Beim Wort "Videospiel- oder Anime-Verfilmung" sträuben sich bei mir normalerweise die Haare, da ich bislang keine allzu guten Erfahrungen gemacht habe – unter anderem mit Dragon Ball Evolution, dem Kinofilm zu Die Legende von Aang oder Borderlands.
Mir ist bewusst, dass wir die letzten sieben Jahre auch einige sehr gute Adaptionen bekommen haben, etwa Fallout, The Last of Us, One Piece oder Detektiv Pikachu – aber ich bin und bleibe skeptisch bei solchen Adaptionen.
Während meines Urlaubs in Holland erspähte ich nach dem Besuch des Super Mario Galaxy-Films auch zufällig den Release des Exit 8-Films, eine Live-Action-Verfilmung des gleichnamigen Horror-Spiels. Trotz meiner grundsätzlichen Skepsis schaute ich mir den Film an und erlebte eine der größten Überraschungen überhaupt.
Hier könnt ihr selbst einen Blick auf den Kinofilm-Trailer werfen:
2:00
Der Kinofilm zum Indie-Horrorspiel Exit 8 erscheint im April im Kino
Worum geht es in Exit 8 überhaupt?
Bevor ich euch erzähle, weshalb mich der Film so positiv überrascht hat und wie er sich vom Spiel unterscheidet, fasse ich kurz zusammen, worum es im Spiel Exit 8 geht.
In Exit 8 spielt ihr in der Ego-Perspektive eine namenlose Hauptfigur, die aus unerklärlichen Gründen in einer Untergrundpassage in Japan festsitzt, die sich immer wieder wiederholt.
Um aus diesem Teufelskreis zu entkommen und es zum Ausgang 8 zu schaffen, müssen wir jedes Mal, wenn sich die Ereignisse in der Untergrundpassage wiederholen, Ausschau nach Anomalien halten.
Lassen sich Anomalien erkennen, müssen wir kehrt machen und den Weg zurücklaufen. So schalten wir das nächste "Level" frei – bis Level 8 und somit der Ausgang erreicht ist. Gibt es keine Anomalie, gehen wir einfach weiter und kommen auf dem Weg hoffentlich beim Ausgang an. Welche Anomalien auftreten – und wann – ist dabei komplett zufällig.
Bei den Anomalien handelt es sich um kleinere Horror-Elemente wie Blut, das an den Wänden herunterläuft, Plakate, die etwas größer sind als sonst oder einen mysteriösen Mann, der plötzlich hinter uns stehen bleibt und uns sehr gruselig anlächelt.
Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass meine Erwartungen an eine Verfilmung dieser Thematik nicht besonders hoch waren und ich eher mit einem Fan-Service-Film gerechnet habe, der nur die Horror-Elemente des Spiels abdeckt.
Spoilerwarnung! In den folgenden Abschnitten befinden sich Spoiler zur Geschichte des Exit 8-Films.
Nicht nur ein Horrorfilm mit Fan-Service
Was ich aber stattdessen bekommen habe, war ein emotionaler Thriller mit einer sehr starken Message über die Bedeutung von Familie und Verantwortung, die mich tief berührt hat.
Innerhalb der ersten Minuten macht der Film direkt klar, dass es hier einen roten Faden in der Geschichte geben wird.
Wir sehen die Welt aus der Sicht eines namenlosen Mannes, der auf dem Weg zur Arbeit in eine Bahn steigt und dabei Zeuge eines Konfliktes zwischen zwei Personen wird: einer Frau mit ihrem Kind und einem Büroangestellten, der sie aufgrund des lauten Weinens des Kindes anschreit und beschimpft.
Der namenlose Protagonist des Films entscheidet sich jedoch, der Frau nicht zu helfen und so zu tun, als hätte er von dem Konflikt nichts mitbekommen – etwas, das starke Folgen auf seine mentale Gesundheit haben wird. Während er seinen Weg zur Arbeit weiterführt, wird er von seiner Ex-Freundin angerufen, die ihm verkündet, dass sie schwanger sei – und genau da setzt nun Exit 8s Prämisse mit der Untergrundpassage an.
Kurz danach verliert unser Protagonist nämlich die Verbindung zu ihr und findet sich plötzlich in einer stillen und leeren Untergrundpassage wieder.
Außer ihm gibt es nur einen einzigen anderen Mann, der ihm immer wieder in genau der Passage entgegenkommt – und vielen Fans sollte dieser Mann aus dem Spiel sehr vertraut sein.
Die Kulisse des Spiels wurde meiner Meinung nach perfekt umgesetzt und adaptiert. Auch der Schauspieler des mysteriösen Mannes, der uns immer wieder begegnet, ist ziemlich ideal gecastet worden.
Abseits davon glänzt der Film in meinen Augen mit der Story: Wir erfahren im Laufe des Films mehr über den emotionalen inneren Konflikt unseres Hauptcharakters in Bezug auf seine schwangere Ex-Freundin und seine Zweifel, ein guter Vater sein zu können – aber auch mehr zu anderen Figuren, die es so im Spiel nicht gegeben hat.
An diesem Punkt möchte ich anmerken, dass der Film in drei Abschnitte gegliedert ist: The Lost Man, Hell und The Boy.
Während ich euch die Enthüllung aus dem Abschnitt "Hell" nicht vorwegnehmen möchte, gebe ich euch ein Szenen-Beispiel mit dem kleinen Jungen im Abschnitt von "The Boy", das mich zutiefst gerührt hat. Er trifft nach den Ereignissen aus dem Abschnitt "Hell" auf den Hauptcharakter, der ihn zuerst für eine Anomalie hält, bevor sie sich letzten Endes zusammentun und gemeinsam den Gang nach Anomalien absuchen.
Der kleine verlorene Junge wächst dem Protagonisten schnell ans Herz – auch weil beide eine traurige Geschichte verbindet: Beide haben nämlich ihre Väter nie kennengelernt, sie waren daher nie Teil ihres Lebens.
Das regt unseren Protagonisten natürlich zum Nachdenken an und er stellt sich vor, wie es seinem Kind ergehen würde, wenn er sich vor seiner Vaterrolle drückt. Er möchte ungern, dass sein Kind ein Leben ohne Vater führt, wie er oder das Kind an seiner Seite.
Zu sehen, wie der mit seinem inneren Konflikt als womöglich zukünftiger Vater und sich mit seinen Schuldgefühlen gegenüber sowohl seiner Ex-Freundin als auch der Frau im Zug zu Beginn des Films ringt, hat mich positiv überrascht.
Ich hätte so etwas in einem solchen Film schlicht nicht erwartet und auch wie sich die komplette Geschichte entfaltet, hat mir am Ende einen ziemlich emotionalen Schlag in die Magengrube verpasst.
Für mich hat sich der Kinofilm zu Exit 8 deshalb völlig überraschend als eine der besten Videospiel-Verfilmungen herausgestellt, die ich bisher gesehen habe, und kann den Film deshalb jedem Fan, aber auch Personen, die das Spiel nicht kennen, ans Herz legen.
Welche Live-Action-Adaption einer bekannten Serie, Spiels oder generell einer Marke gehört zu euren absoluten Favoriten?
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