Vom Bildschirm aufs Brett: 11 empfehlenswerte Videospiel-Brettspiele

Der Brettspielbereich boomt, etliche Videospiele haben in den letzten Jahren eine Umsetzung als Brettspiel bekommen. Hier sind einige unserer Meinung nach besonders gute.

von Tobias Veltin,
28.02.2021 15:00 Uhr

Mittlerweile gibt es etliche Brettspiele, die auf Videospielen basieren. Mittlerweile gibt es etliche Brettspiele, die auf Videospielen basieren.

Brettspiele boomen nicht erst seit dem letztem Jahr. Gerade in Zeiten, in denen das Digitale einen Großteil unseres Lebens bestimmt, entdecken viele das analoge Spielen (wieder) für sich, schließlich ist das haptische Spielen mit "fassbarem" Material ein völlig anderes Erlebnis als das vor dem Bildschirm.

Verzichten muss man aber im Brettspielbereich nicht auf Videospiele - zumindest wenn es um die Marken bzw. Thematiken geht. Denn in den letzten Jahren sind viele Videospiele im Brettspielbereich umgesetzt worden - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Einige coole Adaptionen aus den letzten Jahren stelle ich euch nachfolgend vor - wie immer natürlich mit dem Hinweis, dass es sich hierbei um eine redaktionelle Auswahl handelt, die nicht jedem oder jeder von euch gefallen muss.

This War of Mine

  • Verlag: Heidelbär Games
  • Spielerzahl: 1-6
  • Altersempfehlung: Ab 18 Jahren
  • Spielzeit: 45+ Minuten
  • Preis (ca.): 50 Euro
  • Website: This War of Mine

This War of Mine gehört zu den bemerkenswertesten Videospieladaptionen der letzten Jahre, weil es das deprimierende Thema seiner Vorlage einfängt und hervorragend in ein kooperatives Brettspiel packt. Als eine von mehreren Personen müsst ihr in einem Kriegsszenario überleben. Allerdings seid ihr keine Soldaten, sondern "normale" Menschen, die entsprechend auch für Kleinigkeiten teils große Opfer bringen müssen.

Beispielsweise müsst ihr an Nahrung kommen, Wasser sammeln oder einfache Dinge bauen, jeder Tag im Spiel hält dabei neue Aufgaben aber auch neue Schrecken bereit. Das Spiel stellt euch auch immer wieder vor unangenehme Entscheidungen, die teils gravierende Auswirkungen auf den Spielverlauf haben können - Tod, Hunger und Verderben sind ein ständiger Begleiter, was euch This War of Mine auch deutlich spüren lässt.

Deswegen ist dieses Spiel auch definitiv nicht für jede*n eine klare Empfehlung, denn mit dem Szenario muss man ebenso umgehen können wie mit der düsteren Grundstimmung des Spiels. Genau diese thematische Dichte macht This War of Mine aber auch so außergewöhnlich stark.

Bloodborne: Das Kartenspiel

  • Verlag: Asmodee
  • Spielerzahl: 3-5
  • Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
  • Spielzeit: 30+ Minuten
  • Preis (ca.): 32 Euro
  • Website: Bloodborne

Die Kartenspiel-Umsetzung des PS4-Hits hat eine spannende Prämisse. Denn hier kämpft ihr euch als Gruppe durch mehrere Dungeons und versucht, am Ende den jeweiligen Boss zu besiegen - dennoch gewinnt am Ende nur einer von euch. Gesteuert wird das Ganze über Waffen- und Fähigkeitenkarten, mit denen ihr Gegner ausschalten könnt und von denen ihr im Laufe des Spiels dazubekommt und diese verbessert. Das passiert über den eigenen Tod, denn auch das häufige Sterben der Vorlage steckt im Kartenspiel. Denn wer ablebt, kann sich aus einer Auslage neue Karten für den eigenen Charakter holen, was später dann bessere Angriffe ermöglicht. Zwar achtet jeder auf den eigenen Charakter, Angriffe müssen aber trotzdem abgesprochen werden. Wer am Ende die meisten Trophäen und Blutechos gesammelt hat, gewinnt.

Insbesondere die motivierenden Kämpfe und der semikooperative Mechanismus machen Bloodborne nicht nur zu einer Empfehlung für alle Fans des Spiels. Die werden natürlich die meisten Waffen und Gegner wiedererkennen, durch die übersichtliche Spielzeit eignet sich das Spiel zudem auch für Einsteiger*innen. Übrigens: Mittlerweile gibt es auch eine "große" Brettspielumsetzung von Bloodborne, die allerdings gerade erst auf den Markt gekommen ist.

XCOM: Das Brettspiel

  • Verlag: Asmodee
  • Spielerzahl: 1-4
  • Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
  • Spielzeit: 60+ Minuten
  • Preis (ca.): unterschiedlich (gebraucht)
  • Website: XCOM

Im XCOM-Brettspiel ist es die Aufgabe aller Spieler*innen, eine Alien-Invasion zu stoppen und nehmen dafür unterschiedliche Rollen ein, die jeweils eigene Fähigkeiten und Aufgaben haben. Der Commander beispielsweise überwacht die gesamten Einsätze, der Einsatzleiter befehligt Soldaten und der Central Officer ist für den Bordcomputer zuständig.

Ganz ohne digital geht es hier nämlich nicht, was auch eine Besonderheit der Brettspiel-Umsetzung ist. Die App übernimmt einerseits die Kontrolle der Aliens und gibt euch unterschiedliche Aufgaben, die ihr in der folgenden Phase dann nacheinander ausführen müsst, um erfolgreich zu sein. Dabei solltet ihr darauf achten, dass ihr keines der unterschiedlichen Teilbereiche vernachlässigt, also etwas die Forschung oder die HQ-Verteidigung.

Der Spielreiz entsteht hier einerseits durch den gewissen Druck, den die App vorgibt und andererseits durch die unterschiedlichen Rollenfähigkeiten, die ziemlich ideal aufeinander abgestimmt ist. Hier gewinnt tatsächlich nur, wer seine Fähigkeiten perfekt ergänzt, durch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade ist zudem der Wiederspielreiz sehr hoch.

Hinweis: Das Spiel ist "Out of Print" wird aktuell also nicht mehr produziert. Wenn ihr euch das Spiel in deutscher Sprache kaufen wollt, solltet ihr euch also auf dem Sekundär- bzw. Gebrauchtmarkt umschauen.

Jetpack Joyride

  • Verlag: Lucky Duck
  • Spielerzahl: 1-4
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahren
  • Spielzeit: 30 Minuten
  • Preis (ca.): 20 Euro
  • Website: Jetpack Joyride

Genau wie in der gleichnamigen App-Vorlage müsst ihr in Jetpack Joyride als Protagonist Barry aus einem Labor fliehen und dabei zahlreichen Hindernissen ausweichen. Den Fluchtweg puzzelt ihr im Brettspiel in Echtzeit und zwar aus gelben Polyomino-Teilen. Diese müsst ihr möglichst geschickt aneinanderreihen, um dann den Fallen und Gegner aus dem Weg zu gehen und Geldmünzen einzusammeln. Die Kohle sowie erfüllte Missionen geben euch Punkte, wer nach drei Runden die meisten gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

Ähnlich wie die App ist Jetpack Joyride sehr schnell erklärt und verstanden, durch das gleichzeitige puzzlen gibt es zudem kaum Wartezeiten. Deshalb eignet sich das Spiel perfekt für Einsteiger*innen und auch für zwischendurch. Bislang ist das Spiel nur in englischer Sprache erhältlich.

Fallout Shelter

  • Verlag: Asmodee
  • Spielerzahl: 2-4
  • Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
  • Spielzeit: 60+ Minuten
  • Preis (ca.): 40 Euro
  • Website: Fallout Shelter

Das Ziel von Fallout Shelter ist einfach. Nach einem Atomkrieg seid ihr Leiter eines Bunkers und müsst dafür sorgen, dass einerseits der Betrieb gewährleistet ist und andererseits auch alle zufrieden sind, die in dem Bunker leben. Dafür wird zunächst ein Bunker aus mehreren Karten ausgelegt, der generelle Spielablauf funktioniert nach dem Worker-Placement-Prinzip.

Ihr setzt also euch Spielfiguren auf freie Felder im Bunker und sammelt dadurch Ressourcen oder führt Aktionen aus. Ihr müsst beispielsweise für Wasser oder Strom sorgen, Gefahrenkarten in jeder Runde sorgen zudem für laufend neue Bedrohungen. Der Wiedererkennungswert ist dank des tollen Spielmaterials und den an die App angelehnten Grafiken sehr hoch, das Spiel kommt zudem in einer schicken Metallbox daher.

Übrigens: Fallout Shelter ist nicht das einzige Postapokalypse-Brettspiel. In unserem Special findet ihr weitere, darunter auch eine Umsetzung des "großen" Fallout.

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Anno 1800

  • Verlag: Kosmos
  • Spielerzahl: 1-4
  • Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
  • Spielzeit: 120 Minuten
  • Preis (ca.): 50 Euro
  • Website: Anno 1800

Direkt vorweg: Für Anno 1800 solltet ihr im Idealfall schon etwas Brettspielerfahrung mitbringen, für Einsteiger*innen ist das Spiel durch die Material- und Regelfülle möglicherweise etwas erschlagend. Wie in der Vorlage geht es auch hier darum, eine Insel zu besiedeln und deren Infrastruktur nach und nach auszubauen.

Dafür baut ihr nach und nach mit Karten unter anderem eigene Produktionsketten auf, was sich sehr befriedigend anfühlen kann. Außerdem könnt ihr Handel treiben und und müsst die Bedürfnisse euerer Bevölkerung im Blick behalten. Wer es schafft, entsprechend gewünschte Waren zu produzieren bekommt Extrapunkte, die bei der Endabrechnung entscheidend sein können.

Durch die unterschiedlichen Ausbaustufen und Facharbeiter entsteht eine große Komplexität, die die Vorgänge in der PC-Vorlage zwar nicht in Gänze abbildet, aber doch sehr nah herankommt. Auf den militärischen Aspekt bzw. Kämpfe jedweder Art müsst ihr dagegen verzichten.

Gears of War: Das Brettspiel

  • Verlag: Heidelberger Spiele
  • Spielerzahl: 1-4
  • Altersempfehlung: Ab 13 Jahren
  • Spielzeit: 60-180 Minuten
  • Preis (ca.): unterschiedlich (gebraucht)
  • Website: Gears of War

Der rabiate Third-Person-Shooter von Epic Games wurde schon im Jahr 2011 als Brettspiel umgesetzt. Hier geht es kooperativ gegen die fiesen Locust zur Sache, die Spieler*innen müssen pro Partie eine von insgesamt sieben Missionen erfüllen Die Spielfläche setzt sich dabei aus mehreren Kartenteilen zusammen, was für eine gewisse Unvorhersehbarkeit und Varianz sorgt.

Kämpfe gegen die Locust funktionieren über Angriffs- und Verteidigungswürfel, Teamkameraden können über Koop-Aktionen Feuerschutz geben und dem jeweils aktiven Spieler dadurch einen Vorteil verschaffen. Durch die ständige Munitionsarmut, die vielen engen Gänge auf dem Spielfeld und den liebevoll und detailliert nachgebildeten Miniatur-Figuren kommt echtes Gears-Flair auf, das die Atmosphäre und den Charme der Vorlage hervorragend einfängt.

Hinweis: Das Spiel ist "Out of Print" wird aktuell also nicht mehr produziert. Wenn ihr euch das Spiel in deutscher Sprache kaufen wollt, solltet ihr euch also auf dem Sekundär- bzw. Gebrauchtmarkt umschauen.

Small World of Warcraft

  • Verlag: Asmodee/Days of Wonder
  • Spielerzahl: 2-5
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahren
  • Spielzeit: 60+ Minuten
  • Preis (ca.): 40 Euro
  • Website: Small World of Warcraft

Bei Small World of Warcraft handelt es sich um thematisches Rebranding des Brettspiels Small World, kombiniert also dessen Mechaniken mit dem WoW-Universum. Ihr kämpft mit verschiedenen Völkern um die Vorherrschaft Regionen von Azeroth. Jedes Volk hat dabei besondere Boni und Eigenschaften, ein Gebiet wird durch Völkerplättchen eingenommen.

Wie diese eingesetzt werden, zählt zu den Hauptüberlegungen in Small World of Warcraft, denn aus einem Gebiet verdrängte Plättchen können anderweitig wieder eingesetzt werden. Durch die Spezialfähigkeiten der Völker kommt zudem Varianz ins Spiel und man möchte jede Kombination einmal ausprobieren. Darüber hinaus ist auch das Spielmaterial sehr gut gelungen und die bunten Illustrationen ziehen direkt in die Welt von Azeroth hinein.

Doom: Das Brettspiel

  • Verlag: Asmodee
  • Spielerzahl: 2-5
  • Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
  • Spielzeit: 160+ Minuten
  • Preis (ca.): 70 Euro
  • Website: Doom

Die Brettspiel-Variante des Horror-Shooters macht eine*n Spieler*in zum Monster-Meister. Dieser ist nämlich als sogenannter Zerstörer für sämtliche Mutanten-Züge verantwortlich und muss verhindern, dass die restlichen Spieler*innen (übernehmen Marines) das jeweils vorgegebene Ziel erfüllen. Das kann zum Beispiel sein, aus der Basis zu entkommen oder einen bestimmen Mechanismus zu aktivieren. Bei einem Zug haben die Marines mehrere Optionen, zum Beispiel vorrücken, schießen oder Befehle erteilen.

Generell hat die Menschenseite nur eine Chance, wenn die jeweiligen Fähigkeiten gut kombiniert werden. Der Zerstörer ist nämlich auf dem Papier deutlich überlegen und kann stark ins Spiel eingreifen, indem er etwa spezielle Ereigniskarten ausspielt oder die Gegner mit zusätzlichen Mutanten unter Druck setzt. So entsteht ein herausforderndes Gekabbel mit leichtem taktischen Einschlag, dass allerdings auch zwei bis drei Stunden in Anspruch nehmen kann.

Im Jahr 2019 erschien eine überarbeitete zweite Auflage des Brettspiels, in der unter anderem das Kartensystem angepasst und auch für alle interessant sein dürfte, die die ältere Originalausgabe haben und mögen.

Civilization: Ein neues Zeitalter

  • Verlag: Asmodee/Fantasy Flight
  • Spielerzahl: 2-4
  • Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
  • Spielzeit: 120+ Minuten
  • Preis (ca.): 45 Euro
  • Website: Civilization

Civilization: Ein neues Zeitalter ist bereits die vierte Brettspiel-Umsetzung des Strategie-Meisterwerks von Sid Meier. Und auch hier geht es wieder darum, eine Zivilisation zu errichten und über verschiedene Zeitalter weiterzuentwickeln. Dafür führen die Spieler*innen nacheinander immer eine von fünf Aktionen aus, die sich zum Beispiel auf die Teilbereiche Kultur oder Wissenschaft auswirken können.

Interessant: Die Aktionen haben einen Wert bis fünf. Je weiter rechts eine Karte liegt, desto stärker ist die Wirkung dieser Karte. Interessant ist zudem, dass ihr eure Zivilisation in unterschiedliche Richtungen entwickelt könnt, also eher konfrontativ oder friedliebend. Außerdem wird wie in der PC-Vorlage sehr schön das Gefühl vermittelt, regelmäßig weiterzukommen. Allerdings solltet ihr auch entsprechend Zeit mitbringen, denn eine Partie kann gerne mal zwei bis drei Stunden dauern.

God of War: Das Kartenspiel

  • Verlag: Asmodee/CMON
  • Spielerzahl: 1-4
  • Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
  • Spielzeit: 90+ Minuten
  • Preis (ca.): 35 Euro
  • Website: God of War

In der Kartenspiel-Adaption des PS4-Krachers schlüpft ihr in die Rollen diverser Figuren aus dem Spiel (Kratos, Atreus, Freya, Brok und Sindri, Mimir) und müsst versuchen, Ragnarok zu verhindern. Dafür müssen Quests erfüllt werden, die hauptsächlich Kämpfen gegen Kreaturen und Endbosse bestehen. In den Kämpfen selbst könnt ihr euch mit einer Figur über das Schlachtfeld bewegen, Aktionen erfolgen über Karten, die je nach Farbe zum Beispiel Fernkampfattacken oder Verteidigungsmanöver symbolisieren. Cool ist die Interaktion mit den Karten, aus denen die Szenarien zusammengebaut sind. Durch bestimmte Aktionen könnt ihr Ereignisse triggern, die dann zum Beispiel neue Gegner oder Secrets enthüllen, die euch im Kampf helfen können.

Das eigene Kartendeck lässt sich im Verlauf des Spiels noch optimieren, indem zum Beispiel wenig genutzte Karten abgelegt oder neue hinzugenommen werden können. Auch God of War ist ein kooperatives Spiel, in dem alle Spieler*innen zusammen gegen das Spiel antreten und nur eine Chance haben, wenn sie zusammenarbeiten. Darüber hinaus gibt es auch noch einen gelungenen Solo-Modus, in dem ihr alleine antretet.

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Wie sieht es bei euch aus? Spielt ihr Brettspiele? Und wenn ja, welche?

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