Spiele-Abos statt Spiele-Kauf - Meine Befürchtung hat sich (fast) bewahrheitet

Vor fünf Jahren bezeichnete Tobi den ersten Spiele-Abo-Service noch als faires Angebot, hatte aber auch ein paar Bedenken. Diese stellen sich 2019 als berechtigt heraus.

von Tobias Veltin,
30.08.2019 15:00 Uhr

Die Zahl der Spiele-Abo nimmt eher zu als ab. Tobi sieht das mit wachsender Sorge.Die Zahl der Spiele-Abo nimmt eher zu als ab. Tobi sieht das mit wachsender Sorge.

Ich könnte jetzt eigentlich schreiben: Ich hab es ja gesagt! Aber ich will mich ehrlich gesagt nicht damit brüsten, eine Entwicklung vorhergesehen bzw. befürchtet zu haben, die nicht unbedingt nur gutes bedeutet.

Worum geht es denn eigentlich? Vor etwas mehr als fünf Jahren hatte Electronic Arts den Spiele-Abo-Service EA Access eingeführt. Ihr zahlt eine monatliche bzw. jährliche Pauschale und bekommt dann Zugriff auf eine bestimmte Bibliothek von Titeln. Ein faires Angebot. Das sah ich in meiner Kolumne schon damals so und daran hat sich auch nichts geändert.

Ich äußerte allerdings auch ein ziemlich großes Bedenken:

"Meine schlimmste Sorge allerdings: Was passiert eigentlich, wenn diese Art der Distribution erfolgreich ist und Schule macht? Gibt es dann zukünftig auch eine Ubisoft-Flatrate oder den Activision All-you-can-zock-Dienst für die ich mich separat anmelden muss? Das wäre nervig (und teuer!)."

Der Stand heute

Nun. Fünf Jahre später hat diese Art der Distribution tatsächlich Schule gemacht, was man sehr gut an der merkbar gestiegenen Anzahl der Spiele-Abo-Dienste ablesen kann. Zu EA Access kamen hinzu:

  • Xbox Game Pass
  • Nintendo Switch Online (mit Abstrichen)
  • U Play+
  • Origin Access (für PC)

Dazu kommen Streaming-Dienste mit ähnlichem Konzept wie PlayStation Now oder zukünftig Google Stadia. Sie alle haben ein bestimmtes Angebot und kosten natürlich Geld. Und zu all dem kommen zudem noch PlayStation Plus und Xbox Live Gold - zumindest, wenn ihr auch die Online-Spiele aus euren Abos spielen wollt.

Meine Sorge nimmt also langsam aber sicher konkrete Formen an. Denn mit der Dienste-Zahl steigt auch das Verlangen der Anbieter, die Nutzer mit allen Mitteln ausschließlich zum eigenen Angebot zu ziehen. Schließlich werden die wenigsten Spieler alle Abos abschließen, sondern sich ganz genau überlegen, welche sich für sie lohnen. Und welche eben nicht.

Denn auch wenn das Prinzip der Dienste ähnlich ist, fällt das Angebot teilweise doch ziemlich unterschiedlich aus. EA Access bietet zum Beispiel logischerweise nur EA-Titel an, im Xbox Game Pass landen neben Xbox-Exklusivtiteln auch Spiele anderer Publisher. Wegen der größeren Auswahl ist dort aber natürlich auch der Preis höher. Alles Faktoren, die berücksichtigt werden müssen.

Mehr Dienste = mehr Exklusivitätsdruck

Das Gute an der ganzen Sache ist aber - und deswegen auch das "fast" in der Überschrift: Ihr bekommt jedes Spiel weiterhin ganz normal im Handel oder digital und müsst also keine Einschränkungen hinnehmen. Ein FIFA 19 kann ich beispielsweise ganz normal im Laden kaufen, ein Gears 5 über den Xbox Store - ganz ohne Abo.

Aber was passiert denn, wenn ich zukünftig auf jedem dieser Abodienste bestimmte Spiele (etwa des jeweiligen Publishers) exklusiv spielen muss und keine Ausweichmöglichkeit habe? Also wenn zum Beispiel Halo: Infinite ein reines Game Pass-Spiel wird oder Battlefield 6 exklusiv auf EA Access erscheint?

Als Fan beider Reihen wäre ich dann gezwungen, mindestens zwei Abos abzuschließen - zusätzlich zu Xbox Live, um sie auch mit meinen Freunden spielen zu können. Da aber eigentlich jeder Publisher Spiele hat, die ich gerne mag, würde der Abo-Wahnsinn hier noch lange nicht aufhören.

Steigt die Zahl der Abo-Dienste weiter - und danach sieht es aktuell aus - wird zwangsläufig auch der Exklusivitätsdruck für die Publisher höher, schließlich möchte jeder möglichst viel vom Kuchen abhaben. Und das bedeutet am Ende höchstwahrscheinlich nur Nachteile für uns Spieler.

Und damit meine ich nicht nur höhere Kosten. Auch die "Besitz-Frage" kommt dann automatisch wieder auf. Denn was passiert beispielsweise, wenn einer der Dienste eingestellt wird. Behalte ich dann meine Spiele? Oder sind sie futsch? Werde ich dann entschädigt?

(Schlechtes) Vorbild Film-Service

Bei den Film-Streaming-Angeboten lässt sich eine solche Entwicklung bereits beobachten. Netflix und Amazon Prime werben mit exklusiven, nur im jeweiligen Portal verfügbaren Serien und Ende des Jahres steigt mit Disney+ sogar ein drittes Schwergewicht in den Ring und zieht dafür "seine" Filme und Serien aus den anderen Angeboten zurück. Exklusivität, ihr erinnert euch.

Ich sehe durchaus die Vorteile von Spiele-Abos. Sie kosten im Monat deutlich weniger als ein Vollpreistitel, erlauben gleichzeitig aber den Zugriff auf eine ganze Bibliothek von Spielen. Insbesondere für alle, die ihre Games nicht unbedingt besitzen, sondern tatsächlich einfach nur spielen wollen, sind sie weiterhin ein gutes - und auch faires - Angebot.

Ich hoffe trotzdem sehr, dass ich auch in Zukunft entscheiden kann, ob ich ein Spiel normal im Handel oder digital kaufe, ohne auf Abos oder Services angewiesen zu sein. Dass ich Spiele - egal ob physisch oder digital - dauerhaft besitzen kann. Und dass ich nicht gezwungen sein werde, irgendwann in der Zukunft fünf Angebote abonniert haben zu müssen, um alles zu zocken zu können. Letzteres befürchte ich leider. Aber hoffe, dass ich diesmal damit falsch liege.

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