Hat Fallout 76 eine Zukunft? So verhindert Bethesda ein vorzeitiges Ende

Release-Shitstorm, reichlich Bugs und extremer Preisverfall – normalerweise keine gute Mischung für ein Service-Game. Gastautorin Gloria überlegt, ob Fallout 76 trotz schwierigem Start eine Überlebenschance hat.

von Gloria H. Manderfeld,
08.05.2019 18:00 Uhr

Hat Fallout 76 eine Zukunft?Hat Fallout 76 eine Zukunft?

"Spielt das denn noch wer?" - Dieser Kommentar findet sich seit Monaten immer wieder unter vielen Artikeln, die sich mit Fallout 76 beschäftigen. Bereits einen Monat nach dem Release des Online-RPGs sagten viele Spieler das baldige Ende des Spiels voraus. Aber Allen Unkenrufen zum Trotz steht Bethesda noch immer hinter Fallout 76 und arbeitet hart an der Ödlandbaustelle.

Doch kann Fallout 76 noch gerettet werden? Für das Überleben des Spiels sind vor allem vier Faktoren wichtig:

1: Stetige Inhaltsupdates

Das Wild Appalachia-Update brachte seit dem 13. März 2019 in lockerer zwei- bis dreiwöchiger Folge Inhalte wie neue Quests und das zeitlich begrenzte Fastnacht-Event ins Spiel. Der PvP-Modus lässt euch inzwischen mit verändertem Regelwerk auf einem extra Server auf die Jagd nach anderen Spielern gehen.

Drei weitere, teils sehr skurrile Questreihen samt dem neuen Brausystem, einem kleinen Dungeon für Spieler ab Level 50 und ein bockschwerer Bossencounter als serverweites Event zum Abschluss der Questreihe "Der verlogene Lowe" bauten die bereits vorhandenen Möglichkeiten weiter aus.

In allen Bahnhöfen Appalachias startet ihr die drei neuen Questreihen, indem ihr das passende Poster durchlest.In allen Bahnhöfen Appalachias startet ihr die drei neuen Questreihen, indem ihr das passende Poster durchlest.

Am 7. Mai folgte eine neue Questreihe, die sich um die Pfadfinder dreht. Ein Händler, bei dem legendäre Gegenstände wiederverwertet werden können, wird die Wild Appalachia-Roadmap Ende Mai abschließen.

Damit nicht genug: Zwei weitere größere Updates - Nuclear Winter im Sommer und Wastelanders im Herbst - sollen laut Bethesda noch im Lauf des Jahres noch folgen.

An Content mangelt es Fallout 76 also ganz sicher nicht. Da ihr alle Patches kostenlos bekommt, werdet ihr zudem nur ein einziges Mal für das gesamte Spiel zur Kasse gebeten.

2: Kostenloser Fluff und Komfort-Items

Der einzige, zum Spielkauf zusätzliche Geldzufluss für Bethesda liegt in der Spezialwährung "Atome". Diese erwerbt ihr zwar bekanntermaßen vor allem gegen Echtgeld, eifrige Spieler sammeln aber auch locker durch das Absolvieren der wöchentlichen Erfolge eine brauchbare Menge an Atomen für den Kauf begehrter Shop-Deko an.

Da die Gegenstände aus dem Atom-Shop rein kosmetischen Wert haben, könnt ihr auf diese auch einfach verzichten und gebt keinen Cent extra aus - extreme Geldgier kann man damit dem Publisher inzwischen nicht mehr vorwerfen.

Auf der Falltafel des verschwundenen Tier-Ausstopfers Calvin Lowe finden wir reichlich neue Aufgaben.Auf der Falltafel des verschwundenen Tier-Ausstopfers Calvin Lowe finden wir reichlich neue Aufgaben.

Schon während des Fastnacht-Events konntet ihr für den erfolgreichen Abschluss des Events neue Deko-Rezepte abgreifen, die kürzlich erschienenen Questreihen "Der verlogene Lowe" und "Der Orden der Kaulquappe" setzen diesen Trend fort.

Es scheint, als habe Bethesda inzwischen verstanden, dass sich Spieler über frische, kostenlose Dekomöglichkeiten freuen.

Das Brausystem ergänzt die Möglichkeiten, euch für ausgedehnte Trips und Kämpfe zusätzlich zu buffen, auf skurril-praktische Weise (probiert mal einen Schluck Nukashine!).

Die Studentenparty im Verbindungshaus ist dank Nukashine so richtig eskaliert.Die Studentenparty im Verbindungshaus ist dank Nukashine so richtig eskaliert.

Mit dem neuen Händlerterminal verkauft ihr direkt am eigenen C.A.M.P. überzählige Baupläne, Waffen und andere nützliche Items an andere Spieler. Versorgt ihr das Terminal mit Strom, erscheint sogar ein spezieller Marker mit Verkaufs-Vorschaufunktion auf der Map, den andere Spieler per Schnellreise erreichen können - bequemer geht's nicht!

Ein weiterer großer Frustfaktor für reise- und sammelfreudige Spieler wurde dank des neuesten Patches auch beseitigt: Erreicht ihr im Rahmen der Pfadfinder-Questreihe den Opossum-Rang, gelangt ihr an die lang ersehnten Rucksäcke.

Mit denen erweitert ihr eure Inventarplätze nämlich deutlich. Manche bringen sogar eine Kühlfunktion für zubereitete Nahrung mit, die dadurch länger haltbar sein soll - schade nur, dass ihr das praktische Teil automatisch absetzt, wenn ihr in eine Powerrüstung steigt.

3: Spieler-Feedback

Bekamt ihr noch bei Release das Spiel samt seiner Features (und Bugs) kommentarlos vorgesetzt, fragt Bethesda inzwischen immer wieder in den Community-Foren nach, was sich die aktiven Spieler wünschen.

Vor einiger Zeit ging es beispielsweise darum, beliebte Events aufzulisten und Wunschfeatures zu nennen.

Beim Fastnacht-Event musstet ihr verschiedene kleinere Aktivitäten durchführen, um die Bot-Parade zu starten, hier spielen wir gemeinsam mit anderen ein Musikstück.Beim Fastnacht-Event musstet ihr verschiedene kleinere Aktivitäten durchführen, um die Bot-Parade zu starten, hier spielen wir gemeinsam mit anderen ein Musikstück.

Die Spieler des neuen Überlebens- (PvP-) Modus durften sich zudem aussuchen, welche Statistiken sie am interessantesten für die Rangliste finden. Das Resultat führte zu einer Veränderung der künftigen Ranglisten-Ermittlung, in der euer Spielerfolg im neuen Wert "Überlebenspunkte" bemessen wird. Eure durch das Spielen angesammelten Punkte werden bei einem Tod durch die Hand eines anderen Spielers diesem zu 75% zugeschlagen. Die erfolgreichsten Überlebenden werden zudem auf der Karte markiert, sodass für diese der Survival-Schwierigkeitsgrad ordentlich in die Höhe schnellt.

Neben dem Handelsterminal hatten sich viele Spieler Schaukästen für ihre C.A.M.P.s gewünscht, in denen sie besondere Waffen oder andere Items für ihre Besucher ausstellen wollen. Dieses Feature steht zwar noch aus, in der aktuellen "Neues aus dem Vault"-Ausgabe heißt es aber, dass es sich bereits in Entwicklung befinde.

Unser neues Händlerterminal wartet auf Kunden.Unser neues Händlerterminal wartet auf Kunden.

Weitere, durch vielseitiges Spielerfeedback entstandene Änderungen betreffen das Balancing und die Benutzung verschiedener Waffentypen wie beispielsweise der schweren Waffen, die im Vergleich zu anderen viel zu schnell Haltbarkeit verloren oder die zu geringen Schadenswerte der Plasmawaffen.

Aus einem Bug wurde mit dem neuesten Patch sogar ein Feature, da ihr schwebende Fundamente bis dahin nur durch Tricks beim Bauen errichten konntet. Künftig muss jedoch nur ein einziges Fundament im Camp den Boden erreichen, sodass ganz neue Baumöglichkeiten (wie beispielsweise die Errichtung von Pyramiden ganz ohne nerviges Gefrickel entstehen.

Kurzum: Bethesda hört auf das Feedback der Community und ist bemüht, es umzusetzen.

4: Bugfixing

Schon vor Release war Fallout 76 ein interessantes Sammelsurium unschöner Bugs, die absolut zu Recht von vielen Spielern kritisiert wurden. Abstürzende Server, Grafik-Glitches, Dauerfeuer-Sound im Hintergrund, hakelige Bauteilplatzierung im C.A.M.P.-System, nicht abschließbare Quests, verschwundene Quest-Items und vieles mehr versauten einfach den Spielspaß.

Bevor die Content-Updates 2019 losgingen, schickte Bethesda eine Reihe größerer Bugfixes auf die Server, die nach und nach viele der kleineren und größeren Probleme beheben konnten.

Fallout 76 kam als großes Bug-Monster, mittlerweile sind aber viele Fehler besiegt.Fallout 76 kam als großes Bug-Monster, mittlerweile sind aber viele Fehler besiegt.

Inzwischen könnt ihr auch irrtümlich mal einen Schuss auf das C.A.M.P. anderer Spieler abgeben, ohne dass ihr gleich ein nerviges Kopfgeld abbekommt. Hattet ihr noch vor einigen Wochen Mitspielern bei der Verteidigung ihrer Behausung oder einer Werkstatt geholfen, konnte das durch einen Fehlschuss auch mal richtig nach hinten losgehen!

Noch sind längst nicht alle verbliebenen Fehlerchen ausgemerzt. Nach machen größeren Patches kehren sogar altbekannte Bugs für eine Weile zurück.

Generell ist aber spürbar, dass die Entwickler nach wie vor an einer Verbesserung des Spiels arbeiten und gewillt sind, die strittigen Stellen auszubügeln.

Hat Fallout 76 also eine Zukunft?

Geht man rein nach dem Verhalten der Entwickler, auf jeden Fall. Geht man nach der Aktivität verschiedener Fallout 76-Communities im Netz, gibt es im deutschsprachigen Raum nach wie vor viele aktive Spieler, welche die aktuellen Entwicklungen aufmerksam und auch erfreut verfolgen.

Es bleibt zu hoffen, dass Bethesda auch im kommenden Jahr dranbleibt, um ein runderes, vielfältigeres Spiel zu gestalten. Denn bislang sind die Macher auf dem richtigen Weg.

Wie sieht's denn bei euch aus: Spielt ihr noch Fallout 76? Falls ja, wie findet ihr das Spiel mittlerweile?


Kommentare(39)

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