Wenn Valve DAS wirklich durchzieht, könnte nicht einmal Half-Life 3 die Steam Machine noch "retten"

Chris hat sich richtig auf die Steam Machine gefreut. Jetzt ist der Preis bekannt und er fragt sich, wer den Wohnzimmer-PC eigentlich kaufen soll.

Selbst Gordon würde beim Preis der Steam Machine jammern. Selbst Gordon würde beim Preis der Steam Machine jammern.

Eigentlich wollte ich mir die Steam Machine holen. Als sie im vergangenen Jahr angekündigt wurde, wirkte sie noch wie ein halbwegs guter Deal – sofern denn der Preis vertretbar gewesen wäre. Auch wenn die Speicherkosten zu diesem Zeitpunkt bereits in schwindelerregende Höhen geschnellt waren, gab es zumindest noch Hoffnung, dass Gabe Newell und Co. früh genug vorgesorgt haben. Oder sich die Speicherpreise bis zum Release halbwegs normalisiert haben könnten.

Sieben Monate später herrscht jetzt Gewissheit: Selbst Valve bleibt nicht vor der KI-bedingten Preisexplosion verschont. Für die Steam Machine müssen wir in jedem Fall eine vierstellige Summe hinblättern. Und ich glaube, dass das der verfrühte Todesstoß für den Wohnzimmer-PC sein wird.

Chris Werian
Chris Werian

Chris hat sich vor vier Jahren das Steam Deck zum Launch gekauft und war überrascht, wie komfortabel ein PC-Handheld auf Linux-Basis sein kann. Im Vergleich zur damaligen Konkurrenz von ASUS, AYANEO, GPD und Co. merkte man dem Deck an, dass Valve sich lange Gedanken darüber gemacht hat, was Spieler*innen bei einem PC-Handheld eigentlich brauchen – und das war allen voran Komfort. Und genau die Richtung hatte er auch von der Steam Machine erwartet, nur eben für seinen Wohnzimmer-TV. Daraus wird jetzt aber nichts mehr…

Die richtige PC-Konsole zur falschen Zeit

1.039 Euro wird die Steam Machine mindestens kosten. Wohlgemerkt ohne Controller! Damit liegt sie mehr als 400 Euro über dem Preis, den ich kurz nach der Ankündigung als sinnvoll empfand – was meine Kollegen auch nicht müde werden, mir vorzuhalten. Das könnt ihr mir glauben!

Wie kam ich damals auf einen so "niedrigen" Preis? Ich bin davon ausgegangen, dass sich Valve bereits vorab Speicherkomponenten zu angemessenen Preisen gesichert hat und sich neben PS5 und Xbox Series X platzieren möchte.

Das hätte auch gepasst, immerhin erreicht die Steam Machine in etwa das Performance-Level der beiden Konsolen, laut Tests ist sie in vielen Spielen wohl sogar einige Prozentpunkte langsamer:

Auch Valve selbst ist während der Entwicklung der Steam Machine davon ausgegangen, sie weitaus günstiger anbieten zu können, da PC-Bauteile aus der vergangenen Erfahrung heraus ja mit der Zeit immer günstiger wurden. Das angepeilte Ziel wurde laut eigenem Blog-Eintrag allerdings deutlich verfehlt.

Ursache dafür sei unter anderem, dass der Software-Gigant erst in den vergangenen sechs Monaten damit begann, sich die notwendigen Komponenten zu sichern – also mitten in den im Hinblick auf Speicher heftigsten Hardware-Preisanstieg der letzten Jahrzehnte.

Video starten 54:48 1.039 für WAS?! Die Steam Machine ist Valves teuerster Fehler

Bereits seit 2023 wurde in Bellevue an der Steam Machine geschraubt, finalisiert wurde sie aber offenbar erst Anfang bis Mitte 2026, also unmittelbar vor der Preisexplosion durch den immensen KI-Hype. Und auch wenn es davor schon preissteigernde Faktoren, wie die sprunghafte Zollpolitik der Trump-Regierung, gab, wurde die Steam Machine erst durch den teuren Speicher zum unerwarteten Luxusgut.

Selbst für Valve, denn es musste kräftig an Notlösungen gearbeitet werden, um die Steam Machine überhaupt in recht geringen Stückzahlen produzieren zu können:

Und dieser Status als überteuertes Luxusgerät macht die Steam Machine in meinen Augen völlig unattraktiv: Eine PS5 Pro mit einem gewaltigen Plus an Grafikleistung liegt mehr als 500 Euro unter dem Preis des Steam Machine-Bundles mit 2 Terabyte Speicher und Steam Controller.

Für eine PS5 Slim Disc-Edition oder Xbox Series X inklusive Controller, etwas mehr Speicher und einer in den meisten Spielen leicht besseren Performance werden derzeit ebenfalls knapp 500 Euro weniger fällig im Vergleich zur Steam Machine mit 512 Gigabyte und ohne Controller.

Für 1.039 kommt die Steam Machine ungefähr so bei euch an. Nur Strom- und HDMI-Kabel liegen noch bei, aber kein Controller. Für 1.039 kommt die Steam Machine ungefähr so bei euch an. Nur Strom- und HDMI-Kabel liegen noch bei, aber kein Controller.

In meinen Augen ist das schlicht zu viel, um mich von den eigentlich sehr vielversprechenden Vorzügen der Steam Machine zu überzeugen:

  • Der hohen Kompatibilität mit zigtausend Spielen, die auf Steam verfügbar sind.
  • Eine hohe Software-Modifizierbarkeit über SteamOS sowie dessen Desktop-Oberfläche.

Wobei auch ehrlicherweise gesagt sein muss, dass man das SteamOS-Erlebnis auch bekommt, indem man wie mein Kollege Linh von GameStar Tech einen PC mit Steam im Big Picture-Modus oder BazziteOS herrichtet:

Der DIY-PC kann während der anhaltenden Speicherkrise auch erstmal mit günstigerer Gebraucht-Hardware vollgestopft und dann bei Bedarf in jeglicher Hinsicht aufgerüstet werden. Bei der Steam Machine geht das lediglich im Hinblick auf RAM und SSD-Speicher.

Die Steam Machine hat demgegenüber eigentlich nur den Vorteil, bereits in einem schicken kleinen Formfaktor zusammengebaut bei mir anzukommen. Bei über 1.000 Euro ist für mich – und wohl viele andere Interessierte auch – aber die Grenze überschritten, ab der ich liebend gern selbst zum Schraubenzieher greife.

Mit dem Preis sind wir effektiv im Enthusiastenbereich und nicht mehr bei Spieler*innen wie Annika, die sich das ganze Geschraube sparen und einfach nur einen halbwegs leistungsfähigen sowie günstigen PC neben ihrem TV parken wollten:

Und das ist verdammt schade, da die Steam Machine mit ihrem offenen Ansatz und dem gigantischen PC-Spiele-Katalog für viele ein komfortabler Einstieg ins PC-Gaming hätte sein können.

Kann Valve doch noch irgendwie die Kurve kriegen?

Stand jetzt liefert die Steam Machine in meinen Augen nicht genug Gründe, um mich zum Kauf zu bewegen. Auch ausgehend von unserer Umfrage übersteigt der finale Preis bei weitem das Budget, das ihr für die Steam Machine locker gemacht hättet:

Valve könnte sich jedoch zu einem "zweiten Launch" hinreißen lassen. Viele Tech-Experten (wie hier Hardware Unboxed und GamersNexus im Gespräch) gehen davon aus, dass Speicherpreise zukünftig wieder weitaus billiger werden, immerhin kann nicht die gesamte KI-Industrie das jetzige Wettrüsten überleben, wenn nicht sogar die gesamte Blase platzt. Einige Verlierer muss es zwangsläufig geben, und dann werden auch wieder günstigere Speicher-Kapazitäten für Produkte wie Steam Machine frei.

Und genau dann könnte Valve mit einer massiven Reduktion des Preises für einen “zweiten Release” der Steam Machine sorgen. Zwar wage ich zu bezweifeln, dass der Preis dann auf die von Valve ursprünglich geplanten und für die Leistung gegenüber einer PS5 immer noch recht teuren 750 Euro fällt, aber vielleicht kann sie dann eher mit ihrem offenen PC-Ansatz und den Möglichkeiten, die damit einhergehen, überzeugen.

Ein weiterer Faktor könnte wahrscheinlich ein starker Exklusivtitel sein, beispielsweise Half-Life 3, das sich viele Fans wünschen:

Nur: Wie sollte Valve das Spiel für die Steam Machine exklusiv halten? Da die Steam Machine grundsätzlich ein PC im Kleinformat ist, ist das so gut wie ausgeschlossen. Und falls Valve es doch probiert, dürfte eine technische Hürde ziemlich schnell von den Fans umgangen werden.

Valve schreibt sogar selbst, dass die Steam Machine lediglich als zusätzliche Option auf dem Markt gedacht ist, und nicht als geschlossenes System mit Exclusives und subventionierten Preisen betrachtet werden soll.

Aber genau das macht es mir dann eben auch so schwer, an den Erfolg der Steam Machine zu glauben. Selbst als zusätzliche Option ist sie derzeit schlicht zu teuer und für den hohen Preis auch nicht schnell genug – vor allem aus der Sicht eines Konsoleros, wie ich primär einer bin. Vielleicht kann Valve ja noch in den kommenden Monaten in die Trickkiste greifen und dann hoffentlich einen günstigeren Preis hervorzaubern. Und natürlich Half-Life 3.

Wie seht ihr das? Glaubt ihr, dass die Steam Machine trotz allem Käufer*innen finden wird?


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