sehr häufig genannter Grund für Motion Sickness waren in der Vergangenheit die unsauberen Framerates. Wenn ein Spiel nicht 90 oder im besseren Fall 120 Frames erreicht, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es Motion Sickness oder zumindest Unbehagen bei Spielern auslöst. Das ist aber mittlerweile eher ein Relikt der Vergangenheit und war bei PlayStation VR zum Beispiel noch nie ein Problem.

Resident Evil 7 ist zwar eine der besten VR-Erfahrungen aber kann auch schnell Motion Sickness auslösen. Resident Evil 7 ist zwar eine der besten VR-Erfahrungen aber kann auch schnell Motion Sickness auslösen.

Es gibt drei Modi, in denen die Spiele auf PSVR laufen können:

  1. 60 Frames pro Sekunde, die dann durch eine Technik namens Reprojektion auf 120 Frames verdoppelt werden. Beispiele: Battlezone VR, Firewall Zero Hour
  2. 90 Frames pro Sekunde, was von den meisten Entwicklern angestrebt wird. Beispiele: Thumper, Job Simulator
  3. 120 Frames pro Sekunde, was nur die wenigsten Spiele anbieten. Beispiele: Korix, Trackmania Turbo (nur auf PS4 Pro)

Sony lässt auch kein Spiel zu, das nicht die 60 FPS zu jederzeit schafft. Es gibt aber auch eine Ausnahme, die zum Beispiel in dem Spiel Sprint Vector angewendet wird. Dort sind Partikel-Effekte und manche NPC-Charaktere nur mit 30 Frames animiert, um Rechenleistung zu sparen. Dieser Fall, wie bei dem Beispiel, tritt aber meist nur auf der Standard PS4 auf und sollte kein Motion Sickness auslösen, da die eigenen Bewegungen weiterhin flüssig sind.

Was ist Reprojektion?
Im Falle von PSVR wird eine sogenannte Asynchrone Reprojektion angewendet. Mit Hilfe dieser wird eine 60 Hz-Ausgabe für eine 120 Hz-Ausgabe angepasst. Dafür wird der bereits gerenderte Frame genommen, mit den neuen Tracking-Daten versehen und dann erst ausgegeben. Dadurch kann es bei manchen Objekten vor allem in der Nähe des Spielers zu einem erkennbaren Stottern oder Ghost-Effekt kommen. Auch wenn diese Technik möglich ist bei PSVR, empfiehlt Sony mindestens 90 Frames pro Sekunde anzupeilen.

Tipps gegen Motion Sickness in VR

Anpassungen in Spielen, um Motion Sickness zu verhindern: Viele Spiele bieten mittlerweile sogenannte Komfort-Optionen, die je nach Spiel ganz individuell angepasst werden können. Viele Entwickler wissen mittlerweile, was eine gute und vor allem angenehme VR-Erfahrung ausmacht. Dadurch sind die vorgegebenen Möglichkeiten zahlreicher, meist direkt ins Spiel eingebaut und auch besser als noch zum Start vor einigen Jahren. Dazu zählen unter anderem folgendes:

  • Blenden, die die Sicht bei Bewegung einschränken
  • Kameraschwenks in vorgegebenen Winkeln anstelle einer freien Kamera
  • Anpassung der Bewegungsgeschwindigkeit
  • Steuerung per Teleportation

Es lohnt sich immer, zu Beginn in die Optionen des Spiels zu schauen und Anpassungen vorzunehmen. Was genau für euch besser ist, könnt ihr nur selbst herausfinden, denn auch hier ist es sehr subjektiv, was jeder für eine gute, angenehme Spielerfahrung benötigt.

Bei WipEout Omega Collection schränken Blenden zwar das Sichtfeld ein aber sorgen auch für weniger Motion Sickness-Potenzial. Bei WipEout Omega Collection schränken Blenden zwar das Sichtfeld ein aber sorgen auch für weniger Motion Sickness-Potenzial.

Weitere, allgemeine Tipps gegen Motion Sickness:

  • Nehmt ein bis zwei Stunden vorher ein wenig Ingwer zu euch, da so der Magen beruhigt wird.
  • Schaltet während des Spielens einen auf euch gerichteten Ventilator ein oder öffnet die Fenster. Dadurch wird für eine angenehme Luft im Raum gesorgt, kühlt den Körper und verringert die Chancen auf Kopfschmerzen.
  • Kaut Kaugummi während des Spielens, denn die Kaubewegung regt die Konzentration an und lenkt von unangenehmen Beschwerden ab.
  • Legt regelmäßige Pausen ein.

Generell helfen bei Motion Sickness auch viele Tipps, die ebenfalls bei einer Reisekrankheit angewendet werden. Zwar können auch auch Reisetabletten helfen, jedoch solltet ihr nicht bei jeder VR-Session vorher Medikamente zu euch nehmen. Greift nur im Notfall darauf zurück und besprecht es gegebenenfalls vorher mit eurem Hausarzt.

Kurios aber wahr: Ingwer und Ventilatoren helfen gegen Motion Sickness. Kurios aber wahr: Ingwer und Ventilatoren helfen gegen Motion Sickness.

Was machen, wenn euch schlecht wurde? Sobald es einmal passiert ist, hilft meist nur, die Aktivität, die den Zustand ausgelöst hat, sofort zu beenden, die Augen zu schließen und Bewegungen so gut es geht einzuschränken. Gerade bei Motion Sickness ausgelöst durch VR haben viele stundenlang Beschwerden, weshalb es wichtig ist, schon bei den ersten Anzeichen aufzuhören und nicht zu warten, bis es wirklich schlimmer wird. Riskiert lieber, den Spielfortschritt zu verlieren, als den Rest des Tages außer Gefecht gesetzt zu sein.

Keine Angst vor Motion Sickness

Wer in VR startet, der sollte möglichst kleine Schritte machen und nicht direkt ein Firewall Zero Hour oder Resident Evil 7 spielen. Die Spiele locken zwar durch ihre intensiven und hochwertigen Spielerfahrungen aber es gibt auch Titel, die genauso Spaß machen aber weniger anfällig für Motion Sickness sind. Hier eine kleine Auswahl an Spielen, die ihr je nach Erfahrung mit VR ausprobieren solltet.

Gute Spiele für den Start in VR:

Spiele für fortgeschrittene VR-Nutzer:

Einige der intensivsten VR-Spiele:

Es gibt keine Garantie dafür, ob euch beim Spielen in VR wirklich schlecht wird oder nicht. Um zu Beginn eure Grenzen zu testen, solltet ihr nacheinander und mit Pausen ein Spiel aus den obigen Kategorien ausprobieren und schauen, ab welchem Punkt euch schlecht wird. Dabei solltet ihr immer bedenken, dass ihr auch einfach eure Augen schließen könnt, wenn ihr merkt, gleich könnte eine intensive Bewegung im Spiel passieren.

Gebt niemals auf: Auch wenn ihr nach euren ersten VR-Sitzungen merkt, dass euch immer wieder schlecht wird, ist es wichtig, kleine Schritte zu machen und regelmäßig zu spielen. Das Gehirn kann sich daran gewöhnen und nach einiger Zeit sollte eine Verbesserung spürbar sein.

Bei VR kann durch die Subjektivität des Themas niemand vorhersehen, ob bei euch Motion Sickness ausgelöst wird oder nicht. Oftmals hängt es auch von der eigenen Tagesform ab. Wer also seine ersten Schritte in VR macht, der sollte einige der genannten Tipps befolgen und sich nicht zu sehr darauf versteifen, dass einem sowieso sofort schlecht wird.

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