Crimson Desert erreicht in wenigen Tagen etwas, für das andere Spieleentwickler Monate brauchen – und dafür werden sie völlig zurecht gefeiert

Crimson Desert leistet gerade, was ich von anderen AAA-Studios nicht mehr gewohnt bin.

Crimson Desert erhält mehr Updates und Inhalte in wenigen Wochen, als manch andere Live-Service-Games in einem Jahr. Crimson Desert erhält mehr Updates und Inhalte in wenigen Wochen, als manch andere Live-Service-Games in einem Jahr.

Ich bin es gewohnt, dass AAA-Spiele langsam besser werden. Sie erscheinen, haben ihre Probleme – und dann wird gefixt. Wochen, Monate, manchmal sogar Jahre später. Crimson Desert macht gerade das Gegenteil. Und ist damit besser als so mancher Live-Service.

Veränderungen brauchen ihre Zeit – oder?

Wer regelmäßig große Releases spielt, kennt das Muster. Ein Spiel erscheint, Probleme werden schnell aufgezeigt – und dann passiert erstmal nicht viel.

Video starten 29:13 Endlich wissen wir, was Crimson Desert auf dem Kasten hat - und was nicht!

Das liegt aber selten daran, dass Entwickler Feedback ignorieren. Änderungen brauchen Zeit, durchlaufen interne Prozesse oder kollidieren mit geplanten Updates. Deshalb müssen wir oft selbst auf vermeintlich einfache Dinge viel zu lange warten.

Ich denke an Starfield, wo ich zweieinhalb Jahre darauf warten musste, ohne Ladezeiten zwischen den Planeten zu reisen. Oder Assassin's Creed Valhalla, bei dem das Transmog-System erst vier Monate nach Release kam – obwohl es das Feature in früheren Teilen längst gab.

Schneller scheint es oft nicht zu gehen. Das dachte ich zumindest. Und dann kam Crimson Desert.

Stephan Zielke
Stephan Zielke

Stephan kam schon in der Testphase gar nicht mehr von Crimson Desert los und hat am PC schon 120 Stunden in der faszinierenden Welt verbracht. Aber nach all den Updates, die Pearl Abyss aber nun schon rausgehauen hat, hat er auf der PS5 nochmal komplett von vorn angefangen und es kommt ihm vor, als würde er ein vollkommen neues Spiel erleben. So macht die zweite Reise sogar noch mehr Spaß.

Crimson Desert zeigt, dass es auch anders geht

Schon während der Testphase reagierte Pearl Abyss direkt auf Feedback und die Anpassungen gab es dann direkt zum Release: Das Inventar war größer, die Steuerung fühlte sich spürbar direkter an.

Seitdem geht es in einem Tempo weiter, das man aus großen Produktionen kaum kennt.

Kaum eine Woche vergeht ohne Patch – und dabei werden nicht nur kleine Bugs gefixt. Systeme werden überarbeitet, neue Features ergänzt, bestehende Mechaniken angepasst. Dinge, für die andere Studios weit im Voraus große Updates ankündigen, passieren hier fast nebenbei.

Bosse, wie der Reeddevil hatten in der Testphase fast viermal so viel Leben wie aktuell im Spiel und ich schon einen kompletten Video-Guide geplant. Zum Glück musstet ihr euch da nicht durchquälen. Bosse, wie der Reeddevil hatten in der Testphase fast viermal so viel Leben wie aktuell im Spiel und ich schon einen kompletten Video-Guide geplant. Zum Glück musstet ihr euch da nicht durchquälen.

Das Lagersystem wurde umgebaut, neue Skills und Animationen ergänzt und die Spielwelt mit zusätzlichen Teleportern erweitert. Dazu kommen bald Features wie wiederbelebte Bosse und Lager – eine Art New Game Plus. Alles Dinge, auf die man in anderen AAA-Spielen oft lange wartet.

Dabei hätte Crimson Desert diesen Sprint gar nicht nötig. Schon zum Release war es ein fantastisches Spiel – und vor allem kein Live-Service, dem die Spieler*innen ohne Updates irgendwann weglaufen würden.

Live-Entwicklung statt Live-Service

Vielleicht liegt es aber auch genau daran, dass Crimson Desert seit langem mal wieder ein AAA-Game ist, das kein Live-Service sein möchte – ganz ohne Roadmap mit geplanten neuen Inhalten und DLCs. Das hat einen großen Vorteil.

Ein Umbau der Skilltrees wäre bei jedem anderen Spiel eine große Sache. Aber Crimson Desert macht so etwas einfach nebenbei. Ein Umbau der Skilltrees wäre bei jedem anderen Spiel eine große Sache. Aber Crimson Desert macht so etwas einfach nebenbei.

Durch die ständige Patches werden keine öffentlichen Pläne über den Haufen geworfen. Der Fokus liegt komplett auf dem Spiel in seiner jetzigen Form und nicht schon darauf, wie es in einem Jahr aussieht. Das gibt den Devs Zeit und Luft, direkt auf Feedback zu reagieren, ohne ständig bereits angekündigte Inhalte berücksichtigen zu müssen.

Ebenfalls wichtig: Pearl Abyss ist nicht darauf angewiesen, Spieler*innen jahrelang bei der Stange zu halten, um Verkäufe im Ingame-Shop zu pushen. In anderen Spielen fallen große Updates immerhin nicht selten mit der Veröffentlichung neuer Cosmetics zusammen. 

Crimson Desert hingegen schmeißt die Updates einfach raus und packt stattdessen noch neue Reittiere und Rüstungen dazu, ohne einen Cent zu verlangen.

Was bedeutet das für die Zukunft

Für mich setzt Pearl Abyss hier durchaus einen neuen Standard in einer Branche, in der wir uns daran gewöhnt haben, dass wir die beste Version eines Spiel erst Monate nach Release bekommen.

Dafür verdient das Studio ein großes Lob. Vorausgesetzt natürlich, dieses Tempo geht nicht auf Kosten der Entwickler*innen. 

Das Lager entwickelt sich mit jedem Update weiter und enthält neue Funktionen. Das Lager entwickelt sich mit jedem Update weiter und enthält neue Funktionen.

Die Industrie wird in jedem Fall nicht drum herumkommen, sich mit Crimson Desert zu beschäftigen.

Ein Singleplayer-Rollenspiel, das Mut zur Lücke hat und es nicht allen recht machen möchte? Dazu ohne Mikrotransaktionen und den üblichen Live-Service-Ballast? Und ein Entwicklungszyklus, der viele AAA-Studios gerade alt aussehen lässt.

Das setzt neue Maßstäbe und damit auch Erwartungen bei den Spieler*innen. Damit ist Crimson Desert aktuell in einer Position, die der von Baldur’s Gate 3 nicht unähnlich ist, das ebenfalls mit einer Player-First-Mentalität überzeugen konnte.

Ich bin gespannt, wie sich Crimson Desert in den nächsten Monaten noch entwickelt. Und welche Lehren die Industrie daraus zieht – oder eben nicht.


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