Eure Mutter hat recht: Wenn ihr bei Gewitter den Stecker zieht, könnt ihr eure PS5 retten

Moderner Mythos oder immer noch wahr? Deshalb solltet ihr bei Gewittern ALLE Stecker ziehen.

Wenn es draußen so richtig scheppert, sollte die PS5 lieber vom Netz genommen werden. Wenn es draußen so richtig scheppert, sollte die PS5 lieber vom Netz genommen werden.

Ihr kennt es sicherlich von euren Eltern oder Großeltern: Sobald es draußen blitzt und donnert, wird bei sämtlichen Technikgeräten der Stromstecker gezogen. Aber ist das heutzutage überhaupt noch notwendig oder sind PlayStation und Co. ausreichend vor Stromspitzen geschützt? Das hängt von vielen Faktoren ab, in der Regel gibt es aber eine klare Empfehlung – raus mit den Steckern!

So gefährlich sind Blitze für eure technischen Geräte

Bei der Frage, wie gut ihr gegen hohe Stromspitzen im Stromnetz abgesichert seid, lohnt es sich alle Stationen, die ein Blitzeinschlag nehmen kann, durchzugehen.

Fangen wir bei den Geräten selbst an: Spielekonsolen, Handys und PCs haben grundsätzlich keinen Schutz vor Überspannungen. Wird der Starkstrom durch eure Leitungen befördert, landet er letztendlich beispielsweise bei eurer PS5 und kann dort elektrische Komponenten grillen.

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Und wenn sie an einer Mehrfachsteckdose mit Schalter angestöpselt ist? Sie auszuschalten hilft zwar, aber nicht so gut wie das vollständige Ziehen des Steckers. Denn ein starker Blitz kann selbst bei einer ausgeschalteten Steckerleiste die nur ein paar Millimeter voneinander getrennten Kontakte in einem sogenannten Lichtbogen überspringen und Schäden anrichten.

Auch Steckerleisten mit Überspannungsschutz schützen nicht einhundertprozentig bei richtigen Blitzeinschlägen, da sie als Feinschutz ausschließlich für niedrige bis mittlere Lasten geeignet sind. Die entstehen zum Beispiel bei einem Einschlag in einen nahe gelegenen Baum oder bei Spannungsspitzen vor einem Stromausfall.

Ihr solltet sie daher als letzte Verteidigungslinie für euren teuren TV, eure Konsole oder euren PC betrachten, aber nicht als komplette Absicherung. Auch solltet ihr nicht beim Überspannungsschutz sparen, da billige Leisten zu spät schalten könnten oder bei zu hohen Lasten abrauchen – wortwörtlich.

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Deutlich effektiver im Vergleich zum Feinschutz sind auch der Grob- und der Mittelschutz: Einen Grobschutz liefern Blitzableiter, die Blitze Richtung Erde befördern und damit unschädlich machen. Schäden durch einen direkten Blitzeinschlag werden damit vermieden, allerdings kann der Starkstrom immer noch über das Stromnetz oder einen nahen Einschlag eingespeist werden.

Regnet es stark, leitet der nasse Boden beispielsweise den Strom oder er wirkt induktiv auf nahe Leitungen.

Ein solcher Typ 2-Überspannungsableiter bewältigt fast 100.000 Ampere bei knapp 5.000 Volt, bevor sie überhaupt die Leitungen eure Räumlickeiten erreichen. (Bildquelle: Hager) Ein solcher Typ 2-Überspannungsableiter bewältigt fast 100.000 Ampere bei knapp 5.000 Volt, bevor sie überhaupt die Leitungen eure Räumlickeiten erreichen. (Bildquelle: Hager)

Gegen solche induktiven Ladungen und generell sehr hohe Stromspitzen hilft dann ein Überspannungsableiter als Mittelschutz. Diese Schaltungen leiten bei Spannungsspitzen im Stromnetz den Strom in die Erde ab, es droht also auch dann keine Gefahr mehr.

In Neubauten seid ihr gut abgesichert: 2016 wurde die DIN-Verordnung für den verpflichtenden Einbau von Überspannungsableitern in Büro- und Wohngebäuden verabschiedet, mit einer Übergangsphase bis 14. Dezember 2018. Jedes danach errichtete Gebäude hat per Gesetz einen Mittelschutz verbaut, in einigen Fällen sogar einen Grobschutz.

In Altbauten solltet ihr aber weiterhin auf jeden Fall die Stromstecker ziehen, sofern ihr oder eure Vermietung nicht entsprechend nachgerüstet habt. Vor allem, wenn in der Nähe viele Bäume oder änliches stehen. Dass Blitze immer an den höchsten Punkten in der Umgebungen einschlagen, ist zwar ein Mythos, da sie grundsätzlich den Weg des geringsten elektrischen Widerstands nehmen, häufig bieten den aber weit oben angebrachte Antennen oder Bäume.

Vergesst nicht, ALLE anderen Kabel auch noch zu ziehen!

Alle elektrischen Leitungen können den Starkstrom übertragen und dazu gehören auch TV- und DSL-Leitungen. Sie sind nicht vor Überspannungen geschützt, auch nicht, wenn euer Haus einen entsprechenden Schutz bei der Stromversorgung bietet. Habt ihr also ein LAN-Kabel an eurer PS5 angeschlossen und der Blitz schlägt in einen nahen Verteilerkasten ein, dann kann es ebenfalls eure elektrischen Geräte erwischen.

Die einzige Ausnahme: Glasfaserkabel. Sie übertragen Daten über Lichtimpulse und nicht Elektrizität. Dass sie euren Router oder euer ONT-Modem bei einem Blitzeinschlag beschädigen, ist also so gut wie ausgeschlossen.

Nach Angaben von Energieversorgern wie RWE, EnBW und RheinEnergie entstehen jährlich Millionenschäden durch Blitzeinschläge an Elektronik und jetzt wisst ihr auch, warum. Und deshalb solltet ihr lieber auf eure Eltern oder Großeltern hören...


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