The Last of Us 2 - So gefährlich ist der Cordyceps-Pilz für Menschen

In the Last of Us und im kommenden PS4-Spiel The Last of Us: Part 2 hat der Cordyceps die Welt verändert. Aber wie gefährlich ist der Pilz im echten Leben?

von Ann-Kathrin Kuhls,
12.02.2019 15:00 Uhr

Eine der offiziellen The Last of Us-Illustrationen von Thomas Viewegg.Eine der offiziellen The Last of Us-Illustrationen von Thomas Viewegg.

In der Welt von The Last of Us und The Last of Us: Part 2 steht die Menschheit kurz vor der kompletten Auslöschung. Der Grund für das Ende der Welt ist dabei so klein, dass er mit dem bloßen Auge nicht einmal zu erkennen ist: der Ophiocordyceps unilateralis, eine parasitische Pilzart aus der Ordnung der Krustenkugelpilze.

Pilze sind keine Pflanzen
Bei unserer Berichterstattung unterstützen wir die biologische Klassifikation der Pilze als eigenes Reich, den Fungi (oder eben Pilzen). Pilze folgen nicht den gleichen Verhaltensmustern wie Pflanzen oder Tiere.

Im Spiel greifen sie auf die Hirne der Menschen über und sorgen mit zombiehaften Pilzinfizierten für den Zusammenbruch der gesamten (nordamerikanischen) Zivilisation. In Echt ist es jedoch noch nicht ganz so wild. Zwar greifen die Pilze auch jetzt schon auf andere Organismen über, allerdings handelt es sich hierbei um Ameisen.

Wo lebt der Pilz?

Der Ophiocordiceps ist weltweit in tropischen und subtropischen Wäldern verbreitet, am stärksten jedoch in Südamerika und Thailand. Dort wurde er 1859 vom britischen Forscher Alfred Russel Wallace entdeckt.

Seitdem wurde der parasitäre Pilz immer wieder interessiert beäugt, weil er eine ganz besondere Fähigkeit hat: Er kontrolliert die Bewegungen seines Wirtes.

Er befällt nur Ameisen, vornehmlich die der Holzameisen-Familie. Die Sporen des Pilzes setzen sich auf dem Exoskelett der Ameisen fest und brechen nach kurzer Zeit hindurch. Dort wechselt der Pilz in sein nächstes Stadium und verbreitet sich im Blutkreislauf des Insekts.

Wie kontrolliert der Pilz die Ameise?

Ab da hat der Pilz die Kontrolle über den Wirtskörper. Er löst starke Zuckungen im Ameisenkörper aus, die das Insekt auf den Waldboden fallen lassen. Die Ameise versucht daraufhin, Pflanzen auf dem Boden zu erklimmen. Erreicht sie die Unterseite eines Blattes, sorgt der Pilz dafür, dass sie mit unnatürlich hoher Kraft in ihren Mandibeln (ihren Mundwerkzeugen) im Blatt hängen bleibt.

Eine (tote) Ameise mit Cordyceps-Infektion.Eine (tote) Ameise mit Cordyceps-Infektion.

Das Insekt stirbt, doch sein Körper verwest nicht.

Stattdessen stattet der Pilz den Körper sogar mit besonderen antimikrobiellen Substanzen aus und verstärkt ihn, damit Ophiocordyceps in Ruhe in der Ameisenleiche weiterwachsen kann.

Jetzt bricht der Fruchtkörper des Pilzes aus dem Kopf der Ameise und verbreitet die Sporen auf alles, was das Gebiet unter dem Blatt durchquert. Der gesamte Prozess dauert vier bis zehn Tage.

Bei einer Infektion nur eines Tieres verbreitet sich der Pilz rasant. Es wurde bereits beobachtet, wie Ophiocordyceps ganze Kolonien auslöschte. Deswegen haben sind die überlebenden Stämme auch dazu übergegangen, infizierte Tiere soweit weg vom Nest wie möglich zu schaffen.

Was passiert in The Last of Us?

In The Last of Us gelangte der Pilz durch verseuchtes Getreide aus Südamerika nach Nordamerika. Dort griff er dann auf Menschen über und infizierte nach und nach so viele, dass die Regierung mit der Quarantäne nicht mehr nachkam.

Ende September 2013 machten Infizierte schließlich den Großteil der Bevölkerung aus. Insgesamt sind 60 Prozent der Menschen entweder angesteckt oder bereits direkt oder indirekt an der Infektion gestorben.

Wie entwickeln sich Pilz-Opfer? Wer sich den Last of Us-Pilz einhandelt – meist durch einen Biss oder das Einatmen von Sporen – bleibt die ersten beiden Tage normal. Danach verliert er jedoch die höheren Hirnfunktionen (Sprache, Gedächtnis, Aufmerksamkeit) und damit auch die Menschlichkeit.

Von da an sind die Wirte aggressiv. Nach zwei Wochen werden sie zu dem, was im Spiel als Runner bezeichnet wird, mit einem teilweise von Pilz befallenem Gesicht und eingeschränkter Sicht.

Clicker, Runner und Bloater gibt es dank einer Kollaboration mit Sony auch in bestimmten Diablo 3 Reaper of Souls-Dungeons auf der PS4.Clicker, Runner und Bloater gibt es dank einer Kollaboration mit Sony auch in bestimmten Diablo 3 Reaper of Souls-Dungeons auf der PS4.

Ein Jahr später erblinden sie vollständig und werden zu Clickern, die ihren Namen von dem Echoortungssystem haben, mit dem sie sich orientieren. In Phase vier, zehn Jahre nach der Infektion, ist der ganze Körper von dem Pilz übersät und sie werden zu den riesigen Bloatern, die selbst Sporen verteilen.

Dieses Stadium ist jedoch selten, oft stirbt der Wirtskörper vorher oder setzt sich an Wänden oder auf dem Boden fest. Überlebende schützen sich, in dem sie in sporenverseuchten Gebieten Gasmasken tragen und Infizierte sofort töten.

Wie realistisch ist das?

Natürlich ist es immer möglich, dass eine Unterart des Pilzes mutiert. Allerdings ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass er Menschen infiziert.

Den Pilz gibt es mindestens schon seit 48 Millionen Jahren und in der Zeit ist er noch nie auf den Menschen oder auch nur auf andere Insektenarten übergewechselt. Der Pilz kann außerdem selbst von parasitären Pilzen eingenommen werden, was ihn beinahe wirkungslos macht, aber nicht abtötet.

Tatsächlich werden andere Unterarten der Cordyceps-Familie sogar als Extrakt in der chinesischen Medizin verwendet und gegessen. Das Extrakt wird ebenfalls aus einer Parasitären Untergruppe gewonnen, allerdings aus einer, die keine Ameisen, sondern Schmetterlingsraupen befällt. Cordyceps-Extrakt soll aufmunternd wirken und wird gegen Schwäche- und Erschöpfungszustände verabreicht. Die meisten deutschen Apotheken führen ihn jedoch nicht.

Das Gesicht das du machst wenn du hörst, dass Leute die Geißel deiner Gesellschaft freiwillig essen.Das Gesicht das du machst wenn du hörst, dass Leute die Geißel deiner Gesellschaft freiwillig essen.

Pilze sind gar nicht das Problem

Der Ophiocordiceps ist jedoch nicht das einzige parasitäre Wesen. Der Saugwurm übernimmt Schnecken und lässt ihre Fühler für Vögel besonders appetitlich aussehen, was dazu führt, dass Vögel sie verschlucken und den Wurm verbreiten.

Toxoplasma gondii übernimmt die Hirne von Ratten und sorgt dafür, dass sie weniger Angst vor Katzen haben, damit diese sie fressen und den Einzeller verteilen können. Auch Menschen können sich, beispielsweise bei der Säuberung des Katzenklos, mit dem Erreger infizieren, rund ein Drittel der Menschen trägt ihn aktuell in sich.

Diese Menschen werden laut Studien in ihrem Verhalten beeinflusst. Hier ist die Forschung jedoch noch nicht weit genug, weil Menschen komplexere Organismen sind als beispielsweise die Ameisen.

Und natürlich gibt es neben zahlreichen anderen Beispielen auch noch Fuß- Haut- und Nagelpilze, die Menschen seit Jahren plagen.

Katzenparasiten kontrollieren eventuell auch euer Gehirn. Katzenparasiten kontrollieren eventuell auch euer Gehirn.

Antibiotikaresistenz: Das größere Risiko

Ein viel größeres Problem dürften bald antibiotikaresistente Bakterien darstellen. Bakterien mutieren, sodass sie gegen bestimmte Stoffe resistent werden und mit aktueller Medizin nicht mehr aufzuhalten sind.

Das wird durch das übermäßige Verschreiben von Antibiotika oder den Verzehr von Tieren mit Antibiotika im Blut laut der WHO (Weltgesundheits-Organisation) nur noch verstärkt. Deswegen sollen in der EU unter anderem auch Tiere erst geschlachtet werden, wenn die Antibiotika in ihrem Körper abgebaut wurden. Die so genannten multiresistenten Keime stellen aktuell ein sehr viel realistischeres Gesundheitsrisiko dar als parasitäre Pilze aus Südamerika.

Wir sterben also eher an einem tödlichen Schnupfen als durch eine Zombiepilz-Epidemie.

Falls euch übrigens interessiert, wie Ellie immun geworden ist, haben wir hier gleich zwei Artikel mit Theorien zu The Last of Us: Part 2 für euch.

The Last of Us: Part 2 - Beeindruckendes erstes Gameplay: Ellie in der Klemme 11:53 The Last of Us: Part 2 - Beeindruckendes erstes Gameplay: Ellie in der Klemme


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