The Last of Us 2 spielt sich brutal gut – und besser als Teil 1

Vor dem Test zu The Last of Us Part 2 lest ihr hier unseren spoiler-freien Gameplay-Ersteindruck – und der gibt einen wunderbaren Vorgeschmack auf die spielerischen Qualitäten des PS4-Blockbusters.

von Linda Sprenger,
01.06.2020 15:01 Uhr

Zwei Stunden angespielt - Das PS4-Abenteuer The Last of Us 2 in der Gameplay-Vorschau. Zwei Stunden angespielt - Das PS4-Abenteuer The Last of Us 2 in der Gameplay-Vorschau.

Genre: Survival-Action-Adventure Entwickler: Naughty Dog Plattform: PS4 Release: 19. Juni 2020

The Last of Us setzte vor sieben Jahren neue Maßstäbe, wenn es darum geht, eine emotionale Videospielgeschichte zu erzählen. In Sachen Gameplay ließ das Abenteuer von Joel und Ellie allerdings jede Menge spielerisches Potenzial zurück, weil es sich auf Dauer repetitiv und eintönig anfühlte.

Wie sich The Last of Us Part 2 erzählerisch im Vergleich zu seinem gefeierten Vorgänger schlägt, verraten wir euch erst im GamePro-Test. Eines können wir euch aber jetzt schon sagen: Rein spielerisch schlägt das Sequel nicht nur den ersten Teil um Längen, sondern verspricht auch darüber hinaus, uns in ein verdammt packendes Survival-Action-Adventure zu verwickeln.

Hinweis: Wir verzichten wir auf Spoiler und ignorieren die Leaks rund um The Last of Us Part 2. Wir wollen niemandem den Spaß und die Vorfreude nehmen und bitten euch ebenfalls darum, in der Kommentar-Sektion mögliche Spoiler zurückzuhalten.

Auf dieser Sequenz basiert unser Ersteindruck

In unserer Preview beziehen wir uns auf einen rund zwei Stunden langen Abschnitt, den wir in der Mitte der Story erreichen. Ellie befindet sich in Seattle und macht sich dort auf den Weg zu einem Krankenhaus, in dem sich eine gewisse Nora aufhalten soll. Was es mit der Frau auf sich hat und warum Ellie sie unbedingt aufspüren will, verraten wir aber nicht.

Wer Nora ist, das erfahren wir im finalen Spiel. Wer Nora ist, das erfahren wir im finalen Spiel.

Was euch bei der Erkundung der Spielwelt & Rätseln erwartet

Verliefen die Levels im ersten The Last of Us noch recht linear und boten nur wenige Abzweigungen abseits der für die Story relevanten Wege, liegt uns mit Seattle jetzt eine riesige Stadt bestehend aus mehreren großen Arealen zu Füßen.

Unser Weg zu Nora führt uns durch ein verzweigtes Gebiet, das in nahezu jedem Winkel nützliche Items für uns versteckt und damit einen immensen Erkundungsdrang entfacht. Bevor wir überhaupt daran denken können, zu unserem Missionsziel aufzubrechen, werden wir wie von einem Magneten in die vielen zerstörten Häuser hineingezogen.

The Last of Us 2 bietet keine Open World, aber riesige Areale, die wir nach herzenslust erkunden können. The Last of Us 2 bietet keine Open World, aber riesige Areale, die wir nach herzenslust erkunden können.

Wir suchen jede Schublade, jeden Schrank nach Munition und Ressourcen wie Alkohol ab und stopfen uns damit motiviert den Rucksack voll. Wie schon im ersten Teil craften wir damit nämlich wichtige Hilfsmittel wie Medikits, die uns den knallharten Überlebenskampf erleichtern.

Die guten alten Safes kehren ebenfalls zurück. Allerdings sind die dazugehörigen Codes diesmal kreativer versteckt. So müssen wir erst Briefe lesen, die den Code manchmal direkt verraten, manchmal aber nur vage Hinweise liefern.

In einer Notiz einer Frau an ihren Ehemann erfahren wir beispielsweise, dass die Kombination dem Datum ihres Hochzeitstages entspricht. Also schauen wir auf den Kalender im Zimmer nebenan, zählen eins und eins zusammen und kommen uns dabei richtig clever vor. Unsere Ausbeute im Safe (mehrere Packungen Revolvermunition) fühlt sich deshalb umso belohnender an.

Aber auch darüber hinaus lässt uns The Last of Us 2 stärker mit der Spielwelt interagieren und sorgt dank komplexerer (aber immer noch einfacher) Umgebungsrätsel für mehr Abwechslung und Spielspaß.

Ein Beispiel: Um einen abgelegenen Raum in einem mehrstöckigen Gebäude zu erreichen, müssen wir erst die Fensterscheiben rund um einen Stahlträger mit Backsteinen einschlagen. Anschließend werfen wir ein Seil drüber, schwingen uns hinüber auf die andere Seite und erinnern uns dabei an den Enterhaken aus Uncharted 4 zurück.

Wie sich Ellie am Seil schwingt, könnt ihr auch im Gameplay von der State of Play sehen (ab Minute 6):

Ellie im Kampf gegen die WLF, Hunde und eine PS Vita-Zockerin. 23:33 Ellie im Kampf gegen die WLF, Hunde und eine PS Vita-Zockerin.

Wie Ellie Joel den Rang abläuft

Ellie spielt sich grundsätzlich agiler als Joel, sogar noch agiler als in Teil 1. Blitzschnell hechten wir über hüfthohe Hindernisse. Schwungvoll springen wir über Abgründe. Geschmeidig ziehen wir uns an Mauern hoch oder klettern auf Mülltonnen, Autodächer und Baugerüste, was unsere Fortbewegung durch Seattle in die Vertikale zieht.

Damit fühlt sich The Last of Us 2 jetzt wirklich ein wenig wie die Abenteuer von Nathan Drake an, auch wenn Ellie sich nicht ganz so leichtfüßig steuert wie der draufgängerische Schatzjäger.

Ihre Klertterfähigkeiten nutzt Ellie auch aus, um Feinde von erhöhter Position aus anzugreifen und sich so einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Ihre Klertterfähigkeiten nutzt Ellie auch aus, um Feinde von erhöhter Position aus anzugreifen und sich so einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen.

Ihrem dickfüßigen Ziehvater Joel ist Ellie aber überlegen, und das nicht nur bei der Fortbewegung. Im Kampf schöpft die junge Frau aus einer viel größeren, prall gefüllten Trickkiste, um ihre vergleichsweise geringe Durchschlagskraft auszugleichen. Verdeutlicht wird das mit unserem Aufeinandertreffen mit den grausamen Mitgliedern der Seraphiten-Sekte (auch Scars genannt), die vor keiner Gräueltat zurückschrecken.

Eine bedrohliche Atmosphäre

Unser Weg zum Krankenhaus führt uns in einen Waldabschnitt. Mittlerweile ist es dunkel, doch die Fackeln der Scars werfen ein unbehagliches Licht auf den regennassen Farn. Von einer Anhöhe heraus beobachten wir, wie ein Sekten-Mitglied einem erhängten Mann den Bauch aufgeschlitzt und dessen Gedärme freigelegt.

Diese Szene kennen wir bereits aus dem E3 2018-Gameplay. Das selbst mitzuerleben, fühlt sich aber wesentlich eindringlicher und abscheulicher an, sodass uns dabei richtig mulmig wird und wir die Seraphiten als wirklich gefährlich wahrnehmen. Noch gefährlicher als die Infizierten, die wir ja nun schon aus dem Effeff kennen.

Hoher Gewaltgrad in The Last of Us 2: Mit diesem Thema habe ich mich übrigens in einer separaten Kolumne genauer beschäftigt:

Kann The Last of Us 2 ein Kommentar auf Gewalt sein?   42     2

Mehr zum Thema

Kann The Last of Us 2 ein Kommentar auf Gewalt sein?

Was euch bei den Kämpfen & Stealth erwartet

Wir schauen uns um und sichten überall patrouillierende, teils mit Vorschlaghämmern bewaffnete Männer und Frauen, die uns sofort zu Brei hauen würden. Schlimmer noch: Unsere neuen Feinde kommunizieren über Pfiffe miteinander, die wir selbst aber gar nicht deuten können. Was bedeutet ein langer Pfiff, was ein kurzer? Die Sektenanhänger jagen uns nicht nur Angst ein, sie verwirren uns auch. Eine explosive Mischung, die die Schleich-Passage wahnsinnig intensiv macht.

Dass Ellie nun kriechen kann, nutzen wir aus. Wie eine Raubkatze tigern wir durchs Gras und umgehen einzelne Feinde komplett.

Ellie kann in Bauch-, Rücken- und Seitenlage zur Waffe greifen, was Stealth viel flexibler macht. Ellie kann in Bauch-, Rücken- und Seitenlage zur Waffe greifen, was Stealth viel flexibler macht.

Einigen entfernten Gegnern jagen wir Pfeile mit dem Bogen in den Kopf. Liegend wohlgemerkt, denn Ellie kann jetzt aus mehreren Positionen heraus angreifen, und das steuert sich flüssig und intuitiv. Endlich haben wir nicht mehr das Gefühl, einen Sandsack durch die Gegend zu schleppen (sorry, Joel).

Irgendwann werden wir aber unvorsichtig und verlieren die Kontrolle über das Geschehen. Anders als beispielsweise in Assassin's Creed oder Shadow of the Tomb Raider sind wir im Dickicht des Waldes niemals komplett versteckt. Weil wir einem Feind viel zu nahe kommen, sieht er uns trotzdem und alarmiert seine Mitstreiter. Jetzt bleibt uns nur noch die Flucht, gegen so viele Scars haben wir ungeschützt keine Chance.

Denn unsere Gegner sind wesentlich schlauer als in Teil 1, versuchen uns beispielsweise zu flankieren, schnellen abwechselnd von Deckung zu Deckung oder inspizieren Autos, wenn wir uns auf der Flucht darunter verstecken.

Weil Gegner nicht mehr so doof sind wie im Vorgänger, ist beim Schleichen und Kämpfen äußerste Vorsicht gefragt. Weil Gegner nicht mehr so doof sind wie im Vorgänger, ist beim Schleichen und Kämpfen äußerste Vorsicht gefragt.

Wir verlassen uns auf Ellies Schnelligkeit und sprinten fast schon panisch in ein Parkhaus. Im Lauf klauben wir eine Flasche auf und werfen sie einer Widersacherin mitten ins Gesicht, noch bevor sie mit ihrer Pistole auf uns feuern kann. Sie gerät ins Straucheln, wir stechen ihr blitzschnell in den Hals.

Sekunden später gelangen wir in einem Zweikampf mit einem weiteren Seraphiten, der mit einer Machete auf uns einhackt. Per Knopfdruck und dem richtigen Timing weichen wir seinen Hieben elegant aus und kontern mit einem verheerenden Messerangriff in den Bauch.

Bewegungen sehen so flüssig aus und fühlen sich so organisch an, dass Situationen oftmals wie gescriptet wirken. Bewegungen sehen so flüssig aus und fühlen sich so organisch an, dass Situationen oftmals wie gescriptet wirken.

Lebensnahe Animationen und Mimik

Das alles klingt beim ersten Lesen wie eine Scriptsequenz, passiert aber in Echtzeit und wirkt dank der neuen Motion Matching-Animationstechnik wie aus einem Guss.

Aber nicht nur Bewegungen wirken lebensnah, sondern auch die Mimik von Ellie und ihren Widersachern. Wenn die Heldin schmerzhaft das Gesicht verzieht, nachdem sie von einer Kugeln getroffen wurde, dann gewinnen die Kämpfe zusätzlich an Intensität.

Gleichzeitig zieht uns The Last of Us 2 so nur noch stärker in seine Welt hinein und schweißt uns mit Ellie zusammen, die nunmal keine Superheldin, sondern verletzlich, menschlich ist. Wir wollen sie (möglichst) heil da durchbringen, denn jeder Treffer, den sie einstecken muss, lässt auch uns zusammenzucken.

Abwechslungsreich & aufregend

In The Last of Us 2 steht der Survival-Faktor an erster Stelle und gibt uns dank vieler neuer Moves beim Kämpfen und Schleichen das Gefühl, wirklich um unser virtuelles (Über-)Leben zu ringen. Und allein das macht das Sequel wesentlich abwechslungsreicher als den oftmals sehr eintönigen ersten Teil.

Die Erkundung Seattles, die kleinen Rätsel und Traversal-Passagen lockern das Geschehen zusätzlich auf und bringen etwas Ruhe hinein – nur um sie dann im nächsten Aufeinandertreffen mit unseren Feinden wieder zunichte zu machen.

Konstant pendeln wir zwischen Entdeckerdrang und einem fesselnden Bedrohungsgefühl, das durch den hohen Gewaltgrad und den unberechenbaren Seraphiten erschaffen wird. Die Welt von The Last of Us Part 2 ist nicht nur riesig und reichhaltig, sondern eben auch brandgefährlich, und das lässt uns das Spiel stetig am eigenen Leib spüren.

Release und weitere Infos: The Last of Us 2 erscheint am 19. Juni 2020 für PS4. Alle Infos zum Gameplay, der Story und mehr findet ihr in unserer spoiler-freien Übersicht. Ihr wollt euch in Erinnerung rufen, was in Teil 1 passiert? Dann lest unsere Story-Zusammenfassung des Vorgängers.

GamePro-Einschätzung



Linda Sprenger
@lindalomaniac

Schon nach dem kurzen Abschnitt kann ich mit Sicherheit behaupten, dass The Last of Us Part 2 seinen spielerisch repetitiven Vorgänger noch älter aussehen lässt als er ist. Das Schleichen und Kämpfen spielt sich dank etlicher neuer Moves mitreißend und dynamisch.

Die Erkundung der Spielwelt macht dank des vertikalen Gameplays und cleverer Umgebungsrätsel verdammt viel Spaß. Und die vielen versteckten Briefe und Materialien motivieren mich zusätzlich dazu, jeden Winkel und jeden Pflasterstein Seattles abzusuchen (zumindest das, was die Natur davon noch übrig gelassen hat).

Das Schöne? Ellies Weg zum Krankenhaus macht nur einen ganz kleinen Teil des Spiels aus und ich kann es kaum erwarten, euch im Test mehr über das Action-Adventure zu erzählen!

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