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The Last of Us: Part 2 - Warum mir der neue Trailer sauer aufgestoßen ist

Naughty Dog will Rache zum Kernthema von The Last of Us: Part 2 machen und greift dafür scheinbar zu problematischen Mitteln, findet Hannes. Der neue Trailer macht es sich nämlich viel zu einfach.

von Hannes Rossow,
25.09.2019 15:30 Uhr

Ist die Beziehung zwischen Ellie und Dina einfach nur ein Mittel zum Zweck? Ist die Beziehung zwischen Ellie und Dina einfach nur ein Mittel zum Zweck?

Gestern wurde The Last of Us: Part 2, das Sequel zu Naughty Dogs PS3-Blockbuster, ein ganzes Stückchen konkreter. Endlich gab es einen Releasetermin zum Spiel und endlich war auch Joel zu sehen, der gleich einmal gezeigt hat, dass er sich weiterhin um Ellie sorgt. Aber der neue Trailer hatte auch einen faden Beigeschmack, der mich sehr in meiner Vorfreude ausbremst.

Dina, oder der Kuss des Todes

Mit einem frischen Trailer gab uns Naughty Dog noch einmal einen kurzen Überblick über all die Dinge, die The Last of Us: Part 2 auszeichnen. Wir reiten, wir schießen, wir schlagen, wir schreien und wir töten - alles vornehmlich aus der Perspektive von Ellie. Dass Naughty Dog viel Wert auf eine hohe Brutalität im neuen The Last of Us legt, ist allerdings nicht so wirklich neu.

Neu war hingegen der Einblick in die Beziehung von Ellie und Dina. Die beiden Frauen, die sich bekanntermaßen in einem vergangenen The Last of Us 2-Trailer geküsst haben, gehen nämlich auch regelmäßig gemeinsam auf Patrouille, um die Siedlung, in der sie leben, zu schützen. Auf einem dieser Ausflüge werden wir das Liebespaar offenbar auch begleiten - und wenn wir dem neuen Trailer Glauben schenken dürfen, nimmt dies ein böses Ende.

The Last of Us: Part 2 - Release-Datum & Joel endlich im Trailer zu sehen 3:01 The Last of Us: Part 2 - Release-Datum & Joel endlich im Trailer zu sehen

Explizit gezeigt wird hier zwar nichts, aber die Entwickler von Naughty Dog spielen mit hektischen Schnitten und schmerzvollen Schreien, um eine besonders intensive Szene aufzubauen. Eine blutverschmierte Ellie wird von Fremden zu Boden gedrückt und muss - so scheint es - mit ansehen, wie Dina erschossen wird. Auf das verzweifelte Flehen Ellies folgt ein Schuss und eine Schwarzblende.

Wird die neu eingeführte Dina also schon zu Spielbeginn ermordet?

Alles nur ein billiges Klischee?

Der Trailer deutet dies jedenfalls an. Im Anschluss folgt der Auftritt von Tommy, dem Bruder von Joel, der die Siedlung anführt und der erfolglos versucht, Trost zu spenden und Ellie von ihren Racheplänen abzuhalten. Dina ist danach nicht mehr zu sehen und Ellie scheint allein zu sein, als sie von Joel überrascht wird, der sie davor bewahrt, von einer feindlichen Gruppe entdeckt zu werden.

Sollte sich Naughty Dog tatsächlich dazu entschieden haben, die gleichgeschlechtliche Beziehung von Ellie durch einen Tod aufzubrechen, wäre das ein klassisches Beispiel für das berüchtigte "Bury Your Gays"-Klischee, das vor allem in TV-Serien immer wieder benutzt wird. Hier geht es darum, dass LGBT-Charaktere im Verhältnis öfter sterben müssen, um eine Motivation für einen Hauptcharakter zu schaffen oder die "brutale Realität" eines Settings zu unterstreichen.

Zuletzt wurde diese Problematik in Serien wie The 100, The Walking Dead oder auch Voltron intensiver besprochen. Im Falle von The Last of Us wäre es sogar das zweite Mal, dass ein weiblicher Love Interest von Ellie sterben muss, um ihren Charakter auszubauen. Schließlich musste auch Riley, die Ellie im Story-DLC Left Behind geküsst hatte, sich schon kurze Zeit später wieder aus dem Franchise verabschieden.

Nun erneut über diesen Weg eine Motivation für Ellie zu schaffen, halte ich - ganz ehrlich gesagt - für einfallslos.

Gewalt als einfallsloses Plot-Element

Eine andere Szene aus dem Trailer kann ebenso problematisch interpretiert werden. Kurz nach dem Vorfall mit Dina sehen wir Ellie, wie sie mit nacktem Oberkörper und mit dem Rücken der Kamera zugewandt auf einem Bett sitzt. Ihr Körper ist übersät mit Schnittwunden und Hämatomen. Aufgrund der vorherigen Szenen und der Blessuren von Ellie liegt für mich der Schluss nahe, dass The Last of Us: Part 2 auch eine Vergewaltigung erzählen wird.

Schon in Teil 1 gab es Momente, in der Ellie zumindest Gefahr lief, durch David, dem Anführer der Hunter-Gruppierung, sexueller Gewalt ausgesetzt zu sein. Dass Gewalt gegen Frauen, vor allem durch das Erzählen einer Vergewaltigung, oftmals genutzt wird, um die Charakterentwicklung von weiblichen Figuren voranzutreiben, wissen wir nicht zuletzt durch Game of Thrones. Dort war es Sansa, der in der finalen Staffel die Worte in den Mund gelegt wurden, dass es erst diese negativen Erfahrungen waren, die sie stark gemacht haben.

Zugegeben, diese beiden Punkte sind aktuell nur Spekulationen, und es kann noch nicht gesagt werden, wie sich die Geschichte von Ellie und Dina wirklich entfalten wird und wann die gezeigte Szene im Spielverlauf auftritt. Aber dem Trailer der State of Play zufolge, lässt Naughty Dog in jedem Fall die Vermutung zu, dass explizit Gewalt gegen Frauen und Minderheiten ausgeübt werden soll, um eine Grundlage für den Rachefeldzug von Ellie zu schaffen.

Nein danke, aber sowas brauche ich nicht

Mit dieser Exposition in das Spiel zu gehen - darauf habe ich persönlich keine Lust. Die Figur von Ellie bietet derart viel Potenzial und Möglichkeiten, dass ich schlicht nicht möchte, dass sich Naughty Dog auf altgedienten und vor allem stark problematischen Klischees ausruht. Die Welt von The Last of Us: Part 2 mag brutal sein, doch um diese Rohheit darzustellen, braucht es keine überrepräsentierte Gewalt gegen Personengruppen, die auch in der echten Welt Diskriminierungen und Gewalt ausgesetzt sind.

Selbstverständlich ist das nur meine Perspektive und ich bin nicht in der Lage zu deuten, wie es wohl andere Spieler wahrnehmen werden, die sich noch stärker mit Ellie identifizieren können. Aber zumindest hinsichtlich der Darstellung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen bin ich es leid, wenn LGBT-Figuren, die in Videospielen ohnehin nur selten erzählt werden, zum Opfer fallen müssen, um für intensive Schockmomente zu sorgen. Allein, dass es der Trailer suggeriert, reicht mir schon.

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