Sony setzt jetzt auf PS Plus-Releases und lernt damit von Microsoft

Der PS Plus-Release von Destruction AllStars zeigt den Sinneswandel von Sony auf und könnte ein kleiner Schritt in die Richtung sein, die Microsoft schon seit Jahren vorgibt.

von Hannes Rossow,
04.02.2021 18:30 Uhr

PlayStation und Xbox verfolgen unterschiedliche Geschäftsstrategien - aber das heißt ja nicht, das man nicht voneinander lernen kann. PlayStation und Xbox verfolgen unterschiedliche Geschäftsstrategien - aber das heißt ja nicht, das man nicht voneinander lernen kann.

Destruction AllStars, die neue Autoschlacht-Simulation von Sony, ist vor ein paar Tagen als PS Plus-Exclusive erschienen. Das bedeutet, dass das PS5-Spiel aktuell nur mit einem bestehenden PS Plus-Abonnement zu haben ist, dafür dann aber gratis heruntergeladen werden darf. Damit treten die Entwickler*innen von Lucid Games in die Fußstapfen von Multiplayer-Hits wie Fall Guys und Rocket League - aber der PS Plus-Launch sagt auch etwas über Sony aus.

Abonnements sind genauso wichtig wie Spieleverkäufe

Anders als die Third Party-Releases von Mediatonic und Psyonix ist Destruction AllStars nämlich ein First Party-Produkt, also ein Spiel, das innerhalb der hauseigenen PlayStation Studios entstanden ist. Für Sony ist das ein neuer Schritt, wurden First Party-Titel doch bislang eher als Prestige-Ware angesehen, die zum Vollpreis angeboten wird.

Destruction AllStars ist das, was es bei Sony eigentlich nie geben sollte: Ein "kostenloser" Release großer First Party-Titel. Destruction AllStars ist das, was es bei Sony eigentlich nie geben sollte: Ein "kostenloser" Release großer First Party-Titel.

Das Exklusiv-Lineup gilt seit Jahren als das wichtigste Aushängeschild der PlayStation-Marke und bis vor kurzem wäre ein PS Plus-exklusiver Release nur schwer vorstellbar gewesen.

Der Markt hat sich jedoch geändert und die Schuld daran trägt nicht zuletzt auch Microsoft, die mit ihrem Game Pass-Modell die Art und Weise geändert haben, wie Spiele vertrieben und veröffentlicht werden. In Sachen Xbox gibt es schon seit längerem den klaren Standpunkt, dass der Game Pass im Fokus steht und selbst Blockbuster-Releases wie Halo Infinite dem Dienst untergeordnet sind. Das nächste Master Chief-Abenteuer wird - wie alle Eigenproduktionen - direkt zum Launch kostenlos über den Game Pass zu haben sein.

Trotz der Verschiebung von Halo Infinite konnte der Game Pass seine Abozahlen in die Höhe treiben. Trotz der Verschiebung von Halo Infinite konnte der Game Pass seine Abozahlen in die Höhe treiben.

Aus der Sicht von Microsoft ist das aber kein Wertverlust, Halo Infinite wird kein "kleineres" Spiel, nur weil da nicht automatisch ein dickes Preisschild dran hängt. Stattdessen wird hier das so oft beschworene Xbox-Ökosystem beworben, ein Netz an Services und Diensten, die Spieler*innen langfristig an die Marke binden sollen - sogar auf Plattformen, auf der nicht das Xbox-Logo zu finden ist. Egal ob mobile Endgeräte, Cloudgaming oder, wenn es nach Phil Spencer geht, gern auch PS5 und Switch: Hauptsache Xbox Game Pass.

Game Pass? Nein danke, sagt Sony. Noch.

Sony sperrt sich derzeit noch dagegen, hier auf direkten Konfrontationskurs mit Microsoft zu gehen. Klar, die PS Plus-Abonnenten sind eine extrem wichtige Einnahmequelle und PS Now bedient zumindest im Ansatz ähnliche Bedürfnisse wie der Game Pass. Doch das Commitment fehlt. Titel wie Horizon Forbidden West oder God of War: Ragnarök bleiben singuläre Release-Events, die in erster Linie zu Soft- und Hardware-Verkäufen anregen sollen.

Ein Game Pass-Modell ist laut SIE-Chef Jim Ryan nicht interessant für Sony:

"Wir werden keine Neuerscheinungen in ein Abonnementmodell aufnehmen. Die Entwicklung dieser Spiele kostet weit über 100 Millionen US-Dollar. Wir sehen einfach nicht, dass dies nachhaltig ist."

Dieses Zitat stammt aus dem September 2020, also noch vor der Entscheidung den geplanten Vollpreis-Release von Destruction AllStars in einen PS Plus-Launch umzuwandeln. Woher der Sinneswandel kam, wissen wir nicht und es kann und wird wahrscheinlich mehrere Gründe geben, wieso nun das erste PlayStation-Exclusive direkt in einem Abo-Modell launcht. So oder so: Der Präzedenzfall ist jetzt da und künftig könnten solche Entscheidungen schneller getroffen werden.

PS Plus muss sich mehr lohnen

Aus der Sicht der Entwickler*innen von Destruction AllStars ist der PS Plus-Release eine "große Chance". Wie lässt sich auch sonst besser eine Online-Community aufbauen, als das eigene Projekt erst einmal "kostenlos" zur Verfügung zu stellen. Mit einem Preis von 70 oder sogar 80 Euro hätte Destruction AllStars wohl eine Bruchlandung hingelegt - jetzt fällt es aber leicht, dem etwas anderen Spielkonzept eine Chance zu geben. Exakt so, wie es eben schon bei Fall Guys der Fall war.

Der Xbox Game Pass brilliert vor allem mit Überzeugungkraft: Er lohnt sich einfach. Der Xbox Game Pass brilliert vor allem mit Überzeugungkraft: Er lohnt sich einfach.

Abseits der vielleicht nicht ganz so einfachen Vermarktung von Destruction AllStars dient der PS Plus-Launch aber auch dazu, den gefühlten Gegenwert für das monatliche Abo zu steigern. Es scheint zur Regel zu werden, dass Sony nun neben den beiden PS4-Spielen auch regelmäßig PS5-Titel zum PS Plus-Lineup hinzuzufügen möchte. In Kombination mit der umfangreichen PS Plus Collection investiert Sony nun deutlich mehr, um dem gefeierten Xbox Game Pass zumindest in Sachen "guter Deal" etwas entgegensetzen zu können.

Reichen tut das aber noch lange nicht, dafür ist das Xbox-Angebot schlicht zu überwältigend und mit Akquisitionen wie Bethesda Softworks, wird die Rate an AAA-Releases im Game Pass nur noch steigen. Dass nun aber doch Sonys First Party-Titel als Werbung für das eigene Ökosystem dienen dürfen, könnte ein Zeichen dafür sein, dass Sony bereit ist, von Microsoft zu lernen - auch wenn man die Konkurrenz nicht kopieren möchte.

Die Zukunft wird aus Abos bestehen

Sonys größtes Problem in Sachen Abo-Diensten scheint aber weiterhin die allgemeine Skepsis hinsichtlich PlayStation Now zu sein. Ursprünglich als reiner Streaming-Dienst beworben, der für Online-scheue Spieler*innen gar nicht erst in Frage kam, können nun sehr viele Spiele auch offline gespielt werden. Ein Rebranding als Flatrate-Modell für Third Party- und ausgewählte First Party-Titel könnte helfen. Im Idealfall mit einem neuen Namen.

PlayStation Now hat bereits einen kleinen Wandel hinter sich, aber da geht noch mehr. PlayStation Now hat bereits einen kleinen Wandel hinter sich, aber da geht noch mehr.

Eine größere Änderung in Sachen Abo-Modelle scheint aber sowohl bei Sony als auch Microsoft ohnehin immer näher zu rücken. Die Verwirrung um die Dopplung der Dienste wie PS Plus, PS Now, Xbox Live Gold und Xbox Game Pass könnte Unentschlossene abschrecken. Vor allem dann, wenn sie mit dem Launch der Next-Gen-Konsolen zum ersten Mal PlayStation- oder Xbox-Gebiet betreten. Eine Zusammenlegung der Dienste, vielleicht mit einer kleinen Preiserhöhung, dafür dann aber mit noch besserem Angebot, könnte die Zukunft der beiden Publisher sein.

Bis dahin wird der Game Pass aber seinen Siegeszug fortsetzen und auch wenn sich das Modell nicht sofort rentiert, wie Microsoft auch offen zugibt. Die mittelfristige Möglichkeit zahlende Kunden dauerhaft an sich zu binden, wird stetig Druck auf Sony ausüben. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann ja doch irgendwann einmal den Sony Game Pass, mit dem wir direkt zum Release Zugriff auf Ghost of Tsushima 2 erhalten.

Seid ihr überzeugt von Abo-Modellen wie dem Game Pass? Oder würdet ihr euch wünschen, es bliebe bei den klassischen Releases?

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