PS Plus - Sony muss jetzt liefern, damit sich PS Plus auch 2019 noch lohnt

Das gute PS Plus-Lineup aus dem März täuscht für Hannes nicht über die geplante Umstellung im nächsten Jahr hinweg. Wenn Sony die fehlenden Gratis-Spiele nicht kompensiert, könnte ihnen der Online-Service auf den Fuß fallen.

von Hannes Rossow,
02.03.2018 13:00 Uhr

Sony könnte es in Zukunft schwerer haben, die Nutzer zu halten.Sony könnte es in Zukunft schwerer haben, die Nutzer zu halten.

Eigentlich sollten PS Plus-Abonnenten, die sich sonst über die monatlichen Gratis-Spiele von Sonys Online-Service beschweren, rundum zufrieden sein können. Mit Bloodborne und Ratchet & Clank versorgt uns der kommende PS Plus-März mit gleich zwei großartigen Exklusivtiteln, die den Frust um vergangene PS Plus-Lineups vergessen machen. Für mich hat die Enthüllung allerdings einen bitteren Beigeschmack, hat Sony doch gleichzeitig eine große Änderung am PS Plus-Service für das nächste Jahr angekündigt.

Weniger Spiele für das gleiche Geld

Ab dem 8. März 2019 ist die Zeit der halben Dutzend PS Plus-Spiele endgültig vorbei und die PS3 sowie die PS Vita werden aus dem PS Plus-Service ausgesperrt. Zukünftig wird es nur noch zwei Gratis-Spiele geben, die sich zahlende Abonnenten aus dem Store herunterladen dürfen. Zwar waren die beiden PS4-Titel schon immer die Headliner des PS Plus-Programms, doch bei einem gleichbleibenden Abo-Preis von 7,99 Euro im Monat sinkt der Gegenwert für Spieler dennoch.

So verständlich es auch ist, dass die Relevanz von PS3- und PS Vita-Spielen immer weiter abnimmt, steht nun die Frage im Raum, wie Sony mit der neuen Lücke im PS Plus-Abo umgeht. Bleibt es wirklich dabei, dass der Service unverändert weiterläuft, während an den monatlichen "Geschenken" gespart wird? Ich finde, dass spätestens jetzt der Moment gekommen ist, an dem Sony den Wert des PS Plus-Abos neu definieren muss und an den richtigen Stellschrauben dreht, damit sich der Service auch 2019 noch lohnt.

Hannes Rossow
@Treibhausaffekt

Schon seit dem Start von PS Plus ist Hannes zahlender Kunde von Sonys Online-Service und wirklich unzufrieden war er nie. Doch gerade in den letzten Monaten schien das Abonnement immer weniger fair zu sein. Wenn nach einer Preiserhöhung die Server-Ausfälle zunehmen, läuft immerhin irgendetwas gewaltig schief.

Qualität statt Quantität

Der offensichtlichste Punkt sind natürlich die kostenlosen PS4-Spiele, die Sony ab März 2019 unter die PS Plus-Nutzer bringen will. Die logische Schlussfolgerung wäre meiner Meinung nach, dass das aktuelle Lineup die Richtung vorgibt und nun monatlich wirklich große und beliebte PS4-Titel gratis angeboten werden. Fast fünf Jahre nach dem Launch der PS4 bietet der Backkatalog der Konsole mittlerweile ausreichend AAA-Titel, auf die Sony setzen kann. Die Zeiten von kleineren Beigaben wie Bound, Child of Light, Alienation und Co. sollten vorbei sein.

Wirklich schwach waren die PS Plus-Lineups nie, das wäre ein falscher Blick auf den Service. Oftmals gab es herausragende Indie-Titel und lohnenswerte Geheimtipps, die aber vielleicht nicht immer den Geschmack der breiten Masse treffen. Doch mit der Reduzierung auf nur noch zwei Gratis-Spiele kann sich Sony diesen Luxus vielleicht nicht mehr leisten. PS Plus-Abonnenten, die plötzlich weniger erhalten und mit diesen Spielen auch noch unzufrieden sind, werden schwerer zu halten sein.

Warum bekommen treue PS Plus-Nutzer nicht auch den Bloodborne-DLC "The Old Hunters" gleich mit dazu?Warum bekommen treue PS Plus-Nutzer nicht auch den Bloodborne-DLC "The Old Hunters" gleich mit dazu?

Je weniger Titel im Angebot enthalten sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass aktive PS4-Besitzer diese Spiele schon besitzen oder in der Vergangenheit zumindest ausreichend gespielt haben. Während Xbox Game Pass-Besitzer für ihr monatliches Abo bald sogar Blockbuster zum Launch bekommen, laufen PS Plus-Nutzer Gefahr, mit älteren Spielen "abgefertigt" zu werden, die viele bereits gespielt haben. Hier könnte es hilfreich sein, ältere Titel auch mit ihren Zusatzinhalten anzubieten. Gerade bei Bloodborne hätte es sich angeboten, auch den DLC The Old Hunters mit in das Angebot zu setzen.

PSN als Sorgenkind

Aber wie es mein geschätzter Ex-Kollege Tim schon einmal gesagt hat: Das PS Plus-Abo ist eigentlich nicht für die Gratis-Spiele da. Diese Dreingabe ist zwar ein starkes Verkaufsargument für den Service, doch eigentlich verlangt Sony das Geld für die Infrastruktur des PlayStation Networks und die Möglichkeit, Online-Multiplayer-Funktionen zu nutzen. Und das bedeutet im Kern, dass die Server stabil sind, die Downloads angemessen schnell über die Bühne gehen und das Multiplayer-Sessions nicht durch Lags gestört werden. Und hier gibt es Verbesserungsbedarf.

Vor allem im Vergleich zu Xbox Live, dem Online Service der direkten Konkurrenz, weist PlayStation Network Schwächen auf. Sowohl in Sachen Verlässlichkeit, Verbindungs-Geschwindigkeiten, Voice Chat-Qualität als auch Uploads hat Microsoft die Nase vorn. Die regelmäßigen Server-Ausfälle im PSN sprechen für sich und wer schon einmal große Downloads gestartet hat, um spontan in Game as a Service-Titel wie The Division reinspielen zu können, wartet bis zur Installation gern einmal länger als 24 Stunden.

Große Downloads halten Fans oft davon ab, wieder in ihre alten Lieblingsspiele reinzuschauen.Große Downloads halten Fans oft davon ab, wieder in ihre alten Lieblingsspiele reinzuschauen.

Die Spiele-Landschaft hat sich gewandelt und das regelmäßige Pflegen und Erweitern von großen Releases sorgt dafür, dass beinahe täglich neue Updates und Patches bereitstehen, die heruntergeladen werden müssen. Immerhin können wir nur dann auf die Online-Funktionen von Fortnite: Battle Royale, Rainbow Six: Siege oder Destiny 2 zugreifen, wenn wir dieselbe Version nutzen, wie alle anderen Spieler auch. Mir ist es oft genug passiert, dass ich meine Freizeit nicht spontan in meinen Lieblingsspielen verbringen konnte, weil mich stundenlange 6 GB-Downloads vom Multiplayer ausgesperrt haben.

PS Plus muss zulegen

Waren PS Plus-Nutzer in den letzten Jahren schon skeptisch, ob sich das Abo wirklich lohnt, könnte die negative Grundstimmung im Bezug auf die Gratis-Spiele mit der Umstellung noch einmal an Fahrt aufnehmen. Sony hat den monatlichen Preis für das PS Plus-Abo erst im Juli 2017 angehoben und nun folgt die Bekanntgabe, dass es dafür weniger kostenlose Spiele gibt, während die PSN-Server weiterhin nicht gerade ihre Stabilität unter Beweis stellen.

Wenn sich Sony jetzt einfach auf den Abonnenten-Zahlen von PS Plus ausruht und den Status als Marktführer als selbstverständlich ansieht, könnte das die Konkurrenz kräftig stärken. Der PS Plus-Service sollte in meinen Augen auch für den Vorsatz stehen, den Spielern entgegenzukommen. Wenn der Gegenwert für das Abonnement im nächsten Jahr nicht gesteigert wird, sei es nun durch hochwertige Gratis-Spiele oder bessere Infrastruktur, könnte das ein neuer Nährboden für Kundenunzufriedenheit sein, der sich irgendwann auch finanziell für Sony bemerkbar machen könnte.


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