Die ersten Stunden von Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden gehören zu den erfrischendsten, lustigsten und auch absurdesten Spielerfahrungen, die ich je gemacht habe. Ob das neue Switch-Exclusive, das am 16. April erscheint, aber auch zum Dauerbrenner wird, hängt stark davon ab, was für ein Spielertyp ihr seid.
Denn so spaßig und umfangreich die Möglichkeiten, die das Spiel bietet, auch sind, geht der Life-Sim nämlich mangels Routinen und echter Aufgaben vergleichsweise schnell die Puste aus.
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Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden zeigt euch die wilde Lebenssimulation mit einer eigenen Direct
Ich habe keinen Gottkomplex, ich bin Gott!
Tomodachi Life erinnert grundsätzlich stark an Animal Crossing: New Horizons, allerdings mit dem Unterschied, dass statt knuddeliger Tiere die seit der Wii bekannten Mii-Charaktere unsere Inseln bevölkern. Spielerisch ist der Unterschied aber deutlich größer.
Wir übernehmen nämlich nicht die direkte Kontrolle über eine einzelne Figur, sondern fungieren wie in den Sims-Spielen als eine Art gottgleicher Aufseher, der von den Miis aber auch direkt angesprochen und adressiert wird.
Die Miis, die auf unsere Insel ziehen, müssen wir in den meisten Fällen selbst erstellen. Dabei liegt es natürlich nahe, direkt die ganze Familie, den Freundeskreis und die ein oder andere berühmte Persönlichkeit ins Spiel zu holen. Die Freiheiten beim Erstellen sind groß und mit etwas Aufwand sind die Personen gut wiederzuerkennen. Auch eine Stimme kann gewählt werden, jegliche Gespräche werden nämlich von einem Sprachprogramm vorgelesen.
Danach dreht sich alles darum, die Miis miteinander bekannt zu machen und ihnen neue Outfits, Geschenke sowie verschiedene Speisen und Getränke zu geben. Die Insel-Bewohner*innen können sich anfreunden, Beziehungen eingehen und sogar zusammenziehen.
Für nahezu jede Aktion gibt es Erfahrungspunkte und ein bisschen Geld. Letzteres können wir in den unterschiedlichen Geschäften für täglich wechselnde Kleidung, Nahrungsmittel oder Einrichtungsstücke ausgeben. Die Erfahrungspunkte investieren wir hingegen in neue Items für die Insel oder besondere Geschenke und Eigenschaften.
Steigen die Miis auf, dürfen wir ihnen nämlich zur Belohnung etwas schenken. Entscheiden wir uns für den Baseball, die Gitarre oder eine Ballett-DVD, können wir sie in der Welt immer wieder dabei beobachten, wie sie diese Geschenke benutzen und so ihren "Hobbys" nachgehen.
Wir können ihnen aber auch Eigenarten wie einen besonderen Gang, eine spezielle Art zu stehen oder Catchphrases verpassen und sie dadurch noch weiter individualisieren. Bedürfnisse, Träume oder Ambitionen haben die Miis hingegen nicht. Man muss sich also nicht mit Toilettengängen und ähnlichem herumschlagen, kann aber auch nicht die Karriereleiter erklimmen.
Beim Erstellen der Miis gibt Nintendo sehr viele Freiheiten. Neben "männlich" und "weiblich" kann auch "divers" als Geschlecht eingestellt werden. Zudem kann festgelegt werden, an welchen Geschlechtern der/die Mii romantisch interessiert ist.
Beziehungen sind nur zwischen Erwachsenen oder Kindern möglich. Außerdem lässt sich einstellen, ob die Miis im echten Leben Verwandtschaftsverhältnisse mit anderen Miis haben. Ihr müsst also keine Angst haben, dass eure ganze Familie plötzlich übereinander herfällt.
Mit besten Grüßen aus Absurdistan
All das inszeniert Tomodachi Life auf eine ziemlich einzigartige Weise, die man wohl am besten als kurios, absurd oder schlicht “weird” bezeichnen kann. Das reicht von den lustigen Animationen über die Speisen, die grundsätzlich als Fotos dargestellt werden, bis hin zu den vertonten Konversationen, merkwürdigen Ereignissen und teils grotesken Träumen der Insel-Bewohner*innen.
Ein paar Beispiele können das wohl deutlich besser vermitteln:
Beispiel 1: Jede Insel hat einen eigenen Wortschatz. Die Miis fragen etwa, worüber sie sich unterhalten könnten, und wir können dann so ziemlich alles eingeben, was wir wollen. Ich habe etwa "Godzilla" als "Person" eingegeben und dann zugesehen, wie sich zwei Figuren lustig darüber unterhalten haben, was sie an Godzilla so toll finden.
Dabei bleibt es aber nicht. Viele Stunden später hat sich etwa eine ganze Gruppe auf der Insel getroffen, um die erste Sitzung des Godzilla-Fanclubs abzuhalten. Dort haben sie sich dann mit ihren Anekdoten über das Monster überboten.
Die Gespräche sind dabei teils extrem witzig, weil die Miis nicht wirklich wissen, was wir da eingeben. Eine Mii-Frau erzählte etwa, dass sie extra auf eine andere Insel gereist sei, um einen der berühmten Auftritte von Godzilla nicht zu verpassen.
Beispiel 2: Auf der Insel gibt es einen eigenen Nachrichtensender, über den immer wieder Entwicklungen wie neue Gebäude oder Meilensteine verkündet werden. Die Mii kommen dabei selbst als Nachrichtensprecher*innen zum Einsatz. Sie sitzen dann mit Anzug und Krawatte da und erzählen den neuesten Tratsch.
Beispiel 3: Wenn die Miis romantische Gefühle füreinander haben oder eine Beziehung miteinander eingehen, gibt es immer wieder lustige Zwischensequenzen, in denen ihre Liebe dargestellt wird.
Ich könnte noch Hunderte solcher Beispiele erzählen, würde damit aber leider zu weit vorgreifen. Das Entdecken und Erleben dieser Momente ist nämlich ein ganz wichtiger Teil des Spiels. So viel sei gesagt: Ein so herrlich absurdes und wirklich (!) witziges Spiel habe ich zuvor selten erlebt.
Nahezu grenzenlose Möglichkeiten
Das liegt auch an den kreativen Möglichkeiten, die geboten werden. Schönbauer*innen kommen bei Tomodachi Life nämlich ebenfalls voll auf ihre Kosten.
So kann die Insel jederzeit umfangreich umgestaltet werden. Dabei können wir Häuser und Gebäude versetzen, Wege, Strände und Inseln anlegen und allerlei Deko-Objekte wie Getränkeautomaten, Parkbänke, Pflanzen oder Straßenlaternen verteilen. Die Auswahl ist groß und kann zudem quasi unendlich erweitert werden.
Wer will, kann außerdem so ziemlich jeden Teil des Spiels in einem umfangreichen Editor selbst anpassen. Mithilfe von mächtigen Werkzeugen, die man eher bei Photoshop und Co. erwarten würde, lassen sich etwa Kleidungsstücke, Speisen und Items, aber auch Häuserfassaden, Bodenteile oder geometrische Formen erstellen und modifizieren.
Dafür gibt es im Spiel Stempel, die genutzt werden können. Alternativ können wir aber auch einfach frei drauflosmalen. Die Nutzung des Touchscreens der Switch (2) erleichtert das Zeichnen hier teils stark. Mit den Sticks gerade Linien zu ziehen ist zwar möglich, bei allem, was detaillierter ist, wird es aber schwierig.
Die Möglichkeiten sind wirklich enorm und mit etwas Arbeit kann die komplette Insel beispielsweise in eine moderne Innenstadt voller Hochhäuser verwandelt werden oder alle Miis wohnen künftig in riesigen Muffins und laufen über Böden aus Zuckerguss.
Dass diese Kreationen nicht online geteilt werden können, ist in meinen Augen zwar eine ziemlich vertane Chance, dürfte aber damit zu tun haben, dass Nintendo eben wirklich fast alles erlaubt. Wer den Wortschatz etwa nur mit Schimpfwörtern befüllen oder einen riesigen Genitalienwald errichten möchte, stößt etwa auf keinerlei Hürden.
Trotzdem wären Editormuffel wie ich froh, Kreationen aus der Community nutzen zu können. Ich bin mir nämlich sehr sicher, dass es da in Zukunft extrem beeindruckende Werke zu sehen geben wird.
Wie steht’s um die Technik? Ich habe Tomodachi Life auf der Switch 2 im TV- und im Handheld-Modus gespielt und bin dabei auf keine Probleme gestoßen. Alles läuft flüssig und ohne Fehler oder Bugs.
Achtung: Motivation bitte selbst mitbringen
Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden ist auf seine ganz eigene, verquere Weise also ein wirklich spaßiges Erlebnis. Wie lange dieser Spaß anhält, dürfte dabei aber von Person zu Person stark schwanken.
Was dem Spiel nämlich fast komplett abgeht, ist ein echtes Fortschrittsystem oder generell Dinge und Aufgaben, die es zu tun gibt. Abseits natürlich vom kreativen Ausleben der eigenen Macht über das Schicksal unserer Freund*innen und Verwandten und ihren Lebensraum.
Klar, die Beziehungen entwickeln sich über eine gewisse Zeit und es gibt dabei auch immer wieder Meilensteine. Ob aus einer Verliebtheit aber nun etwas wird oder nicht, ist im Grunde egal. Und genau das gilt auch für die meisten anderen Dinge im Spiel.
Es gibt kein Unkraut zu jäten, kein Obst zu ernten, kein Crafting, keine Karrieren, kein Museum und auch keine Brücken, die man bei einem kapitalistischen Tanuki abbezahlen müsste. Wer ein solches gemütliches Abarbeiten in Life-Sims schätzt, wird hier schlicht enttäuscht.
Am Anfang fällt das nicht so stark ins Gewicht, da das Spiel immer wieder mit neuen Gebäuden, lustigen Interaktionen und Spielelementen belohnt. Nach ein paar Stunden hat man dann aber alles gesehen und auch schon vieles freigeschaltet. Ab diesem Punkt tut Tomodachi Life wenig für eine zielgerichtete Motivation und verlässt sich stattdessen auf eure Kreativität – das muss euch unbedingt bewusst sein.
Aus diesem Grund ist Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden also vielleicht nicht das ideale nächste Urlaubsziel für alle, die Animal Crossing oder Stardew Valley vor allem wegen der routinierten Tagesabläufe in diesen Spielen schätzen. Wer aber etwa in Die Sims am liebsten Häuser baut und Figuren erstellt, aber sich nicht zwingend um sie kümmern will, sollte sich den Titel mal näher anschauen.
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