FIFA 23 bietet mehr Frauenfußball, geht mir damit aber nicht weit genug

Frauenfußball ist für Annika eine Herzensangelegenheit. Umso mehr freut sie sich auf FIFA 23, knirscht aber auch gleichzeitig mit den Zähnen, wenn sie sich die Inhalte ansieht.

Annika (mit ihrem grünen viel zu großen Trikot) hätte irgendwann gerne in einem großen Stadio gespielt. Annika (mit ihrem grünen viel zu großen Trikot) hätte irgendwann gerne in einem großen Stadio gespielt.

Die Anerkennung für Frauenfußball ist in den letzten Jahren zum Glück gestiegen, allerdings können wir auch 2022 noch nicht von Gleichberechtigung reden – weder auf dem echten Rasen, noch bei EAs jährlicher Fußball-Simulation. FIFA 23 bietet uns zwar die Frauen-Weltmeisterschaft und sogar zwei Frauen-Ligen, aber das geht zum Beispiel mit weiteren Ligen noch besser. Mein kleines Kicker-Ich würde sich zumindest tierisch über die deutsche Frauen-Bundesliga freuen, was gleichzeitig dem Frauenfußball gesellschaftlich weiterhelfen würde.

Annika Bavendiek
Annika Bavendiek

Annika hat als kleines Mädchen begeistert bei den Minis gekickt und auch in den Jahren darauf als Kapitän den Jungs gezeigt, wie Tore schießen geht. Mit der D-Jugend (U13) war aber Schluss, da es in ihrer Nähe keine Mädchenmannschaft gab. Noch heute trauert sie dem nach, denn eigentlich wäre sie auch sehr gerne Profi geworden. Diesen Traum in FIFA auszuleben, geht aber auch nicht.

Frauenfußball ist so eine Sache, vor allem auf dem Dorf

Meine Begeisterung für den Fußball begann eigentlich zufällig, weil dem Team meines Bruders ein Spieler fehlte und ich einspringen musste. Doch daraus entwickelte sich schnell eine Leidenschaft, die bis heute anhält. Ich spielte daher viele Jahre lang als Stürmerin und setze mich gegen die Jungs durch. Noch heute höre ich die Väter der gegnerischen Spieler verzweifelt über das Feld brüllen: “Ihr müsst das Mädchen decken!” – was nebenbei gesagt doch etwas fragwürdig klingt.

Mit zwölf Jahren aber, als der Wechsel in die D-Jugend anstand, musste ich meine Fußballschuhe leider an den Nagel hängen. Es war das Alter, in dem ich als Mädchen nur noch mit einer Genehmigung gegen Jungs spielen durfte, die ich aus unterschiedlichen Gründen aber nicht bekam. Und da ich mich in der Nähe keiner Mädchenmannschaft anschließen konnte, war er aus: mein Traum, vielleicht sogar mal Geld damit zu verdienen. Denn eigentlich war ich wirklich gut in dem, was ich tat, nur fehlten mir die Möglichkeiten. Möglichkeiten, die mir bis heute nicht mal ein FIFA-Spiel gibt.

Die FIFA-Spiele stehen mit in der Verantwortung

Ganz so schlimm wie damals ist es heute vielleicht nicht mehr, wir haben beim Frauenfußball trotzdem noch einiges aufzuholen. Und damit meine ich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Fußball-Simulationen. Wobei das eine das andere beeinflusst, weshalb FIFA gleichzeitig ein Teil des Problems und der Lösung ist.

Aktuell wird der Frauenfußball zwar durch die Europameisterschaft in England mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, nach dem Turnier schwindet das Interesse der meisten aber wieder. Minimal nachhaltiger entwickelt sich die FIFA-Reihe, nachdem mit FIFA 16 endlich überhaupt zum ersten Mal Frauenfußball eingeführt wurde. Bei FIFA 23 ziert mit der Australierin Sam Kerr nicht nur zum ersten Mal eine Spielerin (neben Kylian Mbappé) weltweit ein Cover der Ultimate Edition, auch auf dem Spielfeld gibt es Veränderungen. In FIFA 23 können wir neben dem Women’s World Cup 2023 sogar zwei nationale Frauen-Ligen spielen: Barclays FA Women’s Super League und Division 1 Arkema, die jeweils höchsten Ligen in England und Frankreich. Das ist ein wichtiger Schritt vorwärts, dem unbedingt weitere folgen müssen, um den Frauenfußball weiter zu stärken.

Im Reveal-Trailer gibt's schon Spielerinnen wie Sam Kerr in Aktion zu sehen:

FIFA 23 Reveal-Trailer zeigt Hypermotion2, Frauen-Vereinsfußball, Crossplay und mehr 2:21 FIFA 23 Reveal-Trailer zeigt Hypermotion2, Frauen-Vereinsfußball, Crossplay und mehr

Mein kindliches Kicker-Ich weint immer noch

Aber auch wenn ich mich darüber freue, mit mehr weiblichen Profis auf dem digitalen Rasen zu spielen, fehlt mir persönlich besonders eins: die Deutsche Frauen-Bundesliga.

Denn wie bereits erwähnt, wollte ich als Mädchen irgendwann als erfolgreiche Vereinsspielerin in großen Stadien spielen. Und damit meine ich keinen kleinen Eintags-Wunsch, sondern ernste Absichten. Noch heute macht es mich traurig, wenn ich an diese verpasste Chance denke, unabhängig davon, wie weit ich es wirklich geschafft hätte.

Umso schöner wäre es für mich, nicht nur digital mit der Nationalmannschaft, sondern auch mit einem deutschen Verein in der Frauen-Bundesliga auf Torjagd zu gehen. Denn wenn nicht im echten Leben, dann doch bitte durch diese digitale Alternative. Natürlich ist das nicht dasselbe, aber es würde mein trauriges Kicker-Ich in seinem viel zu großen Trikot ein wenig trösten, während ich einfach meinem anderen Traumjob nachgehe, in dem ich euch diesen Text schreibe.

Mehr zu FIFA 23:

Für den Frauenfußball allgemein, aber halt eben auch bei FIFA (oder zukünftig EA Sports FC), herrscht noch viel Luft nach oben. Ich hoffe daher inständig, nein, ich verlange es insgeheim, das EA Sports uns in Zukunft noch mehr Frauenfußball liefern wird und damit auch ein Zeichen setzt. Vielleicht wird der Frauenfußball dadurch noch populärer und für mich damit einfacher, eine Hobby-Mannschaft für Frauen zu finden, die selbst in eine Großstadt wie München rar gesät sind.

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