Ein Jahr PS5: Schön war es allemal, aber auch außergewöhnlich turbulent

Geringe Verfügbarkeit, Spiele-Kracher und technische Problemchen. Die PlayStation 5 durchlebte in ihrem ersten Jahr nach Erscheinen Höhen und Tiefen.

von Chris Werian,
02.11.2021 10:30 Uhr

Die PS5 bekam herausragende Spiele spendiert, reibungslos verlief das erste Jahr aber nicht. Die PS5 bekam herausragende Spiele spendiert, reibungslos verlief das erste Jahr aber nicht.

Seit dem Launch der PlayStation 5 ist die Auseinandersetzung mit der Konsole ein echtes Abenteuer. Exklusiv-Veröffentlichungen wie Spider-Man: Miles Morales und Ratchet & Clank: Rift Apart begeistern grafisch wie auch spielerisch, gleichzeitig kochen aber auch technische Feinheiten zu aufgeregt debattierten Streitpunkten hoch. Sei es das anfängliche Spulenfiepen, die vermeintlich geringere Kühlleistung der aktuellen Hardware-Revision oder Sonys Konzept zur Erweiterung des Speichers. Für mich als Konsolen-Fan aber auch als Autor mit Hardware-Fokus ist daher klar – Langeweile wird es mit der PS5 so schnell nicht geben!

Dieser Artikel ist Teil unserer Find Your Next Game: Hardware-Edition Woche, in der sich auf GamePro.de, GameStar.de und Mein-MMO.de alles um das Thema Hardware dreht. Noch mehr Artikel findet ihr auf unserer Übersichtsseite.

Problemfelder konnten ausgemerzt werden

Veröffentlichungen von Konsolen werden heiß diskutiert, in den beiden Corona-Jahren vor allem in den sozialen Netzwerken. Dort sammelten sich schon kurz nach dem Release der PS5 erste Berichte von ratternden Lüftern und fiependen Netzteilen. Eigentlich recht gewöhnliche Probleme früher Produktionsreihen gerieten dauerhaft in den Fokus.

Die Häufigkeit solcher Meldungen klang mit der Zeit jedoch ab, nur noch wenige Nutzer berichten aktuell über vergleichbare Mängel im PlayStation-Subreddit oder unseren Kommentaren. Die Vermutung liegt also nahe, dass in den Fabriken bereits Anpassungen vorgenommen wurden – ein üblicher Prozess in der Massenfertigung von Elektronik, schließlich kostet jeder Kunde, der beim Support landet, den Hersteller bares Geld.

Neue Hardware-Revision setzt an den richtigen Punkten an: Die Mitte August in Umlauf gebrachte Modellreihe mit der Bezeichnung CF-11XX verhindert die angesprochenen Fehlerquellen und nimmt gleichzeitig Änderungen am Kühlkonzept vor. Der Kühlkörper wurde deutlich verkleinert, der Kontakt zu Wärme induzierenden Komponenten im Gegenzug aber merklich verbessert. Die Technikexperten von Gamers Nexus bescheinigten dem überarbeiteten Gerät darüber hinaus bessere Voraussetzungen für einen effizienten Luftstrom.

Hier könnt ihr euch das komplette Video von GamersNexus anschauen:

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Versprechen wurden eingehalten

Schon bei der Ankündigung der PS5 wurde deutlich, dass nicht alle Features zur Veröffentlichung bereitstehen. Im Falle der Speichererweiterung war die geringe Verfügbarkeit kompatibler NVMe-SSDs maßgeblich entscheidend. Nur wenige Produkte unterstützten PCI Express der vierten Generation, die wenigsten waren bezahlbar.

Daran hat sich innerhalb des ersten Jahres viel geändert. Viele SSDs überschreiten mittlerweile Sonys Mindestanforderungen, uns Spieler*innen bietet sich eine breite Produktpalette, weshalb auch die Preiskurve stetig nach unten zeigt. Das Timing für das dazugehörige Firmware-Update hätte Sony kaum besser wählen können.

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3D-Audio entwickelt sich ebenfalls weiter: Sonys eigenes Raumklang-Format stand bisher nur für Kopfhörer bereit, da sich die Forschung in den letzten Jahren genau darauf konzentrierte. Mittlerweile können wir 3D-Audio auch mit TV-Lautsprechern in leicht abgeänderter Form verwenden.

Da sich mit einem TV kein stereoskopischer Effekt erzielen lässt, die Lautsprecher befinden sich immerhin stets vor euch, wird vorrangig der Raum nahe dem Fernseher besser gefüllt. Die wiedergegebenen Klangquellen entsprechen dadurch exakt ihrer Position auf dem Bildschirm, es entsteht ein immersiverer Eindruck.

3D-Audio Setup Bevor wir 3D-Audio mit dem Fernseher nutzen, empfiehlt es sich die Raumakustik von der PS5 vermessen zu lassen.

Klang Täuschend echter Raumklang wird damit aber nicht erzeugt, stattdessen wird die Positionierung der Tonquellen authentischer ausgegeben. Das Feuer befindet sich direkt rechts unten vor uns, die Krähen weiter oben links mit gedämpfter Lautstärke.

Und sonst so?

Sony feilte an der Benutzeroberfläche, die nun beispielsweise auf PS4- und PS5-Versionen hinweist, sowie am Boost-Verhalten der APU. Die Taktraten des Hauptprozessors und der Grafikeinheit werden innerhalb eines festen Energiebudgets ausbalanciert, in welchem Verhältnis wird von einem standardisierten Schema vorgegeben. Dank kleiner Optimierungen sind nun je nach Szene und Spiel ein oder zwei Bilder pro Sekunde mehr bei der Framerate drin.

Spiele mit freigeschalteten Framerates performen mit der neuen Firmware ca. ein bis drei Prozent besser. Ray-Tracing scheint dabei ein großer Einflussfaktor zu sein. (Bildquelle: Digital Foundry) Spiele mit freigeschalteten Framerates performen mit der neuen Firmware ca. ein bis drei Prozent besser. Ray-Tracing scheint dabei ein großer Einflussfaktor zu sein. (Bildquelle: Digital Foundry)

Natives 4K bleibt Wunschdenken

Keine Frage, Sonys Exklusiv-Titel bestechen mit fantastischer Grafik. Bluepoints Remake von Demon’s Souls etwa ist unglaublich detailverliebt, Returnal verwendet exzessiv Partikeleffekte und in Ratchet & Clank: Rift Apart bestaunen wir schicke Ray-Tracing-Spiegelungen.

Egal ob mit oder ohne Ray-Tracing wird aber deutlich, dass auch mit dieser Generation native 4K-Auflösung noch lange nicht der Standard ist. Zumindest wenn wir als Mindestvoraussetzung 60 fps anlegen. Dann fallen die meisten aufwendigen Titel auf eine Basisauflösung von 1440p zurück, einige Spiele wie Returnal oder Metro: Exodus rutschen sogar ein ganzes Stückchen darunter.

Beispiele - Ratchet & Clank: Rift Apart Insomniacs Third-Person-Shooter fährt mit realistischen Ray-Tracing-Spiegelungen auf, um auf 60 fps zu kommen, bewegt sich das Spiel jedoch nah an 1440p.

Returnal Returnal ist bislang das Exklusiv-Spiel mit der niedrigsten nativen Auflösung. Das Bild wird von 1080p mittels mehrerer Verfahren auf 4K skaliert. Ruckler sind im normalen Spieldurchgang selten, treten aber dennoch auf.

Demon's Souls Das Remake des Action-RPG-Klassikers reduziert die native Auflösung im Performance-Modus auf 1440p.

30 fps passt nicht mehr zu dieser Generation: Die PS5 steht in meinen Augen für einen deutlichen Tempozuwachs, dank der NVMe-SSDs werden wir kaum noch beim Spielen unterbrochen. Dieses flüssige Gefühl wünsche ich mir auch bei der Bildwiederholrate. Das Plus an Spielbarkeit durch 60 oder gar 120 fps ist nicht von der Hand zu weisen, bislang aber stets mit Kompromissen bei der Bildschärfe verbunden.

Es muss jedoch nicht zwangsläufig 4K sein: Den Entwicklungsstudios stehen mittlerweile viele Werkzeuge zur Verfügung, um einen Frame mit niedriger Auflösung auf 4K zu skalieren. So kommen etwa in Spielen auf Basis der Unreal Engine 4 wie Returnal temporale Verfahren zum Einsatz, es werden also Informationen aus vorherigen Frames verwendet, um ein hochauflösendes Bild zu rekonstruieren. Besonders in niedrigen Auflösungen entstehen während des Vorgangs aber störende Artefakte. Sonys Checkerboard Rendering sorgt ebenfalls für gute, wenn auch leicht unscharfe Ergebnisse.

Temporale Skalierungsverfahren sparen ordentlich Rechenleistung, an Kanten entstehen aber auch störende Bildartefakte. Temporale Skalierungsverfahren sparen ordentlich Rechenleistung, an Kanten entstehen aber auch störende Bildartefakte.

An echtes 4K reichen die verwendeten Verfahren noch nicht heran, notwendig sind sie dennoch, da anspruchsvolle Techniken wie Ray-Tracing die Hardware der PS5 überfordern würden. Skalierungsverfahren werden die Zukunft zwangsläufig bestimmen, dementsprechend groß ist aber auch der Aufwand, der von den großen Herstellern betrieben wird.

AMD steht beispielsweise mit Fidelity FX Super Resolution (FSR) in den Startlöchern, da das Unternehmen den Quellcode für alle fachkundigen Entwickler*innen öffnet, könnte sich schon nach kurzer Zeit eine massive Qualitätssteigerung einstellen.

Unsere Kollegen von der GameStar haben sich die ersten Spiele mit FSR genauer angeschaut, darunter Anno 1800. Der Performance-Gewinn war messbar, die Bildqualität ist jedoch noch nicht auf dem Niveau eines nativen Renders:

FSR (Qualität) FSR (Qualität)
Nativ Nativ

Noch reichlich Nachholbedarf

Sony bietet im Vergleich zur Konkurrenz die geringste Unterstützung für technische Standards. Wir können mit einem modernen Fernseher bzw. Monitor zum Beispiel keine variablen Bildfrequenzen (VRR) nutzen. Auf der Xbox Series X sorgt VRR unter anderem dafür, dass kleinere Framedrops nicht so sehr auffallen, was besonders bei 120-Hz-Modi mit freigeschalteten Bildwiederholraten für ein deutlich flüssigeres Spielerlebnis sorgt.

Kleinere Ruckler fallen auf der PS5 deutlicher auf, da für Sekundenbruchteile duplizierte Frames zwischengeschaltet werden. VRR wirkt hingegen stets flüssig. Kleinere Ruckler fallen auf der PS5 deutlicher auf, da für Sekundenbruchteile duplizierte Frames zwischengeschaltet werden. VRR wirkt hingegen stets flüssig.

1440p-Monitore noch immer vernachlässigt: Ist die PS5 an einem WQHD-Bildschirm angeschlossen, müssen wir zumeist den Umweg über 1080p gehen, was aufgrund der ungeraden Skalierung zu einem massiven Verlust der Bildschärfe führt.

Mit ein wenig Glück unterstützt das Bildschirmmodell eurer Wahl 4K-Downscaling, das eurer PS5 eine 4K-Unterstützung vorgaukelt, das eintreffende Bild aber passend auf 1440p herunterskaliert. Angaben dazu finden sich aber selten in den Datenblättern der Hersteller, meist wird die Funktion hinter kryptischen Namen versteckt. Eine native Ausgabe von 1440p würde so ein Rätselraten im Keim ersticken.

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3D-Audio für weitere Setups: Bisher deckt Sony die am weitesten verbreiteten Varianten für die Tonausgabe ab. In den Wohnzimmern vieler Nutzer stehen aber auch Soundbars oder eine Heimkinosysteme. Welchen Ansatz Sony genau verfolgt, ist bisher unbekannt. Vor allem im Heimkinosegment ist die Konkurrenz seitens Dolby Atmos und DTS:X immens, folglich bin ich wahnsinnig gespannt, ob Sonys eigenes Format dagegen ankommen kann.

Und wo bekomme ich nun meine PS5?

Die geringe Verfügbarkeit der PS5 war schon vor der Veröffentlichung der Konsole ein zentrales Thema und begleitete uns das gesamte Jahr über. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern, selbst Sony rechnet mit einer knappen Verfügbarkeit bis ins Jahr 2022, eventuell darüber hinaus.

Auch künftig ist die Lage in der Halbleiterindustrie angespannt, da die Nachfrage nach Elektronik exponentiell gestiegen ist und die Corona-Pandemie für Produktionstopps sorgte. Zusätzliche Kapazitäten sind zudem nicht einfach mal so erschlossen, die Entstehung neuer Fabriken nimmt in der Regel viele Jahre in Anspruch.

In unserem Ticker halten wir euch stets auf dem Laufenden, wo ihr eine PS5 ergattern könnt:

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Nur leichte Entspannung bei Resellern: Schauen wir uns die Preise verkaufter Konsolen auf ebay an, fällt sofort auf, dass sie sich zwar stabilisiert haben, allerdings bei einem Aufpreis von 50% im Vergleich zum ursprünglichen Verkaufswert – und das seit nunmehr einigen Monaten.

Für Scalper lohnt sich der Weiterverkauf also weiterhin, abzüglich der Verkaufsprovision sprechen wir von einem Profit von knapp ca. 150€ je verkaufter Konsole. Verkaufswellen durch den Versandhandel sind ebenfalls innerhalb weniger Minuten vergriffen, ihr müsst sehr schnell sein, wenn ihr ein Gerät zum Normalpreis ergattern wollt.

Wie habt ihr das erste Jahr der PlayStation 5 wahrgenommen?

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